Campaigning
-
: Macht mit: Protest gegen Überwachung von Flugreisenden
: Macht mit: Protest gegen Überwachung von Flugreisenden Die EU-Kommission will seit Sommer, wie bereits im Flugverkehr mit den USA, Daten von allen Flugpassagieren nach oder von Europa sammeln und bis zu 13 Jahre lang speichern. Dieses Vorhaben stößt bereits länger auf massive Proteste der Datenschutzbeauftragten. EU-Innenkommissar Franco Frattini profiliert sich hier wieder als Hardliner, der etwas zu verbergen hat:
Fragen nach den Erfolgen bei der Terrorabwehr, die die Effektivität und Notwendigkeit der Maßnahme belegen, konterte Frattini bei einer Pressekonferenz mit dem Hinweis, er könne nicht Unterricht für Terroristen zu Ermittlungsmethoden erteilen.
Am Freitag wird nun der Bundesrat darüber abstimmen, ob die Bundesregierung diesem Plan im EU-Ministerrat zustimmen darf. Da das Verfahren sich nicht auf den gemeinsamen Binnenmarkt bezieht, müssen hier alle EU-Staaten einstimmig dafür sein. Die Niederlande, Österreich, Schweden und Ungarn haben sich schon im Vorfeld skeptisch bis offen ablehnend zu dem Vorhaben geäußert. Die Bundesregierung ist dafür, ist aber hier an Vorgaben von Bundesrat und Bundetag gebunden.
Der AK Vorratsdatenspeicherung ruft daher dazu auf, vor Freitag Briefe und Faxe an die Ministerpräsidenten der Bundesländer zu schicken, die sie auffordern, im Bundesrat gegen dieses Überwachungsvorhaben zu stimmen. Alle Faxnummern sowie Musterbriefe gibt es im AK-Wiki.
padeluun vom FoeBuD / AK Vorrat hat eine sehr treffende Formulierung dazu gefunden:„Freiheit ist etwas Flüchtiges. Sie ist gerade dabei, sich auf der Passagierliste einzutragen und davon zu fliegen.“
Während die EU hier den Datensammelwahn der USA kopiert, wird dort bereits eine Ausweitung der Flugpassagier-Datensammlung gefordert. Hier protestiert die EU-Kommission allerdings komischerweise noch.
-
: „Kasseler Vision“ des AK Vorratsdatenspeicherung
: „Kasseler Vision“ des AK Vorratsdatenspeicherung Der Strategiekongress des AK Vorrat am Wochenende in Kassel war ein voller Erfolg, nach allem was man bisher hört (ich konnte leider nicht teilnehmen, weil ich schon länger zu einer Konferenz nach Kanada eingeladen war). Es gibt eine Reihe neuer Ideen für Aktionen und eine noch bessere Zusammenarbeit nach innen und außen, und alle Beteiligten berichten von unglaublicher Energie und gemeinsamem Willen, hier noch mehr zu bewegen. Die ausführlichen Berichte tröpfeln erst langsam ein, weil wohl alle erstmal ihr Schlafdefizit kompensieren müssen.
Ein konkretes Ergebnis war schon vor Ort die
Kasseler Vision
Auf dem ersten Bundeskongress des Arbeitskreises Vorratsdatenspeicherung, 8.–10.02.2008, trafen sich verschiedenste Aktivisten und Organisationen, die schon seit längerer Zeit im Kampf gegen die Vorratsdatenspeicherung gemeinsam aktiv sind.
Wir haben uns dazu entschlossen, noch stärker vom Reagieren auf Einschränkungen unserer Grundrechte zum Agieren überzugehen, für eine Kultur, welche die Privatsphäre der Menschen unbedingt achtet.
Die Souveränität des Menschen über seine Daten ist Voraussetzung für die Wahrnehmung seiner Freiheit.
Unsere Vision ist eine Kultur, in der die Privatsphäre wieder als eines der wertvollsten Güter angesehen wird.
Der Schutz persönlicher Daten ist in unserer modernen Welt unverzichtbar für die Integrität und Eigenständigkeit der Persönlichkeit eines jeden
Menschen.Deshalb ist für uns der Schutz persönlicher Daten ebenso wichtig wie der Schutz der körperlichen Unversehrtheit.
Man muss sich das nochmal vor Augen halten: Der AK Vorrat hat in den zwei Jahren seit seiner Gründung die größe Verfassungsbeschwerde aller Zeiten auf die Beine gestellt, eine Großdemo in Berlin organisiert, das Netzwerk „Freiheitsredner“ sowie ca. 60 Ortsgruppen aufgebaut, massenhaft Pressearbeit gemacht und hunderte lokaler Aktionen durchgeführt – und das alles überwiegend durch Online-Koordination! Der Bundeskongress war das erste Mal, dass man sich außerhalb von konkreten Aktionen in großer Runde getroffen hat, um in Ruhe über die weitere Arbeit zu reden. Wer auch nur ein wenig Erfahrung mit offline-Treffen hat, kann sich vorstellen, was das an zusätzlicher Energie und gemeinsamer Vertrauensbasis erzeugt hat.
-
: Voices without Votes
: Voices without Votes 
Reuters und Global Voices haben gemeinsam Voices without Votes ins Leben gerufen. Das Projekt will Beiträge von Bloggern zur Präsidentschaftswahl in den USA 2008 nach dem „Global-Voices-Prinzip“ zusammentragen:
Global Voices möchte, dass Menschen sich über Ländergrenzen hinweg zuhören. Wir übersetzen Blogs aus dem Mittleren Osten, Asien, Afrika, Südamerika und Osteuropa und hoffen so das gegenseitige Verständnis zu fördern.
Wer also regelmäßig über den Wahlkampf und die Kandidaten schreibt oder bestimmte Seiten favorisiert, kann entsprechende Links vorschlagen.
-
: Mash-Up: Finde das Öl
: Mash-Up: Finde das Öl „Follow the Oil Money“ ist ein schönes Mash-Up-Beispiel aus den USA, was an mit öffentlich zugänglichen Daten machen kann:
This tool is a visual demonstration of the network of funding relationships between oil companies and politicians. The Relationship View and Table Views are two alternate presentations of the campaign contributions from company executives (and company Political Action Committees) to the candidate’s campaign committee.

Die Daten kommen aus verschiedenen Quellen und werden mit einem Visualisierungs-Layer zugänglich gemacht. Man kann sich als Nutzer bequem durch die Datensätze bewegen und erhält detaillierte Informationen, welche US-Politiker sich wie von der ÖL-Industrie in ihren Kampagnen finanzieren lassen. Dabei werden auch viele Netzwerke sichtbar.

Schönes Transparenz-Projekt. Wir brauchen endlich eine „Offene Regierung“ in Deutschland und Schnittstellen zu solchen Daten.
-
: The Yes We Can Song
: The Yes We Can Song „The Yes We Can Song“ ist ein verdammt guter Werbe-Clip für Barack Obama, wo Stars Auschnitte einer Rede nachsingen. Man stelle sich mal vor, Grönemeyer & Co würden eine Rede von Kurt Beck im nächsten Wahlkampf reinterpretieren…
-
: Blog for a Cause!: The Global Voices Guide of Blog Advocacy
: Blog for a Cause!: The Global Voices Guide of Blog Advocacy „Blog for a Cause!: The Global Voices Guide of Blog Advocacy“ ist ein neues Handbuch für politische Blogger. Es beschreibt auf 21 Seiten (PDF), wie man Weblogs und soziale Medien nutzen kann, um damit auf politische Themen aufmerksam zu machen. Da die Hauptzielgruppe eher Menschen in repressiven Staaten sind, werden selbstverständlich auch Informationen geboten, wie man die eigene Identität sinnvoll schützen kann.
netzpolitik.org ist als Beispiel eines „Issue Blog“ aufgeführt. Daneben gibt es noch zahlreiche andere Beispiel und weiterführende Informationen. Insgesamt ist es schön gemacht und bietet einen guten Überlick, wie man Blogs für die eigenen politischen Anliegen nutzen kann.

Blog for a Cause!: The Global Voices Guide of Blog Advocacy explains how activists can use blogs as part of campaigns against injustice around the world. Blogging can help activists in se veral ways. It is a quick and inexpensive way to create a presence on the Internet, to disseminate information about a cause, and to organize actions to lobby decision-makers.
The goal of Blog for a Cause!: is twofold: to inform and to inspire. The guide is designed to be accessible and practical, giving activists a number of easy-to-follow tips on how to use a blog to further their particular cause.
Auf meiner To-Liste steht schon länger, sowas mal auf deutsch und vielleicht ausführlicher zu machen. Wenn jemand Lust und Geld hat, sowas zu finanzieren, könnte man dies schneller realisieren.
Auf der kommenden re:publica haben wir dazu auch ein Panel: „Advocacy 2.0″. Darauf freue ich mich schon.
-
: Best Practices for Non-Profits in Second Life
: Best Practices for Non-Profits in Second Life Rik Panganiban von Global Kids hat einen Bericht (pdf) geschrieben, der Tipps gibt für Nonprofit-Organisationen, die Second Life für ihre Arbeit nutzen wollen:
Well-heeled patrons sip martinis while bidding on shimmering gowns to raise funds for cancer research. A humanitarian aid worker just back from Sudan talks about the plight of Sudanese refugees to an international audience. Regulars at a weekly Alcoholics Anonymous meeting sit in a loose circle, helping each other through another day of sobriety. Teenagers are creating sets, costumes and lighting to shoot an educational video about child soldiers in Uganda. Pretty normal non-profit activities – if not for the fact that all of these events took place in the virtual world of Second Life.
Die meisten Tipps sind wohl auch für andere virtuelle Umgebungen nützlich, viele auch für „normale“ Netznutzung und sogar den offline-Bereich, etwa „hold regular events“ oder „work with existing communities“.
-
: Konferenz zu Politik und Web 2.0
: Konferenz zu Politik und Web 2.0 Eine recht interessante Veranstaltung gibt es im April in London:
Politics: Web 2.0: An International Conference.
Royal Holloway College, University of London, April 17–18, 2008.Es ist eine akedamisch ausgerichtete Konferenz, die aber auch für Praktiker und andere Interessierte lohnenswert sein dürfte. Veranstalter ist die letztes Jahr gegründete „New Political Communication Unit“ am Department of Politics and International Relations.
-
: Jetzt.de: Interview mit Mathias Schindler zur Wahlbeobachter-Aktion
: Jetzt.de: Interview mit Mathias Schindler zur Wahlbeobachter-Aktion Jetzt.de berichtet über unsere Suche nach Wahlbeobachtern in Hessen und hat Mathias Schindler zu seinen Erfahrungen bei einer Testwahl in Hessen und der Aktion interviewt: Sicherheitsproblem Wahlcomputer: Beobachter für die Landtagswahl in Hessen gesucht.
Hallo Mathias, wie war der erste Testlauf mit den Wahlcomputern? Gab es Probleme?
Es wurde ein normaler Wahltag simuliert, mit Papier- und Computerauszählung parallel. Es gab ein paar Unregelmäßigkeiten nach der Auszählung. Ein Teil konnte durch die erneute Papier-Auszählung behoben werden, aber zwei unzutreffende Ergebnisse blieben übrig. Das Spannende dabei ist aber vor allem, dass der Wahlleiter keinen Moment darüber nachgedacht hat, dass das auch ein Fehler des Computers sein könnte. Das ist methodisch eher fragwürdig. -
: Grüne Kampagne: I wouldn´ t steal
: Grüne Kampagne: I wouldn´ t steal Ich bin positiv überrascht von der grüne Fraktion im Europaparlament, die zusammen mit den schwedischen Grünen die kleine Pro-Filesharing-Kampagne „I wouldn´ t steal“ gestartet hat. Würde ich mal interessieren, ob sich die deutschen Grünen anschliessen?
Kernelement der kleinen Kampagne ist der folgende „virale Clip“:
Diesen gibt es passend zur Thematik auch als Torrent bei der PIrateBay.
Whenever you rent a movie, the multinational media industry forces you to watch their propaganda. They claim that [downloading movies is the same as snatching bags, stealing cars or shoplifting]. That’s simply not true – making a copy is fundamentally different from stealing. The media industry has failed to offer viable legal alternatives and they will fail to convince consumers that sharing equals stealing. Unfortunately, they have succeeded in another area – lobbying to adapt laws to criminalize sharing, turning consumers into criminals. They argue that their laws are necessary to [support artists], but in reality all they’re protecting is their own profits.
The Greens in Europe and worldwide has been opposing these laws. We believe that consumers are willing to pay if offered good quality at a fair price. We also believe that sharing is expanding culture – not killing it. To protest against the faulty propaganda from the industry, we made our own film. The difference is – you can choose whether you want to watch this one.
[Danke an Julia]
-
: Lovepeace – Dating- und Kampagnen-Plattform von Greenpeace Schweiz
: Lovepeace – Dating- und Kampagnen-Plattform von Greenpeace Schweiz Greenpeace Schweiz hat eine „Partner- und Community-Plattform für eine rundum bessere Welt“ names lovepeace.ch gestartet. Das ist ein Social Network für drei Nutzungsmöglichkeiten: „Liebe finden“, „Freunde finden“ und „Etwas bewegen“. Mit fünf Franken ist man dabei und kann Kontakt zu anderen „Profilen“ aufnehmen. Das ist gleichzeitig auch die Greenpeace-Mitgliedschaftsgebühr, so dass Greenpeace-Mitglieder kostenlos dran teilnehmen können. Eine pfiffige MItgliederwerbe-Aktion.
Das Prinzip ist nicht neu, nur wurde es im deutschsprachigen Raum noch nicht ausprobiert. In den USA boomen seit Jahren „politische Dating-Plattformen“. Die Idee dahinter ist, dass sich konservative Evangelikale aus dem Bible-Belt gerne mit ihresgleichen vermehren und progressive Städter das auch gerne untereinander tun. So gibt es mittlerweile für die unterschiedlichsten politischen Zielgruppen die passenden Dating-Plattformen. Einen Schritt weiter gehen Plattformen wie „Act for Love“, was vermutlich das Vorbild für „Lovepeace“ war. Dort kann man einerseits Dating machen und nebenbei noch an Kampagnen teilnehmen, indem man Petitionen unterschreibt, Geld spendet und was man sonst auf Kampagnenplattformen macht.
Vom Dating-Aspekt ist das für politisch denkende Menschen sicherlich nützlicher und macht mehr Spass als die üblichen Dating-Plattformen, wo man den/die passende/n Partner/in anhand von eingestellten Fotos finden soll, aber die Interessen schwierig zu matchen sind. Abgesehen von politischen Ansichten. Und eine Dating-Möglichkeit auf einer Kampagnenplattform motiviert viele Singles sicherlich, öfters wieder vorbei zu kommen. Abgesehen von dem Aspekt der Mitgliederwerbung.
[via Textdepot]
-
: Vorratsdatenspeicherungstalk vom 24C3
: Vorratsdatenspeicherungstalk vom 24C3 Mario Behling hat auf dem CCC-Kongress – wie schon im Jahr davor – padeluun und mich vor die Kamera gezerrt, um ein wenig über die Aktionen gegen die Vorratsdatenspeicherung zu reden. Diesmal waren wir noch alberner drauf als beim 23C3, weil die ganze Mobilisierung und Unterstützung uns einfach verdammt froh macht. Ein paar Inhalte sind dennoch rüber gekommen, denke ich. Na, schaut selber.
Hier gibt es das ganze auch groß und in 16:9. -
: Polizei Heidelberg warnt vor Vorratsdatenspeicherung
: Polizei Heidelberg warnt vor Vorratsdatenspeicherung … leider nicht in Echt. Dennoch eine tolle Aktion:
Falsche Briefe der Polizeidirektion Heidelberg warnen davor, dass mittels der Vorratsdatenspeicherung erhobene Daten möglicherweise missbraucht werden könnten und empfehlen verschiedene Maßnahmen dagegen wie beispielsweise das Surfen mittels Tor. Über eintausend Schreiben gingen an Haushalte in Heidelberg. Zu der Aktion bekannte sich die Gruppe Weg mit der Vorratsdatenspeicherung Heidelberg.
Nach polizeilichem Briefkopf folgte folgender Text:
An alle Bürgerinnen und Bürger der Stadt Heidelberg
Bekanntmachung der Polizeidirektion Heidelberg
Betreff: Vorratsdatenspeicherung
Seit dem 01. 01. 2008 gilt in der Bundesrepublik Deutschland die so genannte Vorratsdatenspeicherung. Mit ihrer Hilfe soll nachvollziehbar werden, wer mit wem in den letzten sechs Monaten per Telefon, Handy oder E‑Mail in Verbindung gestanden oder das Internet genutzt hat. Bei Handy-Telefonaten und SMS soll auch der jeweilige Standort des Benutzers festgehalten werden. Mit Hilfe der über die gesamte Bevölkerung gespeicherten Daten können Bewegungsprofile erstellt, geschäftliche Kontakte rekonstruiert und Freundschaftsbeziehungen identifiziert werden. Auch Rückschlüsse auf den Inhalt der Kommunikation, auf persönliche Interessen und die Lebenssituation der Kommunizierenden werden möglich. Zugriff auf die Daten erhalten Polizei, Staatsanwaltschaft und ausländische Staaten, die sich davon eine verbesserte Strafverfolgung versprechen. (genauere Informationen finden Sie unter www.vorratsdatenspeicherung.de).
Leider kann der Schutz vor einem Missbrauch der in Heidelberg erhobenen Daten augenblicklich von der Polizeidirektion Heidelberg nicht gewährleistet werden. Bis wir diese Panne behoben haben, möchten wir sie dringlichst um die Befolgung folgender Maßnahmen bitten:- benutzen sie Telekommunikationsgeräte nur wenn unbedingt erforderlich.
- lassen sie ihr Mobilfunkgerät möglichst häufig zu Hause oder schalten Sie es aus, wenn Sie es derzeit nicht benötigen und entfernen Sie den Akku.
- surfen Sie im Internet ausschließlich mittels Anonymisierungsprogramme (wie beispielsweise Tor: www.torproject.org/).
- schreiben Sie Briefe, diese sind nicht nur persönlicher, sondern fallen auch nicht unter die so genannte Vorratsdatenspeicherung.
Bei weiteren Fragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung rufen Sie einfach an (06221/99–0), oder kommen Sie zur persönlichen Beratung vorbei (Polizeidirektion Heidelberg, Römerstraße 2 – 4, 69115 Heidelberg)
Mit freundlichen Grüßen
Polizeidirektor Karl Himmelhan,
Leiter Revierdienst bei der Polizeidirektion Heidelberg und Leiter des PolizeireviersMehr Inspiration bietet z.B. kommunikationsguerilla.twoday.net, Wikipedia und natürlich das Handbuch der Kommunikationsguerilla.
-
: Firefox Users against Boredom
: Firefox Users against Boredom „Firefox Users against Boredom“ ist eine neue Kampagnenseite, die anscheinend zum Ziel hat, neue Zielgruppen für den Firefox-Browser zu erschliessen. Man versucht es mit etwas Parodie. Die kommt allerdings ziemlich US-amerikanisch dahin. Das ist ja noch einigermassen lustig:
Statistics show that Firefox Users are more inclined to have rich, exciting experiences on the web and in everyday life. Others, however, find themselves paralyzed by the death grip of boredom. It’s not their fault. Many are good people who simply got off to a bad start. It’s our duty to show them that the numbers can be in their favor. So spread the word because hope of a more interesting life is only a download away.
Statistiken machen sich auch immer gut bei einer Kampagne. So findet man hier Zahlen, die Internet-Explorer-Nutzer mit Firefox-Nutzern vergleichen. Firefox-Nutzer haben demnach:
* 14% more likely to rent a residence.
* 30% less likely to be retired.
* 12% less likely to have eaten lunch at McDonald’s within the last 7 days. […]Höhepunkt der Kampagne ist ein, zugegeben gut produzierter, aber trotzdem nicht hörbarer Song. Dieser klingt nach einer Mischung aus Weihnachten und MIchael Jackson, mit dem passenden Chor für den Refrain dazu. Man kann aber auch sagen, dass die kleinen Kampagnenseite dadurch viral funktionieren kann. Frühere Massnahmen zur Promotion von Firefox fand ich aber ansprechender und spannender.
-
: Demo in München gegen Schäuble
: Demo in München gegen Schäuble Innenminister Wolfgang Schäuble hat gestern in München einen Auftritt gehabt, und es ging klassisch CSU-dreikönigsmäßig zu. Außerdem ist in Bayern im März Kommunalwahl, und die CSU will „Innere Sicherheit“ zum Schwerpunktthema machen. Schäuble hat nach Presseberichten die üblichen herben Statements gebracht: Verteidigung der VDS, erneut der Ruf nach Bundeswehr im Innern, und so weiter. Außerdem hat er behauptet, dass die jugendlichen Schläger, die vor Weihnachten durch die Medien gingen, aufgrund der Vorratsdatenspeicherung gefasst worden seien. Die war da allerdings noch gar nicht in Kraft, die Festnahmen kamen durch Zeugenaussagen und die Ortung eines gestohlenen Handys zustande. CSU-Oberbürgermeister-Kandidat Josef Schmidt forderte unter anderem eine flächendeckende Videoüberwachung.
Zum Glück waren sie nicht allein. Aus der Pressemitteilung des AK Vorrat:
In München haben am heutigen Sonntag 750 besorgte Bürger gegen die Vorratsdatenspeicherung als Totalprotokollierung ihrer Telekommunikationsdaten und gegen weitere Überwachungsbefugnisse demonstriert. Während bundesweit die Kritik an den Plänen zur Errichtung eines Überwachungsstaates nicht abreißt, bauen Politiker der Regierungsparteien ihre Machtphantasien weiter aus. So traf sich die Leitfigur des informationellen Absolutismus, Wolfgang Schäuble, am 6. Januar 2008 unter dem Motto „Was zählt ist Sicherheit“ mit dem CSU-OB-Kandidaten Josef Schmid in München zum Dreikönigstreffen.
Vor der Kongresshalle an der Theresienhöhe versammelten sich daher etwa 750 Bürger, um unter dem Gegen-Motto „Was zählt ist Freiheit“ gegen die immer weitergehenden Überwachungspläne des Innenministers Schäuble und der schwarz-roten Bundesregierung in Berlin zu demonstrieren. Auf der friedlichen Veranstaltung sprachen Redner vom AK Vorratsdatenspeicherung, Jimmy Schulz von der FDP, Jerzy Montag von den Grünen und Luca Zampetti vom Verein „Mehr Demokratie e.V.“
Im Anschluss an die Veranstaltung wollte der Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung Wolfgang Schäuble in seiner eigentlichen Funktion als Verfassungsminister einen Sarg als Symbol für den Verlust der Privatsphäre überreichen. Der so genannte „Bundessarg“ wurde letzte Woche auf einem Trauermarsch von Hamburg aus über Kassel, Frankfurt und Ulm nach München getragen. Bundesweit nahmen hunderte von Menschen die Gelegenheit wahr, Abschied von der Privatsphäre zu nehmen. Die Bürgerrechtler konnten Schäuble den Sarg allerdings am heutigen Tage nicht übergeben, da der Innenminister von Sicherheitsleuten gut abgeschirmt war. Es sei nun geplant, die Übergabe in Berlin durchzuführen.
Bei dem Sarg wird im AK Vorrat gerade überlegt, ihn vor der Übergabe an Schäuble auf Deutschlandtournee zu schicken.
Drinnen im Saal war zusätzlich noch eine Aktion, die unabhängig vom AK Vorrat vorbereitet worden war, wie ddp berichtet:
Rund zehn Personen unterbrachen die Rede Schäubles mit lautstarker Kritik an der Vorratsdatenspeicherung. So riefen sie in Sprechchören: «Freiheit stirbt mit Sicherheit.» Ordner drängten die Leute nach kurzem Gerangel aus dem Saal.
Ein Teilnehmer an der Veranstaltung berichtet per Mail:
Es handelte sich um 3 kleine Gruppen, die nacheinander Transparente ausbreiteten. (…) Sie fanden von kritischen jungen Zuhörerern Jubel und tosenden Beifall.
Das Medienecho ist bislang recht gut, die Demo war sogar in der Tagsschau (Video hier). Lesenswerte Kommentare gibt es unter anderem bei heul nicht, Markus Pachali, FreiheIT, tutsi.
-
: Erste Auswirkungen der Vorratsdatenspeicherung
: Erste Auswirkungen der Vorratsdatenspeicherung Aus einer Anwaltskanzlei:
Ein möglicher Mandant sorgt sich zum Beispiel, er könnte sich Ärger eingehandelt haben. Wir reden über nichts, wofür die neuen Gesetze nach offizieller Lesart geschaffen wurden. Aber natürlich ist er vorsichtig, denn immerhin hinterlässt seine Kontaktaufnahme mit mir jetzt Datenspuren. Wer weiß, vielleicht begründet der Anruf bei einem Verteidiger, zu dem ja noch kein Mandat besteht und möglicherweise auch keines zustande kommt, ja demnächst sogar einen Anfangsverdacht. (…) In der Antwort liest sich das dann so:
„Wenn Sie Sorgen wegen der Vertraulichkeit des Telefonats oder der Speicherung von Verbindungsdaten haben, können Sie oder eine Person Ihres Vertrauens die Beratungskosten auch vorab auf unser Konto einzahlen, zum Beispiel bar bei der Postbank. Ich müsste Sie dann am Telefon nicht nach persönlichen Daten fragen. Sie könnten mich zum Beispiel von einem öffentlichen Fernsprecher anrufen.“
Aus einer Redaktion:
Ein Kollege aus der Redaktion hat sich für morgen abgemeldet. Zwei bis drei Stunden lang werde er abwesend sein, schätzt er. Er muss nämlich zu einem Gespräch mit einem Informanten. Der will nicht mehr mit ihm sprechen. Zumindest nicht am Telefon. Er hat Angst davor, aufzufliegen. “Ist doch jetzt alles nachvollziehbar, und überhaupt“, sagte der Informant. Deshalb will er nur noch persönlich mit dem Redakteur seines Vertrauens reden. Möglichst in der freien Natur. Und sein Handy wird er dabei auch ausschalten. Weil ja gespeichert wird, wo er sich im Fall eines Anrufs aufhält.
Bei ZAPP gab es vor einer Weile mal einen aufschlussreichen Bericht über die Lage von Journalisten in Belgien, wo die Vorratsdatenspeicherung schon länger in Kraft ist.
Die Beispiele zeigen aber auch, dass es immer noch Möglichkeiten gibt, die Vorratsdatenspeicherung zu umgehen. Hier tut sich gerade einiges. Von der Presse bekommen wir im AK Vorrat derzeit viele Anfragen in dieser Richtung, und die Sammlung von entsprechenden Tipps wird immer größer. Das Thema ist mittlerweile schon bei dpa und FTD gelandet. Beim Bremer Chaostreff werden wir auch gerade überhäuft von Anfragen politischer Gruppen, die ihre interne Kommunikation absichern wollen, und in der Hacker-Szene wird generell zur Zeit verstärkt an Darknets gebastelt.
Da solche technischen Lösungen aber nicht für alle und immer zumutbar oder praktikabel sind, und da das Problem ein politisches und kein technisches ist, wird neben der Klage beim Verfassungsgericht der politische Protest weiter wichtig sein. Auch hier gibt es seit Sylvester neuen Schwung und viel Zulauf von besorgten Menschen, die sich nun auch wehren wollen.
Nicht vergessen: Morgen (6.1.2008) ist die Demo „Was zählt ist Freiheit“ anlässlich des Schäuble-Besuchs in München.
-
: Audioversion: Fight for your Rights
: Audioversion: Fight for your Rights Mein Vortrag auf dem 24c3 zum Thema „23 Wege für Deine Rechte zu kämpfen – Wie man sich selbst mit den eigenen Stärken für unsere Bürgerrechte einsetzen kann gibts übrigens auch als Audioversion: Hier als MP3 und als OGG.
Das war jetzt nur noch für den Netzpolitik-Podcast-Feed. Und hier ist das Video-Posting.
-
: dpa über „Neue Formen des Protests“
: dpa über „Neue Formen des Protests“ dpa tickerte gestern über „Neue Formen des Protests“ im Rahmen der Vorratsdatenspeicherungs-Kampagne, wozu ich auch zitiert wurde:
Austausch und Planung der Bürgerrechtler und Datenschützer läuft jedoch überwiegend über das Internet. Als Plattform dient die Homepage www.vorratsdatenspeicherung.de des Arbeitskreises Vorratsdatenspeicherung, in dem sich mehrere Gruppen zusammengeschlossen haben. Bei der Vorbereitung von Aktionen werden auch sogenannte Wikis eingesetzt – Internet-Seiten, die nach dem Prinzip der Online-Enzyklopädie Wikipedia funktionieren: Dort können in gemeinschaftlicher Arbeit und ohne technische Vorkenntnisse Planungen auf dem neuesten Stand gehalten werden: „Wer kümmert sich um Banner für drinnen? Welche Sprüche nehmen wir?“ Absprachen werden in Sekunden getroffen, ohne lange Telefonate oder Sitzungen. „Jeder kann mitmachen, Aufgaben werden in kleine Teilaufgaben zerlegt“, erläutert Markus Beckedahl vom Blog www.netzpolitik.org, der in Deutschland zu den Pionieren für politische Kommunikation im Internet zählt, den Prozess der Zusammenarbeit.
Gibts u.a. bei Stern.de und in der heutigen Frankfurter Rundschau zu lesen.
-
: Klage gegen Vorratsdatenspeicherung eingereicht, Aktionen bis 6. Januar
: Klage gegen Vorratsdatenspeicherung eingereicht, Aktionen bis 6. Januar Nach der Demo gegen Überwachung auf dem Alexanderplatz in Berlin am Rande des 24C3 (mit dem passenden Motto von padeluun: „Guten Rutsch ins Jahr 1984!“) ging es Schlag auf Schlag weiter: Sylvester wurde die Beschwerdeschrift des AK Vorrat mit dem Antrag auf Eilentscheidung beim Verfassungsgericht eingereicht. Die Medien waren voll damit, interessanterweise jetzt auch die versammelte Springer-Presse.
Schön war auch der ZDF-Bericht. Der hat nämlich auch klasse Bilder vom Trauermarsch zum Verlust der Privatsphäre in Hamburg am selben Tag (hier mehr Material dazu). Der Sarg von dort wird jetzt eine Woche lang durch Deutschland touren und am 6. Januar auf der Demo gegen den Schäuble-Auftritt in München ankommen. Für die Zwischenstopps und auch sonst werden noch ganz dringend MithelferInnen gesucht.
-
: Ästhetik des Widerstandes
: Ästhetik des Widerstandes Horst Köhler kriegt nun auch den Zorn ab, weil er das Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung unterzeichnet hat. War ja klar.
Interessanter finde ich, wie sich die Schäublone rein formal schon im Unterbewusstsein festgesetzt hat.
Welche Assoziationen weckt dieses Bild?
(Gefunden bei Markus Hansen.)
