Das Ende von MtGox? Das Ende der Bitcoin?

mtgox - where is our money

Ein Mt.Gox-Nutzer am 14. Februar in Tokio (Bildquelle)

Bitcoin, die Piratenpartei unter den Währungen, hat seit einiger Zeit ein etwas ramponiertes Image, vor allem durch technische Probleme und zunehmende Zweifel am Konzept. Dieses Image ist heute nicht unbedingt besser geworden: MtGox, der bekannteste und jahrelang mit Abstand größte Handelsplatz für Bitcoins, ist nicht mehr erreichbar. Bei dem Dienst, der in den vergangenen Wochen immer seltener seine Aufgabe erfüllte und seit 7. Februar keine Auszahlungen mehr zuließ, waren Bitcoins zuletzt nur noch ein Fünftel von dem wert, was man an anderen Tauschplätzen für sie bekam.

Gleichzeitig machte die Meldung die Runde, dass MtGox insolvent ist, nachdem 744.408 Bitcoins (rund 6% aller erschaffenen Bitcoins, je nach Verkausplatz und Zeit-Koordinate können das deutlich über 300 Millionen Dollar sein) über Jahre unbemerkt geklaut wurden.

Belegt wird das mit einem geleakten Dokument, das aussieht als habe es eine Unternehmensberatung verfasst. MtGox könne in dieser Situation jederzeit bankrott gehen, und habe es auch verdient, heisst es dort. Es wird allerdings auch ein 4-stufiger Krisenbewältigungsplan dargelegt, der unter anderem das Abschalten für die Dauer von einem Monat vorsieht. Während dieser Zeit sollte sich MtGox restruktuieren und „rebranden“. Dieser Plan dürfte durch den Leak selbst hinfällig sein, denn die vorgesehene Wiederbelebung des Vertrauens in die Plattform dürfte endgültig ein Ding der Unmöglichkeit sein, selbst wenn die Social-Media-Kommunikationsstrategie wirklich Punkt für Punkt befolgt würde (es sei denn es handelt sich um einen Fake, wobei der dann auch schon genug Schaden angerichtet hätte, nachdem er global rezipiert wurde. Und unabhängig davon bleibt nunmal die kommentarlose Abschaltung).

Wikipedia ist zu entnehmen, dass Mt.Gox ursprünglich ein Sammelkarten-Tauschspot war und der Name von „Magic: The Gathering Online Exchange“ abgeleitet ist. Für jemanden, der bisher mit dem Thema Bitcoin nur am Rande befasst war, ist das nichts was dafür sorgt dass man denkt: Schade dass man nie die Gelegenheit genutzt hat, über diese Plattform größere Vermögen loszuwerden. Vertrauenserweckende Maßnahmen wie das Löschen aller Tweets und das konsequente Verstauben-lassen der Facebook-Seite tun da ihr übriges.

In einem gemeinsamen Statement gehen die MtGox-Konkurrenten Coinbase, Kraken, Bitstamp.net, BTC China, Blockchain.info und Circle hart mit der Firma ins Gericht, deren Probleme sie bestätigen. Die Handlungen könnten aber nur Mt.Gox und nicht Bitcoin und der Digitale-Währungs-Industrie angelastet werden:

This tragic violation of the trust of users of Mt.Gox was the result of one company’s actions and does not reflect the resilience or value of bitcoin and the digital currency industry. There are hundreds of trustworthy and responsible companies involved in bitcoin. These companies will continue to build the future of money by making bitcoin more secure and easy to use for consumers and merchants. As with any new industry, there are certain bad actors that need to be weeded out, and that is what we are seeing today. Mtgox has confirmed its issues in private discussions with other members of the bitcoin community.

MtGox.com liest sich im Moment folgendermaßen:

In the event of recent news reports and the potential repercussions on MtGox’s operations and the market, a decision was taken to close all transactions for the time being in order to protect the site and our users. We will be closely monitoring the situation and will react accordingly.

Zuvor war auf Twitter verbreitet worden, dass im Quellcode der Seite eine Vormerkung für die Meldung einer Übernahme zu finden sei.

24 Kommentare
      • creamneuron 26. Feb 2014 @ 11:32
  1. discordianti 25. Feb 2014 @ 23:13
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