Technologie

Automatisches Ausweichen: Militärische Drohnen sollen bald neben zivilen Flugzeugen fliegen

Bisher fliegen militärische Drohnen in speziellen Bereichen, bald sollen sie auch im zivilen Luftraum fliegen dürfen. Rüstungskonzerne entwickeln dafür automatische Ausweichsysteme. Serienmäßig soll dies zuerst bei der „Eurodrohne“ umgesetzt werden, in Deutschland ist vielleicht die Spionagedrohne „Triton“ schneller.

Nicht flugfähiges Modell der bei der ILA in Berlin. Alle Rechte vorbehalten Airbus

Bis 2025 wollen die europäischen Rüstungskonzerne Airbus, Dassault und Leonardo die bewaffnungsfähige „Eurodrohne“ zur Serienreife entwickeln. Die Langstreckendrohne (MALE) soll dann von der Bundeswehr und anderen Armeen der EU geflogen werden. In Deutschland sind Militärdrohnen bislang ausschließlich in eigens reservierten Lufträumen unterwegs. Das könnte sich bald ändern: Die Eurodrohne soll uneingeschränkt in den sogenannten kontrollierten Luftraum integriert werden.


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Den Plänen zufolge wäre das unbemannte Flugzeug dann dem zivilen Luftverkehr gleichgestellt und würde auch der Kontrolle ziviler Fluglotsen unterworfen. Eine Voraussetzung für den Flug in zivilen Lufträumen ist jedoch der Einbau eines funktionsfähigen Ausweichsystems (See and Avoid, SAA oder Detect and Avoid, DAA). Die Drohnen sollen damit auf drohende Zusammenstöße in der Luft reagieren und automatische Flugmanöver einleiten.

Bislang nur manuelle Ausweichmanöver

Ein zuverlässiges oder gar zertifiziertes Ausweichsystem existiert laut Bundesregierung derzeit nicht. Ein System zur Vermeidung von Kollisionen ist aber notwendig, damit die Drohnen per Satellit außerhalb der Sichtweite gesteuert werden dürfen. Einen solchen in Europa bislang einmaligen Testflug haben die Rüstungskonzerne Thales und Leonardo im Rahmen eines EU-Projekts vorgenommen.

Herkömmliche Drohnen wie die von der Bundeswehr bestellte „Heron TP“ verfügen lediglich über ein Warnsystem für drohende Zusammenstöße (Traffic Alert and Collision Avoidance System, TCAS). Im Falle der „Heron“ gibt das TCAS vertikale Ausweichempfehlungen, die Drohne kann dann in den Steig- oder Sinkflug wechseln. Das Manöver muss aber von den PilotInnen der Drohne eingeleitet werden.

Warnungen kommen außerdem von einem Wetterradar, das auch in die „Heron“ der Bundeswehr eingebaut wird und Gewitterzellen erkennen soll. Zur Unterstützung sendet die „Heron“ außerdem Positions- und andere Flugdaten über ein über einen Transponder (Automatic Dependent Surveillance – Broadcast-System, ADS-B), darunter die Geschwindigkeit, Flughöhe und Kurs. Die Daten werden von der zivilen Flugkontrolle empfangen und die Lagedarstellung integriert. Auch Webseiten zur Verfolgung von Flugbewegungen werten die Transponder-Daten aus.

Verteidigungsministerium beauftragt Forschungen

Für die Nutzung militärischer Drohnen (auch für zivile Anwendungen) ist die Entwicklung eines automatischen Ausweichsystems also von entscheidender Bedeutung. Das Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) hat deshalb „experimentelle Untersuchungen“ zum Schließen dieser „Technologielücken“ beauftragt. Dabei geht es nicht um die Entwicklung eines kompletten SAA-Systems, sondern um die Untersuchung von dessen „Kernelementen“.

Logo des vom deutschen BMVg geführten Projekt „Enhanced Remotely Piloted Aircraft System Autonomy“. Alle Rechte vorbehalten EDA

Auf EU-Ebene forscht das Verteidigungsministerium mit Militärs aus Frankreich, Italien, Schweden und Spanien an einem „Mid-air Collision Avoidance System“ (MIDCAS). Ziel ist die Entwicklung eines standardisierten europäischen Verfahrens für Ausweichmanöver unbemannter Luftfahrzeuge. An dem Projekt der Europäischen Verteidigungsagentur (EDA) nehmen aus Deutschland die Rüstungskonzerne Airbus, Diehl BGT Defence sowie die ESG Elektroniksystem- und Logistik GmbH teil, auch das Deutsche Zentrum für Luft und Raumfahrt gehört zum Konsortium. Die EDA arbeitet außerdem an der Standardisierung von Sensoren zur automatischen Bestimmung der Entfernung anderer Luftfahrzeuge.

In einem weiteren EDA-Projekt „Enhanced Remotely Piloted Aircraft System Autonomy“ untersucht das Verteidigungsministerium als Projektführer Technologien zu automatischen Starts und Landungen, dem sogenannten Taxiing auf dem Weg zum Rollfeld sowie automatische Notlandeverfahren. Die Drohnen sollen dabei in die Abläufe der zivilen Fluglotsen integriert werden. Auch hier sind Airbus und ESG beteiligt. Geplant ist, dass auch die deutschen „Heron“-Drohnen ein solches „Autonomes Start- and Lande-System“ erhalten. Es basiert auf GPS-Positionsdaten, eine ebenfalls eingebaute radarbasierte Anlage dient als Notlandesystem.

Deutsche Riesendrohnen mit Ausweichsystem

Schließlich hat die Europäische Verteidigungsagentur eine Studie zur Bewertung der Flugsicherheit von Drohnen beauftragt. Der britische Rüstungskonzern Thales und das niederländische Raumfahrtinstitut NLR haben hierfür die zur Integration in den europäischen Luftraum notwendigen automatisierten und teilautomatisierten Verfahren untersucht.

Nach eigenen Angaben hat das NLR bereits ein zuverlässiges Ausweichsystem für Helikopterdrohnen des österreichischen Herstellers Schiebel entwickelt. Für die von der Schweiz bestellten Militärdrohnen will der israelische Elbit-Konzern bis 2021 eine Technologie zur Kollisionsvermeidung entwickeln. Auch der israelische Hersteller der „Heron“-Drohnen arbeitet zusammen mit der US-Firma Honeywell an einem solchen Verfahren, das jedoch nicht einsatzbereit ist. Medienberichten zufolge ist die Kooperation von Honeywell mit dem US-Hersteller der „Predator“-Drohnen weitaus fortgeschrittener.

Bis 2023 sollen auch die US-Drohnen „Triton“ das im Auftrag der NASA entwickelte Ausweichsystem „ACAS Xu“ erhalten. Die Bundeswehr will drei dieser „Triton“ kaufen und mit Spionagetechnik von Airbus bestücken. Dem Bundesverteidigungsministerium zufolge ist die Entwicklung des „ACAS Xu“, das bereits erprobt wird, „sehr fortgeschritten“ und könnte ab 2020 verfügbar sein. Die „genaue technische Auslegung“ des Ausweichsystems für die deutschen „Triton“ will das Ministerium jetzt mit der US-Marine und den zuständigen US-Behörden abstimmen. Durchaus möglich also, dass die Riesendrohnen in wenigen Jahren im deutschen zivilen Luftraum verkehren.

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5 Kommentare
  1. Möchte ich Militär-Drohnen in unserem Luftraum? Nein, weder unsere, noch Amerikanische, gleiches gilt für fremde Meschsitztdrinnen-Militärflieger.

    Ich sehe zwar keine Verbindung mit „Netzpolitik“… Die Idee, dass automatische Ausweichsysteme entwickelt werden, finde ich eine gute Idee. Das brauchen wir auf der (2D) Straße und im (3D) Luftraum als Assistenzsysteme. Schade, dass wichtige Entwicklung oft nur über Militäraufträge vorrangetrieben werden (z.B. Exoskelett statt Rollstuhl).

    Ist es die Sache wert, Militär-Drohnen (im Luftraum) zu haben und zu entwickeln, wenn es der zivilen (Luft-)Fahrt zugute kommt?

    P.S.
    Müsste es nicht gleichberechtigterweise „trotz Gepolter nervtötender MaskulistInnen“ heißen?

    1. Rainer Datenschutz sagt: 17. August 2018 um 16:31 Uhr
      > Möchte ich Militär-Drohnen in unserem Luftraum? Nein,

      It is correct, that military drones especially if they are equipped with Artificial Intelligence are hard to communicate to the public. Most people are in fear of a Skynet like system which is killing people autonomously and they do not want any kind of UAV in the air. The better approach is to research not on killer-drones but on social drones. That are friendly companions which can have emotions and are helping the pilots in the air to solve a task. They are not aggressive, but only want to play games like a cute dog and if they have avoided a civil airplane they get a positive feedback which is making them smile.

      1. Internet and cuddly drones,
        If you add AI to it you might get at some point
        a conciousness and slaves
        Skynet and Cylons.

        But I don’t want to fabulate about a picture of the future painted in black, we are not there yet.

  2. „Sehr geehrte Fluggäste hier spricht Ihr Capitän.
    So eben hat eine Drohne unbeabsichtigt unser linkes Triebwerk zerstört und wir stürzen nun ab.
    Vielen Dank das Sie sich für den Flug mit Lufthansa entschieden haben und ruhen Sie in Frieden“

    1. Oder:

      „Es handelte sich um einen gezielten Abschuss laut Sicherheitsgefühlverbesserungsgesetz. Der Abschuss diente selbstverständlich Ihre eigenen Sicherheit. Unsere Predictive Policing Software hat nämlich ausgerechnet, dass sich mit 93,4%iger Wahrscheinlichkeit ein potentieller zuküntiger Gefährder an Bord befinden könnte. Wir danken für Ihr Verständnis.“

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