Demokratie

Wieviel Macht hat Wikipedia?

Die freie Online-Enzyklopädie Wikipedia ist als Wissensressource aus dem Alltag kaum mehr wegzudenken. Nachdem der Schwanengesang auf das gedruckte Lexikon verklungen ist, nimmt das Projekt eine Stellung ein, die man als marktbeherrschend bezeichnen kann. Wenig verwunderlich also, dass es auf umstrittenen Gebieten immerwieder zu Grabenkämpfen kommt und dass Lobbygruppen versuchen, Einfluss zu nehmen.

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Doch neben der Macht des Wissens scheint Wikipedia mittlerweile auch eine neue Machfunktion zu besitzen: Als Protestplattform – was nicht unumstritten ist.

Seit am 4. Oktober die Community der italienischen Version gegen einen als „Maulkorberlass“ empfundenen Gesetzentwurf „streikte“ und alle Seiten auf eine Protestnote umleitete, wurde deutlich, welchen Einfluss man auf diese Art nehmen kann. Denn die nicht mit der Betreiberorganisation Wikimedia abgestimmte Aktion war von Erfolg gekrönt, der Entwurf wurde entschärft und seit dem Ende der Regierung Berlusconi hat man nichts mehr darüber gehört.

Morgen wird in den USA die Debatte zu SOPA wieder aufgenommen (wir berichteten), und die Mutter aller Wikipedien bringt sich in Stellung: Auf http://en.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:SOPA_initiative wird abgestimmt, auf welche Art und Weise der Protest erfolgen soll. Ein erster Erfolg ist bereits zu verzeichnen: Das einleitende Statement von Wikipedia-Papa Jimmy Wales sorgte für etwas Medienecho, und sogar auf der anderen Seite des Atlantiks wurden ein paar Druckerzeugnisse auf den möglichen Sargnagel des freien Internets aufmerksam. Auch in der deutschen Sprachvariante will man sich solidarisch zeigen. Vielleicht hilft es ja, denn der ein oder andere Abgeordnete wird sicherlich wieder so gelangweilt vom Politik machen sein, dass er versehentlich beim rumsurfen über die Folgen seiner Handlungen aufgeklärt werden könnte – auf welcher Sprache auch immer.

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11 Kommentare
  1. Bis „man“ sich in der deutschen Wikipedia endlich darüber geeinigt hat, wie man an einer solchen Aktion teilnimmt, bleibt nur noch übrig, einen entsprechendne Eintrag in der Kategorie „Geschichte“ vorzunehmen.
    Ja, ja, „Wikipedia-Bashing ist sooo 2008“. Zum Besseren hat sich aber mEn in den letzten Jahren in der deutschen WP nicht wirklich was…

  2. Seit dem Fall OOXML mit seinem Werbeartikel, der immer gegen einen Schattenartikel konvergiert, so dass komische Formulierungen, die schon n mal geändert, und falsche Referenzen wiederkehren, und den Löschfanatikern in der deutschen Wikipedia habe ich nur noch beschränkt Vertrauen.

  3. denn der ein oder andere Abgeordnete wird sicherlich wieder so gelangweilt vom Politik machen sein, dass er versehentlich beim rumsurfen über die Folgen seiner Handlungen aufgeklärt werden könnte

    Formulierung des Jahres!

  4. Jungs, hier gehts mal nicht um Wikipedia Bashing!

    Ich finde es richtig, wenn man zu etwas Stellung bezieht. Nichts ist doch in der heutigen Zeit schlimmer als ständig hören zu müssen: „Man könne sich hier und da nicht einmischen oder gar eine offene, meist gegenteilige Meinung, zu etwas haben“.

    Ich persönlich habe die Nase gestrichen voll davon, wenn sich allerorten hinter irgendwelchen Ausreden versteckt wird statt mal für etwas einzustehen!

  5. Ganze 24 Unterstützer haben sich innerhalb von zwei Tagen unter dem Wikipedia-Anti-SOPA-Artikel zusammengefunden. Beachtlich …

    NOT!

    Zwischen all den Löschvorschlagungen und Relevanzdebatten scheinen die Kräfte nicht mehr herzugeben. Die werden sich noch umsehen, wenn das Löschen in Zukunft andere übernehmen, und die Sachen schneller verschwinden, als Klein-Luke den Radiergummi zücken kann.

    (Bevor wer fragt: Nein, ich zähle nicht zu den 24 – mangels Account. Es gibt ja nicht nur Wikipedia … )

    1. Keine Sorge, es wird sich schon irgendein „Rechteinhaber“ finden, der irgendeinen link in der WP findet, der auf eine Seite führt, auf der eventuell illegales Material zu finden ist. Z.B. ein Youtube-Video.

      Das reicht bei SOPA und dem anderen Ding ja schon aus.

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