Der deutsche Musiklobbyist Dieter Gorny, seit März Beauftragter des Bundeswirtschaftsministeriums für kreative und digitale Ökonomie, soll große Teile seines Vertrages selbst geschrieben haben. Im Rahmen des Informationsfreiheitsgesetzes hatte der Grünen-Politiker Malte Spitz beim Wirtschaftsministerium Unterlagen diesbezüglich angefordert, unter welchen Bedingungen Dieter Gorny in seine neue Funktion gekommen ist. Spitz erhielt nicht nur den Arbeitsvertrag, sondern auch den E‑Mail-Verkehr zwischen Gorny und dem Bundeswirtschaftsministerium. Diese Informationen ließ der Grünen-Politiker dann dem Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL zukommen. Dort wurde aus den Informationen dann gefolgert, dass das Ministerium zahlreiche Formulierungen Gornys einfach in den Vertrag übernommen habe.
Gorny wurde vom Ministerium wegen seiner vielen Beschäftigungsfelder als außerordentlich gute Besetzung angepriesen. Gorny hat eine Professur der FH Düsseldorf inne, ist Vorsitzender des European Center for creative Economy und war einstmals Chef des Musiksenders Viva. Was jedoch nicht genannt wurde, ist seine Position als Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes der Musikindustrie, dem Lobby-Verein der deutschen Musikbranche. In dieser Funktion nutze Gorny seine Position mehrfach um die Interessen seine Verbandes durchzusetzen, nun droht die Gefahr, dass er eben dies auch als Beauftragter eine Bundesministeriums weiterhin so handhaben wird.
Gorny hatte sich in der Vergangenheit mehrfach dafür eingesetzt, Internetsperren nach französischem Vorbild einzurichten oder Menschen, die Musik aus dem Internet illegal downloaden, mit betrunkenen Autofahrern gleichgesetzt.
Malte Spitz äußerte sich zum Sachverhalt in einer Stellungnahme auf seiner Homepage, darin bezeichnete er Gornys Berufung als „inhaltlich falsch“. Die Berufung sei wohl eher in Seil- und Freundschaften begründet.
