Liebe Leser:innen,
seitdem nicht nur Politiker:innen wie Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt oder Digitalminister Karsten Wildberger dabei erwischt wurden, dass sie mutmaßlich ganze Reden und Gastbeiträge von Chatbots generieren ließen, sondern auch hochkarätige Journalisten wie Ex-Tagesspiegel Herausgeber Stephan-Andreas Casdorff, hat die Debatte um KI im Journalismus an Fahrt aufgenommen. Ihr findet sie bei uns aktuell in mehreren Tickern abgebildet, die unterschiedliche Aspekte des Themas beleuchten.
Besonders betroffen gemacht hat mich Casdorffs Begründung für seinen extensiven KI-Einsatz (wohl mehr als 50 nicht sonderlich einfallsreiche Texte aus der Feder des Chatbots): Neben Faszination für die Technologie spielte auch ein von ihm wahrgenommener Druck eine Rolle, möglichst viel zu publizieren.
Das verweist auf ein Mindset, das den Vormarsch der KI so begünstigt: Es gibt nicht nur starke wirtschaftliche, sondern auch soziale und psychologische Anreize, möglichst viel zu kommunizieren. Vom Thought Leader auf LinkedIn über den meinungsstarken Journalisten bis zum Politiker, der auch nochmal etwas zu einer Debatte sagen muss: Hauptsache immer auf Sendung sein und irgendwas raushauen, die Qualität ist zweitrangig.
Inflation bedeutet aber immer Entwertung. Die aktuelle KI-Kommunikationsflut entwertet das Wort an sich und damit die Grundlage des politischen Diskurses.
In diesem Sinne: Abschalten nicht vergessen!
Euer Ingo

Schreibe eine Ergänzung!