Demokratie

171 öffentliche Einrichtungen entfernen Werbung für unfreie Software

Nur einen Monat nachdem die Free Software Foundation Europe die Briefe der PDFreaders-Kampagne verschickt hat, haben 171 öffentliche Einrichtungen die Werbung für proprietäre PDF-Betrachter von ihren Webseiten entfernt. Besonders herausragend sind die Reaktionen aus Kroatien, Russland und Slowenien. In Kroatien entfernten nahezu alle Institutionen die Werbung. In Russland und Slowenien kamen die Hälfte der angeschriebenen Institutionen der Aufforderung der FSFE nach.

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Mehrere Institutionen antworteten, dass sie die Bedenken der FSFE für berechtigt halten und ihre Webseiten ändern werden. Unter diesen befinden sich mehrere Ministerien, Parlamente, Exekutivorgane und die Kanzlei des Premierministers von Belgien.

In Deutschland sind dies zum Beispiel das Finanzministerium Brandenburg (von denen der Screenshot zu Kampagnenbeginn stammt), das Justizministerium Rheinland-Pfalz, das Regierungspräsidium in Baden-Württemberg, der Niedersächsischer Landtag und das Bundeskriminalamt. Mein persönlicher Favorit ist derzeit die Stadt Hamburg (man achte auf die URL).

Zusammen mit ehrenamtlichen Helfern und finanziellen Unterstützern wird die FSFE 2011 daran arbeiten, die übrige Werbung zu entfernen.

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40 Kommentare
  1. Im Kern ist die Sache ja gut, der Haken ist aber. Nach meiner Erfahrung sind die Open Source PDF Reader allesamt relativ schrottig. Ich benutze jetzt seit einigen Monaten Evince und habe mich damit abgefunden, an Adobe kommmt es aber lange nicht heran.

    1. Seid ihr euch sicher das bei euch der Adobe Krempel funktioniert hat? Und nicht 2min zum starten braucht, dann alles Ram frist und dazu noch langsam scrollt? Vom Browser-Plugin-Modus garnicht zu sprechen, da haengt der Firefox ein Weilchen um dann das PDF langsam zu scrolln.

  2. Ich muss Sebastian leider Recht geben. Ich hab einige ausprobiert und bin dann doch wieder bei einem closed-source Produkt angekommen, auch wenn es nicht von Adobe ist.

  3. Hamburg.de/adobe
    —-
    Das ist einfach ZU gut :D
    Wie genial. Das is wie wir machen werbefreie strassen, benennen dafür aber die strasse selbst nach marken.

  4. @Sebastian: Das Problem ist dabei aber mehr Adobes Politik als die der Open Source PDF Reader.

    Ich hatte letztens das Problem für einen gemeinnützigen Verein, wir brauchten ausfüllbare Formulare für Menschen in Afghanistan. Tja, leider weigert sich der Adobe Reader Formulare zu speichern, die mit etwas anderem als Adobe X erstellt wurden, also mit Open Office oder ähnlichem. So, was mache ich also? Ich muss Adobe X nutzen und die speicherbaren Formulare sind tatsächlich unter Evince nicht so korrekt dargestellt, und somit muss ich auch den Adobe Reader empfehlen. Ich kann es mir schlichtweg nicht erlauben, so viele Leute mit dem Adobe Reader auszuschließen (hierbei natürlich ein spezieller Fall, da Zielpublikum in Afghanistan sitzt und somit andere Vorraussetzungen herrschen).

  5. Diese Aktion wurde von der „Netzgemeinde“ mehrfach bemängelt, weil es dem „Volk“ nichts bringt und die Umsetzung grottig ist. Wie bei Politikern üblich hat man nicht auf die „Netzgemeinde“ gehört und einfach seinen Weg durchgestzt ohne auf die „Experten“ zu hören. Es wurde gar nichts getan, nichts verbessert.

    Ich prophezeie, dass die Stadt Hamburg die Seite in spätestens 3 Monaten wieder ändert, weil jetzt hunderte von Mails von verwirrten Benutzern eintreffen, die mit der Installation einfach nicht klar kommen.

  6. Also ich hatte mal den „Sumatra PDF-Reader“ länger im Test. An sich ist der sehr flink. Leider ist kein Browser-Plugin dabei. Sein „Killer-Feature“ ist aber, dass es Probleme beim Ausdrucken von umfangreicheren oder grafiklastigen Dokumenten gibt.

    Warum gibt es diese Links auf den Reader? Weil es anscheinend immer noch Leute gibt, die nicht wissen, wie man PDFs öffnet. Und denen dann eine Software empfehlen, die nicht richtig druckt, halte ich nicht für praktikabel, auch wenn der Ansatz höchst positiv zu werten ist.

    Eben lese ich in der aktuellen Version 1.2 soll die Druckfunktion verbessert sein – mal testen!
    http://eviltux.de/sumatrapdf.php

  7. Naja, solche Hinweise hab ich auf meinen Seiten eh nie genutzt. Wer ein fortschrittliches Betriebssystem nutzt, hat eh einen eingebauten PDF-Anzeiger und wer Windows verwendet, hat eh nicht mehr alle Tassen im Schrank^^

    1. @Rainer(13): Sehr gute Reaktion!

      Der freien Liste fehlt einfach der Hinweis auf ‚unfreie‘ Varianten. Das ist doch auch nicht der Weisheit letzter Schluss.

      Und am Ende darf man auch nicht mehr das PDF icon an die Dokumente setzen, weil es nicht frei ist?

  8. @BajK
    Du kannst nicht sagen, dass das „Volk“ nicht mehr alle Tassen im Schrank hat, weil es keine Nerds sind. Wir sind das „Volk“ und wir wollen einen schnellen einfach Download von einem Programm was funktioniert.

    so..jetzt mal ernst:
    @Rainer
    Sehr guter Link :) Ich habe mich totgelacht.

  9. Da ich auch von Windows weg bin, stellt sich mir das Problem auch nicht. Lokale pdfs lassen sich von Haus aus öffnen, online-pdfs macht der Chrome gleich intern auf (was im Übrigen sehr gut funktioniert =)
    Meinen schweren, großen Adobe Reader vermisse ich kein Stück. SumatraPDF war aber beispielsweise unter Windoof auch für mich kein Ersatz.

  10. „Das Regierungspräsidium in Baden-Württemberg“ gibt es nicht. Es gibt in Baden-Württemberg nämlich genau vier Regierungspräsidien (Karlsruhe, Stuttgart, Freiburg, Tübingen).

    Zumindest die Freiburger verweisen sinnhafterweise auf den Acrobat Reader, da es leider noch keine wirklich alltagstaugliche Alternative dafür gibt. Statt sich in fundamentalistischem Aktionismus zu üben, sollte man besser die Entwicklung einer freien Acrobat-Variante unterstützen.

  11. Man sollte erstmal den freien Acrobat-Reader beibringen wie man benutzerfreundliche Webseiten generiert. In den 3 Artikel davor wurde bereits Hinweise gegeben wie man die Seite http://pdfreaders.org/ umgestalten sollte. Aber die FSFE ist dazu wohl nicht gewillt.

  12. Super Aktion hoffe diese unsehlige Adobe Werbung verschwindet noch auf mehr Seiten.

    also ich benutze mupdf unter windows und Linux und bin zufrieden.

    Acrobat Reader zum anschauen und lesen von PDF ist wie Word zum lesen von Shell Skripten.

    Viel Spass beim Ausprobieren von alternativen.

    und weiter so.

  13. Ich wollte auch gerade den Foxit Reader empfehlen, klein fein und gut.
    Man kann auch PDFs bearbeiten usw. Und im Zusammenhang mit Open Office passt es auch. Und die sollten auch in Afghanistan zu haben sein ;)

    bis denne
    rebel

  14. Was den Hamburg-Link angeht: Das sind halt Füchse, die Admins. Haben sich sicher gedacht, dass die URL das Google-Ranking beeinflusst nur damit dann (fies, fies) der Link zur Konkurrenz erscheint ;-)

  15. Kann einer von den Win-Nutzern mal einen Screenshot posten, auf dem man sieht, inwieweit die FOSS-Reader Probleme machen? Auf meinem Linux tun die nämlich einwandfrei, sind deutlich flotter geladen und definitv angenehmer zu bedienen (ich nutze primär Okular (OK, die Installation auf einem Win wäre da für die Zielgruppe dieser Hinweise aufgrund der nicht vorhandenen Paketverwaltung sicher überfordernd, aber auch Evince würde ich die Tauglichkeit bescheinigen).

    1. Ich bin gerade die Reader am Testen, ob die alten (Vor-)Urteile noch stimmen. Referenz ist Foxit.

      Den Tipp Evince spare ich mir bis zum Schluss auf ;)

      Sumatra: Rendert sehr langsam, kann keine Formulare
      Okular: da muss man erst eine KDE-Umgebung auf Windows einrichten. Für nen PDF-Reader? No Way.
      MuPDF: keine Formulare, aber sehr schnell und gute Qualität

      Den Rest habe ich noch nicht getestet


      1. psview (online): scheitert an einfachem Test-Dokument.
        Evince: Für Windows fehlplatzierter Gnome(?)-Dateimanager. Warum nicht die Standard-API?
        Kein direkter Zugriff auf Windows-Dokumenten-Ordner o.ä., man muss immer über die Laufwerke gehen.
        Im Formular kein weiterspringen mit Tab möglich.

        So und was bleibt? Nichts nur „unfreie“, aber kostenlose Software, die das tut was die freien nicht können. PDFs wie gewünscht anzeigen.
        Formular-Daten werden nicht auf Plausibilität geprüft.
        Formular-Daten werden nicht wie gewünscht formatiert.

  16. Die Kritik, dass sehr viele öffentliche Einrichtungen nur auf einen ganz bestimmten Reader verweisen, bleibt aber berechtigt. Man könnte den Einwand aus meiner Sicht (wenn auch vielleicht nicht aus Sicht der FSFE) dadurch entkräften, indem man eben parallel auf andere Reader, wie Foxit, und wenigstens auf die Existenz freier Reader hinweist.

    Bei allem Humor geht der Hinweis der Gemeinde Münchberg durchaus in die richtige Richtung, nämlich Medienkompetenz herzustellen.

  17. Die Kritik an Adobe-Alternativen kann ich absolut nicht nachvollziehen. Ich setze seit Jahren freie & unfreie Alternativen ohne nennenswerte Probleme ein.

    Klar, Adobe versucht seit Jahren, den Standard durch immer abstrusere Erweiterungen an sich zu binden, aber so einen Sch… wie PDF-Portfolios?! setzt ein normaldenkender Zeitgenosse ohnehin nicht ein.

  18. Erlaubt mir die Abschweifung. Es scheinen hier ja viele Linux-Nutzer unterwegs zu sein. Gibts ne Statistik welche OS (und Browser) die Leser von netzpolitik.org benutzen und könnt ihr die mal mitteilen?

    Wäre spannend, fänd ich klasse.

  19. Blubb, wer nen besseren reader als den von adobe will hat ihn eh schon. Frei, unfrei, mir doch egal, solange kostenlos ;) Ist irgendwie genau so ne Sinnlosaktion wie mit der „Browserwahl“ in der Europa-Version von Windows 7.

  20. Meine Erfahrungen: Adobe Reader habe ich irgendwann bei Version 6 oder 8 oder so weggeworfen, weil er mir zu klobig wurde.
    Irre langsam, riesig groß, wollte ich nicht mehr.
    Seit dem benutze ich Foxit und es ärgert mich immer dass es unfrei ist, aber ich war eigentlich soweit zufrieden.
    Weil ich aber gerne freie Software verwende habe ich portableSumatra probiert und stieß auf die gleichen Probleme wie Florian, vor allem das langsame Rendering nervt(e).
    Evince will ich dann mal ausprobieren, der Hinweis auf einen „Gnome-Dateimanager“ schreckt mich nicht, ich vermute mal dass GTK gemeint ist und das bin ich von verschiedensten Programmen eh gewohnt. Also wenn das das einzige Manko ist bin ich dabei :) (30MB ist allerdings auch n Wort!)
    Vor allem, weil Foxit auch anfängt zu nerven, bei Updates einfach mal weitere Produkte installiert, manchmal sogar wenn ich es bewusst abwähle.

    PS: Am Ende des Artikels sind die Worte „übrige Werbung“ verlinkt… zeigen aber auf eine 404-Seite von netzpolitik.org

  21. Großartige Arbeit. Danke an Matthias, die FSFE und alle anderen Aktivisten!

    Am besten von dem, was ich bis jetzt gesehen habe, gefällt mir ja die PDF-Informationsseite der Bundeszentrale für politische Bildung. Die BpB rockt eh imo ;) Allerdings hätten sie unten bei »Weitere PDF-Betrachter:« ruhig den Foxit auch noch mit aufnehmen können.

  22. Das oberste deutsche Zivilgericht, der BGH, verkündet auf der Einstiegsseite zu seiner Entscheidungsdatenbank:

    Die Dateien sind im PDF-Format abgespeichert. Das Programm Acrobat Reader® zum Lesen und Ausdrucken der Entscheidungen können Sie hier kostenlos herunterladen.

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