Ausufernde Partys und Lärmbelästigung in vermieteten Wohnung sorgen regelmäßig für negative Schlagzeilen. Das Vermietungsportal Airbnb kämpft inzwischen in Großstädten um seinen Ruf. Das Portal ist neben Ärger mit lauten Gästen auch mit dem Vorwurf konfrontiert, in Städten wie Berlin den angespannten Wohnungsmarkt weiter zu verknappen.
Das Lärmproblem will Airbnb jetzt technisch lösen. Kundschaft, die ihre Unterkunft zu einer „partyfreien Zone“ machen will, macht die Plattform derzeit drei Systeme schmackhaft, die den Lärmpegel in Wohnungen messen. Die Geräte informieren Vermieter:innen per App oder SMS, wenn Lärm-Grenzwerte überschritten werden.
Diese Woche berichtete das US-Magazin Vice über die Geräte. Airbnb vertreibt die Modelle der drei Anbietern zum Aktionspreis. Während solche Geräte in den USA und Spanien bereits verbreitet sind, stehen sie in Deutschland erst in den Startlöchern.
Wie privat sind Informationen über Lärm?
Keines der Geräte zeichnet tatsächliche Audiodaten auf, das betonten die Unternehmen. Gespeichert werden allein Informationen zum Lärmpegel, beim Produkt des Unternehmens Mînut auch Werte zu Temperatur und Feuchtigkeit.
Anders als Fälle, in denen Airbnb Mieter:innen mit Kameras oder Mikrophonen überwacht wurden, sind diese Geräte nach Darstellung der Anbieter in Hinblick auf die Privatsphäre der Gäste völlig unkritisch. Der Geschäftsführer von Minut Nils Mattisson sagt, dass „der Schutz von Daten und die Privatsphäre der Benutzer die Hauptanliegen bei Minut“ sind.
Doch Datenschützer:innen äußern Kritik an dieser Darstellung. Denn selbst wenn die Geräte nur den Lärmpegel messen, sind diese Informationen noch immer sensibel.
Evan Greer von der NGO Fight for the Future warnt gegenüber Vice, dass Überwachung durch vernetzte Haushaltsgeräte zunehmend normal werde. „Ich bin mir nicht sicher, ob das tatsächlich eine sicherere Welt sein wird“, so Greer. Denn auch die Metadaten, die solche Geräte erzeugen – beispielsweise wann eine Wohnung vermutlich leer ist – können in den falschen Händen zu einem Sicherheitsrisiko werden.
Lärmüberwachung in Deutschland
Die drei von Airbnb vermarkteten Systeme kommen aus den USA und Spanien, in Deutschland haben sie bis zu Beginn des Rabattangebots kaum Aufmerksamkeit bekommen. Auf Anfrage von netzpolitik.org gibt Minut an, in Deutschland bislang mehr als 200 Geräte verkauft zu haben. Das spanische Unternehmen roomonitor sagt, dass es bislang 50 Verkäufe in Deutschland hatte.
Doch mit einer zunehmenden Professionalisierung privater Wohnungsvermietungen und Angst vor Beschwerden aus der Nachbarschaft, könnten Systeme zur Lärmüberwachung auch in deutschen Airbnbs bald flächendeckend Einzug halten.
