Kultur

Bots sind schuld: Studie über Autorenschwund in Wikipedia

Aktive AutorInnen (>=5 Editierungen/Monat) in der englischsprachigen Wikipedia (Halfaker et al. 2013)

Seit 2007 verzeichnet die englischsprachige Wikipedia einen kontinuierlichen Rückgang an aktiven AutorInnen, also solchen die mehr als fünfmal pro Monat etwas zur Online-Enzyklopädie beitragen:


Netzpolitik.org ist unabhängig, werbefrei und fast vollständig durch unsere Leserinnen und Leser finanziert.

Ein Forschungsteam rund um Aaron Halfaker von der University of Minnesota hat nun in einer Schwerpunktausgabe der Zeitschrift American Behavioral Scientist zum Thema Wikis eine Studie veröffentlicht (PDF), die in automatisierten Qualitätssicherungsmaßnahmen den Hauptgrund für den Rückgang an AutorInnen ausmacht. Halfaker dazu (meine Übersetzung):

Um die Qualität der enzyklopädischen Inhalte trotz des exponentiellen Wachstums der Gemeinschaft an Beitragenden aufrecht zu erhalten, entwickelten die WikipedianerInnen automatisierte (Bots) und halb-automatisierte Werkzeuge (HuggleTwinkle, etc.) um die Aufgabe, unerwünschte Beiträge zurückzuweisen, so wenig aufwändig wie möglich zu gestalten. Diese Werkzeuge waren offensichtlich sehr effektiv.

Konkret stieg der Anteil an zurückgesetzten Änderungen von Neulingen ab 2007 an – und zwar vor allem auch in der Gruppe jener AutorInnen, die in dem guten Glauben („good faith“) gehandelt hatten, einen echten Beitrag zu leisten:

Anteil von Zurückgesetzen Beiträgen von Neulingen (Halfaker et al. 2013)
Anteil von Zurückgesetzen Beiträgen von Neulingen (Halfaker et al. 2013)

Neben einer kurzen Zusammenfassung der Ergebnisse von Halfaker selbst berichtet auch MIT Technology Review in einem längeren Beitrag über die Studie. Für die Zukunft wäre eine vergleichende Untersuchung verschiedener Sprachversionen interessant, weil sich die eingesetzten Bots durchaus unterscheiden – wenn auch in anderen Sprachversionen eine starke Zunahme an Bot-Editierungen zu beobachten ist (vgl. beispielsweise zur deutschen Wikipedia einen Aufsatz von Claudia Müller-Birn, Jim Herbsleb und mir mit dem Titel „Work-to-Rule„).

Weitersagen und Unterstützen. Danke!
14 Kommentare
  1. Das mag wohl daran liegen das seit dem der Pöbel herscht.
    Die guten Autoren werden platt gewalzt von der Laune, Stimmung, MEinung, Einstellung der nicht so besonders cleveren dafür sehr einflussreichen heavyuser die den ganzen tag da rumhängen und deren Ziele entweder idologischer NAtur sind – also die eigene Ideologie zu stärken und fremde zu unterdrücken oder sich einfach nur wichtig zu machen. Im sinne vom Opa der mit Kissen am Fenster sitzt, Blockwart spielt und auf alles raufhaut wo man raufhauen kann.

    Die richtig guten jungs haben natürlich weder zeit noch lust den ganzen tag dort zu sitzen und netzwerke zu knüpfen.
    und wenn man dann ständig gelöscht wird vergeht einemm schnell auch daran der spass

    1. Richtig gute Autorinnen und Autoren beherrschen Rechtschreibung, Grammatik, Syntax, die Tastatur und korrigieren ihre Texte, bevor sie sie abschicken.
      Es gibt den Duden auch im Internet.

      1. Und was hat Rechtschreibung mit dem Thema zu tun? Es gibt verschiedene Gründe für Fehler (die niemand absichtlich macht). Ein dummer Fehler ist Kritik, die keinen Nutzen hat.

        Ich denke, wenn Wikipedia so weiter macht, dann dürfte jemand etwas Neues machen. In Spezialbereichen existieren schon Alternativen. Bei der Löschwut der Wikipedia frage ich mich, ob deren Festplattenplatz wirklich so beschränkt ist, wie die Löschregeln.

        Kooperative Projekte leben von Transparenz und Toleranz.

      2. Rechtschreibung hat das damit zu tun, dass dahingeschluderte Beiträge, bei denen sich der Autor keine Mühe gegeben hat, auch revertiert werden.

        Daneben gibt es, im Gegensatz zu der Meinung von Brautkleid, eine Vielzahl von Stammautoren, die trotzdem gut sind. Aber natürlich auch die Ideologischen, keine Frage. Viele von der Wirtschaft bezahlte Autoren zum Beispiel – erst neulich wurden erst 250 von der Sorte gesperrt. ;)

        Der berüchtigten Löschwut bin ich in den letzten Jahren sehr selten begegnet, aber auch mehreren verschiedenen Artikeln zu ein und dem selben Thema. Oder einzelnen Artikeln über jedes Massenprodukt mit einem Produktlebenszyklus von einem halben Jahr. Toleranz ist beispielsweise auch, sowas – den Informationssuchenden zuliebe – zu einem vollwertigen Artikel zusammen zu fassen, oder auf Lesbarkeit zu achten.

        Eine Gefahr für die Wikipedia ist das kaum. Spezialwikis gab es schon immer, auch innerhalb des Wikimedia-Projekts – ist doch gut. :)

      3. Frl. Unverständnis, manche Beiträge sind trotz Fehler keineswegs hingeschludert. Zudem hat Betty den Beitrag von Brautkleid unnötig und ohne Mehrwert angegriffen.

        Zum Inhalt: Löschwut existiert. Ich vermisse gute Artikel, die ich immer wieder gelesen hatte und die nun verschwunden sind. Der Anspruch, ein objektives Lexikon zu erstellen, ist unerfüllbar. Ich halte selbst Meinungen von Abhängigen für wichtig, wenn das transparent ist. Meinetwegen sollen die ein Bewertungssystem einführen. Nach dem Motto: Dieser Artikel ist ideologisch gefärbt und stellt die Meinung einer Politik, Industrie, Wissenschaft dar. Meinetwegen können Beiträge, die heute überleben als besonders geprüft dargestellt werden. Meinetwegen können ungesicherte, nicht Standards entsprechende Artikel bei der Suche optional ausgeblendet werden. Das alles wäre Mehrwert. Löschen ist aber nur Verlust.

        Fakt ist, dass ich jeden einzelnen Artikel (realistisch in ca. 75% der Fälle und natürlich mit erheblichem Aufwand!) vollkommen und nach Belieben auseinander nehmen kann. Das macht Wikipedia sicher nicht schlecht. Doch Objektivität existiert nicht.

  2. OT: Führt netzpolitik.org „gendergerechte“ Sprache (AutorInnen) jetzt schon länger? Oder fällt mir das nun erst auf? Habe das im feed bemerkt. Auf der Seite wird das wird ja normalerweise durch meine Extension rausgefiltert.

    1. Es mögen ja einige Schreibweisen „gendergerecht“ (mit Anführungszeichen) und filterungswürdig sein, aber AutorInnen gab es schon in den 80ern und störten seitdem wenig. ^_^

  3. Wikipedia ist doch inzwischen so ziemlich vollgeschrieben. Ist doch nicht erstaunlich, dass die Zahl der ‚aktiven AutorInnen‘ (5 Beiträge/Monat) zurückgeht.

  4. Kann ich nur bestätigen. Habe auch schon diverse Sachen dort geschrieben oder korrigiert. Oft wurden die nicht akzeptiert. Manche Einträge werden sogar komplett gelöscht obwohl die da schon seit Jahren drin sind bzw. waren mit der debilen Begründung es habe keine Relevanz …

    Aber wer bissel hinterher googlet was Wikipedia Kritik angeht stellt schnell fest dass das ganz mit Absicht geschieht. Gerade wo politische Interessen im Spiel sind sei es wenn es um Waffen und Rüstungsfirmen geht oder Pharmamafia oder die normale Politik halt – militärisch industriller Komplex eben. Habe es daher dort auch aufgegeben.

    Im Übrigen bin ich der Meinung dass hier sowieso 90% oder mehr es Typen sind die die News lesen – einfach weil es Themen für intelligente Menschen sind und Frauen sich für ZDF (Zahlen Daten Fakten) nicht interessieren. Insofern braucht man nicht unbedingt beide Geschlechter mit den Schreibweisen zu beachten :-P

    Ich schreibe es übrigens immer so: Schüler(innen) wenn schon

    1. Raizo, ich interessiere mich sehr wohl für ‚ZDF‘. Dagegen stößt ein rüder Umgangston mich ab, dann verlasse ich so eine Umgebung lieber, ohne mich zu äußern, es gibt sonst schon genug krankmachende Faktoren im Leben.

      Dein letzter Satz impliziert, dass das männliche Geschlecht der Normalfall sei, und weibliches *nur* ein Sonderfall, eine Abart davon, von geringerer Wichtigkeit. Sich auch sprachlich einer Gleichwertigkeit bestmöglich anzunähern finde ich ein erstrebenswertes Ziel.

      1. Irgendwo ist das zwar am Thema vorbei, jedoch sehr interessant.

        Meist finde ich den Plural geschlechtsneutral, wenn es nicht auf das Geschlecht ankommt. Immerhin ist der Artikel weiblich „die“. Sogar der Titel hier spricht hier von Autorenschwund (männlich) – was gleich meine Plural-These ein wenig relativiert.

        Auf der anderen Seite ist das „..Innen“ etwas wie eine Schleife auf der Brust der Autoren – männlich, nur die sind gemeint! Zwar nicht so elegant, jedoch eine Art Symbol: „Ich stehe zu…“ – ups, zu was denn? Gleichberechtigung? Political correctness einfach um seine behauptete Gesinnung als toller, moderne Mann hervorzuheben? Schau mir in die Augen, Kleines? Und zuhause dann noch „He Alte, bring mal ne Flasch‘ Bier?“. Ich glaube Männern und selbst Frauen diesbezüglich nichts. Gar nichts!

        Dagegen: Alles weiblich zu schreiben dreht das Problem nur um. Bedeutet das: gleiches Recht für Alle?

        Zugegeben, möglicherweise haben die wir Männer ein schweres Problem mit unserer dämlichen – nun, herrlich kann ich wohl kaum sagen, was für ein Problem – „traditionellen“ Sicht. Doch möglicherweise diskriminieren Frauen sich auch ein wenig selbst, wenn sie wirklich Alles (???) unter diesem Gender-Blickwinkel sehen müssen.

        Und da behauptet man, nur Männer würden immer an das Geschlecht (sexus, kurz sex) denken müssen. Oh je, das gibt Mecker jetzt – vor allen Dingen, wo ich das nun geradezu „bewiesen“ habe. Dazu muss ich wohl nun stehen.

        Meine Tochter meint zu „..Innen“ jedenfalls Zitat: „nervige Korintenkackerei“.

        Was also tun? Ich lass mich gerne belehren. Welche Schreibweise wäre angemessen – und warum? Denn respektlos will ich wirklich nicht sein.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.