Überwachung

Für die Mittagspause: Videoüberwachung anzapfen

Mehr als 40 Aachener Überwachungskameras übermitteln ihr Bildsignal analog und unverschlüsselt an die Überwachungszentrale. Mit einem Funk-Scanner und geeigneter Software kann man das Schauen und Auswerten der Videos also quasi crowdsourcen, wie der Arbeitskreis gegen Überwachung der Presse demonstrierte:

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«Plötzlich konnten wir einzelnen Drogenabhängigen auf unserem Computer beim Fixen und Dealen zuschauen», erklärt Felix Bosseler. Der Sprecher des Arbeitskreises, der Mitglied der Piratenpartei ist, betont, dass man nun gegen die Videoüberwachung des öffentlichen Raums und den unzulässigen Umgang mit Videodaten vorgehen will. Dies betreffe auch Firmen, die ihre Mitarbeiter via Video am Arbeitsplatz ausspionieren, und Privatleute, die etwa als Hausbesitzer mehr als die eigenen vier Wände aufzeichnen.

berichtet die Aachener Zeitung. Auf der Seite des AK Überwachung findet sich auch eine interaktive Kamera-Karte. Natürlich auf OpenStreetmap-Basis, wie es sich gehört. Interessantes Projekt & gute Arbeit!

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9 Kommentare
  1. Das die Behörden langsamer sind als alle anderen ist ja klar. Aber so langsam? Es ist schon ein paar Jahre her, als man noch in den Fußgängerzonen dutzendweise Livevideos von Kassen, Umkleiden, Lagerräumen usw. sehen konnte, weil sich die meisten billiges unverschlüsseltes Zeug gekauft hatten und nicht für die Gefahr sensibilisiert wurden. Inzwischen hat sich das hier deutlich gebessert, aber anscheinend eben nicht überall…

  2. Und noch immer bekommen einige kommunale Würdenträger Schaum vors Maul wegen Google Street View oder das Pendant von BING. Medienkompetenz gleich null… und das eigene Equipment lässt jeden Datenschützer Pirouetten drehen…

  3. Ich möchte in diesem Kontext noch erwähnen, dass der Aachener Polizeichef vor einigen Monaten angeordnet hat, dass die Kameras am zentral liegenden Elisenbrunnen abgeschaltet und abgedeckt werden, sowie die „Videoüberwachung“ Schilder abgehängt werden. Sollte diese Maßnahme innerhalb eines Jahres zu keiner (Wieder-)Erhöhung der Kriminalität in diesem Gebiet führen, würden die Kameras permanent entfernt. Ein Schritt in die richtige Richtung, möchte man meinen, da wünscht man sich, dass dieser Polizeichef seinen Job noch lange macht – eventuell verschwinden dann noch mehr Kamers.

    Das ist auf der verlinkten Karte zwar in den Kommentaren vermerkt, der Bereich wird aber noch als videoüberwacht markiert.

    1. Habe ich mir mal angeschaut. Technich neu ist, dass jederman selber Cams eintragen kann. Sogar einigermassen gut gelöst, wenn auch noch etwas wacklig. Der Ansatz einen AK wie AK-Vorrat oder AK-Zensus aufzusetzen ist auch neu. Zumindest soweit ich es beurteilen kann.

  4. …und Privatleute, die etwa als Hausbesitzer mehr als die eigenen vier Wände aufzeichnen.

    Wie ich finde, ist dieser Bereich durchaus kritisch zu bewerten. Ich hatte mir auch mal überlegt, per Videokamera an unserer Mauer entlang zu überwachen, wer da immer seinen Müll entsorgt oder wer seine Hunde immer in unsere Garageneinfahrt scheissen läßt. Grundsätzlich bin ich auch gegen eine Videoüberwachung am Arbeitsplatz oder auf öffentlichem Gelände, doch welche Alternative gäbe es denn, diese Dreckschleudern zu überführen? Es ist leider nicht auszuschließen, dass man bei der Kameraausrichtung nicht einige Zentimeter vom Gehweg erfasst. Besser wäre es natürlich, wenn jeder seinen Müll an entsprechend vorgesehener Stelle entsorgen würde, doch sind wir erziehungstechnisch weit davon weg. Besonders hübsch finde ich immer die typischen Müllreste von bekannten Schnellrestaurants an den Seitenrändern von Auffahrten zu Bundesstrassen und Autobahnen, die einem verraten, dass ein selbiges Schnellrestaurant in der unmittelbaren Nähe sein muss.
    Während Falschparken dazu ein vergleichsweise hart bestraftes Vergehen darstellt, ist jede Form der Umweltverschmutzung weitgehend salonfähig geworden. Das ist jetzt nur ein Beispiel für diese grenzwertigen Kameraüberwachungen, ist aber nicht komplett von der Hand zu weisen.

    1. Wenn du die Kamera nicht anders ausrichten/positionieren kannst, ohne öffentlichen Raum im Blickfeld zu haben, dann musst du geeignete Maßnahmen treffen, um den öffenltichen Raum nicht aufzunehmen. Die könnten mechanische Abschattungen oder der Linse sein. Eine Alternative wäre die automatische Bildverarbeitung, z.B. mit einem starken Weichzeichnungsfilter in den betroffenen Bildarealen. Da gibt es durchaus Mittel und Wege sich rechtskonform zu verhalten.

  5. Auch die Wiesbadener Piraten haben ein Kamera-Projekt und bieten es auch zum Selberbefüllen an. Wenn auch auf Basis von Google Maps, aber da weisen wir transparent drauf hin.

    http://ppwi.de/start.aspx

    linke Spalte. Einfach mal melden bei Interesse.

  6. @Thomas: Die Kameras die der Aachener Polizeichef betreibt sind angeblich abgeschaltet. Tatsächlich ist bei mindestens 3 Kameras der „DOM Halbkreis“ gegen eine Schwarze Platte ausgetauscht worden. Zwei weitere sehen genauso aus wie immer. Es wird nicht unterschieden ob eine Kamera an oder aus ist. Das kann der Bürger nicht beurteilen. Aus die Karte fliegen die erst raus, wenn die entweder abgedeckt oder abgeschraubt wurden. Ego: das ist so gewollt in der Karte.

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