Überwachung

Russland: Abgeordnete fordern Verbot von VPN-Diensten und Tor-Netzwerk

Abgeordnete der russischen Duma fordern ein Verbot von Software, die es ermöglicht, gesperrte Webseiten aufzurufen. Der Internet-Beauftragte der russischen Regierung nennt die Pläne „Wahnsinn“.

„Zugang gesperrt“ soll es künftig auch für Benutzer von VPN-Diensten heißen. CC0 Alexander Lis

Mehrere Abgeordnete des russischen Unterhauses, der Duma, wollen Technologien zur Umgehung von Zensurmaßnahmen, wie etwa VPN-Dienste und das Tor-Netzwerk, per Gesetz verbieten. Das sieht ein Gesetzentwurf vor, der von Abgeordneten mehrerer Parteien unterstützt wird, berichtet das Onlinemagazin Meduza auf seiner englischsprachigen Seite. Ziel sei es, das bestehende russische System der Netzsperren effektiver zu gestalten.

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Erst im Juni 2016 verabschiedete das Parlament eine Reihe von Gesetzentwürfen, die die Überwachung des Internets massiv ausbauten. Seitdem müssen russische Kommunikationsanbieter sowohl Verbindungsdaten als auch Inhalte für drei Jahre beziehungsweise sechs Monat speichern und den Behörden zugänglich machen. Messengerdienste, die Verschlüsselung anbieten, müssen Hintertüren bereithalten. Bereits seit 2012 bestehen umfangreiche Netzsperren in Russland.

VPN-Dienste sollen Netzsperren übernehmen

Wenn es nach den drei Abgeordneten der Parteien Vereintes Russland, Gerechtes Russland und der Kommunistischen Partei geht, soll es nun Anonymisierungsdiensten an den Kragen gehen. Ihr Gesetzentwurf sieht ein Verbot von Software vor, die es Nutzern erlaubt, in Russland gesperrte Webseiten aufzurufen. Nur wenn beispielsweise ein VPN-Anbieter die Liste von gesperrten Webseiten in seinen Dienst implementiert, darf er weiter operieren und wird nicht blockiert.

Vom Verbot wäre laut Meduza nicht nur die Software selbst, sondern auch Webseiten betroffen, die „Zugang“ zu solcher Software anbieten. Zudem sollen Suchmaschinen gesperrte Webseiten aus der Liste von Ergebnissen für russische Nutzer nehmen. Ein Verbot von VPN-Diensten war bereits in der Vergangenheit in Russland im Gespräch.

Internet-Ombudsman: Verbot wäre „Wahnsinn“

Dimitry Marinichev, Internet-Ombudsmann der russischen Regierung, kritisiert den Gesetzentwurf als „Wahnsinn“. Es sei praktisch unmöglich zu unterscheiden, ob ein VPN kommerziell oder zum Umgehen von Netzsperren benutzt werde, sagte Marinichev laut Meduza. Der Einsatz von VPN-Diensten ist besonders in internationalen Unternehmen sehr geläufig.

In anderen Regionen der Welt scheint die Umgehung von Netzsperren jedoch im Sinne russischer Interessen zu sein. Nachdem die Ukraine den Zugang zu russischen Webseiten wie dem sozialen Netzwerk VK und der Suchmaschine Yandex sperren ließ, erklärte der staatliche russische TV-Sender Rossija 24 seinen ukrainischen Zuschauern, wie die Sperre mittels Anonymisierungsdiensten umgangen werden kann.

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15 Kommentare
  1. Kein Problem. Gibt dann halt als nach außen öffentliche Schicht eine VPN, welche die russischen Anforderungen erfüllt. Weiter gehts getunnelt als innere Schicht zu einem anderen VPN Dienst, der nicht den Sperren unterliegt. Darüber kann man sich dann gefahrenlos mit dem Tor-Netzwerk verbinden oder die gesperrten Seiten aufrufen.

    Obfuscation wird darüber hinaus seinen Dienst tun, überhaupt irgendwelche Spuren zu verursachen.

    Ändert nichts daran, dass es wie schon richtig formuliert einfach Wahnsinn ist – aber im schlimmsten Fall bedarf es halt etwas Aufklärungsarbeit und zwei statt nur einem VPN Anbieter.
    In China schafft man es schließlich auch die große Firewall zu überlisten

  2. Zensur gibt es in Russland seit jeher. Dass einige dort VPN und das Tor-Netzwerk nicht mögen ist nicht neu. Einheimischen VPN könnten sie rein theoretisch an den Kragen, dem Tor-Netzwerk nicht. Wenn Iwan Russki eine VPN zu meinem Deutschserver aufbaut können die garnix, außer komplett blocken. Wäre aber schwer aufzufinden. Diejenigen, die solche Verbote fordern, beweisen nur, dass sie nicht in Grundzügen verstanden haben, wie das Internet funktioniert. Da nehmen sie sich nichts mit den Geistesriesen in einigen westlichen Parlamenten. Das ist eher beruhigend.

    1. Wer nichts zu verbergen hat, brauche man auch nicht mit VPN ins Internet gehen. Und Internetzensur braut sich geradewegs auch in Deutschland zusammen. Der mündige Bürger müsse eben nicht nur im realen Leben zensiert werden………..

  3. lol VPN und TOR verbieten X-D
    Und als nächstes verbieten sie der Sonne zu scheinen, wenn Wowa Put-in Love-Rough nicht in der Nähe sind! X-D hahaha

    1. Die Russen brauchen lediglich einen russischen Spiegel des Internetknotens etablieren, dann werden die Provider angewiesen ihre Routingprotokolle anzupassen!
      Klar wird es dann auch den DNS 8.8.8.8 geben, nur dass dann nicht Google die Adressen raus gibt!
      Es gibt da noch andere Punkte, aber wenn ein Innenminister hier liest, könnte er die „richtigen“ Fragen stellen und wirkliche Maßnahmen etablieren!
      Im Moment wollen die Technikanbieter nur Geschäfte machen und solange es auf dieser Ebene abläuft, wird „das Internet“ wohl nicht abgeschaltet.

  4. Dann tunnelt manch „einfach“ nen VPN durch nen VPN. Für welchen Nutzerkreis ist denn dieses „einfach“ anzuwenden? Für 99% der NutzerInnen dürfte eine – nachweislich verlässlich* dem gesetzten Zweck entsprechende – einfache VPN-Verbindung aufzubauen schon weit über die eigenen Kenntnisse und Möglichkeiten, oder den finanziellen Background andere dafür bezahlen zu können, hinaus gehen. Ich würde da alle politischen Gruppen, alle Firmen ohne IT-Abteilung und PrivatnutzerInnen einbeziehen wollen.
    Ich möchte als Mensch mit russischem Pass nicht in die Falle laufen an einen, oder zwei VPN Provider zu geraten, die den ausgeleiteten Verkehr gleich wieder zurück an einen der russischen Geheimdienste zurückliefern.
    Ja, dahinter dann TLS, Tor, etc. Ernsthaft? Nicht nur ständig und ausschließlich mit selbstbestrickten und vollständig verstandenen Live-Systemen arbeiten, die gesamte Kommunikationstrecke prüfen, jeden Tag IP-Sperren umgehen .. usw. Für einzelne, wenige mag das hinnehmbar sein. Für eine sehr eingeschränkte Form der Nutzung. Für die generelle Nutzung?
    Wie viel Leute in China umgehen die Firewall wirklich? Mit welchem Aufwand?
    Ich bin da nicht im Ansatz so positiv.

  5. Oder wurde es damals aufgehoben ? Nicht, dass ich wüsste:
    https://netzpolitik.org/2012/internet-zensur-in-russland-auch-anonymisierungsdienste-proxy-server-und-vpns-werden-verboten/

    Aber wie soll es in der Praxis funktionieren ? Hinter VPN sind Tausende IP und man weiß nicht aus welchen Ländern die kommen. Wie soll man es denn wissen, ob nun der Russe oder wer aus nem anderen Land gerade VPN anhat. Auch wenn er russisch redet, kann er doch in nem anderen Land leben oder gerade dort chillen.

    Und weil die drecks PO-litiker immer mit KiPo daher kommen, lest euch ma den Artikel hier durch. Ist zwar von 2009, aber wer Ahnung hat im Darknet, weiß, dass es nach wie vor aktuell ist.
    https://www.wikileaks.org/wiki/An_insight_into_child_porn

    Wer sich bei der russischen Regierung oder Putin beklagen möchte oder ihn aufklären usw. soll sich hierhin wenden:
    http://government.ru/en/services/letters/form/
    http://en.letters.kremlin.ru/letters/send
    http://cfo.gov.ru/letter/form

  6. @Kai
    Die überwiegende Mehrheit in Diktaturen, wie Russland, Saudi Arabien und China, hat wie die „Bundesbürger“ und der ganze Westen nichts zu verbergen. Das ist insofern richtig, dass man vor dem „Staat“ meist tatsächlich nichts zu verstecken hat. Wohl aber vor diversen Privatunternehmen, die die Daten der Internetnutzer als Goldstaub ansehen, filtern, verknüpfen, personalisieren, um so an das Geld der Nutzer i.w.S. zu kommen. Diese Party sollte aber auf dem absteigenden Ast sein.

    Ein VPN kriegt man mit dem Opera-Browser mitgeliefert. Dann teilt man die Daten eben exklusiv mit Opera. Auch sonst sollte man nicht so dämlich sein, zu glauben, dass ein VPN – Anbieter auf Nachfrage von Geheimdiensten nicht sofort alle Daten rausrücken würde. Mit dem Tor-Netzwerk wäre man relativ sicher unterwegs, weil die Server keine Protokolle anlegen. Am Ende der Leitung kann allerdings auch ein Geheimdienst sitzen und mitlesen, nur den eigendlichen Nutzer kann er nur schwer identifizieren.

    Die geneigten Terroristen Ahmed und Youssuf sind ganz gewiss nicht zu dämlich mit OpenVPN auf ihren Maschinen jeweils einen Server und einen Client einzurichten. Die kriegt man mit solchen Methoden ganz sicher nicht. Auch die Kriminellen Karl und Iwan lassen sich so genausowenig bremsen wie die politischen Aktivisten Gender Alex*in und KifferHugo.

    Das besagt, dass all diese Maßnahmen weltweit nur Quatsch sind, mit denen ein paar Politclowns von wirtschaftlichen und innenpolitischen Schieflagen ablenken wollen.

    1. Ich habe auch vor dem Staat etwas zu verbergen. Ich bin ein unbescholtener Bürger, also geht den Staat mein Privatleben einen Dreck an.

  7. Ein paar Freaks in der Duma.
    Konklusio „die Russen wollen …“

    Die Deutschen wollen übrigens die Bürger per Mautdaten überwachen.
    Also alle Deutschen wollen das …
    Ähh … ne alle deutschen Politiker.
    Ähh … ne also die von der CDU
    ähh … ne die von der CDU in BaWü
    Ähh … ne ein paar Hinterbänkler/wälder der CDU in BaWü

    1. Wo steht denn in dem Artikel die Konklusio „die Russen wollen“? Ich habe doch klargestellt, dass es um die Forderung einiger Abgeordneter geht.

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