Öffentlichkeit

Meinungs- und Pressefreiheit, Zensur, Menschenrechte, Whistleblowing, Transparenz, Öffentlichkeitswandel, Datenjournalismus und Open Data.

  • : Bürgerrechte-TV: Freedom Files
    Bürgerrechte-TV: Freedom Files

    Die ACLU macht jetzt auch Bürgerrechte-TV: Freedom Files.

    The American Civil Liberties Union and Robert Greenwald (Outfoxed, Unconstitutional) present The ACLU Freedom Files, a revolutionary, 10-part series that tells the stories of real people in America whose civil liberties have been threatened, and how they fought back.

    Update: Danke für den Kommentar, wo Simon auf eine Animation der ACLU gegen den Pariot Act verwiesen: Pizza Surveillance. Auf der Seite finden sich noch einige anderen sehenswerte politische Animationen.

    Und passend dazu hat das US-Repräsentantenhaus am gestrigen Dienstagabend den Weg zur unbefristeten Verlängerung des Patriot Act frei gemacht: Weg frei für Verlängerung des Patriot Act. Dazu passt auch der Artikel: Republikaner legen Lauschangriff-Gesetzentwurf für US-Regierung vor.

    8. März 2006 1
  • : Weitere Texte zur Netz-Neutralität
    Weitere Texte zur Netz-Neutralität

    Golem berichtet über die Kampagne DearAOL.com, welche sich für Netz-Neutralität ausspricht und bisher von mehr als 500 Organisationen unterzeichnet worden ist. Über die ersten Anfänge der Kampagne hatte ich letzte Woche schon berichtet.

    Währenddessen gibt es einige neue interessante Artikel zur Thematik:

    CNN: Senator offers Internet neutrality bill

    LA Times: Keep the Net neutral

    Businessweek: Beware of a Two-Lane Internet

    Update: Eine weitere Kampagne ist Net Freedom Now, welche von FreePress.org koordiniert wird. Bei dieser Kampagne werden die Mail direkt an die CEOs von verschiedenen Telekommunikationsunternehmen geschickt.

    7. März 2006
  • : DFN: Regelung zum Auskunftsrecht droht auszuufern
    DFN: Regelung zum Auskunftsrecht droht auszuufern

    Der Verein zur Förderung des Deutschen Forschungsnetzes hält das geplante Auskunftsrecht für Inhaber geistiger Eigentumsrechte für verfassungswidrig. In einer Stellungnahme vom 28. Februar 2006 weist das DFN auf grobe Mängel in der Formulierung der Gesetzestexte hin. Er sei geeignet „ein hohes Maß an Rechtsunsicherheit zu erzeugen“.

    Diese Ungenauigkeiten sind für Provider äußerst problematisch, wie Stefan Krempl im heise newsticker schreibt:

    So bleibe offen, ob selbst bei Forschungseinrichtungen aufgrund von Kooperationen mit der Wirtschaft ein möglicher mittelbarer Erwerbszweck im Zusammenhang mit dem einrichtungsinternen Zugang zum Internet unterstellt werden könnte. Wann beim Endverbraucher von einem „den üblichen Konsum“ überschreitenden Urheberrechtsdelikt die Rede sein sollte, habe das Justizministerium ebenfalls nicht präzisiert. Da zudem Providern Schadensersatz drohe, falls sie vorsätzlich oder grob fahrlässig eine falsche oder unvollständige Auskunft erteilen, sei davon auszugehen, dass diese im Zweifelsfall lieber Verbindungs- und sogar Nutzungsdaten herausrücken würden. Entgegen dem Ansinnen des Gesetzgebers sei so gerade von einer „Gefahr der Uferlosigkeit“ des neuen Ermittlungsinstruments auszugehen.

    Das DFN ist ein 1984 gegründetes Hochleistungsnetz für Hochschulen und Forschungseinrichtungen in Deutschland.

    6. März 2006
  • : Kampagne: Schreibt dem Phonoverband bei Kopierschutzproblemen
    Kampagne: Schreibt dem Phonoverband bei Kopierschutzproblemen

    War mir beim schnellen Hören irgendwie entgangen: In dem Deutschlandradio Kultur – Interview mit Hartmut Spiesecke vom deutschen Phonoverband (IFPI) zur Bagatellklausel, welches ich am Freitag verlinkte, erklärte dieser:

    (2:33) Ich habe persönlich gesagt, jeder, der nen CD-Spieler hat, bei dem ‘ne kopiergeschützte CD nicht läuft, der soll mir ne ‘mail schicken. Ich glaube, ich habe in den letzten Jahren acht Mails bekommen, die einigermassen plausibel waren.

    Aber das Tapetennagel-Blog hat genauer hingehört und diese Passage herausgefischt. Dann wollen wir den Herren doch mal beim Wort nehmen und auf das Angebot eingehen. Falls Ihr schonmal Probleme hattet, auf nem CD-Spieler (Dazu gehören auch CD-ROM-Laufwerke) eine kopiergeschützte CD abzuspielen, schreibt Herrn Spiesecke doch einfach eine Mail: spiesecke@phono.de.

    Update: Uns wurden die ersten Banner zugespielt:

    Und hier ist die interessanteste Stelle des echt hörenswerten Interviews nochmal zusammen geschnitten als MP3 und OGG.

    In den Kommentaren kam die Frage auf, ob das für auch DRM-geschützte Dateien gilt. Ich würde mal sagen, dass man ihm ruhig auch von Problemen mit diesen berichten kann. Man muss ja mit der Zeit gehen.

    Basquiat hat eine weitere aufschlussreiche Stelle entdeckt und findet, dass „der für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Tonträgerherstellerverbandes verantwortliche Spiesecke nicht nur mit argumentativen Perlen wie der folgenden“ glänzt:

    Deutschlandradio: „Was soll der Verbraucher denken? Er kauft sich etwas, er lädt es sich legal […] aus dem Internet ‚runter, und dann muss er […] im Gesetzbuch lesen, um herauszufinden, was er mit der gekauften Ware nun tun darf.“

    Spiesecke: „Das ist ja nicht wahr. Wer im Laden eine CD kauft, der darf sie zum persönlichen, privaten Gebrauch kopieren. Darüber hinaus darf er nichts machen.“

    Deutschlandradio: „Aber wenn da ein Kopierschutz ‚drauf ist, dann kann er das ja schon nicht mehr…“

    Spiesecke: „Wenn da ein Kopierschutz drauf ist, dann kann er das nicht, aber ehrlich gesagt ist das bei jeder DVD auch so, und das hat Kunden in Deutschland nicht davon abgehalten, ein paar hundertmillionen DVDs im letzten Jahr zu kaufen.“

    Die CT hat Hartmut Spiesecke 2003 schonmal im Zusammenhang mit UN-CDs befragt: „Die Spezifikation der Audio-CD ist mir egal“.

    c’t: Der Chef von Macrovision sagte jüngst in einem Interview, dass die US-amerikanischen Konsumenten ihre Rechte lautstärker artikulieren würden als europäische Kunden. Ist das der Grund, weshalb Deutschland noch vor den USA in den Genuss der Un-CDs gekommen ist?

    Spiesecke: In Deutschland haben wir das Problem von Millionen und Abermillionen von Musikkopien ein bis zwei Jahre früher gehabt als im internationalen Markt. Deswegen ergab sich hier auch früher die Notwendigkeit zu handeln. Vor zwei Jahren haben die Amerikaner noch gesagt „wo sind eure Marktprobleme?“ – Heute wissen sie es und reagieren mit den gleichen Schutzmaßnahmen.

    Und dann kam das Rootkit… ;)

    Update: Lesenswert ist auch der offene Brief beim Bildschirmarbeitsplatz.

    6. März 2006 34
  • : WordPress Security Issue of the week
    WordPress Security Issue of the week

    Laut Ryan Boren wird es in Kürze eine neue Version von WordPress geben. Grund ist, tadaa, noch ein Sicherheitsproblem, das erst danach erläutert werden soll:

    We need to release 2.0.2 to address a security bug. No, not the
    security bug that caused all of the commotion recently, another one.

    We’ll get a package out shortly. In the meantimes, pull the latest from
    the 2.0 branch.

    http://svn.automattic.com/wordpress/branches/2.0/

    In Trac, dem Bug Tracking-Wiki-Projekt-Dingsbums von WordPress lässt sich der Stand nachvollziehen.

    Nachtrag:

    Mit WordPress 1.5.2 wird man auch nicht glücklich.

    6. März 2006
  • : Kopierschutz – nein danke
    Kopierschutz – nein danke

    Das PC Magazin hat eine Kampagne gegen DRM und Kopierschutz gestartet: „Kopierschutz – Nein Danke!“. Das ist etwas ungewöhnlich, weil dahinter der WEKA Computerzeitschriften-Verlag GmbH steht. Auf der Seite gibt es einen News-Bereich, eine Vorstellung von legalen Kopiermöglichkeiten und eine Unterschriftenliste.

    Das Ziel der Kampagne wird von Chefredakteur Göhler folgendermassen beschrieben: „Werden Sie aktiv und fordern Sie von der Industrie, kein DRM und keinen Kopierschutz mehr einzusetzen. Ein Kopierschutz behindert massiv alle ehrlichen Käufer“.

    Die Linkliste könnte etwas ausführlicher sein, privatkopie.net fehlt beispielsweise.

    6. März 2006 3
  • : Video: Polizeieinsatz gegen kenianische Presse
    Video: Polizeieinsatz gegen kenianische Presse

    Über die Stürmung einer kenianischen Zeitung durch die Polizei und die Verbrennung einer Zeitungsausgabe hatte ich letzte Woche schon berichtet. Jetzt ist über BoingBoing ein Video aufgetaucht, welches die Stürmung zeigt:

    In diesem Fenster soll ein YouTube-Video wiedergegeben werden. Hierbei fließen personenbezogene Daten von Dir an YouTube. Wir verhindern mit dem WordPress-Plugin „Embed Privacy“ einen Datenabfluss an YouTube solange, bis ein aktiver Klick auf diesen Hinweis erfolgt. Technisch gesehen wird das Video von YouTube erst nach dem Klick eingebunden. YouTube betrachtet Deinen Klick als Einwilligung, dass das Unternehmen auf dem von Dir verwendeten Endgerät Cookies setzt und andere Tracking-Technologien anwendet, die auch einer Analyse des Nutzungsverhaltens zu Marktforschungs- und Marketing-Zwecken dienen.

    Zur Datenschutzerklärung von YouTube/Google

    Zur Datenschutzerklärung von netzpolitik.org

    CCTV video of 3/2006 Kenya media crackdown.

    6. März 2006
  • : Internet Freedoms Come of Age
    Internet Freedoms Come of Age

    Sehr lesenswert: Internet Freedoms Come of Age

    As these cases show, the fight between internet freedom and intellectual property law – the „copyfight“ – is a never-ending one. Many characterise its protagonists as techno-utopians, or geeks worried that someone might take their toys away. But as the narrative of control over internet freedom joins the mainstream, it is worth remembering how long, and against what adversaries, the fight has been fought up until now.

    The movement to keep the internet free will be the defining fight in the information age, just as the environmental movement is the defining fight of the industrial age. As our physical make-up is reduced to a string of ones and zeros, and knowledge replaces property and labour as the means of production, democratic access to information becomes a basic civil right.

    6. März 2006
  • : Start der gemeinsamen Aktensammelstelle des CCC und FoeBuD e.V.
    Start der gemeinsamen Aktensammelstelle des CCC und FoeBuD e.V.

    Mit dem Motto „Befreite Dokumente“ für alle im Internet abrufbar ging heute die gemeinsame Aktensammelstelle von FoeBuD und CCC zum Informationsfreiheitsgesetz online.

    Der Bielefelder FoeBud e.V. hat gemeinsam mit dem Chaos Computer Club ein Internetportal eingerichtet, in dem Bürgerinnen und Bürger Akten einstellen und anderen zugänglich machen können, die sie zuvor über das neue Informationsfreiheitsgesetz (IFG) angefordert haben. Damit können andere die hohe Gebühr (bis zu 500 Euro) für die Akteneinsicht sparen und die Behörden werden von doppelter Arbeit entlastet. Die gemeinsame Aktensammelstelle ist ab sofort unter http://www.befreite-dokumente.de zu erreichen.

    „Wir möchten den Bürgern das Informationsfreiheitsgesetz schmackhaft machen und zeigen, dass es tatsächlich genutzt wird“, erläutert Mitinitiator Frank Rosengart vom Chaos Computer Club, „zudem kritisieren wir die hohen Gebühren und möchten die Behörden ermuntern, die Akten von sich aus zu veröffentlichen“.

    Auf der Internetplattform http://www.befreite-dokumente.de können Bürger, Journalisten oder Anwälte sehr einfach die Akten der Öffentlichkeit zugänglich machen, die per IFG von den Behörden „freigekauft“ wurden. So können die Kosten für eine Recherche minimiert werden und der Staat wird transparenter. Akten, die bereits digital vorliegen, können direkt eingespielt werden. Ansonsten gibt es auch eine Faxnummer, an die man die Akte schicken kann. Auch der Postweg steht offen. Die Aktensammelstellte fungiert als „Marktplatz“, wo sich Interessierte finden können, um die Kosten für eine Anfrage zu teilen.

    „Es ist eigentlich die Aufgabe der Behörden, eine solche Plattform bereit zu stellen, aber das wir noch einige Jahre dauern“, bedauert Axel Rüweler vom FoeBuD e.V. „Die hohen Gebühren kann sich kaum jemand leisten und stehen im krassen Gegensatz zu dem, was das Gesetz eigentlich bezwecken sollte. Mit dem Portal versuchen wir, den Gebühren ein wenig entgegenzuwirken, aber der Gesetzgeber ist aufgefordert hier, für Abhilfe zu sorgen.“

    Hintergrund:
    Das „Gesetz zur Regelung des Zugangs zu Informationen des Bundes“ oder kurz Informationsfreiheitsgesetz (IFG) ist seit dem 1.1.2006 in Kraft. Das IFG regelt den Zugang zu Akten und Dokumenten und gibt jedem interessierten Bürger die Möglichkeit, beliebige Akten ohne Begründung
    anzufordern oder einzusehen, sofern nicht wichtige Gründe dagegen sprechen. In den Bundesländern Berlin, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein gibt es vergleichbare Gesetze seit Jahren. Das Auswärtige Amt war zuletzt in die Kritik geraten, weil es für vier Seiten Fotokopien 106 Euro Gebühren verlangte.

    6. März 2006 5
  • : Ubiquitäres Computing im Inforadio
    Ubiquitäres Computing im Inforadio

    Das Inforadio Berlin (UKW 93.1) strahlt gerade eine Sendung aus zum „flächendeckenden“ Computing, auch mit (wenn auch schwachen) kritischen Untertönen.
    Insgesamt war die Stoßrichtung unkonkret und von der Richtung her akadamisch-weltfremd. „Die Informatisierung der Gesellschaft“ ist ein schönes Forschungsmotto, ja sicher doch, aber RFID und die Datenspuren, die wir alle so tagtäglich und unfreiwillig hinterlassen geben problemlos mehr Stoff her als akademische Diskussionen, nämlich praktischen Nutzen. Neben Kühlschränken, die automatisch frische Milch nachbestellen und der Servicewerkstatt, der man keinen Kaufbeleg außer dem eingebauten RFID-Chip mehr präsentieren muss (was wir uns als Verbraucher noch nie wirklich gewünscht haben) auch noch universelle Datenformate und eine maschinenbestimmte Kommunikationen – zum Nutzen auch von Geheimdiensten und zur Bildung von Konsumentenprofilen ohne Zustimmung. Verzeiht wenn ich etwas zynisch werde, ich hatte einfach im Beitrag mehr erwartet.

    Ein netten Aufhänger hatte sich die Redaktion gesucht: das Zitat von Ken Olson, Gründer von DEC, der neben der amüsanten Fehleinschätzung, dass niemand einen Rechner zu Hause haben wolle, Jahre später noch folgendes gesagt hat (bestimmt haben sie das Zitat auch aus der Wikipedia ;)

    „I’m quoted all the time as saying (early during the PC revolution) that there was no reason to have a computer in the home. What I said, I said very carefully and knew exactly what I was saying because I had prepared it. I said, ‚I don’t think we want our personal lives run by computer.’ If you steal something from the refrigerator at midnight, you don’t want it entered into the computer.“

    Darauf baute ein Gutteil des Beitrags auf, was ich salopp kommentiere: wir wollen beim Datenverkehr nicht ertappt werden, wir wollen nicht belauscht werden, und doch haben wir keine Kontrolle darüber (außer durch totale Entsagung von der Technik). Der Handy-Trick gegen RFID wurde nicht erwähnt, nicht die kommende Vorratsdatenspeicherung, nicht die Alufolie. Nicht der Zuschlag dafür, dass wir das ganze mitfinanzieren. Auch die informationelle Selbstbestimmung kam nicht vor, dafür aber die digitale Langzeitdatenspeicherung und das digitale Vergessen. Bei einer etwa engen Zentrierung auf RFID auch nicht verwunderlich; das mach in etwa soviel Sinn wie allein das unter allgegenwärtige Computer zu subsummieren.

    Womöglich wird der Beitrag nochmals wiederholt, ich konnte das gerade nicht beim Sender finden. Es wäre eine Chance gewesen, zumindest eine kritische Stimme unterzubringen, die nicht nur aus der akademischen Elfenbeinwelt kommt. Beispiele und Gegenargumente, sogar aktuelle statt visionäre, gibt es schon heute.

    Update: Danke für den Hinweis in den Kommentaren, der Beitrag ist jetzt als MP3 verfügbar.

    4. März 2006 5
  • : blogger.com wird in Pakistan gefiltert
    blogger.com wird in Pakistan gefiltert

    Passend zum Besuch von George W. Bush in Pakistan wird dort der Zugang zu blogger.com gefiltert. Dies berichteten in den letzten beiden Tagen mehrere pakistanische Blogger auf der GlobalVoicesOnline-Mailingliste. Mittlerweile sind es soviele, dass die Information wahrscheinlich als verifiziert gewertet werden kann.

    Update: Die BBC berichtet jetzt darüber: Pakistan blocks blogs on cartoons. Die Vermutung ist, dass Blogs zensiert werden, welche dazu aufrufen, neue Mohammed-Karrikaturen zu zeichnen. Dabei kam es wohl zu etlichem Kollateralschaden.

    3. März 2006
  • : Karlsruhe schränkt Email-Beschlagnahme ein – oder?
    Karlsruhe schränkt Email-Beschlagnahme ein – oder?

    Das Bundesverfassungsgericht hat heute ein weiteres Urteil gefällt, das den Zugriff von Polizei und Staatsanwaltschaft auf Emails und Telefondaten regelt. Das Urteil wird auch Auswirkungen auf die Debatte zur Verfassungsmäßigkeit der geplanten Vorratsdatenspeicherung (VDS) haben.
    Einerseits ist das Urteil enttäuschend, weil laut BVerfG nun klargestellt ist, dass bereits übermittelte Emails nicht mehr unter den Schutz des Fernmeldegeheimnisses fallen und damit auch bei leichten Straftaten beschlagnahmt werden können. Das hilft u.a. der Musikindustrie, die ja nicht nur bei Terroristen und anderen Bösewichtern, sondern auch beim Tausch von MP3s die weitgehendsten Mittel fordert. Der letzte Bundestagsbeschluss zur VDS deutete diese Richtung schon an. Heise titelt daher auch „Bundesverfassungsgericht schwächt Datenschutz bei E‑Mails und Handy-Daten“.
    Andererseits haben die Richter auch festgestellt, dass für Emails und andere Kommunikationsdaten (SMS etc.), die man selber noch irgendwo gespeichert hat, der Schutz der Wohnung und der informationellen Selbstbestimmung gelten. Daher müsse hier besonders der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit gewahrt werden. Anstatt ganze Rechner mitzunehmen müsse die Polizei also die Festplatten vor Ort sichten und nur die wirklich benötigten Daten kopieren. Das wiederum spricht gegen die VDS, da hier ja alle möglichen Daten gespeichert werden sollen, die in 99,9 Prozent der Fälle niemals relevant sein werden.

    Ob das Urteil nun eine gute oder schlechte Nachricht ist, wird daher noch diskutiert. Eine eindeutig gute Nachricht zum Thema ist aber diese: Die Online-Petition von Björn Fay beim Bundestag, die sich gegen die VDS ausspricht, hat jetzt die Marke von 10.000 Unterzeichnern überschritten. Fay hatte vor allem auf die leichten Möglichkeiten der Umgehung hingewiesen. Der AK Vorrat arbeitet zur Zeit an einer weiteren Petition, die stärker die Grundrechtsaspekte herausarbeiten soll. Und für den Geburtstag des Grundgesetzes, den 23. Mai, ist eine Demonstration gegen den Datenspeicherzwang in Berlin in Vorbereitung.

    2. März 2006 7
  • : WordPress Sicherheitslücken
    WordPress Sicherheitslücken

    In der WordPress-Software wurden einige Sicherheitslücken gefunden. Bis zur Behebung dieser sollten Kommentare manuell freigeschaltet werden, um schadhaften Code auszufiltern. Gleichzeitig kann man diese auch erstmal durch Codeänderungen fixen. Mehr gibts bei Heise: Sicherheitslücken im Blog-System WordPress.

    2. März 2006 3
  • : Kenianische Polizei geht gegen Presse vor
    Kenianische Polizei geht gegen Presse vor

    Während meines Kenia-Trips hatte ich wenige Gelegenheiten, mit kenianischen Bürgern zu sprechen. Wenn es mal dazu kam, wurde Korruption in der kenianischen Verwaltung oftmals als ein grosses Problem beschrieben. Bei Spiegel Online findet sich jetzt ein Artikel, wonach die kenianische Polizei die älteste Zeitung Kenias, „The Standard“, überfallen hat und die komplette aktuelle Ausgabe in Brand gesetzt hat. Ursache waren Recherchen und Berichte der Zeitung über Korruption und geheimes Treffen zwischen dem Präsidenten und des Oppositionsführers, was die Regierung dementiert hatte. Seit drei Tagen sollen deswegen auch drei Journalisten in Haft sein.

    Update: Ein Foto der Aktion findet sich hier, ein Artikel hier.

    2. März 2006 2
  • : Projekt Sonniges und Grünes Internet
    Projekt Sonniges und Grünes Internet

    Wenn die Situation in China nicht so Ernst wäre, könnte man die folgende Meldung der chinesischen Botschaft in Deutschland glatt als Satiretext werten: „Projekt Sonniges und Grünes Internet“. Es geht um ein Programm für ein „sicheres Internet“ der chinesischen Regierung, welches heute mit blumigen Worten vorgestellt wurde. Darin finden sich Stilblüten wie:

    Aber gleichzeitig sind die Internet-Surfer permanent mit schädlichen E‑Mails, pornographischen oder anderen illegalen Informationen sowie Computer-Viren konfrontiert.

    Was mit „anderen illegalen Informationen“ gemeint ist, dürfte den LeserInnen dieses Blogs vermutlich hinreichend bekannt sein. Für neue LeserInnen sei nur mal eine Ansammlung von Stichwörtern präsentiert: Menschenrechte, Dalai Lama, Proteste, Kritik an der Staatsführung oder schlechten Arbeitsbedingungen, Religionen, Ökologie, Freiheit…

    Bei folgendem Abschnitt handelt es sich leider nicht um die Beschreibung einer Informationsökologie-Strategie, obwohl sie beinahe danach klingt:

    Das chinesische Ministerium für Informationsindustrie als zuständige Behörde für die Internet-Branche in China hat nun eine neue Offensive zur Reinhaltung des Internets und Schaffung einer harmonischen Netzumwelt gestartet. Am Dienstag startete das Ministerium in Beijing das „Projekt Sonniges und Grünes Internet“.

    Eine Weiterentwicklung der massiven Zensur‑, Überwachungs- und Kontrollinfrastruktur wird gleich mit angekündigt:

    „Das Ministerium für Informationsindustrie wird gemeinsam mit den Behörden bei der Entwicklung von IT-Produkten, der Verwaltung des Internetbetriebs sowie bei Informationsdienstleistungen eine Serie von reichhaltigen Aktivitäten in verschiedener Form entfalten. Ziel ist, das Internet sauber zu halten, eine vernünftige Internetanwendung für die Gesellschaft zu gewährleisten, schädlichen und illegale Informationen herauszufiltern und damit ein gesundes Aufwachsen der Jugendlichen zu garantieren.“

    Aber irgendwie klingt das auch ein wenig nach deutscher Jugendschutz-Rhetorik.

    2. März 2006 4
  • : Diskussion: Das offene Netz. Weblogs und Wikis: partizipative Medienwelten im Internet.
    Diskussion: Das offene Netz. Weblogs und Wikis: partizipative Medienwelten im Internet.

    Nächste Woche Dienstag wird Erik Möller anlässlich der zweiten Auflage seines Buches “Die heimliche Medienrevolution” einen Vortrag zum Thema „Das offene Netz. Weblogs und Wikis: partizipative Medienwelten im Internet.“ in der Buchhandlung Lehmanns in Berlin halten.

    Anschliessend wird es eine Diskussion geben, wo Erik, Johnny Haeusler, Volker Grassmuck und ich miteinander über die Chancen und Risiken des offenen Netzes diskutieren werden. Ich bin mal auf die Diskussion gespannt. Mit allen Teilnehmern habe ich schon oft und lange einzeln über das Thema diskutiert, aber noch nie mit allen zusammen.

    Dienstag 7. März um 20.00 Uhr, Eintritt kostenlos

    Buchhandlung Lehmanns, Hardenbergstr. 5, 10623 Berlin

    Medien bedeuten Macht. Kann das Internet Bertelsmann, Time Warner und Rupert Murdoch gefährlich werden? Großunternehmen versuchen auch die neuen Medien zu kapitalisieren, doch im globalen, dezentralen Kommunikationsnetz gelten andere Spielregeln. Auf der Basis freier Software, die von jedem kostenlos verändert und kopiert werden kann, entstehen völlig neue Medienformen. Millionen von Weblogs sogenannten Online-Postillen ergänzen die klassische Medienlandschaft um unabhängige Stimmen. Erste Experimente mit cleveren Finanzierungsmodellen zeigen, dass auf dieser Basis auch echter Journalismus möglich ist. Gleichzeitig arbeiten Tausende von Freiwilligen an offenen Wissensdatenbanken wie der gigantischen Enzyklopädie Wikipedia. Eine Konvergenz von Wikis und Weblogs zeichnet sich ab. Massive Online-Zusammenarbeit in den Bereichen Nachrichten, Wissen, Kunst und Kultur scheint unausweichlich oder findet bereits statt. Das revolutionäre Potenzial des Internet, das erst übertrieben, dann belächelt wurde, nimmt Konturen an.

    1. März 2006
  • : Kampagne für Netz-Neutralität
    Kampagne für Netz-Neutralität

    In den USA wurde heute von einem Netzwerk verschiedenster Organisationen und kleinen Firmen eine Kampagne für den Erhalt einer Netz-Neutralität gestartet. Die Kampagne richtet sich explizit gegen AOL und Yahoo, welche in letzter Zeit vehement für eine „eMail-Tax“ Lobby betreiben. Zu den beteiligten Organisationen gehören beispielsweise MoveOn! und der konservative RightMarch. Allerdings finde ich gerade nur bei MoveOn Hintergründe zum Protest und ein Formular zum mitmachen.

    Mehr gibts beim Boston Globe: Groups mobilize against fees for bulk e‑mailings.

    While everyone hates the unsolicited messages that clog inboxes, the plan has spawned a backlash from an unusual coalition of liberal and conservative political groups that rely on bulk e‑mails to communicate with members and raise money.

    28. Februar 2006
  • : „Letzte Diktatur Europas“ verbietet nicht-staatliche Presse
    „Letzte Diktatur Europas“ verbietet nicht-staatliche Presse

    Ebenfalls außerhalb des unaufmerksamen mitteleuropäischen Blickfelds liegen die Verhältnisse in der „letzte[n] Diktatur Europas“. Starke Anschuldigungen erhebt Swiatlana Kurs gegen die Führung in Weißrussland, wo Mitte März Präsidentschaftswahlen stattfinden.

    In einem Gastkommentar gibt die weißrussische Journalistin Swiatlana Kurs von Radio Freies Europa die hasserfüllte Stimmungsmache gegen den Westen im Staatsfernsehen wieder und beschreibt die von Amtsinhaber Alexander Lukaschenko veranlassten Repressalien gegen Journalisten und Schriftsteller. „Das Volk kann sich nicht erinneren, jemals von einer derartigen Repressionswelle überrollt worden zu sein. Man hat die nicht-staatliche Presse unterdrückt… Man hat fast alle Nicht-Regierungsorganisationen abgeschafft… Gerichte verbieten sie innnerhalb eines Tages. Gerade wird der Verband der weißrussischen Schriftsteller geschlossen… Seit Stalin ist niemand so mit Schriftstellern umgesprungen.“

    Wer polnisch kann möge bitte inhaltlich nachhelfen.

    [über den Eurotopics-Newsletter, aus der Gazeta Wyborcza]

    28. Februar 2006
  • : Justizgeheimnis und Pressefreiheit in Portugal
    Justizgeheimnis und Pressefreiheit in Portugal

    Portugal, meist etwas außerhalb des europäischen Blicks, hat auch seine Skandale: die Pressefreiheit ist hier nicht unantastbar, wie es aussieht.

    Vergangene Woche hat die portugiesische Polizei, autorisiert von der Justiz, die Redaktionsräume des Boulevardblattes „24 Horas“ durchsucht. Zwei Reporter hatten vor einem Monat Informationen aus einem Untersuchungsbericht über den Pädophilen-Skandal von Casa Pia, in dem Ende 2004 die Urteile gesprochen wurden, veröffentlicht. „Wenn man jemandem mitteilt, dass er abgehört wurde, dann ist das eine Verletzung des Justizgeheimnisses“, kommentiert die Chefredaktion von Diário de Notícias. „Aber das Problem liegt woanders, und zwar in der Interpretation dieses Gesetzes zum Justizgeheimnis… Die Regierung ist dabei, ein regelrechtes Netz von administrativen und rechtlichen Beschränkungen über die Ausübung eines freien und unabhängigen Journalismus zu spannen. Und genau das werden wir mit allen Mitteln bekämpfen.“

    Wer kann mehr darüber sagen? Mein portugiesisch ist nicht allzu gut.

    [gefunden im Diário de Notícias, über den Eurotopics-Newsletter]

    28. Februar 2006
  • : Yahoo: Verkauft Musik ohne DRM
    Yahoo: Verkauft Musik ohne DRM

    Auf dem 4th Annual Digital Music Summit Music 2.0 forderte der Yahoo Music Chef Dave Goldberg die Musikindustrie auf, ihren Glauben an Kopierschutzmechanismen aufzugeben. CNet fasst seinen Ausspruch sinngemäß zusammen: Record labels should try selling music online without copy protection.

    Eine Sprecherin von Yahoo besänftigt daraufhin die Gemüter: Goldberg habe nur eine Diskussion über Erfahrungen der Benutzer anregen wollen. Na hoffentlich hat der Goldberg selbst was anderes gemeint …

    26. Februar 2006 2