Dieser Artikel ist mehr als 8 Jahre alt.

800 Seiten Daten von Tinder

Judith Duportail nutzt seit knapp vier Jahren die Dating-App Tinder. Nun hat sie beim Unternehmen nach den Daten gefragt, die über sie gespeichert sind. Das ist nach europäischem Recht möglich, die Firmen müssen antworten. Nach der Anfrage kamen 800 Seiten mit privaten Daten. Sie enthielten Facebook-Likes, Fotos aus ihrem zwischenzeitlich gelöschten Instagram-Account, das Altersprofil der Männer,…

  • Markus Reuter
Schild an der Vaucluse Lounge in Hollywood, Kalifornien. – : ChrisGoldNY

Judith Duportail nutzt seit knapp vier Jahren die Dating-App Tinder. Nun hat sie beim Unternehmen nach den Daten gefragt, die über sie gespeichert sind. Das ist nach europäischem Recht möglich, die Firmen müssen antworten. Nach der Anfrage kamen 800 Seiten mit privaten Daten. Sie enthielten Facebook-Likes, Fotos aus ihrem zwischenzeitlich gelöschten Instagram-Account, das Altersprofil der Männer, für die sie sich interessierte, und natürlich die Chat-Daten mit den Personen. Und vieles, vieles mehr.

In Duportails Artikel im Guardian steckt ein schönes Zitat von Luke Stark, einem Technologiesoziologen an der Dartmouth University. Er sagt, dass wir Daten nicht fühlen könnten. Der Ausdruck der 800 Seiten, die Materialisierung der Daten, berühre hingegen.

Über die Autor:innen

  • Markus Reuter

    Markus Reuter recherchiert und schreibt zu Digitalpolitik, Desinformation, Zensur und Moderation sowie Überwachungstechnologien. Darüber hinaus beschäftigt er sich mit der Polizei, Grund- und Bürgerrechten sowie Protesten und sozialen Bewegungen. Für eine Recherchereihe zur Polizei auf Twitter erhielt er 2018 den Preis des Bayerischen Journalistenverbandes, für eine TikTok-Recherche 2020 den Journalismuspreis Informatik. Bei netzpolitik.org seit März 2016 als Redakteur dabei. Er ist erreichbar unter markus.reuter | ett | netzpolitik.org, sowie auf Mastodon und Bluesky.

    Kontakt: E-Mail (OpenPGP)


Veröffentlicht

Kategorie

Ergänzungen

Wir freuen uns auf Deine Anmerkungen, Fragen, Korrekturen und inhaltlichen Ergänzungen zum Artikel. Bitte keine reinen Meinungsbeiträge. Unsere Regeln zur Veröffentlichung von Ergänzungen findest Du unter netzpolitik.org/kommentare. Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

8 Kommentare zu „800 Seiten Daten von Tinder“


  1. ene mene miste es rappelt in der kiste ...

    ,

    Wie viele User hat Tinder wohl?
    Was kosten die ausgedruckten 800 Blatt plus eintüten und Porto dem Unternehmen?
    Was ist das Ergebnis von User * Kosten?
    Belastet das nur das Quartals-Ergebnis oder sind die dann bankrott?


    1. payback? getback!

      ,

      Interessante Strategie, Datenkraken eine ordentliche Klatsche zu verpassen.
      Müsste man mal empirisch testen, wie belastbar die sind.
      Wie bringt man die User dazu, massenhaft Auskunftsanfragen zu stellen?
      So etwas wie Frag-den-Staat für Unternehmen gründen?
      Gibt es Listen von Unternehmen, die besonders viele Daten ihrer Kunden sammeln?

      Stell dir vor, alle Kunden wollen ihre Daten zurück! Hammer!


      1. Ria Hinkem

        ,

        Gute Idee, das solllten wir weiter verfolgen. Und nicht locker lassen, wenn es Abwimmelversuche gibt.


    2. Krabbler

      ,

      Habt ihr auch mal an die Bäume gedacht?


  2. Und hier noch ein link der die Schwierigkeiten beschreibt, überhaupt Auskunft zu bekommen:
    https://www.theguardian.com/technology/2017/sep/27/tinder-data-privacy-tech-eu-general-data-protection-regulation

    Als Einzelperson hat man wohl kaum eine Chance, ohne professionelle Unterstützung:

    If you’re not a journalist or a privacy advocate, convincing big tech to release your data is almost impossible. But hope is coming with the EU’s General Data Protection Regulation.

    Vorerst bleibt es nur bei der Hoffnung auf Aufkunft.


    1. Das ist leider das Problem mit all den Seiten und Diensten die sich nicht an das (auch spärliche) deutsche Recht halten müssen. Aber es ist ja schon mal was überhaupt eine Auskunft zu bekommen, wobei die Frage offen bleibt warum man via Tinder Daten von anderen Diensten bekommt…


  3. Bei dem Bericht habe ich mich gefragt worin die Verwunderung besteht?

    Das App auf dem Telefon kaum kontrolierbar sind ist technisch ein Riesenproblem. Das aber eine App eines sozialen Dienst Massenhaft Daten sammelt, ist der Sinn und Zweck dieses Angebot, oder?

    Das dabei mehr Daten anfallen, als sich die meisten Vorstellen können (wobei 800 Seiten auch nur erstmal viel klingt) ist für Datenschützer seit Jahren Thema, wird aber im grossen und ganzen völlig ignoriert und wer es anspricht ist ein Aluhutträger.

    Dieser Vorfall zeigt, man muss die Leute zwingen, das sie erst zustimmen müssen bevor ihr Telefon Daten überträgt und es muss sichtbar, erkennbar sein welche Daten es sind und die Datenübertragung muss verschlüsselt erfolgen. Die Selbstverständlichkeit des Datensammeln muss beendet werden!

    Nur leider interessiert das heute lediglich eine Handvoll Leute.


  4. „It’s not Tinder. Surveillance is the business model of the Internet. Everyone does this.“ (Bruce Schneier)

Dieser Artikel ist älter als 8 Jahre, daher sind die Ergänzungen geschlossen.