Datenschutz

Zahnloser Tiger „Do Not Track“ endgültig vor dem Aus?

Do Not Track (DNT), ein simples HTTP-Headerfeld, sollte eigentlich dafür sorgen, dass Nutzer auf ihrem Weg durchs Internet nicht mehr verfolgt werden, wenn sie das nicht wollen. So könnten keine Profile erstellt werden und das Schalten personalisierter Werbung wäre nicht mehr so einfach möglich. Alle gängiger Browser haben mittlerweile Unterstützung für DNT implementiert und ermöglichen dem Nutzer, auszuwählen, ob er ein DNT-Signal aussenden will oder nicht. Selbst der Internet Explorer ging mit gutem Beispiel voran und aktivierte DNT als Standardeinstellung. Wie man sich vorstellen kann, gab es gleichzeitig aber auch massiven Widerstand aus der Werbeindustrie und Yahoo! verkündete sogar, DNT ignorieren zu wollen – denn die Einstellung ist letztlich mit einer Bitte gleichzusetzen, die den Empfänger nicht zwingen kann, sie auch zu befolgen. Eine effiziente rechtliche Durchsetzung der Einstellung ist bisher auf internationaler Ebene nicht möglich.

Wir finanzieren uns zu fast 100 % aus Spenden von Leserinnen und Lesern. Unterstütze unsere Arbeit mit einer Spende oder einem Dauerauftrag.

Um DNT zu standardisieren, wurde eigens eine W3C-Arbeitsgruppe gegründet, die ursprünglich aus 110 Vertretern unterschiedlicher Bereiche zusammengesetzt war – von der Werbeindustrie bis hin zu Mitgliedern der Electronic Frontier Foundation (EFF). Jetzt scheint die Arbeitsgruppe vor dem Aus zu stehen. Im September wurde auf der öffentlich einsehbaren Mailingliste eine Umfrage angekündigt, wie die Gruppe in Zukunft mit ihrer Arbeit fortfahren solle. Die Umfrage endete damit, dass nur 22 der 43 Teilnehmer für eine Fortführung der Arbeit stimmten. Einem vorgeschlagenen Plan zur Fortsetzung standen sogar nur 17 Mitglieder positiv gegenüber.

Der Grund für die Krise liegt vor allem in den mangelnden Ergebnissen, die aus der 2011 entstandenen Arbeitsgruppe hervorgegangen sind. Brooks Dobbs, oberster Datenschutzbeauftrager des Marketingunternehmens KBM Group, drückte das recht anschaulich aus:

Wir befinden uns jetzt seit zwei Jahren in diesem Prozess und wir haben nicht mal definiert, was Tracking überhaupt ist! Es wurden unzählige Stunden verbracht und wir können uns nichteinmal darauf einigen, was unser Ziel ist?! Ich finde das beschämend.

Die Digital Advertising Alliance (DAA), die schon im September aus der Arbeitsgruppe ausgetreten war, hat bereits jetzt eine eigene Arbeitsgruppe zur Arbeit an einer browserbasierten DNT-Lösung eingerichtet. Es bleibt fraglich, ob ein Zusammenschluss der Werbeindustrie das geeignete Forum ist, Entscheidungen über die Privatsphäre der Nutzer zu treffen. Vor allem, da die ursprüngliche Gruppe bereits im Juli einen Entwurf für einen DNT-Standard von DAA ablehnte -mit Bedenken, dass er mehr die Eigeninteressen der Industrie als die der Nutzer vertrete.

Ob die W3C-Arbeitsgruppe nun vollständig aufgelöst wird, liegt in der Hand von Tim Berners-Lee, dem „Erfinder“ des heutigen World Wide Web und Direktor des W3C.

Weitersagen und Unterstützen. Danke!
14 Kommentare
  1. Jetzt mal Hand aufs Herz, wer hat denn ernsthaft geglaubt, das diese Idee der freiwilligen Selbstverpflichtung, denn mehr ist DHT ja nicht, tatsächlich in der Breite funktioniert?

    1. Ich bin ja dafür, sie in ein Raumschiff zu packen und von der Erde zu evakuieren. Damit sie nicht von der gigantischen Weltraumziege gefressen werden, die diesen Planeten verschlingen wird. Als wichtigste Menschen auf der Erde müssen sie ja zuerst gerettet werden…

  2. Naja ganz ehrlich, wie soll denn da ein Kompromiss raus kommen, der beide Seiten zufrieden stellt?
    Und die Tatsache, dass man sich nicht mal darauf geeinigt hat, was Tracking überhaupt ist, zeigt doch ganz deutlich, dass die Werbeindustrie nur daran interessiert ist, doch irgendwie weiter zu tracken, egal was man als Nutzer sagt.

    Diese Menschen gehören zu der Gruppe von Menschen, die unserer Gesellschaft einen Riesen gefallen tun würden, wenn sie sich einen einsamen Ort suchen würden.

  3. Eine effiziente rechtliche Durchsetzung der Einstellung ist bisher auf internationaler Ebene nicht *gewollt. Damit die Politiker mehr Geld von den Lobbys erhalten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.