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Montag, 18. Dezember 2006

Berichte vom IT-Gipfel der Bundesregierung

Hier ist der Live-Stream von den öffentlichen Teilen (der nächste um 15:00). Phoenix wird um 17:00 berichten, u.a. von Merkels Rede und der Diskussion mit den Studenten.

Die studentischen Podcasts vom Hasso-Plattner-Institut scheinen vor allem die Firmenbosse wiederzugeben und ansonsten ihr Institut zu vermarkten - es gibt massig Einträge mit dem Titel “HPI-Studenten richten ein persönliches Statement an die Bundeskanzlerin Frau Dr. Merkel”. Die Kanzlerin kommt allerdings selber erst am Mittag nach Potsdam.

Heise berichtet von der Eröffnung. Angela Merkel hat offenbar nichts verpasst. Kurz die schlimmsten Highlights: Hasso Plattner (SAP) fordert Atomkraft für Serverfarmen und dass Reichtum als cool angesehen wird. Matthias Platzeck sagt, dass wir uns wieder “in den Fortschritt verlieben” müssen. Bitkom-Präsident Willi Berchtold will Embedded Systems, Biometrie, IT-Services, mobiles Fernsehen und DRM, dazu von der Bundesregierung die “verstärkte Bereitstellung von Finanzmitteln”. Bei den Nenngrößen für die Branche nannte er “die Anzahl an Patenten”. Michael Glos will den Mittelstand fördern (der allerdings nicht eingeladen wurde).

Die FSFE hat fix auf die DRM-Vorschläge der BITKOM reagiert.

Nach den Grünen haben auch die anderen Oppositionsfraktionen im Bundestag das Thema jetzt entdeckt. Der Linkspartei-Abgeordnete Michael Leutert kritisiert,

dass ” wieder mal nur ein elitärer Kreis aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik eingeladen wurde”. Spätestens mit dem Erfolg von web 2.0 müsste auch der Bundesregierung klar sein, dass erfolgreiche Innovationen in der Informationsgesellschaft nicht durch eine Politik im kleinen Zirkel befördert werden.

Die technologiepolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, Ulrike Flach, hält den IT-Gipfel für “reine Show”, ist sich aber offenbar nicht sicher, was man besser machen sollte. Einerseits wird der Gipfel als “Staatsaktivismus” kritisiert, andererseits endet sie mit der Forderung, dass “der IT-Gipfel vor allem zu Vereinbarungen mit den Ländern und Kommunen über die Modernisierung der Schulen und Verwaltungen führen” müsse.

Die dpa-Meldung zum Gipfel geht ebenfalls kaum auf Inhalte ein. Erwähnt werden lediglich der Fachkräfte-Mangel in Deutschland, die geplante Milliardenföderung der Bundesregierung und die Kritik des Bundesdatenschutzbeauftragten. Zum letzten Punkt: Noch mehr Datenschützer beschweren sich darüber, dass sie nicht einbezogen wurden.

Die Pressemitteilung der Bundesregierung ist noch inhaltsleerer: “Ziel ist es, den Technologie-Standort Deutschland zu stärken und die Weichen für mehr Wachstum und Beschäftigung zu stellen.”

Die Welt geht kurz auf das Gezerre hinter den Kulissen im Vorfeld des Gipfels ein, “inwieweit politische Versäumnisse der Bundesregierung beim Namen genannt werden dürfen”, und schließt ganz trocken mit der Feststellung:

Der IT-Gipfel findet am Hasso-Plattner-Institut der Universität Potsdam statt. Es ist das bisher einzige deutsche Uni-Institut, das sich vollständig privat finanziert. Möglicherweise ist dies das wichtigste Signal, das die Bundesregierung senden will.

Ein konkretes Projekt wurde am Rande des Gipfels angekündigt: Angela Merkel plant einen einheitlichen Notruf 115 bei Behördenärger. Ob man da auch fragen kann, warum die Vorbereitung des IT-Gipfels so abgeschottet gelaufen ist und sich auf wenig innovative Themen bezieht?

Ausserdem berichtet eine dpa-Meldung über die “Jugendschutz”-Erkenntnisse des von AOL gegründeten “Sicherheitsrates”, die heute morgen vorgetragen wurden und mal wieder technische Filterlösungen statt Erhöhung der Medienkompetenz vor sich her tragen.

In eigener Sache: Neben Markus Beckedahl ist heute auch Olga Drossou zur Kritik der Zivilgesellschaft am Gipfel interviewt worden.

Den schönsten Kommentar bringt übrigens die Financial Times Deutschland, die sich grundsätzlich mit dem “Gipfelchen”-Unwesen der deutschen Politik auseinandersetzt:

Merkels Gipfelpolitik produziert nicht nur viele schöne Fototermine, sie setzt auch eine bereits unter ihrem Vorgänger Gerhard Schröder (SPD) erprobte Herrschaftsmethode auf höherer Ebene fort. Während Schröder die Arbeit des Gesetzgebers an Kommissionen und runde Tische ausgliederte, lässt Merkel diese Aufgaben von Arbeitsgruppen und Elefantenrunden erledigen. Die Abgeordneten müssten eigentlich Sturm laufen gegen ihre schleichende Entmachtung. Entscheidungen werden nicht mehr im Parlament getroffen, sondern von der Regierung im Einvernehmen mit Lobbygruppen oder den Koalitionsspitzen. Die Abgeordneten dürfen die Beschlüsse der Spitzentreffen nur noch durchwinken. Eine “Krise des Parlamentarismus” nannte der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Hans-Jürgen Papier, diesen Zustand treffend. Die Abgeordneten scheint es nicht zu stören, sie halten still.

Update: Heise hat jetzt auch eine Zusammenfassung der Ergebnisse.

Mittwoch, 15. November 2006

Birmingham: Kompetenzzentrum für offene Standards gegründet

In Ländern wie Finnland, Indien oder den USA gibt es bereits nationale Denkschmieden, die sich mit Open Source und offenen Standards befassen. Nun wurde auch in Großbritannien ein Kompetenzzentrum gegründet. Das “National Open Centre” (NOC) soll der britischen Strategieentwicklung in den sich ergänzenden Bereichen Open Source und offene Standards eine Heimat bieten.

Das NOC will mit Organisationen und Einzelnen zusammenarbeiten, um eine Expertengruppe zu schaffen, die regelmäßig auf Kernprobleme aufmerksam macht, als Ratgeber auf wichtige Informationsquellen hinweist und auch Veranstaltungen organisiert und anbietet.

Die Gründungspartner des NOC sind das National Computing Centre, sowie der Stadtrat von Birmingham und die von ihm geleitete Digital-Birmingham-Initiative. Open-Source-Projektpartner sind OpenAdvantage, welche mit der University of Central England und Midland Open Source Technologies zusammenarbeitet.

Freitag, 10. November 2006

Brasilien übertrifft China bei Klartextnamenszwang (fast)

Nicht nur bloggende Chinesen müssen sich im Internet bald mit Realnamen registrieren, auch in Brasilien wäre es beinahe so, oder noch einen Zacken schärfer gekommen:

Die Kommission für Verfassung und Justiz des Senats in Brasilien hat am Mittwoch den umstrittenen Gesetzentwurf 124/06 noch vor seiner Debatte zurückgezogen. Er forderte die persönliche Identifizierung der Internetnutzer und drohte bei Nichtbeachtung mit Knaststrafen von einem bis zu vier Jahren. Das Projekt des Sozialdemokraten Eduardo Azeredo hatte Kritikstürme ausgelöst. [...] Mit dem Gesetz wären alle Internetnutzer unter Generalverdacht gestellt worden. Unter Androhung von Haftstrafen bis zu drei Jahren hätte sich jeder gegenüber dem jeweiligen Provider mit Name und Adresse identifizieren müssen, bevor er eine Email verschicken, einen Chatroom besuchen oder einen Blog betreiben kann. Die Provider hätten die Daten zunächst prüfen müssen, bevor sie dem Nutzer ihren Service anbieten dürften. Diese Daten sollten mit den Verbindungsdaten drei Jahre für die Polizei vorgehalten werden. Die Provider sollten für die Echtheit der Daten haftbar sein und bestraft werden können, wenn der Gesetzesbrecher nicht ermittelbar wäre.

Herb. Dabei sind die Brasilianer doch sonst viel besser drauf, so als Open Source Nation. Jetzt muss man da wohl differenzieren nach guten und bösen Abgeordneten. Oder nach Regierungen, die sowas rechtzeitig ablehnen und die Zivilgesellschaft an der unausweichlichen Debatte beteiligen wollen.

[gesehen gestern bei Telepolis]

Mittwoch, 4. Oktober 2006

Wer braucht schon Computer in Schulen?

Die Netzeitung berichtet: Deutschlands Lehrer mehrheitlich PC-Muffel

Deutsche Lehrer setzen im Vergleich zu ihren europäischen Kollegen im Unterricht nur sehr selten Computer ein. Wie die Europäische Kommission in einer Studie ermitteln ließ, hat fast jeder vierte Lehrer im vergangenen Jahr kein einziges Mal einen Computer im Unterricht genutzt. Von den übrigen 78 Prozent nutzten deutlich mehr als die Hälfte die Rechner nur sehr selten; in höchstens einer von zehn Stunden, berichten die «Ruhr Nachrichten».

Die gute Nachricht ist ja, dass diese Lehrer mehrheitlich in den nächsten zehn Jahren in Rente gehen. Die schlechte Nachricht ist, dass bis dahin eine Generation Schüler nicht wirklich in digitaler Medienkompetenz unterrichtet und auf das digitale Zeitalter vorbereitet wurden.

The big DRM mistake

Im Register gibt es einen lesenswerten Kommentar über “The big DRM mistake - It just doesn’t make sense…“. Der Autor verarbeitet dort seine Erfahrungen als Konsument mit DRM geschützt Werken und fragt ausführlich nach dem (Un-)Sinn mit guten Argumenten.

DRM has wormed its way into the imaginations of Hollywood, the RIAA, and publishers, and they in turn have convinced the computer industry (who, it must be admitted, needed little convincing) that DRM must be applied and supported throughout their products. To The New Yorker, I’m sure that DRM made lots of sense. In reality, though, it doesn’t. DRM has angered this customer (and many others), eviscerated my Fair Use rights, ultimately rendered the money I spent moot, and it can still be copied anyway! Where does that leave the publisher? It sounds to me like we were both - consumer and publisher - sold a bill of goods. Welcome to the future!

Salon.com über den Kampf um Netzneutralität

Sehr ausführlich berichtet der Salon.com Artikel “The telecom slayers” über den politischen Kampf in den USA um Netzneutralität:

In the Capitol Hill battle over Net neutrality, a ragtag army of grass-roots Internet groups, armed with low-budget videos, music parodies and petitions, have the corporate telecoms, and their allies in Congress, on the run.

Montag, 2. Oktober 2006

Vorlauf zum “Tag gegen Kopierschutz”

Morgen ist der “Day against DRM”. Dieser Tag wurde von der Defective by Deisgn Kampagne ausgewählt, um weltweit den Protest und die Kritik an DRM/Kopierschutz zu bündeln. Leider an einem Tag, wo wir hier in Deutschland nicht mit Apple-Stores rumspielen dürfen. Aber vielleicht gibts ja doch noch was…

Heute berichtet aber schon die Futurezone: Vorlauf zum “Tag gegen Kopierschutz”.

3sat neues zu Besuch

Gerade war “3sat - neues” hier und hat mich zum Thema “nach Hause telefonieren / Spyware” in Zusammenhang mit Verbraucherrechten befragt. Das Ergebnis wird u.a. am Sonntag um 16:30 Uhr gesendet.

Der Einbruch in den PC

Die Nutzung des Internets und damit auch die Nutzung des PCs gewinnen immer mehr an Bedeutung. Kaum ein Haushalt ist mehr ohne einen eigenen Rechner. Doch aufgrund der schnellen Verbreitung und der nicht vorhandenen Transparenz der Betriebssystems Windows XP und demnächst auch VISTA steigt auch die Gefahr der Datenspionage. Im Hintergrund telefonieren die Systeme teilweise selbständig und ohne das Wissen der Nutzer mit irgendwelchen Servern. Schlimmer noch sind Angriffe auf passwortgeschützte Privatbereiche, die der User ebenfalls nicht bemerkt. neues zeigt was im Hintergrund des PCs passiert!

Freitag, 29. September 2006

Neu im Angebot: Die elektronische Ausländerkarte

Jeder Tag mal was neues. Die elektronische Ausländerkarte hatten wir noch nicht. Aber bald schon, denn die Bundesregierung hält sie für eine tolle Idee. Und warum? Na, ist doch klar: It´ s the Industriepolitik, stupid. War doch auch schon bei den biometrischen Pässen und den meisten anderen Karten so.

Mit einer elektronischen Ausländerkarte, die vom Umfang her einer digitalen Aufentshaltsgenehmigung entspricht, aber auch biometrische Merkmale wie Bild und Fingerabdruck enthalten soll, würde Deutschland innerhalb der EU eine Vorreiterrolle spielen. Denn eine solche Karte ist innerhalb der EU-Konsultationen noch nicht über das Entwurfsstadium hinausgekommen. “Industriepolitisch ergibt die Karte eine Menge Sinn. Derjenige, der zuerst kommt, setzt die Standards. Und der Sicherheitsbereich ist eine große Wachstumsindustrie”, führte Hanning weiter aus. Außerdem sei dem Bürger nicht vermittelbar, wenn im Kampf gegen den Terror die schnelle Identitätsüberprüfung nur bei deutschen Staatsbürgern möglich sei.

Donnerstag, 28. September 2006

Chaosradio 117 zu Wahlcomputer online

Die gestrige Chaosradio-Show Nr. 117 zum Thema “Wahlcomputer” ist mittlerweile online zum Download verfügbar. Die Sendung ist drei Stunden lang und die MP3-Datei ist 162 MB gross.

 

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