Liebe Leser*innen,
am vergangenen Mittwoch war das Internet geschlossen. Unzählige Onlineangebote, die sonst 24/7 erreichbar sind, hatten viele Stunden lang die Rollos heruntergefahren. Auch netzpolitik.org war wegen „Wartungsarbeiten“ down. Zuvor wurden mit sogenannter KI kritische Sicherheitslücken in PHP gefunden, einer Programmiersprache. Die Schließungen geschahen sicherheitshalber.
Warum die freie Software PHP so wichtig ist für das Funktionieren des Internets, hat meine Kollegin Bianca in einer höchst interessanten Analyse ausgeführt. Dort zeigt sie, wie ungerecht es ist, dass die Entwickler*innen solcher Projekte eigentlich nur dann größere Aufmerksamkeit bekommen, wenn sie etwas falsch gemacht haben. Dabei halten sie sonst sehr zuverlässig und oft in ehrenamtlicher Arbeit das Fundament des Internets stabil. So auch in diesem Fall. Mit Hochdruck haben die PHP-Entwickler*innen Sicherheitsupdates geschrieben.
Das Warten auf diese Patches erinnerte an ein Kindheits-Weihnachten, diesen Vergleich machte ein Mensch in dem Sozialen Netzwerk Mastodon. Das blieb weiter offen und wurde fleißig befüllt. Es war wie ein Feiertag – plötzlich hatten ganz viele Menschen frei (außer den armen Admins natürlich). Während die Lebensrealitäten sonst hart fragmentiert sind, wurde hier auf einmal eine große Gemeinsamkeit sichtbar.
Für mich fühlte sich das ein bisschen an, wie ein autofreier Sonntag gewesen sein muss. Plötzlich gab es da ungeahnte Möglichkeitsräume. Man konnte diesmal zwar nicht auf der Autobahn radfahren, aber immerhin den Staubstürmen auf der Datenautobahn hinterhersinnieren. Es stellte mich vor wochentagsüber ungewohnte Fragen: Sollte ich einen Spaziergang machen? Sport treiben? Freunde treffen? Irre auf jeden Fall, wie viel Zeit man ohne dieses Internet plötzlich hat. Von mir aus könnten wir öfter mal kollektiv abschalten.
Viel Spaß beim Lesen!
Martin

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