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NPP 170: Momentum, Memes und Großproteste

Ja, die Ohren bluten schon, wenn jemand „Artikel 13“ oder „Uploadfilter“ sagt. Deswegen blicken wir nicht auf die Urheberreform selbst, sondern auf den bunten Protest zurück. Denn dieser hat trotz des enttäuschenden Ausgangs im Parlament etwas Hoffnungsvolles.

  • Anna Biselli
  • Markus Reuter
Demonstranten auf der Demo gegen Uploadfilter
Demo in Wien, nur eine von vielen. CC-BY-NC 2.0: Michael Gubi

Das EU-Parlament hat Ja gesagt, ja zur Urheberrechtsreform im Gesamtpaket. Damit auch zu Uploadfiltern. Das ist erstmal ziemlich deprimierend. Aber anstatt uns zu verkriechen und Memes nur noch per Fax verschicken, blicken wir lieber zurück auf die riesigen Proteste der letzten Monate. Es gab nämlich nicht nur den europaweiten Aktionstag am 23. März, bei dem zusammengerechnet mehr als 170.000 Menschen auf die Straße gingen. Schon davor gab es Demos mit Tausenden Teilnehmern – und ausgehend von den ersten größeren Protesten in Köln Ende Februar verschafften sich Menschen in ganz Deutschland Gehör.

Nicht nur auf der Straße und auf YouTube vereinten sich die Uploadfilter-Gegner: Tech-Unternehmen wandten sich gegen die Reform, Forenbetreiber machten einen Tag lang dicht und fünf Millionen Menschen unterschrieben eine Petition. Und so trafen sich am Ende jugendliche YouTuber mit grauhaarigen Twitch-Streamerinnen. Die ältere Bürgerrechtler-Generation mit Teenagern, die lieber laut Sprüche skandieren als zu Musik zu demonstrieren. Sie ließen sich nicht abbringen durch Politiker, die ihren Protest als „von Google gekauft“ diskreditierten und wurden noch energischer, als die Abstimmung über die Urheberrechtsreform vorgezogen werden sollte. Am Ende konnte das keiner mehr ignorieren. An den vermeintlichen Bots kam keiner mehr vorbei und am Ende blamierten sich einige der Artikel-13-Befürworter als unsachlich, inkompetent und ahnungslos.

Kurz gesagt: Wir waren ziemlich beeindruckt und hoffen, dass sich die Energie auch über die Niederlage bei der Urheberrechtsreform erhält und eine neue politische Generation heranwächst. Für ein freies Internet, eine gerechtere Klimapolitik und gegen Nazis.

NPP170 zum Nachhören gibt es hier:

Hier ist der NPP zu den Uploadfilter-Protesten als mp3-Datei.

Alternativ bieten wir ihn auch als ogg-Datei zum Download.

Shownotes

Über die Autor:innen

  • Anna Biselli
    Darja Preuss

    Anna ist Co-Chefredakteurin bei netzpolitik.org. Sie interessiert sich vor allem für staatliche Überwachung und Dinge rund um digitalisierte Migrationskontrolle.

    Kontakt: E-Mail (OpenPGP), Mastodon, Telefon: +49-30-5771482-42 (Montag bis Freitag jeweils 8 bis 18 Uhr).

  • Markus Reuter

    Markus Reuter recherchiert und schreibt zu Digitalpolitik, Desinformation, Zensur und Moderation sowie Überwachungstechnologien. Darüber hinaus beschäftigt er sich mit der Polizei, Grund- und Bürgerrechten sowie Protesten und sozialen Bewegungen. Für eine Recherchereihe zur Polizei auf Twitter erhielt er 2018 den Preis des Bayerischen Journalistenverbandes, für eine TikTok-Recherche 2020 den Journalismuspreis Informatik. Bei netzpolitik.org seit März 2016 als Redakteur dabei. Er ist erreichbar unter markus.reuter | ett | netzpolitik.org, sowie auf Mastodon und Bluesky.

    Kontakt: E-Mail (OpenPGP)


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3 Kommentare zu „NPP 170: Momentum, Memes und Großproteste“


  1. Protestheinz

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    Eine erweiterte form des widerstands wären boykottieren von produkten wie springers upday das auf samsung handies vorinstalliert ist oder klickstreik auf verlagswebsites


  2. Das Bild im Artikel zeigt eine Demo in Wien, nicht in Berlin.


    1. Anna Biselli

      ,

      Danke für den Hinweis, ist korrigiert :)

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