Liebe Leser*innen,
die vergangenen Wochen habe ich ein neues Gerät für meine Kinder eingerichtet. Nicht nur ich, beide Elternteile verbrachten nach Feierabend regelmäßig noch Stunden in den Einstellungen zur Kindersicherung, bis alle für unsere Kinder essentiellen Apps und Dienste auf dem Gerät liefen. Ich klickte mich durch die Privatsphäre-Einstellungen unzähliger Apps, damit niemand meinen Kindern ungefragt Nachrichten schicken kann oder sie ihre Designkreationen versehentlich im Internet posten. Ich musste sehr viele Berechtigungen aufheben. Und ich hatte schon nach wenigen Stunden nur noch sehr wenig Bock.
Was ich damit sagen will: Ich kann verstehen, wenn Eltern in dieser Situation nach einem Quick Fix lechzen, der sie entlastet und ihre Kinder vorgeblich davor bewahrt, im Netz komplett vermessen und verkauft zu werden. Ich denke nur nicht, dass die Pläne des Familienministeriums für Alterskontrollen in irgendeiner Form dazu beitragen werden. Sie lösen die Probleme nicht.
Im Gegenteil: Wenn eine Altersschranke für das gesamte Internet droht, werde ich mich auch noch mit diesen Alterskontrollen herumschlagen dürfen. Wieder entscheiden müssen, ob meine Kinder lieber ihre Gesichter biometrisch vermessen lassen sollten oder ich Anbietern andere ihrer Daten überlasse. Und das erwartet nicht nur mich, sondern alle. Auch Erwachsene. Auch Menschen ohne Kinder.
Mehr zu den radikalen Plänen aus dem Ministerium hat mein Kollege Sebastian zusammengefasst.
Viele Grüße
Chris

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