
Die öffentlich-rechtlichen Sender sind quotenfixiert, unzugänglich, undemokratisch, kunstfeindlich und unsozial. Vor dem Hintergrund dieser Kritik organisiert die Gruppe Remote Control einen Zahlungsstreik des ab diesem Jahr verpflichtenden Rundfunkbeitrags. Sie unterbrechen die Zahlungen, um zu verhandeln, wie eine moderne mediale Grundversorgung organisiert werden kann.
Seit dem 1. Januar 2013 ist der neue Rundfunkbeitrag für alle Haushalte verpflichtend. Für die „massive Ansammlung von Personendaten der gesamten deutschen Bevölkerung“ gab es einen BigBrotherAward.
Jetzt regt sich auch inhaltliche Kritik an der Steuer, die nicht Steuer genannt werden darf. Auf zahlungsstreik.net schreibt ein Zusammenschluss von Nicht-Fernsehenden, Radiomacherinnen, Künstlern, Schauspielerinnen und Videoarbeitern:
Wir bestreiken eine Institution, die sich über den Auftrag der medialen Grundversorgung legitimiert und sich durch ihre Kritikresistenz von ihrem eigenen demokratischen Grundsatz entkoppelt hat. Die bestehenden öffentlich-rechtlichen Fernsehsender sind alles andere als staatsfern, denn ihre Gremien sind parteipolitisch dominiert. Sie unterscheiden sich nicht mehr von privatwirtschaftlichen Akteuren, denn sie orientieren sich vornehmlich an der Einschaltquote. Strukturell wie inhaltlich erfüllen sie unsere medialen Interessen nicht.
Dem neuen Rundfunkbeitrag kann sich niemand mehr entziehen. Also muss die Gegenleistung auch für alle akzeptabel sein. Wir unterbrechen die Zahlung, um zu verhandeln, wie unsere Beiträge verwendet werden. Wir fordern eine soziale Berechnung der Beitragshöhe. Wir fordern politische und ökonomische Transparenz. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk muss so plural sein wie seine Nutzer:innen.
Die Kritik wird in fünf Punkten auch nochmal ausführlich dargelegt. Statt nur zu meckern, listet die Seite auch erste Perspektiven für eine mediale Grundversorgung.
Zum jetzigen Zeitpunkt haben sich bereits 183 Streikende und Unterstützer:innen eingetragen, die 23.787,54 Euro Rundfunkbeiträge zurückhalten.
Im derFreitag gibt es auch einen Artikel der Gruppe: Stichwort – No!
Für wen wird dieses Fernsehen produziert? Wer ist der imaginäre Zuschauer, der sich nur über eine Quote definieren lässt? Meine Lebensrealität ist so weit entfernt von dem „ansprechenden Milieu“, das die ARD in ihren Richtlinien einfordert, dass der Bedarf an Schminke größer ist als mein Wunsch, in der Traumwelt des Vorabendprogramms zu spielen. Möchte ich die x‑te blonde Dame sein, die Sehnsucht nach Afrika hat, Stürme in Afrika durchlebt oder sonstwie ihren kolonialen Gestus performt? Nein. Der Zynismus der Fernsehmachenden, derjenigen im Apparat, ist – verständlich bis unerträglich. Verständlich, wenn jemand aus einer angestellten Position sagt: Ich beiß doch nicht den Arm, der mir Geld gibt, um nebenher das zu machen, was ich will: gute Filme, tolle Projekte.
Wir fordern ein öffentlich-rechtliches Modell jenseits der Sender. Wir organisieren einen Zahlungsstreik, um zu verhandeln, wie unsere Beiträge verwendet werden. Wir möchten die Kräfte derer bündeln, die einen dritten Weg zwischen dem Status quo der Anstalten und ihrer Abschaffung sehen. Auf unserer Homepage zahlungsstreik.net können Sie Ihren zurückbehaltenen Rundfunkbeitrag der Streiksumme hinzufügen. Nicht zahlen! Besser senden, besser empfangen!