PreCobs
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Interview: Wie die bayerische Polizei das Predictive Policing nach Deutschland brachte
Polizei im Anflug. Interview: Wie die bayerische Polizei das Predictive Policing nach Deutschland brachte Die Münchener Polizei setzte als erste in Deutschland Software zur Vorhersage von Wohnungseinbrüchen ein. Im Interview analysiert Soziologe Simon Egbert den darauffolgenden Hype und die Grenzen der Technologie.
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: Was vom Tage übrig blieb: Civilization, COBOL und Cat Content
COBOL ist älter als der Fernsehturm. : Was vom Tage übrig blieb: Civilization, COBOL und Cat Content Katzensprachenübersetzer mit Künstlicher Intelligenz im Spieletest. Einbruchvorhersageglaskugel mit Künstlicher Intelligenz im Polizeitest. Außerdem: Beeindruckender Excel-Porn mit Civilization-Nostalgie. Apropos Nostalgie: Glückwünsche an den COBOL-Dinosaurier. Die besten Reste des Tages.
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: Unionsfraktion vollendet Sicherheitsquartett mit neuem Zwölf-Punkte-Programm
(Von rechts:) BKA-Chef Holger Münch und der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Union Dr. Stephan Harbarth bei der Vorstellung des Zwölf-Punkte-Programms. Foto: <a href="https://www.youtube.com/watch?v=Dv6Q3UjiwZ8">Youtube-Thumbnail</a> : Unionsfraktion vollendet Sicherheitsquartett mit neuem Zwölf-Punkte-Programm Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion hat ein Zwölf-Punkte-Programm zur Terrorismusbekämpfung vorgelegt. Der Beschluss sieht unter anderem den Einsatz von Staatstrojanern, die Ausweitung der Vorratsdatenspeicherung sowie privatisierte Zensurinfrastrukturen bei sozialen Netzwerken vor.
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: Soziale Medien, Ausländeranteil, Einkommen, Wasser, Strom: Mehr Datenquellen für polizeiliche Vorhersagesoftware
Aus dem Stromverbrauch lässt sich so einiges herauslesen. <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/">CC BY-SA 3.0</a>, via wikimedia/<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Intelligenter_Zähler#/media/File:Intelligenter_zaehler-_Smart_meter.jpg">EVB Energie AG</a> : Soziale Medien, Ausländeranteil, Einkommen, Wasser, Strom: Mehr Datenquellen für polizeiliche Vorhersagesoftware Die Polizei in Baden-Württemberg testet die Nutzung von Informationen über den Ausländeranteil eines Wohnviertels für die Vorhersage von Straftaten. Dies berichtet die Zeitschrift Spektrum der Wissenschaft in ihrer Onlineausgabe. Dem Precobs-Mitgründer Michael Schweer zufolge würden weitere „sozioökonomische Daten“ hinzugefügt. Hierzu gehören „Informationen über gut betuchte Wohngegenden“.
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: Polizeiliche Vorhersagesoftware: Neue Testläufe in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg
2011 unterzeichneten die Universität Freiburg und IBM ein Kooperationsabkommen, das auch "Predictive Policing" umfasst. Das System wurde bereits einigen Landeskriminämtern vorgeführt. : Polizeiliche Vorhersagesoftware: Neue Testläufe in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg Seit zwei Wochen wird auch in Karlsruhe und Stuttgart eine Software zur Vorhersage von Wohnungseinbrüchen ausprobiert. Dabei werden Daten vergangener Einbrüche, Tatorte und ‑zeiten, das Vorgehen der TäterInnen und die erbeuteten Gegenstände miteinander abgeglichen. Ein Algorithmus errechnet dann die Wahrscheinlichkeit neuer Einbrüche und zeigt die wahrscheinliche Gegend an. Die Polizeidirektionen können daraufhin verstärkte Streifenfahrten anweisen.
Für die Prognose von Straftaten können weitere Datenquellen herangezogen werden, etwa der Wetterbericht oder Informationen zu Großereignissen, bei den viele EinwohnerInnen mutmaßlich nicht daheim sind. Der Schweizer Kanton Aargau hat eine App programmieren lassen, die entsprechende Warnungen auf das Mobiltelefon interessierter BürgerInnen pusht.
Der Testlauf der bereits in Bayern und in einigen Schweizer Kantonen erfolgreichen Software „Precobs“ dauert ein halbes Jahr. Anschließend folgt eine Auswertung durch das Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht. Dann will das Land Baden-Württemberg über die flächendeckende Einführung des Systems entscheiden.
Nordrhein-Westfalen testet IBM-Software
Wie angekündigt hat auch in Nordrhein-Westfalen der Testbetrieb einer Vorhersagesoftware begonnen. Zum Zuge kommt jedoch ein Produkt des US-Konzerns IBM. Eine „operative Phase“ begann laut der Landesregierung mit einiger Verspätung am 1. November in Duisburg und Köln. Weil die Software komplex sei, habe die Einarbeitung „mehr Zeit in Anspruch genommen, als in der Planungsphase angesetzt worden ist“. Untersucht wird nicht nur die Software, sondern auch der Erfolg sich anschließender „polizeilicher Interventionen“.
Der Zuschlag für das IBM-System erfolgte nach einer landesweiten öffentlichen Ausschreibung. Beschafft wurde schließlich die Statistik- und Analyse-Software „IBM SPSS Modeler“, die IBM nach der Übernahme der bis 2009 eigenständigen Firma SPSS vertreibt. Um mit seiner Polizeisoftware in Deutschland Fuß zu fassen, startete IBM vor vier Jahren eine Kooperation mit der Universität Freiburg.
Für den Verkauf an deutsche Polizeibehörden beauftragt IBM die deutsche Firma SVA System Vertrieb Alexander GmbH mit Sitz in Berlin, die entsprechende Produkte auf einer eigens eingerichteten Webseite bewirbt. Auch der Vertrag zwischen dem Landeskriminalamt NRW und IBM wird über die Berliner Firma abgewickelt. Das Pilotprojekt dauert ebenfalls ein halbes Jahr, für Ende 2016 ist die Vorlage eines Abschlussberichts vereinbart. Nach einer Bewertung der Ergebnisse will die Landesregierung über eine Einführung der Technik entscheiden.
Data Mining mit Abgleich von 200 Datenfeldern
Laut einer Antwort des niedersächsischen Innenministers Boris Pistorius haben die Zentrale Polizeidirektion Niedersachsen, das LKA Niedersachsen und die Polizeidirektion Braunschweig eine Erprobung von vorhersagender Polizeiarbeit mit IBM durchgeführt. Ziel dieses eine Woche dauernden Projekts war demnach, „möglichst treffgenaue Vorhersagen für Straftaten zu generieren“. Für die Entwicklung eines Vorhersagemodells wurden Einbruchsdaten der Stadt Hannover genutzt, auf deren Grundlage eine Software Prognosen errechnete. Die Treffgenauigkeit wurde dann anhand realer Vorkommnisse überprüft.
Das hessische Landeskriminalamt hat ebenfalls Erfahrung mit IBM-Prognosesoftware gesammelt. Die Kriminalistisch-Kriminologische Forschungsstelle nutzte ein SPSS-System, um in einem Forschungsprojekt sogenannte Mehrfach- und IntensivtäterInnen zu ermitteln. Dabei wurden Informationen mittels Data Mining aus mehreren Polizeidatenbanken zusammengeführt und ausgewertet. Mindestens 200 Datenfelder wurden miteinander abgeglichen. Die IBM-SPSS-Linie kann auch sogenannte unstrukturierte Daten verarbeiten. In Hessen wurden hierfür Interviews mit den beforschten StraftäterInnen geführt und als weitere Datenquelle eingespeist.
Ziel des hessischen Projekts war die Erstellung typischer Täterprofile, die etwa Angaben zur ersten begangenen oder ersten registrierten Straftat enthalten. Die Berechnungen sollen die Verhinderung weiterer Straftaten ermöglichen. Ähnliche Forschungen hatte die britische Firma Accenture auf der diesjährigen Polizeimesse „Europäischer Polizeikongress“ vorgestellt. Zusammen mit der britischen Polizei forscht Accenture an der Möglichkeit, die Wahrscheinlichkeit einer Rückfälligkeit von Gang-Mitglieder zu errechnen.
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: PreCrime: Auch Baden-Württemberg testet polizeiliche Vorhersagesoftware
Dank PreCrime-Software von IBM wartet der Cop mit Kaffee am Tatort (Screenshot von einem IBM-Werbefilm für das System "Blue Crush"). : PreCrime: Auch Baden-Württemberg testet polizeiliche Vorhersagesoftware Einige Male war hier schon über Pläne von Länderpolizeien zu lesen, eine Software zur Vorhersage von Straftaten einzuführen oder wenigstens zu testen. Den Anfang machte das Landeskriminalamt Bayern 2011 mit einer „Europäischen Konferenz für räumliche Kriminalitätsanalyse“, zu der auch andere LKÄ angereist waren. Ab 2012 galt „Predictive Policing“ in Bayern als Themenschwerpunkt, nach einer „Simulationsstudie“ hatte die Polizei im vergangenen Herbst die Einführung der Software „Precobs“ gegen Wohnungseinbrüche angekündigt.
Auch Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen planen mittlerweile die Nutzung von PreCrime-Anwendungen, angeblich sind auch Berlin und Brandenburg interessiert. Der Hamburger Innensenat reiste nach Chicago, um sich von der dortigen Polizei eine Vorhersagesoftware vorführen zu lassen. Perspektivisch plant Hamburg die Entwicklung eines eigenen Systems, die Programmierung soll eine „Gruppe aus Mathematikern, Soziologen, Psychologen und Ermittlern“ übernehmen. Erste Kontakte zu WissenschaftlerInnen Hamburger Hochschulen bestünden bereits.
Auch das Bundeskriminalamt (BKA) hat eine „Marktsichtung“ zu PreCrime-Software durchgeführt. Das BKA ist hierzu nach Bekunden des Bundesinnenministeriums mit den Landeskriminalämtern Bayern und Nordrhein-Westfalen in Kontakt. Vor einigen Jahren ließ sich das BKA vom Marktführer IBM eine Anwendung zu „Predictive Analytics“ in Freiburg vorführen. In den USA gilt IBM hierzu als einer der Marktführer, der Konzern hatte 2007 mit der Einführung der Software „Blue Crush“ Furore gemacht.
Die Landesregierung Baden-Württemberg hat nun ebenfalls Tests mit „PreCobs“ angekündigt. Laut dem Innenminister Reinhold Gall (SPD) soll die Software in Stuttgart und Karlsruhe getestet werden. Zunächst sei die Nutzung nur für sechs Monate geplant. Bayern hatte nach einem ähnlichen Verfahren die endgültige Einführung von „PreCobs“ angekündigt. Mittlerweile wird die Software landesweit in allen bayerischen Polizeidirektionen eingeführt.
Der deutsche Bundesinnenminister hatte vergangenen Monat angekündigt, die EU-Kommission zu einem Forschungsprojekt zu Vorhersagesoftware bewegen zu wollen. Auch das BKA will sich demnach daran beteiligen. Neben dem Bundesinnenministerium sind auch andere europäische Regierungen von dem Vorschlag begeistert. Frankreich habe laut dem Staatssekretär Ole Schröder (CDU) „bereits Erfahrung mit dem Thema ‚Predictive Policing’“, daher habe der französische Innenminister „dazu eingeladen, sich auf Expertenebene über das Thema auszutauschen“. Die französischen Behörden hätten vorgeschlagen, den Nutzen von Vorhersagesoftware in einem „Expertenkreis im G6-Format“ (die sechs einwohnerstärksten EU-Staaten plus die USA) zu untersuchen.
Schon jetzt finanziert die Kommission die Entwicklung von Software, um offene Quellen im Internet zu analysieren und auf dieser Basis Prognosen zu entwickeln. Diese Erfahrungen könnten in zukünftige Forschungen einfließen. Das deutsche Bundeskriminalamt (BKA) und die Bundespolizei sind an solchen Forschungen beteiligt.
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: Hamburger Innensenat will polizeiliche Vorhersage selbst entwickeln und schaut sich dafür in Chicago um
2011 unterzeichneten die Universität Freiburg und IBM ein Kooperationsabkommen, das auch "Predictive Policing" umfasst. Das System wurde bereits einigen Landeskriminämtern vorgeführt. : Hamburger Innensenat will polizeiliche Vorhersage selbst entwickeln und schaut sich dafür in Chicago um Mit einer kleinen Delegation ist der Hamburger Innensenat nach Chicago gereist, um sich von der dortigen Polizei eine Vorhersagesoftware vorführen zu lassen. Dies berichtet das Hamburger Abendblatt in einem nur teilweise online verfügbaren Artikel. Der Hamburger Polizeipräsident Ralf Martin Meyer nahm demnach selbst an der Dienstreise teil. Laut dem Bericht plant Hamburg die Entwicklung eines eigenen Systems. Die Programmierung könnte im Auftrag der Polizei von einer „Gruppe aus Mathematikern, Soziologen, Psychologen und Ermittlern“ übernommen werden. Erste Kontakte zu WissenschaftlerInnen Hamburger Hochschulen bestünden bereits.
Um welche Hochschulen es sich handelt bleibt offen. Allerdings hatte die Stadt 2011 das Institut für Kriminologische Sozialforschung der Universität Hamburg im Rahmen des Projekts „Geodaten, Policing und Stadtentwicklung“ um eine Vorstudie zu Nutzungsmöglichkeiten und Anwendungspraxis von „Geovisualisierung“ gebeten. Die dort erlangten Erkenntnisse hätten mit dazu beigetragen, dass die Hamburger Polizei die „Verarbeitung von Geodaten zur Kriminalitätslageauswertung“ ausbaut und weiterentwickelt.
Kritik von der Electronic Frontier Foundation
Die selbst programmierte Anwendung könnte auch weitere Daten einbeziehen. Schon jetzt nutzten Hamburger Ermittlungsbehörden laut Meyer Daten aus Sozialen Netzwerken zur Vorhersage, beispielsweise während einer Konfrontation zwischen Kurden und Salafisten im Hamburger Stadtteil St. Georg.
Mehrere deutsche Landeskriminalämter planen die Einführung einer Prognosesoftware, Bayern prescht dabei voran. 2011 hatte das LKA Bayern mehrere andere Polizeibehörden zu einer Konferenz über „Predictive Policing“ eingeladen. Im Herbst vergangenen Jahres startete Bayern einen Modellversuch zur Bekämpfung von Wohnungseinbrüchen mit der deutschen Software „Precobs“. Das zunächst lokal begrenzte Pilotprojekt wird nun als erfolgreich bewertet und soll in allen bayerischen Polizeidirektionen übernommen werden.
Der bayerische Datenschutzbeauftragte hat hierzu keine Bedenken angemeldet, da keine Personendaten verarbeitet würden. In Hamburg ist das nicht ganz ausgeschlossen, denn die Software in Chicago ist laut dem Hamburger Polizeipräsident auf die Verhinderung von Bandenkriminalität ausgerichtet. Es handelt sich vermutlich um ein ab 2009 bei der Polizeidirektion Chicago entwickeltes System, das die Wahrscheinlichkeit für kriminelles Verhalten oder Rückfälligkeit berechnet. Ein Mitglied der Electronic Frontier Foundation argwöhnt, dass das Verfahren vor allem People of Colour adressiert.
In Chicago mehr Erfahrung als „in europäischen Städten“
Mit der Firma Accenture forscht auch die britische Polizei zu einer Software zur Vorhersage der Rückfälligkeit von Gangmitgliedern. Mehrere Landeskriminalämter hatten sich das System im Februar auf einer Verkaufsmesse für Polizeitechnik in Berlin vorführen lassen. Vorher hatte sich der Hamburger Polizeipräsident beim Polizeipräsidium München nach den Erfahrungen mit „Precobs“ erkundigt.
Offenbar mündet der Schnupperkurs bei der Polizei in Chicago in eine längerfristige Kooperation. Mit dem dortigen Polizeipräsidenten sei „eine Zusammenarbeit in Rahmen der Städtepartnerschaft“ geplant. Laut dem Polizeipräsidenten Meyer könnten beide Seiten „viele kleine Dinge voneinander lernen“. Ähnlich hatte sich der Senat bereits in der Antwort auf eine Kleine Anfrage geäußert. Demnach sei Chicago deshalb ausgesucht worden, da die Hamburger Innenbehörden dort von einem „breiteren und tieferen Erfahrungswissen“ ausgehen als dies „in europäischen Städten“ der Fall sei. Die Reise sei aber auch vor dem Hintergrund der Bewerbung Hamburgs für die Olympischen Spiele erfolgt.
Laut dem deutschen Bundesinnenminister wollen Deutschland und einige andere europäische Regierungen die EU-Kommission auffordern, ein Forschungsprojekt zu Vorhersagesoftware aufzulegen. Auch das Bundeskriminalamt (BKA) soll sich daran beteiligen. Vor einigen Jahren ließ sich das BKA bereits vom Marktführer IBM eine Anwendung zu „Predictive Analytics“ in Freiburg vorführen.
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: Schweizer Polizei warnt mit App vor Verbrechen, die noch gar nicht passiert sind
Screenshot der App "KAPO Aargau" der Kantonspolizei Aargau. : Schweizer Polizei warnt mit App vor Verbrechen, die noch gar nicht passiert sind Der Schweizer Kanton Aargau hat seine Android-App „KAPO“ („Kantonspolizei“), mit der NutzerInnen „schneller und direkter“ über Fahndungsaufrufe informiert werden sollen, aktualisiert. Außer aktuellen Informationen werden Webcam-Bilder zur Verkehrslage und „Informationen zu den vielfältigen Polizeiberufen“ verteilt.
Die App enthält die beiden Features „Die Polizei informiert“ und „Die Polizei warnt“. Letztere Kategorie wird als „Präventionsmassnahme“ bezeichnet. Allerdings geht es nicht um belanglose Tips zur Aufrüstung der Überwachungssensorik im Eigenheim. Vielmehr werden Meldungen über Verbrechen verschickt, die noch gar nicht passiert sind.
Die Polizei in Aargau nutzt die Vorhersagesoftware „Precobs“ aus Oberhausen. Hergestellt wird die IT-Anwendung vom Institut für musterbasierte Prognosetechnik, hinter dem sich allerdings keine Forschungsabteilung, sondern eine schnöde Firma verbirgt. Die gewann vor allem in der Schweiz beachtlich schnell einen großen Kundenkreis. Als erstes langte die Stadtpolizei Zürich zu, nach dem Kanton Aargau gehört mittlerweile auch Baselland zu den KundInnen.
Angeblich überlegen auch Polizeibehörden in Bern, Genf und dem Thurgau eine Anschaffung.
In Deutschland führte das Landeskriminalamt Bayern „Precobs“ in einem Pilotprojekt ein. Andere Bundesländer wollen nachziehen, haben sich allerdings noch nicht auf ein Produkt festgelegt. Der bayerische Einsatz von „Precobs“ ist zunächst auf Einbruchskriminalität (Wohnungen und Fahrzeuge) beschränkt, eine spätere Ausweitung auf andere Kriminalitätsphänomene aber anvisiert.Auf „Precobs“ beruhende Push-Meldungen der Polizei in Aargau sollen laut Medienberichten „auf ein Dorf oder sogar auf ein Quartier genau“ zugeschnitten sein. Die Polizei rechnet nicht unbedingt mit mehr Festnahmen, will aber „Einbrecher vertreiben“. Die Maßnahme wird als „Sensibilisierung“ bezeichnet. Auf die Frage, ob damit nicht Angstmacherei betrieben wird, antwortet ein zuständiger Polizeibeamter:
Wir sind uns bewusst, dass so Verunsicherung gesteigert werden könnte. Aber wir sind der Ansicht, dass der Nutzen überwiegt.
Damit sich der vermeintliche Nutzen nicht abnutzt, wolle der Kanton die Push-Funktion „zurückhaltend einsetzen“. Die Warnungen vor Verbrechen die noch nicht passiert sind lässt sich aber auch deaktivieren.
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: Berlin konkretisiert Schritte zur Einführung von „Predictive Policing“ – Auch Brandenburg interessiert sich
EIne Analysesoftware wie "Precobs" steigert den polizeilichen Datenhunger. Immer mehr Landeskriminalämter interessieren sich. : Berlin konkretisiert Schritte zur Einführung von „Predictive Policing“ – Auch Brandenburg interessiert sich Auch das Land Berlin hat sich die Vorhersagesoftware „Precobs“ vom Institut für musterbasierte Prognosetechnik (IfmPt) vorführen lassen. Dies geht aus der Antwort auf eine Anfrage der Piratenfraktion vor. Demnach war die Firma am 2. März von der Senatsverwaltung für Inneres und Sport zu einer Präsentation eingeladen worden.
Die Informationsveranstaltung stand im Kontext einer „fortgesetzten Marktschau“ der Berliner Behörde. Die womöglich zu beschaffende Software soll zunächst bei „Wohnraumeinbruch“ genutzt werden, weitere Anwendungsgebiete, darunter Kraftfahrzeug-Diebstahl bzw. Diebstähle aus Fahrzeugen könnten folgen.
Bayern als Motor für andere Bundesländer
Denkbar sei der Einsatz grundsätzlich in allen Dienststellen, die sich „mit Aufgaben der Kriminalitätsanalyse und Lageauswertung“ befassen. Konkrete Pläne zur Einführung hege das Landeskriminalamt (LKA) Berlin nach eigener Auskunft noch nicht. Allerdings tauscht die Polizei bereits rege Informationen mit Polizeidienststellen in anderen Bundesländern aus. Entsprechende Absichten waren bislang nur aus Bayern, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen bekannt; nach Medienberichten interessierten sich aber auch Baden-Württemberg und Brandenburg.
Im vergangenen November waren BeamtInnen des Berliner LKA-Analysezentrums und der Abteilung Verbrechensbekämpfung nach Bayern gereist und hatten sich das dort genutzte „Precobs“ vorführen lassen. Laut dem Senat nahmen an der Veranstaltung auch jeweils ein Vertreter des LKA Brandenburg und des Polizeipräsidiums Potsdam teil.
Ähnliche Treffen fanden bereits seit 2011 statt. So nahm die Berliner Polizei zwei Mal an der „Europäischen Konferenz für räumliche Kriminalitätsanalyse“ beim LKA Bayern teil. 2012 habe das Thema „Predictive Policing“ dort einen Themenschwerpunkt dargestellt. Anlässlich einer dort durchgeführten „Simulationsstudie“ sei damals auch die Stadtpolizei Zürich eingeladen worden. Auf der Webseite des Herstellers von „Precobs“ wird dies bestätigt, demnach war die Firma aus Oberhausen ebenfalls mit einer Präsentation anwesend. Auch in Zürich kommt „Precobs“ zum Einsatz.
LfDI hat kein Problem
Die „Predictive-Policing“-Software generiere laut dem Berliner Senat lediglich „empirische Erkenntnisse“, die sich kaum von „kriminalistischkriminologischen Grundannahmen“ unterschieden. Denn bereits fußten die polizeilichen Maßnahmen auf Kriminalitätsanalyse und Lageauswertung. Ausschlaggebend für eine mögliche Einführung sind vielmehr die „sich technisch ergebenden Möglichkeiten“ effektiver Arbeitsabläufe.
Ähnlich hatten sich bereits eine Studie des Landeskriminalamtes Niedersachsen geäußert. Demnach sei „Predictive Policing“ eine Weiterentwicklung von Geoinformationssystemen (GIS), die seit rund 20 Jahren bei fast allen westlichen Polizeibehörden weltweit Einzug hielten. Laut der Studie habe das „Crime Mapping“ mit Geoinformationssystemen bereits viele Eigenschaften des „Predictive Policing“. Allerdings hätten die frühen Geoinformationssysteme keine Prognosen erstellen können, da die Rechnerleistung damals schlicht zu gering gewesen sei.
Vor einer Entscheidung über den Einsatz einer Vorhersagesoftware will Berlin eine „sorgfältige rechtliche Vorbewertung“ unter Beteiligung des Landesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit (LfDI) vornehmen. Eine Firewall gegen die Einführung der teilautomatisierten Strafverfolgung ist das nicht: Der Bayerische LfDI findet „Precobs“ beispielsweise in Ordnung, solange keine personenbezogenen Daten verarbeitet werden.
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: Bayerischer LfD findet Vorhersagesoftware OK, weil der Computer nicht selbst zum vermuteten Tatort fährt
EIne Analysesoftware wie "Precobs" steigert den polizeilichen Datenhunger. Immer mehr Landeskriminalämter interessieren sich. : Bayerischer LfD findet Vorhersagesoftware OK, weil der Computer nicht selbst zum vermuteten Tatort fährt Als erstes (aber nicht mehr einziges) Bundesland testet Bayern eine Software zur Vorhersage von Straftaten („Predictive Policing“). Das System „Precobs“ wird von einer Firma aus Nordrhein-Westfalen geliefert und verarbeitet statistische Falldaten früherer Straftaten. Zunächst soll es auf Wohnungseinbrüche beschränkt bleiben, später könnten auch Autodiebstähle oder andere Kriminalitätsphänomene hinzukommen. Betrieben wird die Plattform beim Landeskriminalamt (LKA).
Nun hat sich der bayerische Landesbeauftragte für den Datenschutz (LfD) Thomas Petri mit der Software befasst. Sein „Prüfungsergebnis“: Der Einsatz der Software sei „datenschutzrechtlich nicht zu beanstanden“. Und zwar, weil nur anonyme Daten verarbeitet würden:
Das derzeit verwendete Analysesystem ist in der aktuellen Ausgestaltung datenschutzrechtlich nicht zu beanstanden.
Abgesehen von Angaben zum Tatort verwendet das System keine personenbezogenen Daten, um Tatvorhersagen zu treffen.
Das hatte auch niemand behauptet, vielmehr machte die Kritik an den Tests auf den späteren Ausbau des Systems aufmerksam: Einmal eingeführt, können die verarbeiteten Datenquellen Schritt für Schritt erweitert werden. So geschieht es bereits in Großbritannien und den USA, die beide als Vorreiter in Sachen Vorhersagesoftware gelten können. Erst kürzlich hatte die britische Firma Accenture einen Probelauf zur Prognose zukünftiger Straftaten von Gang-Mitgliedern abgeschlossen. Das bayerische LKA trifft in zwei Wochen auf einer europaweiten Verkaufsmesse für Polizeitechnik in Berlin mit Accenture zusammen, um sich über entsprechende Erfahrungen auszutauschen.
Vorhandene Stereotype werden zementiert
Der bayerische LfD findet „Precobs“ auch deshalb unbedenklich, weil „der Polizeibeamte und nicht die Software das letzte Wort hat“. Von der jeweils zuständigen PolizistIn würde das Analyseergebnis anhand der vorliegenden Erkenntnisse „gegenprüft“, bevor weitere Maßnahmen eingeleitet würden. Auch dies kann kaum als Argument für die Unbedenklichkeit der Vorhersagesoftware gelten, denn natürlich fährt nicht der Computer selbst zum vermeintlichen Tatort.
Probematisch an Software wie „Precobs“, aber auch bereits vorhandenen Crime Mapping-Systemen ist die Zementierung vorhandener Stereotype bei der Polizei. Die Anwendung zeigt beispielsweise an, dass in einer bestimmten Straße eines reicheren Wohngebietes rund um bevorstehende Ferien- oder Feiertage Einbrüche vermutet werden und welchen Weg die TäterInnen anhand der Verkehrslage wählen könnten. Sie sagt aber nicht, wie die EinbrecherInnen der Zukunft aussehen werden.
Die Polizei wird also möglicherweise jene Personen besonders kontrollieren, die ohnehin häufig ins Raster geraten. Eine Reportage der ARD in den USA hatte dies eindrücklich belegt: Angehalten wurden Personen, die aufgrund ihrer Kleidung eher unterprivilegierten Verhältnissen zuzuordnen sind.
Bye bye Datensparsamkeit
Trotzdem hat der LfD diesbezüglich keine Bedenken und glaubt daran, dass in Bayern alles mit rechten Dingen zugeht. Demnach würden bei „vermehrten Personenkontrollen in einem bestimmten Gebiet“ die rechtlichen Vorgaben (also auch die Nicht-Diskriminierung) „in jedem Einzelfall strikt durch den Polizeibeamten vor Ort eingehalten“. Das darf allerdings bezweifelt werden.
Eines lässt Petri in seinem „Prüfergebnis“ gänzlich unerwähnt: Dass nämlich das „Predictive Policing“ den polizeilichen Datenhunger steigern wird. Denn eine statistik-basierte Analysesoftware arbeitet umso besser, je mehr Informationen verarbeitet werden. Dass dies dem Grundsatz der Datensparsamkeit widerspricht, ist für den bayerischen Datenschützer offenbar kein Problem.
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: LKA-Studie erklärt Für und Wider von “Predictive Policing” – Auch BKA liebäugelt jetzt mit Vorhersagesoftware
EIne Analysesoftware wie "Precobs" steigert den polizeilichen Datenhunger. Immer mehr Landeskriminalämter interessieren sich. : LKA-Studie erklärt Für und Wider von “Predictive Policing” – Auch BKA liebäugelt jetzt mit Vorhersagesoftware Drei deutsche Landeskriminalämter wollen Anwendungen zur polizeilichen Vorhersage von Straftaten testen: Bayern hat bereits eine Versuchsreihe zum „Predictive Policing“ gestartet. Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen haben sich noch nicht auf eine konkrete Software festgelegt, holen aber Informationen zu Erfahrungen von Polizeibehörden in anderen Ländern ein.
Vielfach ist unklar was mit „Predictive Policing“ eigentlich gemeint ist. Auch das Bundeskriminalamt (BKA) plant deshalb laut einer Mitteilung des Bundesinnenministeriums eine Auswertung entsprechender kriminologischer Ansätze und Theorien. Das hat das BKA auch bitter nötig, denn in seiner Einschätzung von „Predictive Policing“ wird mit Falschbehauptungen hantiert. So heißt es beispielsweise zur Definition von „Predictive Policing“, dessen Fokus liege auf dem Deliktsbereich „Wohnungseinbruchdiebstahl“. Das ist Quatsch, denn sogar die bayerische Landesregierung hat angekündigt, dass Tests zwar hierauf beschränkt seien, die Anwendungsgebiete im Erfolgsfalle aber erweitert würden.
Uns liegt eine Studie des Landeskriminalamtes Niedersachsen vor, die „Predictive Policing“ theoretisch betrachtet und dessen Wirkungsweise analysiert. Darin heißt es, dass nach einer aktuellen Umfrage in den USA 70 % der befragten Polizeidienststellen entsprechende Anwendungen einsetzen; insgesamt 90 % würden die Implementierung bis 2016 planen. Auch in Großbritannien, Südafrika oder Australien wird „Predictive Policing“ eingesetzt.
Verräumlichung von kriminalistischen Falldaten
Der Markt für polizeiliche Vorhersagesoftware ist mittlerweile stark gewachsen, es existieren sogar diverse Freeware-Programme. Pionier und Marktführer ist der IT-Konzern IBM mit seiner Software „Blue Crush“. Mittlerweile erhält IBM Konkurrenz vom System „PredPol“, das von einigen Universitäten mit der Polizei Los Angeles entwickelt wurde. Die meisten Anwendungen verknüpfen statistische Falldaten mit raumbezogenen Informationen, aber auch einem Veranstaltungskalender, Wetterdaten oder Zahltagen an denen viel Geld im Umlauf ist. Andere Hersteller bieten aber auch Vorhersagen auf Täterebene an oder verarbeiten Informationen zu Opfern.
Die Studie des LKA Niedersachsen unterteilt die Software in drei verschiedene Ansätze:
- Fortschreibung von Hot-Spots (räumliche Brennpunkte) und Hot-Dots (Personen, die aufgrund bestimmter Eigenschaften und Verhaltensweisen immer wieder Opfer werden) in die Zukunft. Zugrunde liegt die Annahme einer großen Konstanz dieser Gebiete und Personen.
- Nutzung univariater Methoden, bei denen auf Messungen einer Variable – in diesem Zusammenhang meist die Straftaten – in der Vergangenheit auf die Zukunft geschlossen werden soll.
- Verwendung multivariater Verfahren, wobei zunächst diejenigen unabhängigen Variablen identifiziert werden müssen, die auf die abhängige Variable „Kriminalität“ Einfluss nehmen.
Theorien aus den 1970er Jahren
In der Verbrechenssoziologie wird seit den 1970er von der „Repeat Victimisation“ gesprochen, die sich Vorhersagesoftware zunutze macht. Gemeint ist die Annahme, dass Orte oder Personen mehrfach aufgesucht („viktimisiert“) würden. „Re-Viktimisierungen“ finden demnach sehr bald (meist bis 48 Stunden danach) nach den vorherigen Ereignissen statt. Dies lässt sich leicht in einen Algorithmus umwandeln. Vielleicht erklärt dies die momentane Beschränkung der in Deutschland getesteten Software auf Wohnungseinbruch, denn dort wurde die „Repeat Victimisation“ häufig getestet. Allerdings wurde die Hypothese laut der Studie in den USA auch im Zusammenhang mit Feuergefechten, KFZ-Diebstahl oder Raub ausgeweitet und später um die „Broken Windows-Theorie“ ergänzt.
Eine weitere theoretische Grundlage ist die „Routine-Activity-Theorie“, die regelmäßige Tätigkeiten untersucht und einbezieht. Zu diesen Routineaktivitäten gehört das Ausgehen am Wochenende, der Besuch von Großveranstaltungen oder das Pendeln zur Arbeit. Auch die in Bayern eingesetzte Software macht sich dies zunutze, indem Daten von Großveranstaltungen oder Verkehrsdaten eingebunden werden. In einer ähnlichen Herangehensweise wird ein „Lifestyle Approach“ angenommen, der bestimmte Tätigkeiten nach Alter, Geschlecht, Einkommen, Familienstand oder Bildung zuschreibt. So kann etwa berücksichtigt werden, in welchen Gegenden Menschen mit hohem Einkommen oder wenig Bildung leben, was dann Rückschlüsse auf bevorstehende Straftaten erlauben soll.
Von Stecknadeln zur digitalen Glaskugel
Genau genommen ist „Predictive Policing“ eine Weiterentwicklung von Geoinformationssystemen (GIS), die seit rund 20 Jahren bei Polizeibehörden weltweit Einzug hielten und die aus Krimis bekannten Stecknadeln abgelöst haben. So heißt es in der Studie, 1997 hätten annähernd die Hälfte aller großen US-Police Departments angegeben, automatisiertes „Crime Mapping“ zu nutzen. 2001 habe dieser Wert bei rund 70 % gelegen, mittlerweile gehe man von annähernd 100 % aus.
Die niedersächsische LKA-Studie erklärt, wegen der Vielzahl einbezogener Daten und der räumlichen Darstellung von Mustern habe das „Crime Mapping“ durch Geoinformationssysteme bereits viele Eigenschaften des „Predictive Policing“ (auch hier vertritt das BKA übrigens eine andere Auffassung). Allerdings hätten die frühen Geoinformationssysteme keine Prognosen erstellen können, da die Rechnerleistung damals schlicht zu gering gewesen sei. Eine höhere Leistungsfähigkeit, ein Preisverfall der Hardware sowie die zunehmende Einführung elektronischer polizeilicher Vorgansbearbeitungssysteme Daten würden nun die Einführung von „Predictive Policing“ erlauben. Allerdings seien die Anwendungen im Gegensatz zu Geoinformationssystemen äußerst kostspielig.
Immenser Preisunterschied zwischen Geoinformationssystemen und „Predictive Policing“
Die Antwort des Bundesinnenministeriums belegt diesen Preisunterschied. Das BKA testet die IBM-Software „Content Analytics“ und gibt hierfür 515.000 Euro aus. Nach einer Einführung entstünden jährlich weitere Kosten, die sich – bei lediglich einer Anwendung – auf rund 250.000 Euro belaufen dürften. Die beim BKA eingesetzten Geoinformationssysteme sind im Vergleich dazu spottbillig. Unter anderem wird dort die Software „Regiograph Analyse“ genutzt, die einmalig 998 Euro kostete. Die Abteilung Polizeilicher Staatsschutz im BKA setzt zur Auswertung geografischer Daten „ArcGIS Desktop“ und „PAD Mobifilter“ ein. Die Lizenzkosten bewegen sich jeweils um die 3.000 Euro. Kartendaten kommen vom Bundesamt für Kartographie.
Auch Daten aus der Telekommunikationsüberwachung werden räumlich zugeordnet. Hierfür nutzt das BKA eine „TKÜ-Fachanwendungssoftware“ des Überwachungsdienstleisters Syborg, als Kartenmaterial wird OpenStreetMap eingebunden. Auch die Fallbearbeitungssoftware von rola Security Systems beim BKA und bei der Bundespolizei verfügt über Georeferenzierung. Zum Zuge kommt ein Plug In, für deren Anschaffung die hochpreisige, nun von T‑Systems gekaufte Firma rola bis zu 41.850 Euro verlangt.
Prima das mit der Datensammelwut
Am Ende fragt die Studie nach der Wirksamkeit von „Predictive Policing“. Die bereits existierende Datensammelwut der Polizei wird dabei als „positiv und hilfreich“ bewertet, denn dadurch verfügten die Behörden über eine „Vielzahl von Statistiken“, die im Rahmen von „Predictive Policing“ genutzt werden können. Viele der Systeme würden auch Tat- oder Personenmerkmale erfassen. Als Beispiel wird das niedersächsische Vorgangsbearbeitungssystem NIVADIS genannt, das demnach über mehr als 750 recherchierfähige Variablen verfüge. Viele weitere Informationen lägen „frei zugänglich“ bei statistischen Landesämtern und Ämtern.
Allerdings äußert sich die Studie auch kritisch über die angeblichen Erfolge der Software. So würden mitunter Untersuchungen zu Erfolgen von „Predictive Policing“ ergeben, dass die Delikte von Jahr zu Jahr abnähmen. Würden aber andere Zeiträume verglichen, sei der Erfolg womöglich weit weniger groß. Außerdem sei das Kriminalitätsaufkommen auch in anderen Städten, die keine Vorhersagesoftware nutzen, ebenfalls gesunken. Womöglich liege der vermeintliche „Erfolg“ der Software auch in der Marketingstrategie der Hersteller begründet, die im Falle von „PredPol“ sogar als aggressiv beschrieben wird (auch darüber hatten wir berichtet).
Polizei wird ermuntert, noch mehr Daten zu sammeln
Das „Predictive Policing“ macht sich die in allen Bereichen zunehmende Digitalisierung der Polizeiarbeit mit den dadurch verbundenen Möglichkeiten zunutze. Bestände von Datenbanken können miteinander in Beziehung gesetzt werden. Die wissenschaftliche Debatte benutzt hierfür der Begriff „Data Mining“. Um die Wirksamkeit solcher Verfahren zu erläutern, wird gern der Vergleich mit der Nadel im Heuhaufen bemüht: Die kann umso besser gefunden werden, je mehr Daten angehäuft und verarbeitet werden. Der Heuhaufen wird also vergrößert. So wird die Polizei ermuntert noch mehr Daten zu sammeln. Im Endeffekt könnten Innenministerien die Einführung der Software sogar als Begründung für die Einrichtung weiterer Datenbanken anführen.
Auch im IT-Bereich zeigt sich damit ein allgemeiner Trend in der Polizeiarbeit, mit immer mehr Kompetenzen zur „Gefahrenabwehr“ das Vorfeld von Straftaten zu erkunden.
Die Projekte in Niedersachsen, Bayern und NRW sind Versuchsballons, deren Auswirkungen noch nicht absehbar sind. Die Software hält dadurch Einzug in den Polizeialltag. Wird die Vorhersage von Straftaten Computern überlassen, bekommen Programmierer die Definitionshoheit über das Ranking unliebsamen Verhaltens. Wie bei Suchmaschinen wird die Reihenfolge der gefundenen Ergebnisse nicht infrage gestellt wird. Auch PolizistInnen vertrauen also der vorhersagenden Analyse, ohne zu wissen wie diese überhaupt zustande kommt. Denn der Quellcode der Software ist gewöhnlich Betriebsgeheimnis der Hersteller, mithin auch Datenschützern unbekannt.
Software fördert Stereotype bei der Polizei
Dies wiegt umso schwerer, wenn nach einigen Jahren auch Personendaten verarbeitet werden. Die britische Polizei hat hierzu kürzlich ein Pilotprojekt beendet, das die Wahrscheinlichkeit der Rückfälligkeit von Gang-Mitgliedern bestimmen soll. Verarbeitet wurden Daten von bereits straffällig gewordenen Personen, die Software griff hierzu auf Polizeidatenbanken und andere Statistiken zu.
Eine Software gegen Wohnungseinbrüche oder Fahrzeugdiebstähle wird auch die Vorurteile bei PolizistInnen verstärken. Denn ein computergestütztes Vorhersagesystem liefert keine Anhaltspunkte, wie denn vermuteten „Verbrecher“ auszusehen haben oder zu erkennen wären. Eine Reportage der ARD hat gut dokumentiert, wie dann die üblichen Stereotypen bedient werden: Kontrolliert werden Menschen mit dunkler Hautfarbe, Kapuzenpullis und andere, offensichtlich unterprivilegierte Personen.
Da klingt die Aussage eines „Erfinders“ von Vorhersagesoftware wie eine Drohung wenn er behauptet, in zehn Jahren werde „Predictive Policing“ bei Polizeibehörden Standard sein. Angeblich klopfen „Polizei-Verantwortliche aus ganz Europa“ bei dem Hersteller in Nordrhein-Westfalen an.
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: Auch Niedersachsen experimentiert mit polizeilicher Vorhersagesoftware, zum Zuge kommt diesmal IBM
2011 unterzeichneten die Universität Freiburg und IBM ein Kooperationsabkommen, das auch "Predictive Policing" umfasst. Das System wurde bereits einigen Landeskriminämtern vorgeführt. : Auch Niedersachsen experimentiert mit polizeilicher Vorhersagesoftware, zum Zuge kommt diesmal IBM Mehrere deutsche Polizeibehörden testen derzeit Verfahren zum „Predictive Policing“. In ganz Bayern läuft eine Versuchsreihe stattgefunden, das Landeskriminalamt (LKA) Nordrhein-Westfalen bereitet ebenfalls ein Pilotprojekt zu Wohnungseinbrüchen vor. Die bayerische Landesregierung hatte jedoch angekündigt, das getestete System im Erfolgsfalle auf andere Deliktformen auszuweiten.
Schon länger ist das Bundeskriminalamt (BKA) mit entsprechenden Marktsichtungen befasst, mindestens in einem Fall führte eine Dienstreise hierzu nach Baden-Württemberg. Dort hat der US-Konzern IBM, der als Vorreiter in Sachen Vorhersagesoftware gilt, ein Kooperationsprojekt mit der Universität Freiburg begonnen. Ziel ist, zur „vorausschauenden Polizeiarbeit“ auch in Deutschland Marktführer zu werden.
Anfragen von der CDU
Es ist unklar, welche anderen Landesregierungen bereits Anwendungen zum „Predictive Policing“ testen oder entwickeln. Anfragen in Landesparlamenten kamen bislang von der CDU, in Nordrhein-Westfalen mit dem deutlichen Tenor der Wirtschaftsförderung für das dort ansässige Institut für musterbasierte Prognosetechnik, das eine solche Software (etwa in Bayern) vermarktet.
Neues förderte jetzt ein Abgeordneter im niedersächsischen Parlament zutage. Laut einer heutigen Antwort des dortigen Innenministers Boris Pistorius hat die Zentrale Polizeidirektion Niedersachsen, das LKA Niedersachsen und die Polizeidirektion Braunschweig „in den vergangenen Monaten“ mit IBM und dem Karlsruhe „Service Research Institute“ ein Projekt zur Erprobung von „Predictive Policing“ durchgeführt.
Ziel dieses eine Woche dauernden Projekts war demnach, „möglichst treffgenaue Vorhersagen für Straftaten zu generieren“. Die Landesregierung erhofft sich dadurch ein „Prognoseinstrument“, das zu einem „noch effizienteren Einsatz polizeilicher Ressourcen“ beitrage. Dies wiederum führe zu einer „Erhöhung des Sicherheitsempfindens der Bevölkerung“.
Für die maßgeschneiderte die Entwicklung eines Vorhersagemodells wurden zurückliegende Einbruchsdaten der Stadt Hannover genutzt. Auf deren Grundlage errechnet eine Software Prognosen, deren Treffgenauigkeit dann anhand realer Vorkommnisse überprüft wird. Verarbeitet wurden wie in Bayern lediglich nicht-personenbezogene Daten.
„Predictive Policing“ löst Geoinformationssysteme ab
Das niedersächsische Innenministerium definiert „Predictive Policing“ als das „Heranziehen verschiedener Datenquellen, anhand deren Analyse Straftaten antizipiert und verhindert bzw. angemessene polizeiliche Reaktionen ermöglicht werden sollen“. Falldaten werden mit Geodaten verknüpft. Auf diese Weise sollen „Gebiete mit potenziell erhöhtem Risiko“ möglichst kleinräumig dargestellt werden. Im Falle der Tests waren hierfür Zonen von 250x250m definiert worden.
Das Verfahren ähnelt den derzeit genutzten Geoinformationssystemen, die nun mit neuen Möglichkeiten des „Crime Mapping“ aufgebohrt werden. Die USA und Großbritannien gelten diesbezüglich als Vorreiter. Dort werden mittlerweile in manchen Projekten auch Personendaten verarbeitet.
Der Mehrwert von „Predictive Policing“ sei laut der Landesregierung Niedersachsens „nicht abschließend geklärt“. Dies hatte auch Nordrhein-Westfalen als Ausgangspunkt seiner Studie erklärt. Das niedersächsische Inneministerium will deshalb „nationale und internationalen Erfahrungen“ auswerten. Das dürfte bedeuten, dass die Anstrengungen anderer Länder in einer Bund-Länder-Projektgruppe mit dem BKA zusammengeführt werden. Eine solche Arbeitsgruppe könnte auch auf Ebene der Innenministerkonferenz angesiedelt sein.
Die Ergebnisse der nidersächsischen Kurzstudie werden nun „inhaltlich-fachlich und technisch“ geprüft und dann bewertet. Nach dieser Prüfung will die Landesregierung über einen größer angelegten Modellversuch entscheiden.
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: NRW will Vorhersagesoftware erst zu Wohnungseinbruch nutzen, dann „auf weitere Deliktsfelder“ ausdehnen
EIne Analysesoftware wie "Precobs" steigert den polizeilichen Datenhunger. Immer mehr Landeskriminalämter interessieren sich. : NRW will Vorhersagesoftware erst zu Wohnungseinbruch nutzen, dann „auf weitere Deliktsfelder“ ausdehnen Die Landeskriminalämter Bayern und Nordrhein-Westfalen sind derzeit mit Tests zur Wirksamkeit von „Predictive Policing“ befasst. Eine Vorhersagesoftware soll Anhaltspunkte liefern, wann und wo ein Wohnungseinbruch bevorsteht. Das Programm macht sich dabei den wissenschaftlich angeblich nachgewiesenen „Near Repeat“ zu nutze, wonach StraftäterInnen meist mehrmals an nahe gelegenen Tatorten aktiv sind. In Bayern kommt die Software „PreCobs“ zum Einsatz, Tests finden in München und Mittelfranken statt. Im Rahmen einer zweiwöchigen Großoperation wird „PreCobs“ (vorübergehend?) auch landesweit ausprobiert.
Die Landesregierung in NRW erläutert nun Details zu den eigenen Plänen. Hintergrund war eine Kleine Anfrage des CDU-Abgeordneten Gregor Golland. Der Konservative ist allerdings nicht von Datenschutzbedenken geplagt, vielmehr geht es ihm um Wirtschaftsförderung: Die Anfrage trägt den Titel „PreCobs – Verweigert sich der Innenminister gegen eine fortschrittliche Polizeiarbeit?“. Das Institut für musterbasierte Prognosetechnik, der Hersteller von „PreCobs“, hat seinen Sitz in Oberhausen. Der Abgeordnete will offenbar das heimische Unternehmen bei einer Auswahlentscheidung bevorzugt wissen.
Welche Software kauft NRW?
Laut der Landesregierung sei aber nicht hinreichend belegt, dass sich „PreCobs“ wie von Golland behauptet für eine „zeitgemäße polizeiliche Auswertung“ bewährt habe. Soweit ein Rückgang von Straftaten „in einem definierten Raum zu beobachten sei, ließe sich dieser „nicht zwangsläufig auf die Anwendung solcher Programme zurückführen“. In diese Richtung hatte sich am Mittwoch der bayerische Innenminister geäußert, der die Tests von „PreCobs“ als „vielversprechend“ lobte. Ob mehrere in jüngster Zeit verhaftete Einbrecher aber durch die digitale Vorausschau ins bayerische Raster gerieten, ist längst nicht belegt.
Das LKA NRW will deshalb nur solche Anwendungen einsetzen „die tatsächlich nachweislich wirksam sind“. Die Antwort lässt offen, welches Produkt von welchem Hersteller ausgesucht wird. Möglich wäre auch eine Software von IBM zu kaufen. Der US-Konzern versucht, in Kooperation mit der Universität Freiburg auf dem deutschen Markt Fuß zu fassen.
Das Projekt „Predictive Policing in Nordrhein-Westfalen“ soll nach Abschluss vorbereitender Maßnahmen Anfang 2015 in Duisburg und Köln beginnen. Erste Ergebnisse werden für die zweite Jahreshälfte erwartet. Die technische Leitung obliegt dem Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste (LZPD), das immer wieder Pionierprojekte im IT-Bereich betreibt und beispielsweise einen Server zum Versand von „Stillen SMS“ betreibt, der auch von anderen Bundesländern genutzt wird.
„Bauliche Gegebenheiten, Verkehrsinfrastrukturen, Wetterdaten“
Die „Praxisphase“ endet im September 2016. Aus „kriminalstrategischen Erwägungen“ liege der Fokus zunächst auf Wohnungseinbruch. Soweit sich dort positive Ergebnisse nachweisen lassen komme „die Ausweitung solcher Anwendungen auch auf weitere Deliktsfelder in Betracht“. Die Software soll jenseits der polizeilichen Nutzung auch Informationen „für Zwecke der Sozialpolitik oder des Städtebaus“ liefern.
Vor einer endgültigen „Eignungs- und Auswahlentscheidung“ sollen weitere „IT-Experten“, WissenschaftlerInnen, polizeiliche Datenschutzbeauftragte sowie „polizeiliche Anwender“ einbezogen werden. Das deutet auf die Einrichtung einer Bund-Länder-Arbeitsgruppe hin, zumal sich auch das Bundeskriminalamt für die Tests in Bayern und NRW interessiert.
Die in Deutschland getestete Vorhersagesoftware verarbeitet zunächst keine Personendaten. Neben Informationen zu früheren Einbrüchen werden weitere „frei zugängliche Datenquellen“ eingebunden. Hierzu gehören „bauliche Gegebenheiten in Stadtbezirken, Verkehrsinfrastrukturen, Wetterdaten“. Um die Wirksamkeit der vorhersagenden Analyse zu steigern, können weitere Daten herangezogen werden. Dies könnte die Polizei zum Anlass nehmen, das Prinzip der Datensparsamkeit weiter aufzuweichen.
Erfahrungsaustausch mit Australien, Großbritannien, Niederlande und USA
Im Juli hatte die Landesregierung bereits auf eine Kleine Anfrage der FDP-Fraktion geantwortet. Demnach sei das LKA beauftragt gewesen, Informationen ausländischer Polizeibehörden, die Vorhersagesoftware bereits benutzen, zu analysieren. Genannt werden Australien, Großbritannien, Niederlande und die USA. Die britische Polizei hatte kürzlich getestet, inwiefern die Rückfälligkeit von Gang-Mitgliedern ebenfalls durch eine Software vorhersehbar ist.
Viele US-Polizeien setzen mittlerweile auf IT-gestütztes „Predictive Policing“. Auch dort wurden zunächst lediglich anonyme Daten genutzt, mittlerweile fließen aber in einigen Städten bereits Personendaten ein. Der Innenminister Ralf Jäger (SPD) hatte das LKA aufgefordert, zu prüfen ob „die technischen Vorgaben dieser Methoden im Rahmen des geltenden Rechts auf die Kriminalitätsauswertung und ‑analyse der Polizei NRW übertragen werden können“.