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Wikimedia präsentiert Bestandsaufnahme von Open Educational Ressources in Deutschland

mapping-oer-logoAls erstes Ergebnis des vom Bildungsministerium finanzierten Wikimedia-Projekts „Mapping OER“ liegt jetzt eine Bestandsaufnahme über offene Bildungsmaterialien (Open Educational Ressources, OER) in Deutschland vor (PDF). Wie berichtet ist es das Ziel von „Mapping OER“, das Thema generell in die Gesellschaft zu tragen und diesbezügliche Strategien zu entwickeln.


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An der von Sandra Schön, Martin Ebner, Elly Köpf, Jöran Muuß-Merholz, Martin Schön und Nils Weichert verfassten, mit 173 Seiten umfassend ausgefallenen, „Ist-Analyse zu freien Bildungsmaterialien (OER)“ wird deutlich, wie sehr der OER-Diskurs in Deutschland in den letzten Jahren an Fahrt aufgenommen hat. Laut Klappentext richtet sich das Werk in erster Linie „an Bildungsexpertinnen und -experten, die sich zum Stand der Entwicklung zu OER in Deutschland informieren möchten.“

OER in Schule, Hochschule, berufliche Bildung und Weiterbildung

Nach einer Beschreibung bildungsbereichsübergreifender Entwicklungen gliedert sich die Bestandsaufnahme in die Bereiche Schule, Hochschule, berufliche Bildung und Weiterbildung. Für jeden Bereich wurden Listen mit bestehenden OER-Plattformen und -Repositorien erstellt (z.B. S. 44 für den Schubereich), die bei der Suche nach Inhalten hilfreich sein können und das große ehrenamtliche Engagement für OER dokumentieren. Dementsprechend ist auch die Zusammenfassung treffend betitelt mit „Erste Leuchtturmprojekte trotz fehlender öffentlicher Förderung“. In Abschnitt 8.10 schlussfolgern die AutorInnen demnach:

Von außen betrachtet scheint es hier ein großes finanzielles Potenzial für eine Neuausrichtung öffentlicher und privater Ausgaben zu geben, mit dem ggf. ausgabenneutral in zukünftige nachhaltige OER-Projekte investiert werden kann. […] Allerdings scheinen entsprechende klare politische Positionierungen für die Finanzierung von OER durch öffentliche Mittel derzeit nicht wahrscheinlich, zum Beispiel die Bindung öffentlicher Fördergelder an die obligatorische Erstellung von OER. Zumindest formuliert es die Arbeitsgruppe von Bund und Ländern zu OER zurückhaltend: „Die Dynamik des Marktes und damit verbunden mögliche neue Angebotsformen von OER werden entscheiden, welche Geschäftsmodelle sich durchsetzen können. Die öffentliche Hand hat dabei strikte Neutralität zu wahren.“ (KMK/BMBF, 2015, S. 7). Diese Äußerung könnte auch als ein Zugeständnis gegenüber den Schulbuchverlagen interpretiert werden.

Tatsächlich ist es so, dass sich die öffentliche Hand derzeit keineswegs „neutral“ verhält. Denn ohne Öffnung bestehender Finanzierungsstrukturen für OER-Modelle haben diese kaum eine Chance, Mainstream zu werden. Mit anderen Worten, um zumindest Neutralität herzustellen, sind noch große Anstrengungen von Seiten der Bildungsministerien der Länder zu unternehmen – ganz unabhängig von der Frage, ob Neutralität bei einer derartigen Richtungsentscheidung überhaupt wünschenswert ist oder ob nicht vielmehr öffentlich finanzierte Materialien auch offen zugänglich sein sollten.

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