Die Süddeutsche Zeitung hat durch eine Umfrage konkrete Zahlen erhalten, wie viele Kameras in München zur Überwachung des öffentlichen Raumes eingesetzt werden: Über 9200 Kameras überwachen Bahnhöfe, Straßenverkehr, Ministerien und Schulen.
An „Brennpunkten“ seien Videokameras in Ordnung, sagt etwa die Grünen-Fraktionschefin im Landtag, Margarete Bause. Nicht okay sei dagegen die Vollausstattung des öffentlichen Raums „anlasslos und flächendeckend“. Zumal die Technik „anders als beispielsweise Polizisten auf Streife keine Straftaten verhindert, sondern allenfalls dabei hilft, eine Tat hinterher aufzuklären“. Auch der Landesdatenschutzbeauftragte Thomas Petri hat am Dienstag gerügt, dass viele Kameras unzulässig installiert würden – sie seien nur zur Gefahrenabwehr zulässig.
Eine flächendeckende Überwachung des öffentlichen Raumes ist natürlich alles andere als wünschenswert, kann man doch am Beispiel von London gut erkennen, welches Ausmaß kameragestütze Überwachung erreichen kann. Beim genaueren Blick auf die Zahlen kann man allerdings zu dem Urteil gelangen, dass die große Anzahl von Kameras hier etwas anders zu bewerten ist:
- Alleine 8790 Kameras werden durch die Betreiber des öffentlichen Nahverkehrs eingesetzt (MVG 4400 Kameras, DB 4390). Zu den überwachten Bereichen zählen alle Busse, U‑Bahnen und S‑Bahnen sowie Haltestellen und Bahnhöfe. In einer Leitzentrale in Moosach werden die Bilder durch Mitarbeiter live beobachtet und zusätzlich aufgezeichnet. Knapp 9000 Kameras, die den öffentlichen Nahverkehr beobachten sind zwar eine gewaltige Summe, bei der großen Zahl von 1140 Bussen und Bahnen der MVG und in 244 S‑Bahnen der DB erklärt sich der Zusammenhang jedoch schon eher.
- Knapp 400 Kameras werden zur Verkehrsüberwachung eingesetzt, nur die 300 Kameras innerhalb von Tunneln zeichnen laut der SZ maximal zwei Tage auf. Die Frage ist hier natürlich, wozu die Tunnelbilder überhaupt aufgezeichnet werden.
- Die Münchener Polizei betreibt 6 stationäre Kameras an sogenannten Kriminalitätsschwerpunkten wie etwa dem Bahnhofsvorplatz. Hinzu kommt natürlich die mobile Kameraüberwachung bei Demonstrationen und Großveranstaltungen („während der Wiesn 19 Stück und während des Christkindlmarkts am Marienplatz zwölf Geräte“) oder durch Kameras in Streifenwagen.
- An Münchener Schulen hängen insgesamt 4 Kameras, die dort vor allem Vandalismus und Einbrüche verhindern sollen.
- Am interessantesten ist noch die Aussage der Münchener Ministerien, dass bei Ihnen mindestens 87 Kameras zum Einsatz kämen. Auch diese werden aber wahrscheinlich größtenteils die Zugänge und Zäune der Behörden überblicken.
Von einer „Stadt der 10.000 Augen“ zu sprechen mag in diesem Zusammenhang vielleicht ein wenig zu hoch gegriffen sein. Trotzdem sind auch 9200 Kameras eine Menge und auch ein Ausbautrend bei der Kamerüberwachung ist wohl abzusehen, zumindest laut bayrischem Innenminister Joachim Herrmann:
Erst im Sommer hatte er die Verkehrsunternehmen aufgefordert, mehr Kameras zu installieren. Und die kommen dem nach: So will die Bahn heuer bundesweit bis zu 700 weitere Videokameras in etwa 100 Bahnhöfen montieren, obwohl heute schon „80 Prozent der Fahrgastströme mit Videotechnik erfasst“ würden. Und die MVG peilt in den nächsten Jahren „die Vollausstattung“ aller Fahrzeuge mit Videoüberwachung an – so wie heute schon bei ihren Bahnhöfen.