2013
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: Bestandsdatenauskunft: Bundesrat behandelt morgen „Vorratsdatenspeicherung durch die Hintertür“ (Update)
: Bestandsdatenauskunft: Bundesrat behandelt morgen „Vorratsdatenspeicherung durch die Hintertür“ (Update) Die umstrittene Bestandsdatenauskunft könnte die Vorratsdatenspeicherung durch die Hintertür einführen. Der Deutsche Journalisten-Verband und die Gesellschaft für Informatik fordern den Bundesrat auf, das geplante Gesetz abzulehnen. Es verletze das Telekommunikationsgeheimnis und gefährdet den Informantenschutz.
Die Bestandsdatenauskunft, also die einfache Abfrage nach Passwörtern und Personen hinter IP-Adressen, wurde vor vier Wochen vom Bundestag beschlossen. Morgen beschäftigt sich der Innenausschuss des Bundesrates mit dem schwarz-gelb-roten Gesetz, bereits am 3. Mai soll es endgültig verabschiedet werden.
Nach der Kritik vom Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung und den Demonstrationen am Wochenende wird das Gesetz jetzt von weiteren Gruppen abgelehnt.
Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) fordert in einer Pressemitteilung den Innenausschuss auf, das Gesetz abzulehnen:
Aus Sicht des DJV kann der Informantenschutz in diesem Bereich bei Annahme des Gesetzes nicht gewährleistet werden. Daran änderte auch der Kompromiss zum Richtervorbehalt und zur nachträglichen Benachrichtigung Betroffener nichts, kritisierte DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken. „Nach dem Gesetz in der vorliegenden Fassung müssen Journalisten befürchten, dass Ermittlungsbehörden die elektronischen Daten ihrer Informanten leichter ausspähen können. Sie könnten dann ihre Quellen nicht mehr wirksam schützen.“ Ein Beleg dafür sei, dass bei Gefahr in Verzug die richterliche Genehmigung zur Bestandsdatenauskunft auch im Nachhinein eingeholt werden dürfe. Nach Auffassung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte sei es jedoch für den Quellenschutz unabdingbar, dass ein Richter angerufen werde, bevor die Polizei oder die Staatsanwaltschaft Zugang zu den Quellen erhält. Das sei nicht gewährleistet. Der Bundesrat müsse dem Gesetz deshalb seine Zustimmung verweigern.
Die Gesellschaft für Informatik (GI) befürchtet eine Aushöhlung des Telekommunikationsgeheimnisses und eine Verletzung des Grundrechts auf Vertraulichkeit:
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: Aufruf zur Mitarbeit: Open ARD ZDF
: Aufruf zur Mitarbeit: Open ARD ZDF
Die öffentlich-rechtlichen Sender werden in weiten Teilen von der Allgemeinheit finanziert. Wie die Gelder, die neuerdings über den GEZ-Nachfolger „Beitragsservice“ eingesammelt werden, ausgegeben werden, ist nur unzulänglich bekannt. Eine demokratische Kontrolle findet nur indirekt statt, über Rundfunkräte etc.. Der Bürger und Souverän wird im unklaren gelassen.Unter „öffentlich“ lässt sich allerdings etwas anderes verstehen. Nämlich öffentlich im Sinne von „Open“, also einem freien ungehinderten Zugang.
Um der Intransparenz etwas entgegen zu setzen, startet nun eine auf Langfristigkeit angelegte Arbeitsgruppe „Open ARD ZDF“. Die wird sicherlich einige Jahre brauchen, um zum Erfolg zu kommen. Die dicken Bretter von Institutionen zu bohren, braucht seine Zeit.
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Quellen-TKÜ: Bund und Länder verzichten „bis auf Weiteres“ auf Einsatz, Eigenentwicklung verzögert sich weiter
Quellen-TKÜ: Bund und Länder verzichten „bis auf Weiteres“ auf Einsatz, Eigenentwicklung verzögert sich weiter Die Eigenentwicklung eines behördlichen Staatstrojaners und die Überprüfung des kommerziellen Trojaners FinFisher verzögern sich weiter. Das geht aus einer Antwort des Innenministeriums vor, die wir veröffentlichen. Erstmals geben aber Bund und Länder zu, „bis auf Weiteres“ auf Quellen-Telekommunikationsüberwachungen zu verzichten.
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: Mobilfunkanbieter wollen Fahrverhalten von Autofahrern erfassen und an Versicherungen melden
: Mobilfunkanbieter wollen Fahrverhalten von Autofahrern erfassen und an Versicherungen melden Das Telekommunikationsunternehmen Telefonica hat heute auf der 19. Handelsblatt Jahrestagung verkündet, dass es bis Ende diesen Jahres eine Technik einführen will, die das Fahrverhalten von Autofahrern erfassen kann.
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: Internet-Zensur: Italienische Provider sperren 27 Filesharing-Seiten – und Indymedia
: Internet-Zensur: Italienische Provider sperren 27 Filesharing-Seiten – und Indymedia In Italien werden Internet-Provider verpflichtet, den Zugang zu bestimmten Webseiten zu sperren. Letzte Woche traf es 27 Filesharing-Seiten auf einmal. Die Internet-Zensur wurde ursprünglich gegen Kinderpornografie eingeführt, aber mittlerweile gegen alle möglichen Inhalte eingesetzt – auch politische Webseiten.
Wir haben bereits berichtet, dass auch in Italien Provider ihren Kunden den Zugang zu manchen Webseiten sperren und diese so zensieren. Begründet wurde diese Netz-Zensur, wie so oft, mit dem Kampf gegen kinderpornografische Inhalte. Mittlerweile werden jedoch schon 5.646 Webseiten gesperrt, wie die Beobachtungsstelle für Internet-Zensur in Italien berichtet – aus vielen verschiedenen Gründen.
Gleich zu Beginn wurde 2008 die Filesharing-Seite The Pirate Bay gesperrt. Letzte Woche kamen noch einmal 27 Sharehoster-Seiten dazu, die genaue Liste gibt’s bei TorrentFreak. Die Staatsanwaltschaft in Rom hatte die neuen DNS-Sperren anordnen lassen und will diese zu einer Beschlagnahme der Domains ausbauen.
In der Sperr-Liste der Beobachtungsstelle für Internet-Zensur in Italien finden sich weitere Sperrgründe:
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: DRadio Wissen zur Diskussion um die Bestandsdatenauskunft
: DRadio Wissen zur Diskussion um die Bestandsdatenauskunft DRadio Wissen hat einige Stimmen aus dem Netz zur Bestandsdatenauskunft (BDA) gesammelt. Deutsche Behörden sollen mithilfe der BDA zukünftig die Inhaber von Telefonnummern und IP-Adressen vollautomatisiert und ohne Überprüfung abfragen können – auch für Ordnungswidrigkeiten. Der Bundesrat muss dem vor kurzem im Bundestag abgestimmten Gesetz noch zustimmen.
Konkrete Verbindungsdaten zählen nicht zu den Bestandsdaten: Es wird zwar festgehalten, wann man wen angerufen hat, aber der konkrete Inhalt eines Gesprächs oder einer SMS wird nicht weitergegeben. Schon eine Ordnungswidrigkeit wie Falschparken oder Ruhestörung kann Grund dafür bieten, dass eine Behörde die persönlichen Daten anfordert. Für Jakob Dörre vom Blog Addliss verstößt diese Vorgehensweise gegen die Grundrechte und das Prinzip der Verhältnismäßigkeit.
Ab Minute 5:01 geht es um die BDA, zuvor um die Bombenexplosionen in Boston.
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: „Polizeiphantasien aus Entenhausen“: Forschungsprojekt entwickelt Drohnen, die Fahrzeuge angreifen sollen
: „Polizeiphantasien aus Entenhausen“: Forschungsprojekt entwickelt Drohnen, die Fahrzeuge angreifen sollen
Zukünftig sollen Drohnen fahrende Autos und Boote aufhalten – indem sie Motorelektronik stören, Netze verschießen, Schaumstoff sprühen oder Reifen durchstechen. Daran forscht das Forschungsprojekt Aeroceptor, das mit 3,5 Millionen Euro von der EU-Kommission finanziert wird. Kritiker fürchten Unfälle mit Verletzten und Toten – und fordern ein Ende der Forschung.Das Forschungsrahmenprogramm der EU war hier bereits öfters Thema. Die Europäische Kommission finanziert Forschung in 10 Themensträngen, darunter auch Studien zu Nutzer-Einstellungen über Online-Datenschutz. Ein großer Teil ist jedoch auch der Bereich Sicherheit, in dem unter anderem das umstrittene Projekt INDECT gefördert wurde. Ein weiteres Sicherheits-Programm ist das Projekt AEROCEPTOR:
Das Projekt strebt die Entwicklung eines neuen und innovativen Konzepts an, um nicht-kooperative Fahrzeuge auf Land und See aus der Ferne und sicher zu kontrollieren, zu verlangsamen und zu stoppen, durch ferngesteuerte Luftfahrtsysteme.
Dreieinhalb Millionen Euro gibt die EU-Kommission dafür aus. Der Bundestagsabgeordnete Andrej Hunko und die Europaabgeordnete Sabine Lösing haben jetzt nachgefragt, wie das funktionieren soll. Und das ist die Antwort der Kommission:
Folgende Technologien, mit denen ein Fahrzeug auf sichere Weise zum Halten gebracht werden soll, werden in Betracht gezogen:
- elektromagnetische Störungen zur Blockierung der Motorelektronik
- Netze, in denen sich Räder von Fahrzeugen oder Propeller von Booten verwickeln
- Spezial-Polymerschaumstoff, der allmählich verhärtet und das Fahrzeug zum Halten bringt
- Vorrichtungen zum Durchstechen der Reifen
- Farbmarkierungen und Lautsprecher
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: Bürgerrechtsorganisationen erheben Einspruch gegen Patentanträge für 3D-Druckverfahren
: Bürgerrechtsorganisationen erheben Einspruch gegen Patentanträge für 3D-Druckverfahren Die Electronic Frontier Foundation (EFF), das Patentportal Ask Patents und die Cyberlaw Clinic der Harvard-Universität wollen sechs Patentanträge für 3D-Druckverfahren verhindern, da sie innovationsverhindern seien.
If there’s something that drives us crazy, it’s when patents get in the way of innovation. Unfortunately, we often don’t find out about the most dangerous patents until it’s too late—once they’ve been used to assert infringement. That’s why we were encouraged by the new provision of the patent law that allows third parties to easily challenge patent applications while those applications are still pending.
Im Oktober rief die EFF dazu auf, Hinweise zu kritischen Patentanträgen oder Prior Art (Stand der Technik) zu melden, seitdem konnten sechs Anträge ausgemacht werden. Die drei Organisationen arbeiten auf eine Ablehnung der Patentanträge hin, damit der 3D-Druck als offene Technik erhalten bleibt. Gegen diese Anträge richten sich die Einsprüche:
- Fabrication of Non-Homogeneous Articles Via Additive Manufacturing Using Three-Dimensional Voxel-Based Models
- Build Materials and Applications Thereof
- Method for Generating and Building Support Structures With Deposition-Based Digital Manufacturing Systems
- Process for Producing Three-Dimensionally Shaped Object and Device for Producing Same
- Additive Manufacturing System and Method for Printing Customized Chocolate Confections
- Ribbon Filament and Assembly for Use in Extrusion-based Digital Manufacturing Systems
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: Debatte: Wie kann sich Onlinejournalismus finanzieren?
: Debatte: Wie kann sich Onlinejournalismus finanzieren? Gestern haben wir eine kleine Crowdfinanzierungs-Kampagne gestartet. Nach der Offenlegung unserer Finanzen ist deutlich geworden, dass netzpolitik.org viel mehr Geld verbraucht als bisher eingenommen wird.
Wir hatten im Februar bereits unsere Finanzierung transparent gemacht. Damals sah es noch besser aus, weil wir einen mittelständischen Sponsor hatten, der bei uns über zwei Jahre Werbung gebucht hatte, was unsere Werbeeinnahmen fast verdoppelte. Dieser hat sich aber leider dazu entschlossen, andere Wege auszuprobieren und nun fehlen diese 1.500 Euro (plus MwSt) im Monat. Gleichzeitig fragen wir öfters die Bundesregierung mit Hilfe des Informationsfreiheitsgesetzes im Zuge von Recherchen. Und immer öfters werden Rechnungen dafür mitgeschickt. Das finden wir nicht schön, damit müssen wir aber leben, wenn wir weiterhin kritisch bleiben wollen.
Das ist der Grund, warum wir uns gerade mehr Gedanken über eine Refinanzierung und weitere Erlösquellen machen.
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: Die schönsten Kommentare zum Thema Crowdfinanzierung
: Die schönsten Kommentare zum Thema Crowdfinanzierung Gestern haben wir darüber gebloggt, dass wir uns auch über Spenden in Form von freiwilligen Abos freuen, um unser Blog mit Eurer Hilfe auf eine weitere Finanzierungssäule zu stellen und weiter ausbauen zu können. Das hat viele positive Kommentare hervorgebracht, die uns ausgesprochen gefreut haben und natürlich auch motivieren.
Es gab aber auch Kommentare, wofür man zur Beschreibung wohl den Begriff #facepalm erfunden hat. Die möchten wir Euch nicht vorbehalten und wir haben ein „Best of“ zusammengestellt. Auch das ist Deutschland.
Na sowas, eine Website die sich dafür einsetzt alles gratis zu machen macht Verluste und muss um Geld betteln… amüsant! Vielleicht funktionieren die von euch propagierten Modelle eben doch nicht so toll?
Wieso solltet ihr für eure Propaganda Geld bekommen, während Rechteinhaber (Musiker, Komponisten, Autoren, Journalisten, Fotografen etc. etc.) dank solcher Propaganda pleite gehen, wiel ja im Netz alles umsonst sein soll? Ihr macht euch gerade gepflegt lächerlich! Da im Netz alles frei ist solltet ihr auch frei von Spenden arbeiten….. Und am Besten auch frei von Werbeeinnahmen. Viel Spass dabei!
Unabhängiger Journalismus? Auf netzpolitik.org gibts Meinungsberichte und nicht etwa neutrale Berichterstattung. Meinungsmache gibts bereits viel zu häufig, daher: keine Unterstützung.
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: Druck aus den USA: Spanien führt repressivere Urheberrechtsdurchsetzung ein
: Druck aus den USA: Spanien führt repressivere Urheberrechtsdurchsetzung ein Die USA führen nun schon seit einer Weile eine Watchlist, den sogenannten Bericht 301, der alle bösen Länder auflistet, in denen nicht streng genug gegen Urheberrechtsverstöße vorgegangen wird.
Natürlich gibt es keine wirklich objektive Methode für die Erstellung dieser Liste. Grundsätzlich funktioniert sie so: Verschiedene Gruppen der Unterhaltungsindustrie erklären dem Amt des Handelsvertreters der Vereinigten Staaten (USTR) welche Länder sie nicht mögen, dann passiert ein wenig Magie und die USTR produziert den Bericht 301. Fun fact: Im Februar erklärte die Computer & Communications Industry Association (CCIA), dass nach der Einführung des Leistungsschutzrechts eigentlich auch Deutschland auf diese Liste müsste.
Die USA erpresst bestraft Länder dieser Watchlist mit Handelssanktionen. Reuters berichtet, dass noch in diesem Monat ein Update dieser Liste veröffentlicht werden soll.
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: Rechtsverbindliche Kommunikation per De-Mail?
: Rechtsverbindliche Kommunikation per De-Mail? Heute habe ich für den CCC zum Gesetz zur Förderung des elektronischen Rechtsverkehrs in der Justiz im Rechtsausschuss des Bundestags Stellung genommen.
Bereits vor drei Wochen hatte ich im Innenausschuss erklärt, dass De-Mails mangelhaft (also: nicht) verschlüsselt werden und daher für vertrauliche Kommunikation nicht verwendet werden sollten. Diese Argumentation trifft natürlich auch für die sensible Kommunikation mit Gerichten und Anwälten zu (siehe: Artikel, Pressemitteilung, Stellungnahme).
Im vorliegenden Fall ging es jedoch nicht nur um die Vertraulichkeit des Mediums, sondern auch um seine Rechtsverbindlichkeit. Im Kern stellt sich daher die Frage nach der Beweiskraft einer De-Mail, also ihre Authentizität und Integrität. Authentizität bedeutet: Die De-Mail stammt nachweislich von mir. Integrität bedeutet: Sie ist nachweislich unverändert.
Kryptographisch wird diese Herausforderung üblicherweise mittels digitaler Signaturen gelöst, die die unterzeichnende Person mit Hilfe ihres geheimen Schlüssels und des betreffenden digitalen Dokuments anfertigen kann. Der Empfänger kann die Signatur anhand des öffentlichen Schlüssels prüfen und so feststellen, ob das ihm vorliegende Dokument verändert, oder nicht vom vorgeblichen Absender signiert wurde. Lösungen dafür existieren seit gut 20 Jahrzehnten und seit vielen Jahren gibt es mit dem Signaturgesetz auch eine rechtliche Grundlage dafür.
Im De-Mail-Standard werden aber weder ernstzunehmende Verschlüsselung, noch eine Signatur des Absenders verlangt. Man möchte meinen, dass spätestens hier das Ende der De-Mail-Tragödie erreicht ist, aber es wäre doch gelacht, wenn die Bundesregierung nicht auch für dieses technische Problem eine juristische Lösung parat hielte: Bereits auf Seite 1 des neuen Gesetzesentwurfs der Bundesregierung wird die Maxime vorgegeben:
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: Die Welt nach WikiLeaks: Was sagt uns das Whistleblower Projekt über Medien, Internet und Politik?
: Die Welt nach WikiLeaks: Was sagt uns das Whistleblower Projekt über Medien, Internet und Politik?
Dies ist ein Gastbeitrag von Dr. Arne Hintz von der School of Journalism, Media and Cultural Studies an der Cardiff University. Er ist einer der Herausgeber des Sammelbandes Beyond WikiLeaks: Implications for the Future of Communications, Journalism and Society(Amazon, 23,99 Euro).
Seit seinen massiven Veröffentlichungen im Jahr 2010 – u.a. den US-amerikanischen Botschaftsdepeschen (Cablegate) – steht WikiLeaks im Rampenlicht der internationalen Debatte um Medien und Politik. Während sich die Öffentlichkeit seitdem vor allem um das Schicksal von Kernfigur und Chefredakteur Julian Assange kümmert, haben weitere Enthüllungen unser Wissen über internationale Konflikte, Spionage, und Sicherheitsapparate erhöht. Große Nachrichtenorganisationen starteten zudem ihre eigenen Whistleblower- Abteilungen und –Postfächer (z.B. Al Jazeera) sowie Datenjournalismusprojekte (z.B. Guardian), und ein journalistisches Netzwerk veröffentlichte erst kürzlich die Ergebnisse einer umfassenden Recherche globaler Finanztransaktionen, basierend auf der Analyse von hunderttausenden Dokumenten. Das WikiLeaks-Modell des Enthüllungsjournalismus durch ‘leaks’ und Datenanalyse spielt somit eine immer wichtigere Rolle in der Medienarbeit, sowie in unserem Verständnis aktueller wie historischer Ereignisse.
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: Was wollen wir mit mehr Finanzierung schaffen?
: Was wollen wir mit mehr Finanzierung schaffen? Wir haben heute eine kleine Spendenkampagne zum Aufbau einer weiteren Säule zur Refinanzierung von netzpolitik.org gestartet. Statt nur auf die klassischen Modelle wie Werbung und Paywall zu setzen wollen wir ausprobieren, ob Journalismus im digitalen Zeitalter auch nachhaltig von einer Community, in diesem Fall von Euch, co-finanziert werden kann.
Wie viele journalistische Onlinemedien steht auch netzpolitik.org vor der Herausforderung einer Finanzierung. Bisherige Modelle waren bei uns nicht so erfolgreich, wie es notwendig wäre. Viel mehr Werbung, eine Kampagne, damit Ihr auch Eure Adblocker abschaltet und den RSS-Feed schließen wollen wir aber nicht. Während überall von einer Paywall geträumt wird, erteilen wir dieser Idee eine deutliche Absage.
In den letzten Jahren bekamen wir häufig den Tip: Macht doch Crowdfinanzierung! Wir probieren das jetzt einfach mal aus und starten das Experiment: Sind unsere Leserinnen und Leser, also Ihr, auch bereit, für etwas zu bezahlen, was alle kostenlos erhalten? Und können wir damit unsere derzeitige Redaktion refinanzieren oder sogar noch weiter ausbauen?! Oder müssen wir zukünftig bestimmte Freemium-Services entwickeln, damit zahlende Leserinnen und Leser exklusive Inhalte und/oder eine andere Verpackung gegenüber nicht-zahlenden Lesern erhalten?
Zugleich sehen wir die Aktion auch als Startpunkt eines offenen Prozesses und Debatte mit Einbindung unserer Leserinnen und Leser: Wie kann sich heute ein journalistisches und politisches Netz-Angebot wie netzpolitik.org refinanzieren und weiter unabhängig bleiben?
Was wollen wir mit mehr Finanzierung schaffen?
Wir wollen:
- ein besseres Frühwarnsystem aufbauen, um geplante Grundrechtseinschränkungen viel früher im politischen Prozess zu entdecken und davor warnen zu können;
- mehr erklären, damit auch Einsteiger für viele Themen interessiert werden, die uns alle angehen;
- aktuelle Debatten mehr zusammenfassen;
- mehr Zeit haben für aufwändigere Hintergrundrecherchen;
- noch mehr dokumentieren, analysieren und bewerten, was im Bundestag, im Europaparlament und vielleicht sogar in den Landtagen passiert;
- nicht mehr bei jeder erfolgreichen Informationsfreiheitsgesetzanfrage zusammen zucken, wenn die Bundesregierung eine Rechnung über 500 Euro mitschickt. Sondern einfach weiterfragen und ‑recherchieren;
- unsere Inhalte in verschiedenen Formaten ausliefern – z.B. als tägliche Zusammenfassung aller Artikel für den eBook-Reader bequem per Mail oder als kurze Zusammenfassung im Audio-Podcast;
- eine offene API anbieten;
- ein schöneres Design entwickeln;
- wir wollen mit dem Themenfeld Netzpolitik mitwachsen und weiterhin möglichst viele Themen abdecken. Für Euch und mit Euch.
Nur meckern ist einfach – wir warnen, loben und informieren. Wir haben einen langen Atem und kümmern uns nicht nur um Themen, die gerade mal hip und cool sind oder die garantiert Klicks bringen. Sondern um alles, was wichtig ist oder wird. Auch wenn es nicht immer Spaß macht. Oder die Themen aktuell nur wenige interessieren und keine Klicks bringen. Was ist Euch unsere Arbeit wert?
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: Investiere in digitale Bürgerrechte: Unterstütze netzpolitik.org
: Investiere in digitale Bürgerrechte: Unterstütze netzpolitik.org netzpolitik.org braucht deine Unterstützung! Wir produzieren seit neun Jahren viele kostenfreie Inhalte für dich – mit deinem Beitrag kannst du helfen, unabhängigen Journalismus für digitale Bürgerrechte noch stärker zu machen.
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: Lobby-Gruppe TechNet, die Google, Yahoo und Microsoft repräsentiert, befürwortet CISPA
: Lobby-Gruppe TechNet, die Google, Yahoo und Microsoft repräsentiert, befürwortet CISPA Am Mittwoch stimmte der Geheimdienstausschuss im US-Repräsentantenhaus dem Gesetzesentwurf CISPA zu, dem Cyber Intelligence Sharing and Protection Act. Aus dem weißen Haus hieß es kurz zuvor noch, man unterstütze CISPA in der derzeitigen Form nicht, da es dem Entwurf an Schutz der Privatsphäre von Bürgerinnen und Bürgern sowie Kontrollmöglichkeiten mangele. Die Lobby-Organisation TechNet, zu deren Mitgliedern u.a. Dell, Microsoft, Cisco Systems, Intel, Yahoo und Apple zählen, schickte nun einen Brief an den Geheimdienstausschuss des Repräsentantenhauses und lobte die Mitglieder des Ausschusses für ihre Arbeit an CISPA.
This bill recognizes the need for effective cybersecurity legislation that encourages voluntary, bi-directional, real time sharing of actionable cyberthreat information to protect networks. We commend the Committee for providing liability protections to companies participating in voluntary information-sharing and applaud the Committee’s efforts to work with awide range of stakeholders to address issues such as strengthening privacy protections. As the legislative process unfolds, we look forward to continuing the dialogue with you and your colleagues on further privacy protections, including discussions on the role of a civilian interface for information sharing.
Während Datenschutzgruppen CISPA stets abgelehnt haben, erhält der Gesetzentwurf vor allem Unterstützung von mehreren Industrie-Gruppen, wie z.B. der US-Handelskammer und dem Information Technology Industry Council. Durch CISPA soll es Industrie und Regierung erleichtert werden, Informationen über Schadprogramme und andere ‚Cyber-Bedrohungen’ in Echtzeit auszutauschen, sodass ‚Cyberattacken’ vereitelt werden können.
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: Bestandsdaten außer Kontrolle
: Bestandsdaten außer Kontrolle Richtervorbehalt und Benachrichtigungspflicht – mit diesem Kompromiss haben CDU, CSU, FDP und SPD die geplante Bestandsdatenauskunft durch den Bundestag gebracht. Wäre da nicht dieser eine, kleine Schönheitsfehler: Eine richterliche Prüfung sowie die gesetzlich vorgeschriebene Benachrichtigung finden in Deutschland schon lange nicht mehr statt.
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: Forschungsprojekt CONSENT: User fühlen sich machtlos gegenüber Onlinediensten – mit Recht
: Forschungsprojekt CONSENT: User fühlen sich machtlos gegenüber Onlinediensten – mit Recht Internetnutzer/innen gehen davon aus, dass Webdienste ihre Daten ohne ihr Wissen benutzen. Zurecht lehnen sie diese Praktiken ab, sehen aber keine Alternativen. Zu diesem Ergebnis kommt das Forschungsprojekt CONSENT, das Teil des 7. Forschungsrahmenprogramms der EU war. Beteiligt waren Universitäten in 14 EU-Mitgliedsstaaten. CONSENT ging der Frage nach, ob wir (un)freiwillig der Abschaffung unseres Grundrechts auf Privatsphäre im Internet zustimmen. Geforscht wurde in zwei Richtungen: 1. User-Wahrnehmungen zu Privatsphäre im Internet und 2. Praktiken der Diensteanbieter. Mit EU-Geldern wird also nicht nur an Überwachungsprojekten wie INDECT gearbeitet.
Was Nutzer/innen über Privatsphäre denken
Bewusstsein: Die überwiegende Mehrzahl der Befragten denken, dass ihre Daten ohne ihr Wissen und ihre Zustimmung weitergegeben werden – auch an Dritte. Interessant ist dabei, dass ihre Kenntnis über die Vorgänge der Datenverarbeitung sehr stark variiert: So glauben zwischen 41% und 91% [sic!] der Befragten über Cookies Bescheid zu wissen.
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: Open Source Software: exponentielles Wachstum, weniger Copyleft
: Open Source Software: exponentielles Wachstum, weniger Copyleft Vor einiger Zeit berichtete Matthew Aslett am 451 CAOS Theory Blog in einer Serie von Einträgen über den zwischen 2008 und 2012 sinkenden Anteil an Open-Source-Software, der unter der GNU General Public License (GPL) veröffentlicht wird (siehe Abbildung).
Die Besonderheit der GPL ist ihr auch als „Copyleft“ bezeichneter „viraler“ Charakter: Weiterentwicklungen auf Basis von GPL-lizenzierter Software dürfen nur unter derselben Lizenz weiterverbreitet werden; das bekannteste Beispiel für GPL-lizenzierte Software ist der Linux-Kernel. Aber auch jenseits von Software findet das Copyleft-Prinzip Anwendung – so ist zum Beispiel die Creative-Commons-Lizenz der Wikipedia eine Copyleft-Lizenz.
Im Bereich von Open-Source-Software ist allerdings Aslett zu Folge ein relativer Anstieg der Nutzung solcher Lizenzen zu beobachten, die auf eine Copyleft-Klausel verzichten (z.B. Apache-, BSD- oder MIT-Lizenz). Wichtig ist zu betonen, dass es sich dabei um relative Verschiebungen handelt, in absoluten Zahlen wächst auch der Pool an GPL-lizenziertem Software-Code weiterhin.
In einem Aufsatz für die 9th International Conference on Open Source Systems (OSS 2013) haben sich Gottfried Hofmann, Dirk Riehle, Carsten Kolassa und Wolfgang Mauerer jetzt noch einmal eingehend die Lizenz-Entwicklung in der Zeit vor 2008 – konkret zwischen 1995 und Juni 2007 – vorgenommen (siehe Abbildung).
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: Anonymous will FDP-Mitgliederplattform gehackt haben
: Anonymous will FDP-Mitgliederplattform gehackt haben Aus dem Umfeld von Anonymous wird verbreitet, dass die FDP-Mitmach-Plattform meine-freiheit.de aus Protest gegen die Bestandsdatenauskunft gehackt worden sei. Die Plattform ist im Netz und sieht äußerlich normal aus. Allerdings finden sich im Netz viele Listen von Nutzerdaten, die wir hier explizit nicht verlinken. Der deutsche Anonymous-Account @anonnewsDE verkündet 37.000 geleakte Datensätze mit Nutzerprofildaten.
Ich hab es noch nicht verstanden: Was ist denn die Message, wenn man mit der Veröffentlichung von privaten Daten gegen die Bestandsdatenauskunft und damit für mehr Datenschutz protestieren soll?
Die Hacker-Ethik spricht von „Private Daten schützen, öffentliche Daten nützen“. Das ist hier nicht erfüllt.

