Für alle, die nicht zum Beispiel per SSHFS ihre eigene Cloud betreiben, ist Dropbox ein genialer Service: Dateien werden über mehrere Rechner automatisch synchronisiert, es gibt eine eingebaute Backup- & Restore-Funktion, und wenn man mal keinen Rechner dabei hat, sind alle Dateien auch per Webinterface zugänglich. Natürlich kann man auch Ordner & Dateien mit anderen teilen: Daraus hat man sich sogar schon ein „dezentrales(?)“ soziales Netzwerk gebastelt. Besonders mutige synchronisieren sogar ihre Passwörter darüber.
Da kommt natürlich auf den Festplatten der Dropbox-Server einiges zusammen, an dem Ermittlungsbehörden Interesse haben. Und bei Dropbox ist man natürlich hilfsbereit: Die AGBs wurden dahingehend angepasst, dass man einwilligt, dass die US-Behörden auf Anfrage Zugriff auf die Daten bekommen. Man hat ja nichts zu verbergen.
Vor einigen Tagen wurde zudem auf die Sicherheitslücke hingewiesen, dass der auf der Festplatte eines Dropbox-Clients gesicherte Authentifizierungs-Token sich problemlos auf andere Rechner kopieren, und dort nutzen lässt. (Die gleiche Möglichkeit bieten vermutlich auch Programme wie Echofon, die Twitter OAuth nutzen, das ist aber nur meine Vermutung).
Das ist natürlich bei zentralen Cloud-Diensten nichts neues: Wir kennen das von Twitter-Subpoenas, Skype-Backdoors und anderen Fällen, die zu den wenigen gehören, die öffentlich wurden. Somit sind auch bei Dropbox die jetzt zur Wahl stehenden Strategien die gleichen:
Entweder, man boykottiert den Dienst (1), nutzt eine dezentrale Alternative wie z.B. Tahoe lafs (2) (Update: Mir wurde auch Wuala & Tarsnap empfohlen, habe ich aber nicht getestet) oder man nutzt ihn nur verschlüsselt (3). Der Dropbox-Client ist m. W. nicht Open Source, also wäre es viel Arbeit, einen eigenen mit Verschlüsselung zu bauen. Einfach nur einen TrueCrypt-Container hineinzulegen halte ich wegen der Dateigröße nicht für zielführend, denn der Dropbox-Daemon scheint mir nicht so schlau wie rsync zu sein, sondern jedes Mal die ganze Datei zu übertragen, wenn sie sich ändert (Update: in den Kommentaren wird mir gesagt, dass das zwar nicht so ist, aber zugestimmt, dass der Dropbox-Sync sehr langsam ist). Denkbar wäre aber zum Beispiel eine FUSE-pipe, die dafür sorgt, dass jede Datei vor dem Speichern in die Dropbox verschlüsselt, und beim Lesen aus der Dropbox automatisch entschlüsselt wird. So etwas wird hier zum Beispiel per gpg symmetric encryption beschrieben. Symmetric encryption bietet sich an, wenn man von unterwegs drauf zugreifen möchte, ohne seinen secret key mit sich herumzutragen oder ihn gar auf fremden Rechnern zu nutzen. Für ernstes Geschäft wäre man natürlich mit asymmetrischer Key-basierter Verschlüsselung besser beraten, müsste aber wohl auf den Allzeit-Zugriff verzichten.
Ich schreibe gerade an so einem fremden Rechner, kann daher das vorgeschlagene encfs nicht ausprobieren. Hat jemand von euch schon Erfahrungen damit gemacht?
For the record: Tahoe-lafs scheint die beste Alternative zu sein, aber es gilt ja erstmal, die Dropbox-Freunde zu schützen.