Meme sind nicht nur kulturelle Bewusstseinsinhalte sondern als Internet-Phänomene in popkultureller Größenordnung starke Marketing-Instrumente, die zwischen verschiedenen Netzwerkseiten wandern und darüber zu großen Geschäftsmodellen wachsen. Web-Geburten aus kreativer Langeweile wie Katzeninhalte eignen sich dafür insbesondere. Die übelgelaunte Grumpy Cat ist ein berühmtes Beispiel wie weit dieser Domino-Effekt führt und nach wie vor anhält.
Im September 2012 besuchte Bryan Bundesen, ein Techniker aus Ohio seine Schwester Tabatha in Arizona und machte ein Schnappschuss von ihrer Katze mit dem Namen Tadar Sauce bzw. dem Spitzname Tard. Sobald er das Foto auf Reddit hochlud fingen die User an Memes zu basteln. Ihre ungebrochene Beliebtheit verdankt sie (genauso wie ihren Namen Grumpy Cat – mürrische Katze) ihrer feline-zwergischen Schnute, die ihr stets einen gelangweilt‑, grimmigen Ausdruck verleiht und damit auch möglicherweise den Zustand vieler ihrer Anhänger reflektieren kann. In Anlehnung an ICHC, dem Weblog für Lolcats transportieren sich über diese Katzen, kommuniziert durch kreative Namensgebung, bestimmte Befindlichkeiten. Das Internet sei eine Katze, titelt Peter Glaser in der futurezone – Katzenverehrung geht bereits bis ins alte Ägypten zurück, in dem unterschiedlichsten Katzenwesen göttliche Attribute zugesprochen wurden.
Grumpy Cat kommt dieser Verehrung in viraler Ausbreitung einige weitere Dimensionen zu. Zu den Webby-Awards 2013 wurde sie zum Mem of the year gekührt. Die Facebookseite zählt knapp 1,5 Millionen Likes und auf Youtube hat alleine ein Video 15 Millionen Views, dazu hat sie einen Werbevertrag mit einer Tierfutterfirma. Als Eigenmarke auf der eigenen Website können sich Fans mit T‑Shirts, Tassen und Kühlschrankmagneten oder Instantkaffemischungen versorgen und vergangenes Jahr wurde eine Verfilmung angekündigt in der Grumpy Cat sprechen können soll. Grumpy Cats Bild ziert sogar eine U.S. Bombe was noch mal ganz andere Fragen aufwarf.
In dieser expansiven Nutzung des Mem bedarf es eines verantwortungsbewussten Managements. Ein Artikel im Wall-Street-Journal berichtet etwas genauer über den Beruf des Internet-Agenten. Mr. Lashes, der sich auf Internetkatzen spezialisierte und bereits in Verhandlungen zur Optimierung des Filmverkaufs seiner Star-Klientin eingebunden ist wollte eigentlich Musiker werden. Als er einem Familien-Freund dabei half eine social-media-strategy für eine Keyboard-Katze zu entwickeln begann seine Karriere als gefragter Agent mit Sitz in den West-Hollywood Hills. Wenn es um die neue Katze geht ist er der Mann und sorgt dafür das Tard zum Beispiel im Mashable-Zelt auf dem SXSW-Festival in Austin, Texas einen Auftritt zum Anfassen bekommt, mit wobei Streicheleinheiten extrem limitiert, aber möglich sind.
