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Drohnen-Strategie für Behörden, Industrie und Universitäten: Fraunhofer-Institut verkauft fliegenden „VolksBot“

Das auf „Data Mining“ spezialisierte Fraunhofer Institut „Intelligente Analyse- und Informationssysteme“ (IAIS) hat eine Drohne entwickelt, um den zunehmenden Einsatz von Flugrobotern zu unterstützen. Seit über 10 Jahren betreibt das Institut das Projekt „VolksBot“, das bislang nur „unbemannten Landrobotern“ galt. Ziel ist die Bereitstellung von Bausätzen für Bedürfnisse „der Industrie bis hin zur Lehre und Forschung“. Die Systeme sollen kostengünstig zu beschaffen und einfach zu handhaben sein. Im Rahmen des EU-Projekts „Natural human-robot cooperation in dynamic environments“ (NIFTi) verfügen die WissenschaftlerInnen seit September letzten Jahres nun auch über eine fliegende Komponente. Der Oktocopter mit acht Rotoren verfügt über eine besonders hohe Nutzlast. Während die Landroboter für bis zu 9.000 Euro vermarktet werden, wurde der Mikrokopter noch nicht ins Verkaufsprogramm übernommen.

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volksbot

In NIFTi werden die Drohnen mit Laserscannern bestückt, um die Umgebung abzutasten und als 2D- bzw. 3D-Modell auszugeben. Mit diesem sogenannten „Light Detection And Ranging“ können etwa die Verteilung von Gasen, Hindernisse oder die Entfernung von Objekten bestimmt werden. Auch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) forscht in einer „RMC XRotor-Gruppe“ zum autonomen Einsatz von „Multikopter-Flugsystemen“. In mehreren EU-Forschungsvorhaben untersucht das DLR die Zuladung mit hochauflösenden Sensoren. Deutsche und US-amerikanische Firmen entwickeln ähnliche Detektoren zum Aufspüren radioaktiver Quellen, die auch vom Militär genutzt werden können.

Das NIFTi wird angeführt vom mittlerweile stark industrieorientierten Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI). Erste Tests mit Land- und Flugrobotern wurden im italienischen L’Aquila vorgenommen, das 2009 von einem starken Erdbeben getroffen wurde. Am Projekt beteiligt ist die Eidgenössische Technische Hochschule (ETH) in Zürich, die durch beeindruckende Experimente die autonomen Fähigkeiten von Mikrodrohnen unter Beweis stellt. Mit dabei auch die Feuerwehr Dortmund, die über eigene Aufklärungsdrohnen verfügt und damit am dreijährigen deutschen Sicherheitsforschungsprojekt „Airshield“ teilgenommen hatte. „AirShield“ beforschte den Einsatz fliegender Kameras zum Schutz kritischer Infrastrukturen und ihren Nutzen zur Erkundung oder zur Gefahrenabwehr. Die Flugroboter sollten dabei autonom agieren und in Schwärmen aufsteigen. Auch die Akzeptanz in der Bevölkerung wurde untersucht.

Der „VolksBot“ von Fraunhofer dürfte den Behörden mit Sicherheitsaufgaben aber längst zu klein sein: Ende Dezember hatte ich hier beschrieben, dass deutsche Behörden nach Flugrobotern mit noch mehr Nutzlast schielen. So verkündete es auch ein Staatssekretär des Verkehrsministeriums auf einer Tagung der Drohnen-Lobby. Die Bundespolizei testet mit der spanischen Küstenwache den Einsatz größerer Drohnen zur Überwachung von Gewässern. Beforscht wird die Nutzung israelischer „Heron“-Drohnen des Herstellers Elbit Systems, die bislang nur vom Militär gekauft werden. Die Tageszeitung Die Welt hatte daraufhin beim Bundesinnenministerium nachgefragt und bestätigt bekommen, dass die Bundespolizei die Geräte sogar in den zivilen Luftverkehr integrieren möchte. Gestern bekräftigte der Leiter der EU-Grenzschutzagentur Frontex, dass die EU-Migrationspolizei (wie etwa in der Schweiz seit 2006 praktiziert) größere Drohnen einsetzen und womöglich sogar selbst beschaffen will. Auf EU-Ebene wird derzeit daran gearbeitet, bis spätestens 2016 eine gesetzliche Regelung für alle Mitgliedstaaten abzuschließen, damit Flugroboter auch außerhalb reservierter Luftkorridore fliegen dürfen.

Die noch zu beschaffenden, größeren Drohnen der Bundespolizei könnten zunächst über der Nord- und Ostsee eingesetzt werden. Zur Verbesserung ihrer Aufklärungskapazitäten entwickelt das Fraunhofer-Institut für Hochfrequenzphysik und Radartechnik ein miniaturisiertes „Synthetisches Apertur Radar“ (SAR), das auf Millimeterwellen-Technologie basiert und beispielsweise in Aufklärungssatelliten verbaut wird. Wichtig für den zivilen und militärischen Einsatz ist die schnelle Echtzeitanalyse der SAR-Messdaten am Boden. Die Bundespolizei könnte mit der Technik auf die Bundeswehr verzichten, die 2007 gegen die G8-Proteste in Heiligendamm in Stellung gebracht wurde: Das „Aufklärungsgeschwader Immelmann“ aus dem schleswig-holsteinischen Jagel überflog mit seinen „RECCE“-Tornados mehrere Wochen lang Camps und Straßen und fertigte in 14 Missionen ebenfalls SAR-Aufnahmen an. Untersucht wurde, ob Bodenveränderungen auf „Erddepots“ oder „Manipulationen an wichtigen Straßenzügen“ hinweisen. Die Schweiz hatte 2008 bereits Drohnen des Militärs genutzt, um Aktivitäten von DemonstrantInnen rund um den NATO-Gipfel in Strasbourg auszuforschen.

Die 2. Staffel des „Aufklärungsgeschwaders Immelmann“ fliegt bislang die von der Bundespolizei beforschte „Heron“-Drohne. In Jagel werden aber auch die von der Bundeswehr gekauften „EuroHawk“-Drohnen stationiert. Eine dieser größten europäischen Drohnen hatte letzte Woche testweise einen ersten, dreistündigen „SIGINT-Sensorflug“ absolviert (hier ein Video). Auch die „EuroHawk“ könnte zukünftig für polizeiliche Belange eingesetzt werden: Zum Auftrag des Geschwaders gehört ausdrücklich die Amtshilfe für Behörden des Bundes und der Länder.

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5 Kommentare
    1. Ja, es stimmt dass NIFTi im Bereich nichtpolizeilicher Gefahrenabwehr forscht. Man kann vermutlich auch die Fähigkeiten des miniaturisierten SAR-Sensors nicht mit jenen der RECCE-Tornados vergleichen. Interessant ist aber der Trend, statt herkömmlicher digitaler Videotechnik mehr und mehr hochauflösende Sensoren an die Flugroboter zu hängen. Übrigens ist die Überschrift des Artikels irreführend; denn ob Fraunhofer die „VolksBots“ tatsächlich wie die Landroboter verhökern will, geht aus der Webseite nicht hervor. Weiß jemand etwas dazu?

  1. … das Teil wir schön Windanfällig sein, wenn es derart gebaut würde. Habe für meinen XCopter auch mal etwas dezenteres erstellt, bei Wind geht dann aber nichts mehr. Nette Studie ….

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