2013
-
: Petition: Hollyweb, W3C und Lobbyisten für „Digital Rights Management“ im HTML5-Standard
: Petition: Hollyweb, W3C und Lobbyisten für „Digital Rights Management“ im HTML5-Standard
Der fast fertige HTML5-Standard für Webseiten soll technische Möglichkeiten zur Inhalte-Kontrolle erhalten. Mit dem gefährlichen „Digital Rights Management“ (DRM) ist aber schon die Musikindustrie gescheitert. Netzpolitische Organisationen rufen dazu auf, eine Petition dagegen zu unterzeichnen – macht mit!Das HTML-Protokoll ist für das Internet zentral wie die Luft zum Atmen. Es beschreibt, wie Inhalte im Webbrowser dargestellt werden. Kein Wunder, dass die Neutralität, Unabhängigkeit und Offenheit dieses Protokolls nahezu allen Usern ausgesprochen wichtig sind. Genau diese Grundsätze sind jetzt in Gefahr, weil die Medienindustrie ihre Lobbyisten auf das World Wide Web Consortium (W3C) angesetzt hat, um eine standardisierte Schnittstelle für DRM-Mechanismen direkt in das HTML-Protokoll zu integrieren.
Bisher gibt es keine solche Schnittstelle im Protokoll, was zu Auswüchsen wie dem Flash-Plugin geführt hatte. Unter dem Vorwand, einen Ersatz für Flash zu schaffen, sollen nun Schnittstellen für proprietäre Erweiterungen in HTML in den Standard integriert werden. Damit entstehen mindestens zwei schwerwiegende Einschränkungen für User: Sie können nicht mehr jederzeit alle Inhalte empfangen, und die Implementierung der proprietären Erweiterungen ist nicht mehr vollständig in freien Webbrowsern wie Firefox möglich. Gerade diese Freiheiten sind Hollywood ein Dorn im Auge, so dass es mit Sicherheit keine Vorteile für Anwender gibt, mit denen sich diese Erweiterungen begründen lassen. Es soll die Einführung und Verbreitung von DRM-Technologie erleichtert werden, weil auf diese Weise jeder standardkonforme Browser als DRM-Schnittstelle dienen kann. Mehr nicht.
-
: Dienstag in Berlin: Alles ist Zahl – Wie sozial und demokratisch ist Netz- und Technologiepolitik?
: Dienstag in Berlin: Alles ist Zahl – Wie sozial und demokratisch ist Netz- und Technologiepolitik?
Am Dienstag den 9. April 2013 wird in Berlin-Oberschöneweide das Forschungs- und Weiterbildungszentrum Kultur und Informatik an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin eröffnet. Wissenschaftliche Projektleiterin ist Constanze Kurz, Informatikerin, Sachbuchautorin und Sprecherin des Chaos Computer Club.Ab 13 Uhr ist feierliche Eröffnung mit Grußwort, Besichtigung und Get Together, und ab 16 Uhr findet das zweite „Spreeforum Informationsgesellschaft“ statt, diesmal unter obigen Titel mit
- Björn Böhning, Staatssekretär, Chef der Senatskanzlei Berlin (SPD)
- Anna Sauerbrey, Redakteurin beim „Tagesspiegel“
- Constanze Kurz, Projektleiterin am FKI, HTW Berlin
zu den Themen
- Wie wichtig werden in Zukunft Informationsfreiheit, Beteiligungswerkzeuge und Transparenz sein, und wo sind Grenzen?
- Welche präventiven Datensammlungen sind akzeptabel, welche sollten künftig unterbunden werden?
- Welche Auswirkungen wird das Leistungsschutzrecht für Presseverleger haben?
Sicherlich eine gute Gelegenheit, den Netzpolitiker Björn Böhning mal auf die „soziale und demokratische“ Netz- und Technologiepolitik der SPD in letzter Zeit anzusprechen.
Um Anmeldung wird gebeten, weil’s auch Schnittchen gibt.
-
: Best of the Blogs 2013: Bis zum 7. Mai abstimmen!
: Best of the Blogs 2013: Bis zum 7. Mai abstimmen! The Bobs (Best of the Blogs) sind internationale Awards, die jährlich von der Deutschen Welle vergeben werden. In 14 Sprachen werden Webseiten aus der ganzen Welt ausgezeichnet, die den offenen Diskurs vorantreiben und bereichern. Ziel ist es, „die Vielfalt und wachsende Bedeutung der neuen Kommunikationsformen im Internet abzubilden, herausragende Beispiele hervorzuheben, und einen sprachübergreifenden Dialog über diese Medienformen anzuregen.“ Die sechs Hauptkategorien sind Best Blog, Best Innovation, Best Social Activism, Reporters Without Borders Award, Global Media Forum Award und Most Creative & Original. Zusätzlich gibt es Best Blog nach Sprache (14 Sprachen) sowie Best Person to Follow, ebenfalls in den 14 Wettbewerbssprachen. Von Februar bis März wurden bereits Vorschläge für die Bobs eingereicht, dann hat eine internationale Jury die Vorschläge geprüft und die Finalisten festgelegt. Über diese kann jetzt bis zum 7. Mai abgestimmt werden: Man kann alle 24 Stunden eine Stimme pro Kategorie und Sprache abgeben. Der Kandidat mit den meisten Stimmen gewinnt den User-Preis, die Jurygewinner werden Anfang Mai gewählt. Alle Gewinner (User- und Jurygewinner) werden am 7. Mai auf der Webseite der Bobs veröffentlicht, am 18. Juni 2013 findet die Preisverleihung in Bonn statt.
-
: Twitter App „FireMe!“ sucht beleidigende Tweets gegen den Chef und das eigene Unternehmen
: Twitter App „FireMe!“ sucht beleidigende Tweets gegen den Chef und das eigene Unternehmen
Ein Team der Universität Hannover entwickelte, eigentlich zu Forschungszwecken, die Twitter App „FireMe!“. Die App, die bisher nur auf Englisch funktioniert, durchsucht Tweets auf „kompromittierende Aussagen über die eigene Arbeit und den jeweiligen Vorgesetzten oder Kollegen“ und soll so Twitterer vor sich selbst und einer Kündigung schützen.Wenn die App einen eindeutigen Tweet findet, schickt sie dem Verfasser eine Nachricht nach dem Motto „Ich hasse meinen Job extrem. Kannst du dir vorstellen was passiert, wenn dein Chef sieht, was du gerade geschrieben hast? Du hast es getwittert und die ganze Welt kann es sehen.“ Insgesamt hat FireMe! bereits über 4.300 solcher Warnungen allein innerhalb der vergangenen drei Wochen verschickt. Das Resultat: 249 der fragwürdigen Tweets wurden in den darauffolgenden zwei Stunden gelöscht, wie der New Scientist berichtet.
Zusätzlich gibt es einen FireMeter!-Score, eine weltweite Rangliste derer, die bereits beleidigende Tweets über Job, Chef oder Kollegen tätigten sowie die Möglichkeit, sich die Wahrscheinlichkeit einer Kündigung in Prozent errechnen zu lassen.
-
: Drosselung und Diskriminierung: Die Deutsche Telekom schafft die Netzneutralität auch beim Festnetz-Internet ab
: Drosselung und Diskriminierung: Die Deutsche Telekom schafft die Netzneutralität auch beim Festnetz-Internet ab Die Deutsche Telekom will die Netzneutralität auch bei DSL-Internetanschlüssen verletzen. Das berichtet jetzt auch die FAZ unter der Überschrift Drosselung und Diskriminierung. Statt nur Daten zu transportieren, will sich der Provider jetzt auch in die Inhalte einmischen.
Über die Abschaffung der Flatrates bei Festznetz-Internet-Anschlüssen der Telekom hatten wir hier bereits berichtet. Uns liegen interne Dokumente vor, die diese fortgeschrittenen Pläne detailliert aufzeigen. Leider können wir die aus Quellenschutz-Gründen derzeit nicht veröffentlichen, daher freuen wir uns weiterhin über Einsendungen.
Hier der aktuelle Artikel von Michael Spehr:
Die Aufhebung der Netzneutralität bedeutet stets den Vorgang des Bremsens, der Filterung und letztlich der Zensur. Der Provider unterscheidet dann verschiedene Dienste voneinander und stellt beispielsweise Pakete aus „fremden“ Videodiensten nur verzögert zu. Er blockiert andere Dienste, wie das etwa bei der Internettelefonie in den deutschen Mobilfunknetzen bereits üblich ist. Das amerikanische Unternehmen Vertica, das von Hewlett Packard übernommen wurde, bietet den Mobilfunkern technische Verfahrensweisen an, wie Kunden mit hochwertigen und teuren Tarifen in den Netzen bevorzugt behandelt werden können. Bei Engpässen würden hingegen „Vielnutzer mit Flatrate-Tarifen als erste rausgeschmissen“.
Auf die Gefahren der Abschaffung der Netzneutralität haben wir wiederholt hingewiesen. Der Verein Digitale Gesellschaft hat dazu ein Handbuch Netzneutralität und eine Broschüre Deep Packet Inspection veröffentlicht. Und eine Kampagnenseite Echtes Netz!
-
: Offshore-Leaks gibt Einblicke in Steueroasen
: Offshore-Leaks gibt Einblicke in Steueroasen Dem „International Consortium of Investigative Journalists“ sind im letzten Jahr rund 260 GB Daten mit Informationen zu Konten von 130.000 Personen aus rund 170 Staaten in zehn Steueroasen zugespielt worden. Zusammen mit einem Netzwerk aus insgesamt 46 Medien weltweit wurden die rund 2.5 Millionen Dokumente, vor allem e‑Mails, im vergangenen Jahr ausgewertet und heute Nacht gingen die Enthüllungen als Projekt „Offshore-Leaks“ weltweit online. Vom „größte Datenleck in der Geschichte“ spricht die Süddeutsche Zeitung, die zusammen mit dem NDR in Deutschland monatelang die Daten verifizierte. Die Daten stammen wohl von zwei ungesicherten Servern, die irgendwer gefunden und die Daten dann an ICIJ übermittelt hat.
-
: Netflix startet Kampagne mit Geschwindigkeits- und Netzneutralitäts-Tests
: Netflix startet Kampagne mit Geschwindigkeits- und Netzneutralitäts-Tests Netflix hat eine schöne (und natürlich nicht selbstlose) Kampagne zur Netzneutralität gestartet und bietet einen Überblick über die Geschwindigkeiten der Internetanbieter.
Passt traurigerweise auch hierzulande:
Hier klicken, um den Inhalt von www.youtube-nocookie.com anzuzeigen.
And herein may lie the crux of Netflix’s newest efforts. Netflix has lately become a somewhat self-appointed advocate for faster consumer streaming speeds. (…) It seems that more than any other single company, Netflix stands to gain from speedy Internet connections. The „Speed Index“ provides a valuable public service, while also conveniently helping Netflix by incentivizing ISPs to compete with each other on speed.
-
: Cyanogenmod: Übermittlung von Daten für Nutzerstatistiken wird verpflichtend [Update]
: Cyanogenmod: Übermittlung von Daten für Nutzerstatistiken wird verpflichtend [Update]
Anwenderinnen und Anwender der Android-Distribution Cyanogenmod können wohl bald nicht mehr entscheiden, ob sie anonyme Nutzerstatistiken übermitteln wollen oder nicht. Auch jetzt werden Informationen an die Entwickler gesendet: die Version, das Smartphone- oder Tablet-Modell, der Mobilfunkprovider, das eingestellte Land und die eindeutige Geräte-ID. Daraus werden Statistiken erstellt, um u.a. herauszufinden, auf wie vielen und welchen Geräten Cyanogenmod installiert ist. Bisher wurde der Anwender beim ersten Start nach der Installation darüber informiert, welche Daten zu welchem Zweck übertragen werden und konnte diese Übermittlung verweigern. Mit der Version 10.1 wurde diese Option entfernt. Steve Kondik, Kopf des Cyanogenmod-Teams, hat durch eine Änderung im Quellcode die Übertragung verpflichtend umgesetzt. Er begründet dies so:Not having an accurate count of how many people are using CM is painful. I am making an executive decision to remove the opt-out and always turn stats on. The data is anonymized and there is nothing evil that can be done with it. The only purpose here is to tell us if we are a successful project or not.
Programmierer Koushik Dutta fügte mit einer zweiten Änderung Unterstützung für die Auswertung der Daten mit Google Analytics hinzu. Auf Kritik von Nutzerinnen und Nutzern entgegnete Kondik, Cyanogenmod sei zwar ein Gemeinschaftsprojekt aber keine Demokratie, und wer wolle, könne den Cyanogenmod-Code entsprechend anpassen und selbst kompilieren.
Update
Die Änderung wurde wieder rückgängig gemacht:
Apparently this is a bigger issue for a small number of extremely vocal users. We should respect their wishes, no matter how off-base their claims are in this context.
-
: Frank Rieger über Drohnen und Politik
: Frank Rieger über Drohnen und Politik Auf dem netzpolitischen Abend des Digitale Gesellschaft e. V. führte gestern Abend Frank Rieger vom Chaos Computer Club in die netzpolitische Debatte über Drohnen ein. Der rund 30 Minuten lange Vortrag mit anschließender Diskussion ist bereits auf Youtube zu sehen:
Hier klicken, um den Inhalt von www.youtube-nocookie.com anzuzeigen.
Die beiden anderen Vorträge kommen auch noch online.
-
: Google-Hangout mit Angela Merkel
: Google-Hangout mit Angela Merkel Wie der Vize-Regierungssprecher Georg Streiter heute ankündigte, gibt es am 19. April einen „Bürgerdialog“ mit der Kanzlerin bei Google+. Im Hangout (Videokonferenz) stellt sie sich den Fragen von sechs Bürgerinnen und Bürgern (die wohl schon ausgesucht wurden), thematisiert wird Integration. Die Diskussion wird auf Google+ und auf www.bundesregierung.de, www.bundeskanzlerin.de und www.dialog-ueber-deutschland.de gestreamt. Die „Bürger„beteiligung besteht wohl darin, bis zum 15. April Fragen einzureichen, von denen der Moderator dann einige einbringt.
Wie regelmäßig das stattfinden soll und wie die sechs Teilnehmerinnen und Teilnehmer ausgesucht werden, geht leider weder aus der Pressemitteilung noch aus dem Video hervor. Und wie @fraeulein_tessa twitterte:
In diesem Fenster soll ein Twitter-Post wiedergeben werden. Hierbei fließen personenbezogene Daten von Dir an Twitter. Aus technischen Gründen muss zum Beispiel Deine IP-Adresse übermittelt werden. Twitter nutzt die Möglichkeit jedoch auch, um Dein Nutzungsverhalten mithilfe von Cookies oder anderen Tracking-Technologien zu Marktforschungs- und Marketingzwecken zu analysieren.
Wir verhindern mit dem WordPress-Plugin „Embed Privacy“ einen Abfluss deiner Daten an Twitter so lange, bis Du aktiv auf diesen Hinweis klickst. Technisch gesehen wird der Inhalt erst nach dem Klick eingebunden. Twitter betrachtet Deinen Klick als Einwilligung in die Nutzung deiner Daten. Weitere Informationen stellt Twitter hoffentlich in der Datenschutzerklärung bereit.
Zur Datenschutzerklärung von Twitter
Zur Datenschutzerklärung von netzpolitik.org
Erfahre mehr in der Datenschutzerklärung von X.
Hier klicken, um den Inhalt von www.youtube-nocookie.com anzuzeigen.
-
: Evaluierung der Antiterrordatei: Keine „überschießend grundrechtsintensiven Eingriffe“
: Evaluierung der Antiterrordatei: Keine „überschießend grundrechtsintensiven Eingriffe“ “Ohne sie würde der Kampf gegen den islamistischen Terrorismus eines Werkzeugs von ganz entscheidender Wirkung beraubt”. Sie, das ist die Antiterrordatei ATD, die Ende 2006 in Kraft trat und deren Bedeutung Innenminister Friedrich hier betonte. Laut einem Evaluierungsbericht (PDF), den die Bundesregierung gestern veröffentlichte, habe die ATD die Kooperation zwischen Polizei und Geheimdiensten verbessert und sich bewährt. Konkrete Ermittlungserfolge oder Maßnahmen zur Verhinderung terroristischer Anschläge können den ATD-Abfragen zwar nicht zugeordnet werden, sie sei aber auch vorrangig als „Kontaktanbahnungsinstrument“ zwischen den verschiedenen Behörden gedacht.
Was ist die Antiterrordatei?
Es handelt es sich um eine Verbunddatei, die von den verschiedenen Sicherheitsbehörden mit Grunddaten wie “Familienname, die Vornamen, frühere Namen, andere Namen, Aliaspersonalien, abweichende Namensschreibweisen, das Geschlecht, das Geburtsdatum, der Geburtsort, der Geburtsstaat, aktuelle und frühere Staatsangehörigkeiten, gegenwärtige und frühere Anschriften, besondere körperliche Merkmale, Sprachen, Dialekte, Lichtbilder” gefüttert wird. Zu den gespeicherten Grunddaten kommen laut Gesetz die sogenannten erweiterten Grunddaten hinzu: Dabei handelt es sich um Telekommunikationsanschlüsse und ‑endgeräte, Bankverbindungen, Volkszugehörigkeit, Religionszugehörigkeit, relevante Fähigkeiten, Ausbildung und Beruf, Tätigkeiten in wichtigen Infrastruktureinrichtungen, Gefährlichkeit, Waffenbesitz und Gewaltbereitschaft, Fahr- und Flugerlaubnisse, sowie besuchte Orte oder Gebiete.
-
: New York Times: Datenschutz ist paradox, aber wichtig
: New York Times: Datenschutz ist paradox, aber wichtig The New York Times hat am Wochenende lesenswert über die Arbeit des US-amerikanischen Privacy-Forschers Alessandro Acquisti berichtet. In dem Artikel werden drei Versuche zum menschlichen Umgang mit Privatsphäre näher vorgestellt. Die Ergebnisse sind zum Teil paradox, zeigen jedoch eines deutlich: Menschen wollen Privatsphäre, handeln dabei aber nicht „rational“. Da der NYT-Artikel recht lang geraten ist, hier ein tl;dr.
-
: Dokus in ARTE-Mediathek: Google & The Pirate Bay
: Dokus in ARTE-Mediathek: Google & The Pirate Bay Gestern lief auf ARTE ein Themenabend zum Internet. Die beiden Dokumentationen „Google und die Macht des Wissens“ und „TPB – The Pirate Bay: Away from keyboard“ kann man die nächsten Tage noch in der Mediathek anschauen:
-
: Das französische Paradox
: Das französische Paradox
Ein französisches Paradox gibt es nicht nur in Sachen Mittelmeer-Diät und Lebensstil. Auch im digitalen Bereich schaffen es die Franzosen, nicht immer ganz kohärent zu sein. Vor nur wenigen Tagen wurde bekannt, dass Frankreich das Prinzip der Netzneutralität gesetzlich verankern will.Der französische Rat für die digitale Agenda CCNum veröffentlichte Mitte März eine kurze Empfehlung, begleitet von einem 67-seitigen Bericht (pdf, FR). Die Stellungnahme des CCNum beschränkt sich zunächst darauf, das Prinzip der Netzneutralität gesetzlich zu sichern – ohne sofort eine effektive Rechtsdurchsetzung vorzuschlagen. Konkret möchte der Rat Artikel 1 des Kommunikationsfreiheitsgesetzes von 1986 mit dem folgenden Text ergänzen:
Die Neutralität der Kommunikationsnetze, der Infrastruktur, der Zugangsdienste und der öffentlichen elektronischen Kommunikationsdienste garantiert, dass Informationen und Mittel der Meinungsäußerung zu nicht diskriminierenden, gerechten und transparenten Bedingungen zugänglich sind.
Nach den Niederlanden und Slowenien könnte unser Nachbarland nun also zum dritten europäischen Staat werden, der eine Diskriminierung von Inhalten oder Diensten im Internet verbietet.
Allerdings passt dies nicht so ganz mit den französischen Überlegungen zur Bekämpfung unliebsamer oder illegaler Inhalte zusammen. Die französische Regierung liebäugelt seit einiger Zeit schon mit einer recht paradoxen Lösung: Amerikanische IT-Riesen einfach mit der Wahrung französischer Werte und Kultur sowie der Durchsetzung politischer Ziele beauftragen.
-
: Internet-Zensur in Russland weitet sich aus: Politische Gegner, Mein Kampf, Glücksspiel, Bestechung und Cartoons
: Internet-Zensur in Russland weitet sich aus: Politische Gegner, Mein Kampf, Glücksspiel, Bestechung und Cartoons In Russland werden immer mehr Webseiten zensiert, wie aus einer Auflistung im Februar gesperrter Seiten hervorgeht. Das zugrundeliegende Gesetz sollte nur Kinderpornografie, Drogenkonsum und Suizid-Anleitungen sperren, doch es betrifft immer harmlosere Inhalte. Auch westliche Internet-Firmen kooperieren mit der russischen Zensurbehörde.
-
: Verhandlungsmandat geleakt – TAFTA ist auf bestem Weg ACTA 2.0 zu werden
: Verhandlungsmandat geleakt – TAFTA ist auf bestem Weg ACTA 2.0 zu werden Vor kurzem hatten 45 Organisationen gemeinsam dazu aufgerufen, im angekündigten transatlantischen Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU (TTIP, auch als TAFTA bekannt) aus den Fehlern bei ACTA zu lernen und Regelungen bezüglich „geistigen Eigentums“ außen vor zu lassen – leider ohne Erfolg, wie das geleakte Verhandlungsmandat zeigt:
The Agreement shall cover issues related to intellectual property rights
Nachdem letztes Jahr hunderttausende Europäer gegen das geheim verhandelte ACTA-Abkommen demonstriert und es schlussendlich gestoppt haben, droht nun ein neuer Anlauf in Form von TAFTA, veraltete Bestimmungen zu „geistigem Eigentum“ in Beton zu gießen und so dringende Reformen unmöglich zu machen. „Derartige Bestimmungen könnten unser Recht auf Gesundheit, Kultur und freie Meinungsäußerung behindern“, kritisiert das Bündnis aus Nichtregierungsorganisationen (NGOs) von beiden Seiten des Atlantiks und forderte, alle Bestimmungen bezüglich Patenten, Urheberrechten, Marken, geografischen Angaben oder anderen Formen des sogenannten “geistigen Eigentums” bei den Verhandlungen zu TAFTA auszuklammern und die Verhandlungen transparent und demokratisch zu gestalten.
Nichts von ACTA gelernt?
-
Geheimdienste: BND überwacht drei Millionen Telekommunikationsverkehre im Jahr, einmal täglich auch etwas Relevantes
Geheimdienste: BND überwacht drei Millionen Telekommunikationsverkehre im Jahr, einmal täglich auch etwas Relevantes Der Bundesnachrichtendienst hat im Jahr 2011 fast drei Millionen Telekommunikationsverkehre strategisch abgehört. Das geht aus einem Bericht des Parlamentarischen Kontrollgremiums hervor. Auch Verfassungsschutz und Militärischer Abschirmdienst überwachen Verdächtige: bei Telekommunikations- und Finanzunternehmen, aber auch mit IMSI-Catchern.
-
: Europäische Datenschutzbehörden ergreifen Maßnahmen gegen Googles Datenschutzbestimmungen
: Europäische Datenschutzbehörden ergreifen Maßnahmen gegen Googles Datenschutzbestimmungen Die Artikel-29-Datenschutzgruppe, ein unabhängiges Beratungsgremium der Europäischen Kommission in Fragen des Datenschutzes, hatte von März bis Oktober 2012 Googles neue Datenschutzbestimmungen daraufhin geprüft, ob sie die Anforderungen der europäischen Datenschutz-Richtlinie (95/46/EG) erfüllen. Unter der Federführung französischen Datenschutzaufsichtsbehörde Commission nationale de l’informatique et des libertés (CNIL) erarbeiteten Vertreter der europäischen Datenschutzbehörden einen Bericht, in dem sie Google u.a. dazu auffordern, den Anwendern mehr Kontrolle über die Nutzung ihrer Daten durch die verschiedenen Google-Dienste zu gewähren. Weiterhin forderten die Datenschutzbehörden das Unternehmen dazu auf, ihren Empfehlungen innerhalb von 4 Monaten nachzukommen.
Heute veröffentlichte das CNIL eine Pressemitteilung, aus der hervorgeht, dass Google keine nennenswerten Maßnahmen unternommen hat, um dem nachzukommen. Am 19. März hatten sich Vertreter der Datenschutzbehörden aus Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien, Großbritannien und den Niederlanden mit Google Vetretern getroffen, doch auch nach diesem Treffen sei weiter nichts geschehen.
Da die Analyse der Artikel-29-Datenschutzgruppe nun abgeschlossen ist, liegt es nun an den einzelnen nationalen Datenschutzbehörden, Maßnahmen zu ergreifen.
-
: Citizen Lab Bericht: Tibetische Aktivisten erneut mit gezielten Android-Trojanern ausspioniert
Android Berechtigungen der richtigen und der infizierten App. : Citizen Lab Bericht: Tibetische Aktivisten erneut mit gezielten Android-Trojanern ausspioniert Tibetische Aktivisten wurden bereits mit mehreren Android-Trojanern gezielt angegriffen und ausspioniert. In einem neuen Bericht analysiert das Citizen Lab einen Trojaner, der Kontakte, Anruflisten und SMS-Nachrichten abhört. Staatliche Trojaner existieren für alle verbreiteten Betriebssysteme, der Infektionsweg ist dabei häufig per E‑Mail.
-
: Hackerspaces in arabischen Ländern: Crowdfunding für Dokumentarfilm
: Hackerspaces in arabischen Ländern: Crowdfunding für Dokumentarfilm Die französischen Journalistinnen Sabine Blanc und Ophélie Noor wollen eine Dokumentation über Hackerspaces in arabischen Ländern produzieren: „Les hackers dans la cité arabe“. Unter der Fragestellung „Wie verändern diese Hackerspaces die Gesellschaften ihres Landes?“ reisten sie bereits nach Algerien und Ägypten und bloggten darüber. Tunesien, Libanon, Irak und Marokko stehen noch auf der Liste, hierfür läuft eine Crowdfunding-Aktion bei Kisskissbankbank, die am Freitag ausläuft. Etwas mehr als 6000€ fehlen noch, 12.000€ ist als Ziel definiert. Die Dokumentation wird foto- und textbasiert sein, mit Videos bei wichtigen Interviews und einigen DIY Tutorials und soll bestenfalls auch auf Englisch und Arabisch produziert werden. Erscheinen soll sie im Juni diesen Jahres.
Under the ruins of dictatorships and civil wars, some men and women are trying to rebuild their communities: from political and educational systems to the infrastructures, or the local economy, the tasks are as big as their inquisitive and creative minds. Our webdocumentary will also try to show to what extent hackers in countries that have not been through a revolution yet are preparing for change. It will also question the definition of a hacker from one region to another, from one person to the next.