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Die Musikflatrate-Diskussion

Der Sony-BMG Vorstandschef Rolf Schmidt-Holtz hat der FAZ ein Interview gegeben, was aktuell durch verschiedene Medien geistert: „Mit der Musikflatrate bekommen Sie alles von uns“. Etwas verwundert bin ich über die allgemeine Begeisterung. Denn was Schmidt-Holtz von sich gibt, überzeugt mich nicht. Es klingt vor allem wie schlechte Rezepte von gestern. Aber fangen wir mal an, uns das genauer anzuschauen.

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Wir haben viele Ideen. Zum Beispiel ein Abonnement-Angebot im digitalen Musikvertrieb, an dem wir zur Zeit arbeiten. In der einfachsten und vielleicht attraktivsten Variante wäre das eine Art Musikflatrate für alle Mp3-Spieler inklusive den iPod: Für einen monatlichen Beitrag steht Ihnen die gesamte Musikwelt offen. Mit der Musikflatrate bekommen Sie alles von uns – vom brandneuen Charthit bis zu Beethoven.

Das klingt doch erstmal wie eine wahnsinnig innovative Idee, oder? Versucht die Firma Napster auch schon seit Jahren mehr oder weniger erfolglos. Und da gibts nicht nur SonyBMG-Musik. Vieles kann man sich auch schon ohne zusätzliche Kosten bei Last.fm anhören. Dort gibt es auch spannende soziale Features, die den Musikkonsum unterstützen. Geschützt werden soll die Musikflatrate natürlich durch Digital-Rights-Management. Wodurch auch sonst, wenn etwas innovativ sein soll und von den Majors kommt…?!

Der Clou ist noch der Preis. „Sechs bis acht Euro im Monat sind realistisch.“ Wenn ich das Interview genau lese, steht da nicht „Für das Geld bekommen Sie Zugriff auf alle Musik, die Sie wollen.“ Sondern nur „Zugriff auf SonyBMG-Musik“. Tolle Sache, am Besten mietet man noch die DRM-Flatrates der anderen Labels hinzu, um auch wirklich auf alle Musik zugreifen zu können. Das summiert sich dann wieder.

Vor einigen Wochen hab ich davor gewarnt, dass man nicht vorschnell das Ende von DRM im Musikbereich verkünden sollte: Hier wird DRM wieder als super-innovativ promotet. Funktionieren wird das so nicht. Aber was soll man auch von einem Unternehmen erwarten, dessen einzige innovative Technologie in den letzten Jahren ein Rootkit war: Sonys digitaler Hausfriedensbruch.

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7 Kommentare
  1. Der Napster-Vergleich kam mir beim Lesen gestern auch sofort in den Sinn. Der Innovationsgedanke war außerdem spätestens dann gegessen, als es um diesen Punkt ging: »Wenn Sie das Abonnement nicht verlängern, wird natürlich auch der Musikzugang gesperrt.«

    Da haben wir sie wieder, die alte Vorstellung vom geistigen Eigentum. Der Kunde hat allenfalls froh zu sein, die Musik überhaupt anhören zu dürfen.

    Und gleich darauf alles noch einmal formschön verpackt: »Es wäre aber sogar vorstellbar, dass die Kunden (…) auch einige Titel downloaden und damit besitzen.« (meine Hervorhebung)

    Das ist ja nun wirklich revolutionär. Äh.. nein, ist es nicht. Es ist der gleiche Blödsinn wie bei all den vorangegangen Konzepten und man darf sich wahrhaftig fragen, wie jetzt auf einmal die Umsätze damit steigen sollen.

    Das scheint doch eher wie eine Simpsons-Anspielung: »After all those years with Get-Rich-Quick-Schemes, I’m finally gonna get rich with this scheme — and quick!« (sinngem.)

  2. Sony:

    Es wäre aber sogar vorstellbar, dass die Kunden die Musik teilweise eben nicht nur anhören können, sondern auch einige Titel downloaden und damit besitzen.

    Das „sogar“ deutet darauf hin, dass Sony im Wesentlichen ein Streaming-Service vorschwebt, nicht unbedingt ein auf Downloads ausgerichtetes Angebot. Abo-Kündigung bedeutet, dass man seine Musik nicht mehr weiterhören kann etc.

    Weshalb kommen die bloß immer wieder mit Geschäftsmodellen angekleckert, die von vornherein zum Scheitern verurteilt sind? Na, Hauptsache, der Name „Sony“ ist mal im Zusammenhang mit „Musikflatrate“ gefallen.

  3. alle mp3-player inclusive iPod spricht gegen DRM. Apple lizenziert iTunes DRM doch nicht(?), und alle Player können schon gar nicht ein gemeinsames DRM.

    Nur SonyBMG ist aber nicht toll.

  4. Schmidt-Holtz bzw. seinem Boss Ostrowski geht es AUSSCHIEßLICH darum, die Attraktivität von Sony BMG für potenzielle Käufer des Anteils von Bertelsmann zu steigern.

    Deshalb wirft er mit Begriffen wie „Musikflatrate“, „Premium CD“ und „360-Grad-Vertrag“ um sich.

    Mit neuen Geschäftsmodellen / Innovationen (eigene Download- bzw. Streaming-Dienste hatten die Majorlabels schon um 2000) hat das nichts zu tun.

  5. Herr Schmidt-Holtz, Sie laessen hier erkennen, dass sie offenbar immer noch im Bereich des Wunschdenkens operieren.

    Immerhin haben Sie schon mal erkannt, dass das Angebot „(…) für alle Mp3-Spieler inklusive den iPod (..) gelten sollte. nota bene: Mp3-Spieler(!) und so gerne hätten Sie halt auch den appetitlichen Marktanteil der iPods im Visier. Beruhigend, dass Sie als Chef des zweitgrössten Major Labels immerhin diese Einsicht gewonnen haben.

    Aber jetzt kommts: Mp3 Player und iPods sollen es also sein, aber „(…) wenn Sie das Abonnement nicht verlängern, wird natürlich auch der Musikzugang gesperrt.“ Nun, das lieber Herr Schmidt-Holtz bedeutet DRM. Und damit wird das wieder nichts mit den „Mp3-Spieler inklusive dem iPod“.

    Sechs, setzten: Herr Schmidt-Holtz, sie widersprechen sich selbst. Sie können das eine nicht ohne das andere haben. So begreifen sie es doch endlich! Wenn sie auf alle Player wollen geht das nur ohne DRM.

    Und solange Sie sich herausnehmen hilflose Konstellationen daherzuwünschen, erlauben sie immer mehr Kunden sich daran zu gewöhnen dass digitale Musik kostenlos zu sein hat.

    Aber vielleicht haben Sie es ja doch schon heimlich kapiert und leiden nur an der fortgesetzten Realitätsflucht, die Ihnen auch nach Jahren der Krise nicht erlaubt ein schlüssiges Konzept zu finden.

  6. Die ganz große Innovation vermisse ich da auch, doch ich finde es gut, dass die Musikindustrie jetzt verstärkt schon in die richtige Richtung denkt.

    Eine Flatrate ohne DRM wäre aus Nutzersicht ohne Frage besser.

    Eine Flatrate mit DRM kann meiner Überzeugung nach jedoch auch funktionieren, wenn man es dem User nicht unnötig schwer macht. Ein gemeinsamer Standard würde da sehr helfen. Oder man löst es über ein digitales Wasserzeichen.

    Das angesprochene Modell, alles auf Zeit nutzen und einen kleinen Teil dauerhaft nutzen zu können, ist eine gute Kombination. Die Flaterate soll ja nicht zu teuer werden.

    Und alles auf ewig nutzen zu können zum Minipreis…klingt nicht nach einem tragfähigen Geschäftsmodell. Dann könnte man für einen Monat ein Abo abschließen, mit Highspeed alles halbwegs Interessante ziehen und dann erst wieder nächstes Jahr für ein paar Tage ein Abo abschließen für ein „Update“ der inzwischen hinzugekommenen Songs.

    Wozu muss man sämtliche Musik auch „besitzen“ / dauerhaft nutzen können? Eine Auswahl von soundsoviel Songs jeden Monat, die einem etwas bedeuten, reicht für die meisten Menschen aus. Wer mehr braucht, kann mehr kaufen.

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