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Freedom Boxes: Das Internet, wie es sein sollte.

Eben Moglen von der Free Software Foundation hat Anfang Februar die Freedom Box Foundation gegründet. Worum geht es überhaupt? Freedom Boxes werden kleine stromsparende Privat-Server (‚plug server’) sein, die man einfach zu Hause stehen hat, und auf denen dezentrale soziale Netzwerke wie zum Beispiel Diaspora oder Statusnet, eigene Mailserver etc. laufen sollen, um das Internet und unsere…

  • Linus Neumann

Eben Moglen

von der Free Software Foundation hat Anfang Februar die Freedom Box Foundation gegründet.

Worum geht es überhaupt? Freedom Boxes werden kleine stromsparende Privat-Server (‚plug server’) sein, die man einfach zu Hause stehen hat, und auf denen dezentrale soziale Netzwerke wie zum Beispiel Diaspora oder Statusnet, eigene Mailserver etc. laufen sollen, um das Internet und unsere Nutzung wieder so dezentral zu organisieren, wie es sich für ein demokratisches Medium gehört. Die Nutzer bekommen so wieder autonome Kontrolle über Ihre Daten, und das Netz wird unanfällig gegen Zensur. Die konkreten Ziele des Projekts sind:

  1. dezentrale, sichere Social Networks
  2. sichere, verschlüsselte Backups: Jede Freedom Box ist gleichzeitig Teil eines verteilten Backup-Systems für andere Freedom Boxes
  3. Zensur-Umgehung und Netzneutralität: Bei eingeschränktem oder manipuliertem Netzzugang holt die Freedom Box sich die Daten über VPN von anderen Freedom Boxes, die uneingeschränkten Netzzugang haben
  4. sichere, anonyme Veröffentlichungsmöglichkeiten
  5. Firewall für das Heimnetzwerk
  6. Verschlüsselte Email
  7. Verschlüsselte Telefonie

All das gibt es natürlich schon. Jetzt soll es aber einfach und nutzerfreundlich gemacht, und in die Wohnzimmer der Menschen als Selbstverständlichkeit Einzug erhalten. Natürlich soll alle Software Open Source sein.

An der Idee wird schon seit einiger Zeit gebastelt, aber bisher gibt es leider nur erste Hacks. Durch die Gründung der Stiftung soll sich das jetzt möglichst schnell ändern.

Einen interessanten Vortrag über „Freedom in the cloud“ hat Eben Moglen  an der New York University gehalten – hier das Transkript, hier das Video:

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Über die Autor:innen

  • Linus Neumann

    Dipl.-Psych. Linus Neumann war seit 2010 mehrere Jahre Mitglied der Netzpolitik-Redaktion und ist einer der Sprecher des Chaos Computer Clubs. Zusammen mit Tim Pritlove macht er den wöchentlichen Podcast Logbuch:Netzpolitik. Er arbeitet in Berlin bei einem Unternehmen im Bereich der IT-Sicherheit. Ab und an twittert er ein bisschen Unsinn. Per E-Mail erreicht man ihn hier.


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20 Kommentare zu „Freedom Boxes: Das Internet, wie es sein sollte.“


  1. Genau sowas bastle ich mit einem SheevaPlug. Für größere Installationen sind sie aber noch zu teuer. Zum Glück gibts jetzt WiFi-Router für weniger als 50€, bei denen der Hersteller endlich mal drauf schreibt, dass sie mit OpenWRT funktionieren. Hoffentlich wird diese Nische in Zukunft noch mehr gefüllt.


  2. Patrick H.

    ,

    Cool, das klingt nach Cloud-Computing nach meinem Geschmack. Hoffentlich wird das Fallen der NAT-Hürde mit IPv6 langfristig mehr solch dezentrale Entwicklungen im Netz befördern.


    1. @Patrick: NAT tut meiner Erfahrung nach für solche Regalsever weit weniger schlimm weh als der furchtbar magere Upstream von ADSL.


      1. Patrick H.

        ,

        @Martin:

        NAT ist IMHO der Grund, weshalb aber nur Nerds wie wir uns mit dem Thema beschäftigen. NAT erzieht die Anwender dazu, dass sie zentralisierte Dienste nutzen müssen, weil es sonst ja nicht richtig funktioniert.


  3. […] viaFreedom Boxes: Das Internet, wie es sein sollte. : netzpolitik.org. […]


  4. Spinnzessin

    ,

    Klingt faszinierend :-)!

    Ich hoffe nur die Macher denken daran, daß sowas auch für DAUzessinnen wie mich bedienbar ist ;-).


  5. La_fishy

    ,

    Gute Sache das.
    Wollte nur mal in die Runde werfen, dass es jetzt schon ein Privacy by Design basiertes soziales Netzwerk gibt. Zwar nicht dezentral, aber pidder lässt sich vollkommen anonym nutzen & jegliche Kommunikation wird verschlüsselt. Und zumindest ist die Verschlüsselungs-Bibliothek pidCrypt ist open source.


  6. […] Freedom Boxes werden kleine stromsparende Privat-Server (»plug server«) sein, die man einfach zu Hause stehen hat, und auf denen dezentrale soziale Netzwerke wie zum Beispiel Diaspora oder Statusnet, eigene Mailserver etc. laufen sollen, um das Internet und unsere Nutzung wieder so dezentral zu organisieren, wie es sich für ein demokratisches Medium gehört. Die Nutzer bekommen so wieder autonome Kontrolle über Ihre Daten und das Netz wird unanfällig gegen Zensur. Mein Reden! Und damit das endlich Realität wird hat Eben Moglen von der Free Software Foundation Anfang Februar die Freedom Box Foundation gegründet. [netzpolitik.org] […]


  7. stabilobox

    ,

    Fehlt nur eines – die dezentrale Infrastruktur.

    Vertraulichkeit und Integrität bekommen wir hin. Verfügbarkeit wird aber der Knackpunkt sein, wenn hier die Leute auf die Straße gehen wollen.


  8. Es gibt übrigens ein Kickstarter-Projekt der Foundation: http://kck.st/hywKB2


  9. Sowas würde auch super zu Freifunk passen oder?

    Hinter den WLAN-Router so ne kleine Box hängen, die dann überall stehen kann. Normale Rechner sind wegen ihrem Stromverbrauch, dem Lüftergeräusch und der Größe nicht so flexibel, was den Stellplatz angeht.


  10. Solche Boxes bringen nichts, wenn die Anbindung gekappt wird – die Provider haben ja keine Skrupel, dem Staat in den A* zu kriechen – das haben wir in Ägypten gesehen, konnten wir aber auch in Deutschland bereits mehrfach beobachten: Provider, die Verträger über Stoppschilder unterschreiben, Provider, die freiwillig IP-Adressen auf Vorrat aufheben und bereitwillig rausrücken…

    Wir brauchen Geräte, die über freie CB-Funk-Frequenzen als Mesh kommunizieren können, dann klappts auch mit der Reichweite.


    1. @karl: Mag schon sein, aber hier wieder der Verweis auf Freifunk. Auch ist in der Anforderungsliste schon von Backups der eigenen Box auf die von Freunden die Rede, ein Fallback beim Ausfall eines Knotens könnte eine weitere Anforderung sein.

      Und ich werde mir so eine Box auch ins Regal stellen wenn der große Aufstand nicht kommt: Auch in einer kuscheligen Demokratie ist es wünschenswert Kontrolle selbst in die Hand zu nehmen.


  11. Schoenix

    ,

    Hm kombiniert mit solchen Ad Hoc Mobilfunkverbindungen wäre das was: http://www.welt.de/wirtschaft/webwelt/article12510752/Deutschland-steht-vor-riesigem-Mobilfunk-Crash.html

    Eigentlich kann man auch einfach eine Fritz Box oder ähnliches nehmen, dort hatten wir ein einer WG mal DynDNS, Apache, FTP und einen internen Druckerserver drauf laufen.


  12. […] Passend zum Thema und ausgesprochen spannend ist auch die neu gegründete Freedom Box Foundation. Netzpolitik.org fasst das Ziel der Foundation zusammen: […]


  13. Dr. Peter Brot

    ,

    Seagate Dockstar ist^Wwar ein SheevaPlugin in sau-billig, das im Gegensatz zu dem Mips-Geraffel ordentlich Leisten hat aber wenig Strom frist. Man muesste mal vermehrt schauen wo die Marvellboards noch drin stecken.


  14. Jens Best

    ,

    Freedom in the Cloud – einer meiner (wenn auch sehr langen) Lieblingstexte aus dem letzten Jahr – schön, dass Moglens Idee jetzt einen (oder gar gleich zwei) Schritte konkreter wird.


  15. […] Freedom Boxes: Das Internet, wie es sein sollte. […]


  16. Heimserver: Freiheit in der Cloud…

    Nokia hat sich gerade entschieden, die eigene Plattform Symbian zu verlassen und auf die Plattform Windows Phone zu setzen. Plattformen sind im Moment absolut im Trend. Eben Moglen, Professor für Recht und Rechtsgeschichte an der Columbia Law School in…


  17. […] Eine gute Zusammenfassung, worum es geht, findet man auf netzpolitik.org im Artikel: “Freedom Boxes – Das Internet wie es sein sollte.“ Ägypten war nur wenige Tage vom Internet getrennt. Dieser Versuch des wankenden Regimes […]

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