Auf den PunktAltersschranken machen die Dinge nur schlimmer.

  • Chris Köver

Liebe Leser*innen,

die vergangenen Wochen habe ich ein neues Gerät für meine Kinder eingerichtet. Nicht nur ich, beide Elternteile verbrachten nach Feierabend regelmäßig noch Stunden in den Einstellungen zur Kindersicherung, bis alle für unsere Kinder essentiellen Apps und Dienste auf dem Gerät liefen. Ich klickte mich durch die Privatsphäre-Einstellungen unzähliger Apps, damit niemand meinen Kindern ungefragt Nachrichten schicken kann oder sie ihre Designkreationen versehentlich im Internet posten. Ich musste sehr viele Berechtigungen aufheben. Und ich hatte schon nach wenigen Stunden nur noch sehr wenig Bock.

Was ich damit sagen will: Ich kann verstehen, wenn Eltern in dieser Situation nach einem Quick Fix lechzen, der sie entlastet und ihre Kinder vorgeblich davor bewahrt, im Netz komplett vermessen und verkauft zu werden. Ich denke nur nicht, dass die Pläne des Familienministeriums für Alterskontrollen in irgendeiner Form dazu beitragen werden. Sie lösen die Probleme nicht.

Im Gegenteil: Wenn eine Altersschranke für das gesamte Internet droht, werde ich mich auch noch mit diesen Alterskontrollen herumschlagen dürfen. Wieder entscheiden müssen, ob meine Kinder lieber ihre Gesichter biometrisch vermessen lassen sollten oder ich Anbietern andere ihrer Daten überlasse. Und das erwartet nicht nur mich, sondern alle. Auch Erwachsene. Auch Menschen ohne Kinder.

Mehr zu den radikalen Plänen aus dem Ministerium hat mein Kollege Sebastian zusammengefasst.

Viele Grüße

Chris

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Ticker-News von France24 vom 03. 09. 2026

Die EU-Kommission soll zügig Jugendschutz-Maßnahmen gegen Meta auf Grundlage des DSA durchsetzen. Das fordern mehr als 50 EU-Abgeordnete in einem offenen Brief. Zuvor hatte sich Meta in den USA für ähnliche Maßnahmen bereit erklärt, um einem Gerichtsurteil zu entgehen.

Ticker-News von TechCrunch vom 03. 09. 2026

Norwegen erwägt ein Verbot von Überwachungsbrillen, sagte die zuständige Digitalministerin Karianne Tung. Um die Überwachung mit den Brillen einzudämmen, könne etwa Gesichtserkennung in der Öffentlichkeit verboten werden.

Ticker-News von Der Standard vom 03. 09. 2026

Mit schwindender menschlicher Kontrolle soll die Verwaltung in Österreich künftig Bescheide automatisch erstellen dürfen. Die Wiener Organisation für digitale Freiheitsrechte, epicenter.works, warnt dabei vor dem Einsatz von Sprachmodellen („KI“), weil sie Fehler machen.

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In Dänemark ist die digitale ID bereits seit Jahren etabliert. Eine Recherche untersucht, wie das die ökonomische Gewalt gegen Frauen in Partnerschaften verschärft – wenn Partner sich damit in die Konten ihrer Frauen einloggen oder in ihrem Namen Kredite aufnehmen.

Ticker-News von Republik vom 02. 09. 2026

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Über die Autor:innen

  • Chris Köver

    Chris Köver recherchiert und schreibt über Netzpolitik, Überwachungstechnologien, digitale Gewalt und Jugendschutz. Recherche-Anregungen und Hinweise gerne per Mail oder via Signal (ckoever.24). Seit 2018 bei netzpolitik.org. Hat Kulturwissenschaften studiert und bei Zeit Online mit dem Schreiben begonnen, später das Missy Magazine mitgegründet und geleitet. Ihre Arbeit wurde ausgezeichnet mit dem Journalistenpreis Informatik, dem Grimme-Online-Award, dem Rainer-Reichert-Preis zum Tag der Pressefreiheit und dem Datenschutz-Medienpreis.

    Kontakt: E-Mail (OpenPGP), BlueSky, Mastodon, Signal: ckoever.24

    Foto: Darja Preuss


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