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Kampf um Kampfdrohnen: Entscheidet sich die Bundeswehr doch noch für die „Predator“?

Als „Überbrückungslösung“ bis zur Entwicklung einer bewaffnungsfähigen „europäischen Drohne“ entschied sich die Bundeswehr für ein Modell aus Israel. Seitens der Rüstungslobby, aber auch von der Luftwaffe wird die Auswahl heftig kritisiert. Jetzt soll der israelische Hersteller einige Nachweise erbringen, sonst käme die Konkurrenz aus den USA zum Zuge.

Die Produktlinie der "Predator" von 1990 bis 2014.
Die Produktlinie der „Predator“ von 1990 bis 2014.

Trotz gegenteiliger Kaufentscheidung der Bundeswehr stellt der US-Rüstungskonzern General Atomics seine Kampfdrohne „Predator B“ („MQ-9 Reaper“) auf der heute beginnenden ILA aus. Im Januar hatte sich der Generalinspekteur für das Konkurrenzmodell „Heron TP“ des israelischen Herstellers Israel Aerospace Industries (IAI) als neue bewaffnungsfähige MALE-Drohne entschieden. Auch die „Heron TP“ wird neben anderen Drohnen der Bundeswehr auf der ILA gezeigt.


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Die beiden konkurrierenden Konzerne gingen für die Vermarktung in Deutschland Kooperationen mit hiesigen Rüstungsfirmen ein. Als Hauptauftragnehmer für das geplante Leasing der „Heron TP“ fungiert der Airbus-Konzern, der für die Bundeswehr bereits drei Exemplare der Vorgängerversion „Heron 1“ in Afghanistan wartet, startet und landet.

Zunächst will die Bundeswehr bis zu fünf „Heron TP“ mit hochauflösender Aufklärungssensorik anschaffen. Sie sollen 2018 ausgeliefert und dann vermutlich in Israel stationiert werden. Dort findet auch die praktische Ausbildung der deutschen PilotInnen statt. Später sollen die Drohnen mit Waffen nachgerüstet werden. Die Kosten werden derzeit mit 580 Millionen Euro angegeben.

Im Juni Bewertung der Zulassungsmöglichkeit, danach Entscheidung zur Bewaffnung

General Atomics kooperiert mit der deutschen Firma Spezialtechnik Dresden GmbH. Die beiden Partner haben ihre berüchtigte Kampfdrohne für den deutschen Markt angepasst. Das Modell heißt nun „Certifiable Predator B“ (CPB) und wird als „Guardian Eagle“ vermarktet. Auch die Bundeswehr hatte sich zunächst für die Neuentwicklung interessiert. Zur Erfüllung deutscher Krypto-Standards hatte der US-Rüstungskonzern die „Certifiable Predator B“ mit Funkgeräten der deutschen Firma Rohde & Schwarz ausgestattet. Die elektronischen Bauteile wurden von der NATO zertifiziert.

Außerdem kommt die neue US-Drohne mit einem Radar zur Erkennung von Kollisionen sowie einem Ausweichverfahren. General Atomics verweist darauf, dass die vorgeschriebenen NATO-Standards auf diese Weise eingehalten würden. Die Systeme werden zum Nachweis der Lufttauglichkeit in Deutschland benötigt und wurden laut dem US-Hersteller in Zusammenarbeit mit dem Luftfahrtamt der Bundeswehr entwickelt.

Genutzt hat das nichts, die Bundeswehr entschied sich schließlich für die „Heron TP“ als „Überbrückungslösung“ bis zur Entwicklung einer serienreifen Euro-Drohne. Allerdings ist der Vertrag noch nicht endgültig, denn vorher müssen IAI und die Airbus-Sparte Defence and Space Airborne Solutions unter Mitarbeit des israelischen Verteidigungsministeriums einige Auflagen erfüllen.

Rüstungslobby läuft Sturm

Hierzu gehören der Nachweis der Lufttauglichkeit und Fragen zur Integration der Raketen und Lenkbomben. Noch im Juni will die Bundeswehr die Zulassungsmöglichkeit bewerten. Sollten die Auflagen nicht erfüllt werden, könnte der Bundeswehr-Generalinspekteur laut dem Verteidigungsministerium doch noch auf die „Certifiable Predator B“ umschwenken. Bliebe es bei der „Heron TP“, will die Bundeswehr noch in diesem Jahr über die Bewaffnung entscheiden und die Ausschreibung für die als „angetriebene und nicht angetriebene Luft-Boden-Effektoren“ bezeichneten Lenkwaffen einleiten.

Die vorläufige Auswahl der „Heron TP“ wird von der deutschen Rüstungslobby scharf kritisiert. Angeblich hätten auch hohe Generäle der Luftwaffe lieber das US-Modell beschafft, zumal die „Predator“ weltweit eingesetzt wird und somit über ein weit verbreitetes Netz zur Wartung und Ersatzteilbeschaffung verfügt. Der „Newsletter Verteidigung“ hält die „Heron TP“ in den anderen europäischen NATO-Partnerländern „in der Beschaffung chancenlos“. Die israelische Drohne sei „zu leistungsschwach, nicht genügend erprobt, zu wenige im Einsatz und vor allem zu teuer“.

Ganz vergeblich war die Umrüstung der „Predator“ für den europäischen Markt aber nicht. Medienberichten zufolge hat sich britische Regierung im April entschlossen, ihre aus dem Modell „Reaper“ bestehende Drohnenflotte mit bis zu zwanzig Exemplaren der „Certifiable Predator B“ zu modernisieren. Auch die italienische, die französische und die spanische Luftwaffe fliegen MALE-Drohnen von General Atomics. Frankreich plant nun ebenfalls die Beschaffung einer Serie von „Predator“-Drohnen, die für den europäischen Luftraum zertifiziert sind.

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10 Kommentare
  1. Wir haben nichts mehr zu befürchten, sobald die Drohnen zuerst die Autobahnen vor Anschlägen schützen … sobald dort keine Terroranschläge mehr stattfinden, wird diese präventive Maßnahme auf die Bundes und Landstraßen ausgeweitet, wie die Maut, die diese Präventionsmaßnahmen finanziert!
    … nach dem Verursacherprinzip … wer auf die Straße geht, der soll ordentlich zahlen!
    … und da sich die Terroristen es sich nicht leisten können, auf deut’schen Straßen zu wandeln, sind auch keine Terroranschläge zu erwarten, oder?

    Ja, das Dröhnen der Drohnen gibt uns auch die Akustische Sicherheit (und summen auch unsere Kinder in den friedlichen Schlaf), das es keine Anschläge mehr auf deutschen Straßen geben wird, so wie in den letzten Jahrzehnten!

    Drohnen für unsere Sicherheit!

  2. Angeblich hätten auch hohe Generäle der Luftwaffe lieber das US-Modell beschafft?

    Within the 2017 authorization bill, there is $69 million for the Trusted Foundry. DOD and the Defense Security Service have renewed the Trusted Foundry contract after they were assured that Global Foundries „could obtain the appropriate accreditations to be a DOD Trusted Supplier following the [IBM] transition,“ DOD officials told the Armed Services Committee. But DOD’s continued access to secure chips provided by the former IBM facility „is uncertain,“ added Marie Mak, director of acquisition and sourcing management at the Government Accountability Office. „There are no near-term alternatives to the foundry services formerly provided by IBM.“

    http://www.manufacturingnews.com/news/2016/Trusted-Foundry-0531161.html

    1. Haja … unsere Militärs sind von der Zuverlässigkeit voll überzeugt, zumal Kontrolleinheiten für die US Modelle auf deutschem Boden stehen …
      Unsere Militärs könnten die Verbündeten Fragen, ob sie die Kontrolleinheiten Temporär nutzen dürfen, solange die deutsche Infrastruktur noch nicht aufgebaut ist!
      Der nächste Vorteil wäre, das die Auszubildenden an den Erfahrungen der Amerikaner partizipieren könnten!

      1. @Habo:

        Das ist nicht nötig, da die Bodenstationen der Heron 1 auch für Heron TP genutzt werden können. Da die Heron TP sicherlich kein minderwertiges Produkt ist und der Predator B in so gut wie keinen Belangen selbige übertrumpft, sowie auch ein Technologietransfer hier angestrebt ist und dieser bei der EU-Male weiterhelfen wird, ich denke das dieses ganze Gerede über diese Drohne (Predator B) absolut überflüssig ist. Und hier sind wir beim Punkt! GA war einem Technologietransfer gegenüber verschlossen. Die Israelis sind da offener und weiterhin durch Heron 1 bereits eine Kooperation vorhanden ist, auf die man sich stützen kann. Ich denke das es viel wichtiger ist das die Truppe endlich mal was funktionierendes bekommt! Das ist wichtig. Der einzige Grund welcher wirklich einzig für die Predator B spricht, ist die Tatsache das alle NATO-Partner diese nutzen! Sonst nichts!

        1. Naja … nicht das es uns wie bei der medizinischen Feldversorgung trifft … da gibt es ja auch ein Kuddel Muddel der Systeme und nix passte bzw. ist/war austauschbar!
          Naja … ich hoffe, das sich das mittlerweile geändert hat!

          Ich finde, das man das Ganze langfristig sehen und planen sollte!
          Einzelgänge sind Teuer und bleiben Teuer!
          Können wir im Einsatz befindliche Drohnen von unseren Partnern Warten und Aufmunitionieren lassen?
          Wenn Nein, dann wech mit dem Ding!

  3. Ich muss den Autor loben, der übliche larmoyante Ton eines Salonpazifisten ist diesmal weitgehend in den Hintergrund gerückt. Andererseits wozu beschäftigt sich eine Seite Namens Netzpolitik.org mit militärischen Drohnen? Wenn man sich allgemein mit Rüstungspolitik beschäftigen wollte, wären sicher auch ein paar Hintergrundartikel zum G36 Problem der BW interessant.

    1. Zur Überwachung oder für Kampfeinsätze – Drohnen gehören jedenfalls zu den gesellschaftlichen Entwicklungen, mit denen sich Netzpolitik explizit auseinandersetzen möchte, siehe auch den NSA-U-Ausschuss. Wahrscheinlich ist der Kommentar aber eher persönlich gemeint: Duktus und Wortwahl lassen auf den in der Vergangenheit durch Ausforschung alternativer Strukturen bekannten Stefan H. schließen, der hier immer mal wieder persönlich wird und gern den Autor mit Polemik adressiert.

      1. [Ulk an]
        Ferner sind die Internetüberholspuren für die Steuerung solcher Drohnen (Zivil/Militär) gedacht!
        [Ulk aus]
        Damit unsere Innenminister irgendwelchen Terroristen die Schuld in die Schuhe schieben können, falls eine solche Drohne eine Fehlfunktion hat, ein Pilot das falsche Ziel anpeilt oder der Befehl dieses verlangt!
        … da ist es doch besser, einem Terrorhacker diese Möglichkeit zu geben, damit dieser diese Möglichkeit auch Nutzen kann, so die politische Notwendigkeit besteht!

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