Ticker vom 08.08.2025

The Wall Street Journal
Die zeitweise via Google auffindbaren, privaten Gespräche mit ChatGPT erlauben einen seltenen Einblick, wie Menschen das Sprachmodell tatsächlich nutzen. Das Wall Street Journal beschreibt Fälle von Nutzer*innen, die sich Zuspruch für abstruse Theorien einholen.
NBC News
Ein neues Feature erhöht die Stalking-Gefahr auf Instagram. Zunächst nur in den USA können Nutzer*innen freiwillig ihren Standort mit Kontakten teilen. Auf einer Karte lässt sich dann verfolgen, wer wo unterwegs ist.
Google
Mit den neuen KI-Zusammenfassungen nimmt Google vielen Websites ihr Publikum weg. Der Konzern versucht, das als etwas Gutes zu verkaufen. Demnach hätten die Klicks, die Websites noch bekommen, eine höhere "Qualität".
EU-Parlament
Ab dem heutigen 8. August gilt das Europäische Medienfreiheitsgesetz (EMFA). Es soll Pressefreiheit und Quellenschutz stärken. Gerade der Schutz von Journalist*innen vor staatlichem Hacking ist bei den Verhandlungen jedoch verwässert worden.

Ticker vom 07.08.2025

Handesblatt
Offenbar hat die Gematik das VideoIdent-Verfahren wieder zugelassen, wenn sich Versicherte für die elektronische Patientenakte identifizieren möchten. 2022 hatte sie es aus Sicherheitsgründen untersagt, das BSI warnt davor.
LTO
Frauke Brosius-Gersdorf, die von der SPD als Bundesverfassungsrichterin vorgeschlagen wurde, hat ihre Kandidatur zurückgezogen. Sie begründet dies mit der anhaltenden Ablehnung durch Teile der CDU/CSU, Online-Hetze gegen ihre Person und dem Risiko, den Koalitionsstreit zu verschärfen.
AlgorithmWatch
Die NGO AlgorithmWatch fasst die Umweltkosten der KI-Lieferkette zusammen: Vom Abbau Seltener Erden, der Menschen krank macht, über den Wasserverbrauch der Rechenzentren in von Dürre geplagten Regionen bis hin zum Elektroschrott, der sich zu Müllhalden im Globalen Süden auftürmt.
Golem.de
Zeitweise hatte Meta die Seite des deutschen Playboy mit rund 1,9 Millionen Follower*innen gesperrt. Was heißt das für die Pressefreiheit? Der Fall zeige, "wie fragil journalistische Reichweite auf Big-Tech-Plattformen ist", analysiert Golem.de.
Axios
Perplexity AI ist mal als faktenkundiger ChatGPT-Konkurrent gestartet - mit nützlichen Quellengaben aus Journalismus und Forschung. Jetzt bietet das Unternehmen sein Sprachmodell auch für Truth Social an, die Propaganda-Plattform von US-Präsident Trump.
epd
Sobald der novellierte Jugendmedienschutz-Staatsvertrag Anfang Dezember in Kraft tritt, will die deutsche Medienaufsicht in ihrem Feldzug gegen Pornoseiten aufdrehen: mehr Netzsperren verhängen und Plattformen den Geldhahn abdrehen.
LTO
Ein Passwort kann die Polizei einem Verdächtigen nicht aus dem Hirn saugen – aber sie kann seinen Finger unter Zwang aufs Smartphone pressen. Dass der BGH das jüngst erlaubt hat, hält Strafrechtler Felix Ruppert für verfassungswidrig. Nun hofft er auf das Bundesverfassungsgericht.
The New York Times
Eine chinesische Firma sammelt offenbar im Regierungsauftrag massenhaft Daten, darunter auch die von US-Abgeordneten, um mit Hilfe von KI öffentliche Debatten zu beeinflussen.
noyb
Gerade mal 7 Prozent von Nutzer:innen wollen, dass Meta ihre persönlichen Daten für KI-Training verwendet. Das hat eine repräsentative Umfrage unter 1.000 Meta-Nutzer:innen in Deutschland ergeben.
Handelsblatt
Willkommen im Mittelalter: US-Präsident Trump kündigt neue Zölle auf Mikrochips an und macht Ausnahmen für Apple. Zu verdanken hat der Konzern das wohl neuen Investitionsankündigungen und einem goldenen Geschenk für den Herrscher der USA.
Die Zeit
Kurz nach dem Start der gesetzlich verpflichtenden Altersverifikation in Großbritannien dominieren Chaos, Overblocking und andere Kollateralschäden. Journalistin Eva Wolfangel gibt einen Überblick.

Ticker vom 06.08.2025

Der Standard
Ein aktueller Fall zeigt, wie verbissen Betreiber großer Sprachmodelle auf Jagd nach Trainingsmaterial gehen. Einem Experiment des US-Diensts Cloudflare zufolge soll Perplexity AI hierfür gezielt Sperren umgehen. Der Anbieter weist die Vorwürfe zurück.
The Guardian
Der schwedische Ministerpräsident Ulf Kristersson hat eingeräumt, regelmäßig KI-Tools zu Rate zu ziehen, um eine zweite Meinung "als Orientierungshilfe" einzuholen. Sicherheitsrelevante Informationen habe Kristersson dabei nicht weitergegeben, versicherte ein Sprecher.
Der Spiegel
Die steil anwachsende Zahl an Rechenzentren führt immer wieder zu Engpässen bei der Stromversorgung. Bei Vertragsabschluss mit zwei US-Energieversorgern hat Google jetzt zugestimmt, dass im Notfall zuerst KI-Dienste heruntergefahren werden.
The Markup
"Unsere Geräte werden gegen uns eingesetzt, damit große Unternehmen ihre Gewinne steigern können. Das muss aufhören." In Kalifornien könnte ein neues Gesetz dazu führen, dass Taxi-Plattformen wie Uber keine höheren Preise mehr von Kund:innen mit niedrigem Akku-Stand verlangen dürfen.
The Guardian
Teile des israelischen Überwachungsapparats laufen offenbar auf der Azure Cloud-Plattform von Microsoft. Dort lagern unter anderem massenhaft abgefangene Kommunikationsinhalte von Palästinenser:innen, zudem soll das System etwa bei Luftschlägen geholfen haben.
Golem.de
Beim Videogenerator von Twitter-Nachfolger X, Grok, fehlt offenbar der Schutz gegen nicht-einvernehmliche, sexuelle Deepfakes von Promis. Dabei setzt sich selbst die ansonsten rücksichtslose Trump-Regierung gegen diese Form bildbasierter Gewalt ein.
404 Media
Wikpedia erlebt offenbar eine Schwemme von per Sprachmodell generierten, unseriösen Artikeln. Als Reaktion darauf gibt sich die freie Enzyklopädie neue Regeln, um solche Artikel schneller zu löschen.
Der Spiegel
Die Zyklus-Tracking-App Flo hat jahrelang Daten über ihre Nutzer:innen an Werbefirmen verschleudert, darunter Infos zur Periode und zu sexueller Aktivität. Auch Google und Meta erhielten die Daten, was zumindest für Letztere wegen der Entscheidung zu einer Sammelklage jetzt teuer werden könnte.
taz
In Hamburg entlässt der Lieferdienst Lieferando alle Kurier*innen, rund 2.000 Stellen sind betroffen. Stattdessen sollen Subunternehmen einspringen. "Es kann nicht sein, dass die Politik bei solchen Arbeitsbedingungen zuschaut", sagt der Betriebsratsvorsitzende.