Neues aus dem Fernsehrat (71)Falschaussagen in Mediatheken korrigieren

Eine Folge „Markus Lanz“ wurde wegen einer falschen Tatsachenbehauptung eines Gasts in der Mediathek um zwei Minuten gekürzt. Im Video selbst ist das kaum erkennbar. Nicht nur dieser Fall zeigt, dass es einen transparent nachvollziehbaren Prozess für die Korrektur von Falschbehauptungen in Mediatheken braucht.

Seit Juli 2016 darf ich den Bereich „Internet“ im ZDF-Fernsehrat vertreten. Was liegt da näher, als im Internet mehr oder weniger regelmäßig Neues aus dem Fernsehrat zu berichten? Eine Serie.

Das Problem, dass über Medien Falschaussagen verbreitet werden, ist kein neues. In Deutschland gibt es landesgesetzlich bzw. via Rundfunkstaatsvertrag geregelte Ansprüche auf Gegendarstellung bei falschen Tatsachenbehauptungen. Traditionellerweise wird so eine Gegendarstellung zu einer nachweisbar falschen Aussage in vergleichbarer Aufmachung wie die Falschbehauptung veröffentlicht.

Bei Inhalten in öffentlich-rechtlichen Mediatheken kommt jetzt aber der Umstand hinzu, dass diese nach Ausstrahlung einer Sendung langfristig weiterhin öffentlich zugänglich gemacht werden. Wie also mit Falschbehauptungen von Gästen im Rahmen von politischen Talkshows umgehen, die noch lange in der Mediathek verfügbar sind? 

Zumindest beim ZDF gibt es hierfür noch keine einheitliche und etablierte Vorgehensweise, wie sich am Beispiel der Talkshow „Markus Lanz“ illustrieren lässt. Seit kurzem findet sich in der Mediathek unter dem Video zur Sendung vom 2. Dezember 2020 folgender Hinweis:

In der Sendung „Markus Lanz“ vom 2.12.2020 wurde im Gespräch zwischen Markus Lanz und Dr. Carsten Linnemann behauptet, Starbucks Deutschland habe staatliche Hilfen zum Ausgleich wegfallender Umsätze aus den Corona-Programmen der Bundesregierung erhalten. Dies stimmt jedoch nicht. Da wir von Starbucks auf diesen Fehler hingewiesen wurden, haben wir diesen Teil des Gesprächs in der Online-Fassung für die ZDF-Mediathek entfernt.

Der Schnitt ist bei Minute 55:20 im Video erkennbar. Dem Wortlaut nach wurde diese Stellungnahme und Kürzung nicht auf Basis einer formalen Gegendarstellung sondern durch das ZDF in Eigenregie vorgenommen. Es gibt in der Mediathek aber auch ein Beispiel für eine formale Gegendarstellung, und zwar zur Sendung „Markus Lanz“ vom 08. September 2020, dessen Video nicht mehr online verfügbar ist. Bis heute ist allerdings die von einem AfD-Politiker angemahnte Gegendarstellung zur Sendung als eingebetteter Scan in der Mediathek verfügbar

Beide Formen der Korrektur halte ich für suboptimal, weil sie vom Beitrag selbst entkoppelt sind. Vor allem die Kürzung der Passage ohne entsprechenden Hinweis im Video, zum Beispiel in Form einer Einblendung, scheint mir problematisch. Und verwunderlich: einzelne Passagen in Mediathek-Inhalten durch Standbilder zu ersetzen, gehört schließlich zum Standardrepertoire von Mediatheken wenn es um Geoblocking oder fehlende Rechte geht:

Jedenfalls werde ich in der nächsten Sitzung des Ausschusses Telemedien im ZDF-Fernsehrat ansprechen, wie ein transparent nachvollziehbarer Prozess für den Umgang mit Korrektur von Falschaussagen in öffentlich-rechtlichen Mediatheken aussehen könnte. 

13 Ergänzungen

  1. Genau so ! Alles andere ist in meinen Augen Zensur.
    Es handelt sich ja hier um eine Talkshow und nicht um eine offizielle Regierungsverlautbarung und selbst die müsste kommentiert werden.
    Jede andere ( viel wichtigere ) Gegendarstellung kommt sonst im Kleingedruckten 10 Tage später auf Seite 8 ;-)

    1. Nein, mit Zensur hat das nichts zu tun. Dann wäre die Aussage stillschweigend entfernt worden und dieser Artikel wäre auch schnell wieder verschwunden.

      Vielleicht mal schlau machen, was Zensur wirklich bedeutet, statt das Wort einfach so in den Raum zu werfen.

  2. Das Framing im ÖRR hat in diesem Jahr nochmals zugenommen. Da werden Tatsachen verdreht, weggelassen, oder in einem anderen Kontex zusammengefasst, so das der Zuschauer nicht mitbekommt, was wirklich passiert ist. Wenn man sich dann bei unabhängigen, freien Journalisten informiert und diese Tatsachen vergleicht, kommt man zu dem Schluss, wie im ÖRR vorsätzlich gelogen und betrogen wird um Angst zu schüren und die Bevölkerung auf das Kommende einzuschwören. Regierungstreuer Journalismus nennt man das, wenn keine Kritik zugelassen wird. Das in den Einheitsmedien vereinzelt kritische Beiträge gesendet werden, fällt nicht ins Gewicht, da sie eh sehr spät ausgestrahlt werden und dadurch nur ein geringes Publikum erreichen (ARTE, ARD, ZDF), mann könnte es auch mit Zuckerbrot und Peitsche vergleichen,

      1. Einfach mal so rausgehauen. „Unabhängige, freie Journalisten“ sind dann vermutlich Ken Jebsen und Heiko Schrang. Wundert mich nur, dass in diesem Kommentar die Wörter Staatsfunk und Zwangsgebühr fehlen, sonst hätte es Copy-Paste von Telegram sein können.

  3. Wenn man liest, das bei Lanz das Studiopublikum gekauft ist, um die Linientreue zu halten, dann wundert es mich nicht mehr, dass Millionen Gebührenzahler eben diese verweigern und dieses Staatsfernseh mit seiner Manipulation nicht finanzieren möchten.
    Die Firma „Fernsehmacher“ die diese Sendung produziert, wirb damit, ein maßgeschneidertes Wunschpublikum in kürzester Zeit zu generieren mit zielgruppenspezifischen Merkmalen, sagt ja wohl alles, wer in den Sendungen klatsch.
    Bei Stellwerk Jobportal der Hamburger Hochschulen findet man dies für 15- 20 € pro Aufzeichnung.
    Es wird auch keine kritischen Zwischenrufe geben. Diese Beschneidung von Livesendungen ist ja auch schon bei Maaß und Reitschuster und Anderen passiert. Also sind es keine Livesendungen, sondern nur Aufzeichnungen, die als Live verkauft werden.

  4. Wichtig finde ich, dass die Original-Aussage in einem Mediathekbeitrag erkennbar bleibt, sodass jede:r nachvollziehen kann, was und wie etwas gesagt wurde. Daraus folgt, dass die Kennzeichnung der falschen Behauptung direkt am Material erfolgen muss.

    Ich schlage im Bild eine Textzeile ähnlich einer Eilmeldung vor und würde dazu die Tonspur mit einem kommentierenden Voice-Over ausstatten, damit sie nicht einfach herausgeschnitten und ohne Kontext weiterverwendet wird. Gut wäre eine Quellenangabe, damit Zuschauer:innen selbst nachprüfen können sowie ein Eintrag auf der sendereigenen Korrekturen-Seite (beim ZDF beispielsweise https://www.zdf.de/nachrichten/heute/korrekturen-104.html )

    @Tilobi „Vorsätzlich gelogen“ und „regierungstreu“? Kritische Beiträge nur „Zuckerbrot“? Anscheinend gucke/höre ich einen anderen öffentlich-rechtlichen Rundfunk als Sie. Und lese andere „unabhängige, freie Journalisten“.

  5. Ich würde mir schon ganz gerne selber ein Bild machen ob eine Aussage eine Falschaussage ist.
    Inhaltlich wird in diesem Spiegelartikel
    (https://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/coronakrise-wirtschaftsweiser-findet-hilfen-fuer-den-handel-zu-hoch-a-92d197a4-f189-4a0f-a68a-a2b0c9492dd8)
    dasselbe wie in der Lanzsendung behauptet.
    Der einzige Unterschied zwischen dem Spiegelartikel und dem Diskutant bei Lanz besteht in der Ansicht, das vor allem die großen Gastroketten (namentlich in der Sendung genannt > Starbuck) überproportional von den Hilfen profitieren und die kleinen Gastronomen eher wenig bekommen.
    Da kleine Unternehmen, Künstler und Freiberufler im Regelfall keine eigene Rechtsabteilung haben und niemanden mit entsprechenden Abschluss hauptberuflich mit Recherche und Beantragung zu den neusten Unterstützungen beschäftigen, eine nachvollziehbare Aussage.

  6. Vielen Dank für die Information bezüglich “ Fernsehmacher GmbH & Co.KG “

    Ich habe bis dato wirklich nicht gewusst das die Produktionsfirma auch noch das Publikum auswählt.
    Das erklärt natürlich einiges.

    Das Kandidaten, Themen, Moderation und Einspieler Framing und Manipulationen ermöglichen war mir schon klar, aber das selbst das Publikum gecastet wird. Respekt !
    Vielleicht ist das auch mal ein Fall für netpolitik.org

    – wie wird ausgewählt
    – gibt es eventuell schon einen Publikumspool
    – WARUM wird überhaupt ausgewählt( Da weiß ich die Antwort schon hi hi )

    Ich werde mich mal spaßeshalber bewerben ;-)

  7. Es kann ja sein, dass Starbucks bis dato keine Hilfen daraus erhalten hat.
    Aber wird Starbucks darum ansuchen und damit in der Zukunft welche erhalten? Das ist doch die interessante Frage und nicht, ob sie bis jetzt schon Geld daraus erhalten haben. Starbucks hat ja überhaupt nicht ausgeschlossen, dass es um Gelder ansuchen werde, sondern nur gesagt, dass sie keine (bis jetzt) erhalten haben.

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