Internet-Zensur: Italienische Provider sperren 27 Filesharing-Seiten – und Indymedia

In Italien werden Internet-Provider verpflichtet, den Zugang zu bestimmten Webseiten zu sperren. Letzte Woche traf es 27 Filesharing-Seiten auf einmal. Die Internet-Zensur wurde ursprünglich gegen Kinderpornografie eingeführt, aber mittlerweile gegen alle möglichen Inhalte eingesetzt – auch politische Webseiten.

Wir haben bereits berichtet, dass auch in Italien Provider ihren Kunden den Zugang zu manchen Webseiten sperren und diese so zensieren. Begründet wurde diese Netz-Zensur, wie so oft, mit dem Kampf gegen kinderpornografische Inhalte. Mittlerweile werden jedoch schon 5.646 Webseiten gesperrt, wie die Beobachtungsstelle für Internet-Zensur in Italien berichtet – aus vielen verschiedenen Gründen.

Gleich zu Beginn wurde 2008 die Filesharing-Seite The Pirate Bay gesperrt. Letzte Woche kamen noch einmal 27 Sharehoster-Seiten dazu, die genaue Liste gibt’s bei TorrentFreak. Die Staatsanwaltschaft in Rom hatte die neuen DNS-Sperren anordnen lassen und will diese zu einer Beschlagnahme der Domains ausbauen.

In der Sperr-Liste der Beobachtungsstelle für Internet-Zensur in Italien finden sich weitere Sperrgründe:

  • Drogen
  • Kontaktanzeigen
  • Live-Stream (Fußball)
  • Medikamente (Steroide)
  • Online Journal
  • Online Trading
  • Persönliche Anzeigen
  • Pflanzensamen
  • Phishing
  • SMS
  • Verkäufer von Bekleidung
  • Verkäufer von Bekleidung und Schuhe
  • Verkäufer von Keramik
  • Verkäufer von Zigaretten

Mit „Stormfront“ wird auch eine Nazi-Seite gesperrt, die auch in Nordrhein-Westfalen im Jahr 2001 gesperrt wurde. Ganz frisch wurden mit „Holywar“ zwei Seiten wegen Antisemitismus beantragt, zu sperren.

Doch auch die lokalen Ableger des Unabhängigen Medienzentrums Indymedia in der Toskana in Piemont werden in Italien seit Mai letzten Jahres von den Providern auf Anordnung des Mailänder Gerichts zensiert. Die Provider hatten sich dagegen zunächst noch gewehrt.

Damit ist mal wieder ein Grundproblem aller Internet-Sperren bewiesen: Ist die Technik einmal installiert, werden auch weitere Inhalte zensiert.

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