Technologie

Airbus baut die „Eurodrohne“

Bis 2025 sollen europäische Rüstungskonzerne eine bewaffnungsfähige „Eurodohne“ entwickeln. Sie würde dann auch im zivilen Luftraum fliegen. Dafür fehlt es an einem Ausweichsystem. Das Verteidigungsministerium erwägt deshalb den Einbau „amerikanischer Technologie“.

Vorstellung eines nicht flugfähigen Modells der „Eurodrohne“ auf der ILA 2018 in Berlin. Alle Rechte vorbehalten Airbus

Seit Jahren arbeitet das Verteidigungsministerium an der Einführung bewaffneter Drohnen. Für den Übergang werden unbewaffnete Drohnen eines israelischen Herstellers geleast, die Bewaffnung soll der Bundestag zu einem späteren Zeitpunkt entscheiden. Ab 2025 will die Bundeswehr dann auf die „Eurodrohne“ umsteigen. Die „Eurodrohne“ ist ein Projekt der deutschen, französischen und italienischen Regierungen, dem sich später auch Spanien angeschlossen hat.

Noch in diesem Jahr soll über den Bau der „Eurodrohne“ endgültig entschieden werden. Am Dienstag hatte das Verteidigungsministerium mitgeteilt, dass für die Produktion „nur eine finale Fertigungsstraße“ eingerichtet wird. Nach derzeitigem Stand entsteht die Anlage bei Airbus. Der Rüstungskonzern soll als „zukünftiger Generalunternehmer“ bis April 2019 ein Angebot und einen detaillierten Programmplan vorlegen. Die Rüstungskonzerne Dassault Aviation (Frankreich) und Leonardo (Italien) könnten dann als Zulieferer beispielsweise Flügel, Antriebe oder Bordelektronik produzieren.

Erfahrungen aus anderen Drohnenprogrammen

Airbus ist außerdem Hauptvertragsnehmer des deutsch-israelischen Drohnenprogramms „Roter Baron“. Im Einsatzgebiet ist die Firma für die Instandhaltung zuständig. Die TechnikerInnen müssen deshalb in Israel wie die Bundeswehr an den „Heron TP“ ausgebildet werden, denn nach jeder größeren Reparatur oder Wartung im Einsatzgebiet werden die Drohnen von Airbus auf einen Prüfflug geschickt. Auch die unbewaffneten Drohnen „Heron 1“, mit denen die Bundeswehr in Afghanistan und in Mali fliegt, steuern PilotInnen von Airbus.

Die Bundesregierung geht „unverändert davon aus“, dass die Entwicklung einer serienreifen „Eurodrohne“ bis zum Jahr 2025 abgeschlossen ist. Bis dahin werden weitere Regierungen gesucht, die eine Abnahme garantieren. Die deutsche Luftwaffe will sieben Systeme (21 Luftfahrzeuge und 16 Bodenkontrollstationen) anschaffen, die spanische Luftwaffe beabsichtigt den Kauf von 15 Systemen.

Auf Betreiben der Bundesregierung wurde die „Eurodrohne“ als gemeinsames Rüstungsprojekt in die „Ständige Strukturierte Zusammenarbeit“ (SSZ) der Europäischen Union aufgenommen. Der spätere Betrieb der Drohne wird auf diese Weise mit zehn Prozent aus dem Europäischen Verteidigungsfonds gefördert. Neben den vier Entwicklerstaaten hat als erste Regierung die Tschechische Republik zugesagt, dem SSZ-Projekt beizutreten und ab 2025 Drohnen von Airbus zu kaufen.

Forschung mit Hochdruck

Zu den Anforderungen der Bundeswehr an die „Eurodrohne“ gehören Einsätze bei Tag und Nacht sowie „widrigen Witterungsbedingungen einschließlich vorhergesagter bzw. gemeldeter moderater Vereisung“. Sie soll außerdem gleichberechtigt mit der zivilen Luftfahrt verkehren. Zu den dringenden Problemen bei der Entwicklung gehört deshalb der Einbau eines Ausweichsystems – „Detect and Avoid“ – wie es für alle von Fluglotsen kontrollierten Lufträume vorgeschrieben ist.

Zwar forscht die Bundeswehr mit Hochdruck an einer solchen Technik und hat dafür eine Kooperation mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt begonnen. Das Verteidigungsministerium will sich nicht festlegen, ob tatsächlich ein deutsches Ausweichsystem in die „Eurodrohne“ verbaut werden kann. Wenn bis 2025 kein funktionierendes europäisches System entwickelt werden kann, könnte über die Einführung amerikanischer Technologie entschieden werden. Diese wurde jedoch für US-Luftfahrtregeln entwickelt. Laut einer Studie des Verteidigungsministeriums ist deshalb auch die „Übernahme amerikanischer Standards für Europa“ denkbar.

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