Öffentlichkeit

Facebook zensiert EMMA

Auch die EMMA hat einen Auftritt bei Facebook, und hat dort gerade erfahren müssen, wie man im Internet Zensur unterworfen werden kann: Da das als Profilbild verwendete Cover der aktuellen Ausgabe u.a. eine nackte Frau zeigt, verstieß es gegen die Facebook-Richtlinien. Dort heißt es:

Wir finanzieren uns fast vollständig aus Spenden von Leserinnen und Lesern. Unterstütze unsere Arbeit mit einer Spende oder einem Dauerauftrag.

We have a strict „no nudity or pornography“ policy. Any content that is inappropriately sexual will be removed. Before posting questionable content, be mindful of the consequences for you and your environment.

Folglich wurde das Bild entfernt. Das neue Profilbild ist eine vermilchglaste Variante des alten.

Offizieller Kommentar zu dem Vorgang:

Wer sich gewundert hat, warum beim EMMA-Facebook-Account statt des aktuellen Covers nur noch ein Fragezeichen zu sehen war: Wir sind den Facebook-Richtlinien zum Opfer gefallen, die keinen Unterschied machen zwischen einem nackten Körper und Pornografie. Überhaupt sorgt das Titelbild der aktuellen EMMA für hitzige Debatten, siehe auch http://forum.emma.de/showthread.php?7228-1-12-Titelbild-der-neuen-EMMA

Bei allem bewundernswerten Engagement der Redakteure fiel die Zeitschrift in der Vergangenheit ja bekanntlich mehrmals mit seltsamen Meinungen bei netzpolitischen Themen auf – zuletzt mit der Berichterstattung zur Piratenpartei. Praxiserfahrung mit bevormundenden Mechanismen kann ja vielleicht in der Zukunft hilfreich bei der Beurteilung von Vorgängen auf diesem Gebiet sein.

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28 Kommentare
  1. Emma hat seit Jahrzehnten Erfahrungen mit nackten Titten im Internet:
    „Usenet-Sperrungen 1991/92

    In der Ausgabe Dezember 1991 berichtete Die Zeitschrift Emma über Pornographie im Usenet, welches zur damaligen Zeit in Deutschland fast ausschließlich über Universitäts-Server verteilt wurde. Emma leitete daraus einen „Porno-Skandal“ her, demzufolge (laut Emma ausschließlich männliche) Professoren und Studenten die Computertechnik der Universitäten dazu missbrauchten, Pornographie zu konsumieren. Dabei argumentierte Emma, dass diese Daten Bandbreite und Speicherplatz auf steuerfinanzierter Infrastruktur für universitätsfremde Zwecke bänden. Emma wies dabei ablehnend auf sadomasochistische Pornographie hin und belegte dies mit einem Bild von Dolcett. Ein weiteres Argument lautete, dass weibliche Kollegen und Kommilitonen sich von dem unterstellten Pornographiekonsum in den Räumen der Unis belästigt fühlten.

    In der Folge dieser Veröffentlichung griffen andere Medien – darunter die Taz, der Südwestfunk und der Süddeutsche Rundfunk – die von Emma unterstellten Tatsachen und kritischen Folgerungen auf und berichteten in ähnlichem Tenor. Mehrere Universitäten ließen in Folge der medialen Berichterstattung aus dem bisher unzensiert weitergeleiteten Usenet bestimmte Gruppen sperren. In einigen Fällen betraf das auch Foren, die nicht der Verbreitung von Pornographie dienten, sondern Diskussionsforen für sexuelle Minderheiten waren.“
    http://de.wikipedia.org/wiki/Sperrungen_von_Internetinhalten_in_Deutschland#Usenet-Sperrungen_1991.2F92

    Beachtenswert ist, dass Emma seien eigenen Ratschläge nicht zu Herzen nimmt und nackte Brüste ins Internet stellt,. wo jeder seit Emma weiss, dass das nur Onaniervorlagen für Professoren sind (laut Emma).

    Das scheint die Redaktion durchgeknallt zu sein, nach dem alten Motto: Sex sells.

  2. Der Titel dieses Artikels ist unwahr und reißerisch. Facebook wirft Emma eben _nicht_ Pornographie vor, sondern sagt »We have a strict “no _nudity_ or pornography” policy.« (Hervorhebung von mir).

    1. URL lässt sich leider nicht mehr ändern; war der Arbeitstitel, den ich eben wegen den von dir angesprochenen Punkten noch geändert hatte (siehe Überschrift).

  3. Wir hatten mit dem Feigenblatt das Problem auch mal, als wir eine Facebook-Anzeige mit einem (finde ich) ziemlich dezenten Cover der Zeitschrift schalten wollten. Ich hab damals darüber gebloggt. Seitdem klicke ich zwischendurch gerne mal Facebook-Anzeigen weg und behaupte, sie seien „anstößig“ oder „sexuell explizit“.

    1. nix für ungut, aber der männerhassenden power-pseudo-emanze schwarzer gönn ich das aber so richtig. die „emma“ ist doch mittlerweile genauso n hetzblatt wie bild, is also auch kein wunder, das die alte sich von der bild vorn karren spannen lässt.

  4. Da EMMA ja eh pro-Zensur sind (siehe Die Kinderporno als Vorwand zur Zensur Sache von Zensursula damals) komme ich nicht umhin denen das voll und ganz zu gönnen.

  5. Zynismus von Emma am Rande: Auf dem Titel von Emma steht „Die Frau ist nicht zu kaufen“. Stimmt. Emma schleudert nackte Titten kostenlos über Facebook in die Welt. Man hätte vermuten können, dass das Kampfblatt unserer Bundesverdienstkreuzträgerin Schwarzer etwas sensibler mit der Vermarktung nackter, weiblicher Haut ist. Aber nun macht es Emma dem Playboy nach: Nackte Titten auf den Titel, damit sich das Käseblättchen verkauft. Da könnte man Sympathien für Facebook entwickeln.

  6. wieso werden in den kommentaren sexistische und antifeministische kommentare zugelassen (sie brainOnaut)?

    und wieso verwendet der oder die autor_in kilian die männliche form für die EMMA-redakteurinnen???

    1. Frau Schwarzer darf man mittlerweile losgelöst von der Feminismusbewegung betrachten. Sie hat damals viel bewegt, aber in den letzten Jahren schadet sie der Bewegung eher als sie sie vorantreibt. Werbung für die Bild, die einen Großteil durch Sexanzeigen verkauft und auf jeder Ausgabe die Frau als Objekt darstellt? Die Hetzkampagne gegen Kachelmann, obwohl fast alle Beweise gegen ihn vollkommen absurd waren? Klar ist der Begriff „Emanze“ nicht die feine englische Art, aber man kann es auch übertreiben.

      Und hört endlich auf mit dieser Gender-Sprache. Es gibt zunächst wichtigere Probleme/Ziele in der Bewegung, da sollte man sich nicht Sympathien und Chancen verbauen, in dem man wie Grammar-Nazis jedes mal auf solche beinahe Belanglosigkeiten herumreitet.

      1. alice schwarzer kritisieren = einverstanden.

        alice schwarzer sexistisch beleidigen und antifeministische klischees wälzen = nein.

        die EMMA mit der BILD gleichzusetzen = billige polemik.

        was feminist_innen fuer wichtig erachten (oder nicht) – das betrifft auch sprache – ist den feminist_innen vorbehalten und nicht dir, klar? ach ja: dass godwin’s law immer zutrifft, wenn es um feminismen geht wird langweilig!!

    2. „wieso werden in den kommentaren sexistische und antifeministische kommentare zugelassen (sie brainOnaut)? „

      Weil wir hier sowas wie Meinungsfreiheit haben. Die Kommentare sind zwar nicht gerade Meisterwerke, aber der zumindest der erste ist inhaltlich nachvollziehbar.

      „und wieso verwendet der oder die autor_in kilian die männliche form für die EMMA-redakteurinnen???“

      Weil das die grammatikalisch korrekte Variante ist, wenn man das Geschlecht des Verfassers nicht kennt. (Nennt sich „Generisches Maskulinum“)

      1. falsch. sexismus ist keine „meinungsfreiheit“ sondern diskriminierung. setzen, sechs!

        wer sagt, dass das generische MASKULINUM die grammatisch korrekte variante ist? und nicht nur, dass das eine falsche aussage ist von dir, es geht auch noch weiter: die EMMA redaktion ist dafuer bekannt, autorinnen zu haben, also ist das geschlecht bekannt.

    3. Der Die Laura-Marie,

      Er_Sie_Es erwarten doch nicht ernsthaft bei einem sexistischen Cover eine nicht sexistische Diskussion_en
      Titte_n auf einem Cover, egal ob schöner Akt, Pornograph/fie oder Aktivismuß, sind IMMER zur Erhöhung der Verkaufszahlen.

      1. Noch was vergessen:
        die EMMA mit der BILD gleichzusetzen = billige polemik.

        Was der die das Alice Schwarzer angeht, schreibt die ja für beide Blätter. Wüsste nicht warum da ein Vergleich nicht angebracht oder sogar naheliegend ist.

  7. Kann man denn nicht einfach mal Facebook Facebook sein lassen?

    Es kommt mir unecht vor, staendig gegen FB zu staenkern – was ich in Ordnung finde – aber selber die f&%*ing-buttons hier zu platzieren. Ich mag vielleicht schon altmodisch sein und erinnere mich an Zeiten, in denen man seine Zielgruppe per webpage erreichte. Ich mag mich taeuschen, aber hier wird dauernd auf FB gehauen, versucht aber dennoch ueber FB Leute zu erreichen.
    Konsequent ist das nicht.

  8. Ich frag mich was an „no nudity“ schwer zu verstehen ist. Wenn jegliche Abbildungen von nackten Körpern strikt von Facebook gelöscht werden, zeigt die Beschwerde über fehlende Differenzierung zwischen Nacktheit und Pornografie nur, dass die Richtilinien weder gelesen, noch verstanden wurden.

  9. BTW, ich kann dieses ganze scheinheilige „Nackt ist böse“-Getue nicht mehr ab…..
    O.K., nackt ist total unnatürlich, wir wir Amerikaner wissen und per se Teufelswerk, wenn man der Kirche glauben soll…ach ja, und verdirbt die Kinder, wenn man der CSU glaubt…..
    Bin ich der Einzige, den das mehr als aufregt oder muss unsere Gesellschaft und vor allem die Jugend vor dem gefährlichen und obszönen Nacktsein geschützt werden?
    Grüße+SCNR!

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