Datenschützer sind die Dinosaurier des technologischen Zeitalters?

Eine diskussionswürdige These, die der Medienwissenschaftler und “Zukunftsforscher” Bernd Flessner in einem Zeit-Interview vertritt: “Datenschutz ist antiquiert”

ZEIT online: Sind Datenschützer somit die Dinosaurier des technologischen Zeitalters?

Flessner: Sie sind hoffnungslos antiquiert. Sie bestätigen die These von Günther Anders von der Antiquiertheit des Menschen. Datenschutz ist ein aussterbendes Genre.

ZEIT online: Wir sollten also besser lernen, mit Überwachung zu leben?

Flessner: Ja. Denn sie findet auf jeden Fall statt. Wir sollten lernen, in einer Welt, in der die Observosphäre ein Teil der Technosphäre ist, zu leben und zu überleben. Einen Big Brother wird es auf keinen Fall geben, aber dafür sehr viele davon: Big Brothers are watching you, müsste es korrekt heißen. Und zu den Überwachern wird auch der Nachbar zählen. Wir alle werden uns in irgendeiner Form an dieser Observosphäre beteiligen, werden diese Technologie im Kleinen nutzen können.

[...]

ZEIT online: Bedeutet das nicht das Ende der Demokratie?

Flessner: Es ist auf jeden Fall einer ihrer vielen Totengräber. Demokratie wird zu einem Auslaufmodell. Und diejenigen, die eine solche Obersvosphäre schaffen, arbeiten an ihrem Untergang mit. Egal, wie sie das begründen, ob durch die Jagd auf Terroristen oder damit, dass unser Leben dadurch so viel bequemer wird.

[via]

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7 Kommentare

  1. ninjaturkey
    Erstellt am 9. Januar 2008 um 12:23 | Permanent-Link

    Ja klar, und Menschenwürde und bürgerliche Rechte sind in Zeiten allgegenwärtiger Terrorgefahr ebenso ein Anachronismus wie die Sozialgesetze in einem globalen, kapitalistischen Wirtschaftssystem.

    Herr Flessner argumentiert ohnehin ein wenig konfus. Einerseits ist die Klage gegen die VDS vor dem BVG ein “hoffnungsloses Unterfangen”, gegen Ende der “Interviews” empfiehlt er aber gerade diese Vorgehensweise.

    Zeit-Online hatte schon mal bessere Artikel.

  2. erlehmann
    Erstellt am 9. Januar 2008 um 13:46 | Permanent-Link

    ui, günther a. hatte ich aber anders in erinnerung. ;) der war doch durchaus politisch engagiert – sollte sich herr flessner vllt. jemand anderen suchen, den er zitieren kann ?

  3. Erstellt am 9. Januar 2008 um 20:10 | Permanent-Link

    Laut der oben verlinkten Personeninformation war Herr Flessner bereits für den Deutschen Science-Fiction-Preis nominiert … da hat der ansonsten sehr engagierte Kai Biermann von Zeit Online mal kräftig daneben gegriffen.

  4. Erstellt am 9. Januar 2008 um 22:03 | Permanent-Link
  5. Erstellt am 9. Januar 2008 um 22:05 | Permanent-Link

    quelle ganz gelesen?

  6. Erstellt am 9. Januar 2008 um 22:44 | Permanent-Link

    Natürlich, aber du hast recht: Der bisherige Artikel von mir war zu kurz. Ich habe es ergänzt.

  7. Erstellt am 4. November 2008 um 10:28 | Permanent-Link

    Solange wir alle vom Geld regiert werden, werden alle ge-
    zwungenerweise auch alle technischen Möglichkeiten nutzen
    um uns Vorteile zu verschaffen. Ich bin nicht glaubens-
    gebunden, aber viele dort empfohlenen Verhaltensregeln (ganz gleich welcher Religion) sind für alle Gesellschaf-ten brauchbar.
    Menschen sollen sich selbst Regeln schaffen um mit Umwelt,
    neuesten technischen Erkenntnissen und eigenem Gewissen klarzukommen.
    Dann erübrigt sich auch der Datenschutz.

4 Trackbacks

  1. Von mein-parteibuch.com » Observosphäre am 9. Januar 2008 um 17:43

    [...] dessen Ähnlichkeit zum Begriff Blogosphäre sicher rein zufällig ist, traktiert. (via und) Bookmarken: [Trackback URI]    [...]

  2. [...] Netzpolitik.org [...]

  3. Von longtail - Leere Signifikanten am 9. Januar 2008 um 23:25

    [...] mal einen Test machen und uns diesen Artikel betrachten: “Datenschutz ist antiquiert” (via, via). Darin bejaht der Interviewte Bernd Flessner (Profil hier), die Frage, ob Datenschützer zu [...]

  4. Von Jahresrückblick 2008 : netzpolitik.org am 24. Dezember 2008 um 20:10

    [...] “Zukunftsforscher” ernennt Datenschützer zu den Dinosaurier des technologischen Zeitalters. Etwas vorschnell, wie der Rest des Jahres zeigen [...]

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