Nutzerrechte

Facebook stellt diskriminierende Zielgruppenauswahl in den USA teilweise ein

Facebook reagiert auf Kritik an rassistisch diskriminierendem Targeting: „Multikulturelles Marketing“, bei dem man beispielsweise als „African American“ kategorisierte Nutzer bewusst ausschließen kann, soll künftig nicht mehr für Anzeigen in den Bereichen Jobs, Kredite und Wohnungswesen genutzt werden.

Foto: Clem Onojeghuo unter CC0 via unsplash

Facebook hat seine Werberichtlinien verschärft, gab das Unternehmen gestern bekannt. Es setzt damit angekündigte Maßnahmen um, die rassistisch diskriminierende Werbung auf seinen Plattformen verhindern sollen.

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Im Herbst 2016 hatten Journalisten von Pro Publica nachgewiesen, dass die Targeting-Optionen von Facebook es Werbetreibenden in den USA ermöglichen, Menschen aus der Zielgruppe einer Anzeige im Immobilienbereich auszuschließen, die von Facebook in der Kategorie „ethnische Affinität“ als „African American“ einsortiert wurden. Im deutschen Werbe-Manager der Plattform steht diese Typisierung nicht nur Verfügung.

Während Kritiker bereits diese Segmentierung durch Facebook in „African American“ oder „Hispanic“ bemängeln, ist mindestens die diskriminierende Werbung im Bereich Wohnungswesen in den USA tatsächlich gesetzlich untersagt. Dort verbietet der Fair Housing Act von 1968 explizit Werbung für Immobilien und Mietwohnungen, die bestimmte Menschen aufgrund von „Rasse, Hautfarbe, Religion, Geschlecht, Behinderung, Familienstatus oder nationaler Herkunft“ bevorzugt oder diskriminiert.

Facebook: „Werbeanzeigen dürfen nicht diskriminieren“

Nach deutlicher Kritik von Politikern und Bürgerrechtsorganisationen wie der American Civil Liberties Union hatte der Plattformbetreiber bereits im November angekündigt, hier nachbessern zu wollen. Die grundsätzliche Möglichkeit zum Targeting anhand „ethnischer Affinitäten“ – bei Facebook „multikulurelles Marketing“ genannt – solle es aber weiter geben, so das Unternehmen damals.

In den Werberichtlinien heißt es zum Punkt Diskriminierung nun:

Werbeanzeigen dürfen nicht diskriminieren oder zur Diskriminierung von Personen aufgrund persönlicher Eigenschaften wie Rasse, Ethnizität, Hautfarbe, nationale Herkunft, Religion, Alter, Geschlecht, sexuelle Orientierung, Geschlechtsidentität, Familienstatus, Behinderung, Gesundheitszustand oder genetische Erkrankung ermuntern.

Kein „multikulturelles Marketing“ bei Jobs, Krediten und Wohnungswesen

Zumindest Anzeigen in den Bereichen Wohnungswesen, Jobs und Kredite sollen künftig automatisch erkannt werden. Die in „multikulturelle Affinität“ umbenannte Zielgruppenkategorie „ethnische Affinität“ soll für das Targeting dann nicht zur Verfügung stehen.

Sollten Werbetreibende in einem dieser Bereiche andere Zielgruppenkategorien für das Zuschneiden des Werbepublikums nutzen, müssen sie durch einen Klick unter ein Formular zudem explizit zusichern, dass sie sich an die Antidiskriminierungsregeln und regionale Gesetze halten. Schließlich lassen sich Menschen über den Umweg anderer Kategorien leicht auch ohne die explizite Nutzung einer Sammelkategorie nach rassistischen Mustern sortieren. Gerade die Hautfarbe lässt sich Forschern zufolge anhand von Likes besonders treffsicher vorhersagen.

Wie und ob Facebook das neue grundsätzliche Diskriminierungsverbot in anderen Feldern durchsetzen will, verrät die Firma nicht.

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18 Kommentare
  1. Ein Lob an Facebook. Da scheint das Social Network nicht der Argumentation zu folgen, die man hier in den Kommentaren bei den früheren Beiträgen lesen musste. Von wegen das sei ja „nur Targeting“. Klar. Man erkennt Diskrimierung nun einmal oftmals nicht als solche, wenn man selbst nicht betroffen ist.

    1. Naja, man will sich rechtlich absichern, um keine Strafen zahlen zu müssen. FB hat das ja programmiert, loben würde ich die deswegen nicht gerade…

    2. Und wofür bitte schön? Für ein wenig Placebo? Die diskriminierende Einteilung selbst bleibt doch bestehen. Also ändert sich in Wirklichkeit nichts. Ist alles mal wieder nur heiße Luft, wie meistens bei den großen Konzernen, wenn sie etwas heftigere Kritik erhalten haben. Das zeigt nur, dass die USA nach wie vor ein rassistisches Land sind.

  2. Und weil keine diskriminierenden Werbeanzeigen mehr möglich sind, wird der fremdfeindliche Arbeitgeber, Vermieter und Kreditvermittler ganz plötzlich Multikulti und vergibt seinen Arbeitsplatz / Wohnung / Kredit auch brav an andere Ethnien. Weil ja jeder weiß, man muss nur die öffentlichen Aussagen verbieten, dann verschwindet der böse Gedanke von ganz allein.
    Ich weiß nicht ob die ganzen Social Justice Warrior obiges wirklich glauben, oder genau wissen, das es sich bei solchen Aktionen einfach nur medienwirksam und damit gut für das eigene Ego sind.

  3. Verstehe ich nicht …
    hat es nicht die unsichtbare Hand des Marktes geregelt?
    Natürlich schalte ich als Kreditvergeber keine Werbung für Leute bei denen die Ausfallquote X überschreitet. Wäre doch Verschwendung.
    Und wenn nun „schwarz“ und „arm“ korreliert,
    dann nutze ich das Wissen.
    Sonst wäre mein Verhalten nicht marktwirtschaftlich. O.o
    Ein Produkt mit angebissenen Apfel haben,
    aber Sklavenjobs ablehnen.
    Von der Marktwirtschaft profitieren,
    aber ihre Gesetze ablehnen.
    Manchmal kann ich die Dummheit der Menschen kaum fassen.

    1. Marktwirtschaft hat keine „Gesetze“. Ein Staat erlässt Gesetze, um z.B. Marktwirtschaft zu regulieren und die schlimmsten Auswüchse wie z.B. Ausbeutung und Diskriminierung zu verhindern. Aber da du dich nicht zu den „dummen“ Menschen rechnest (sind anscheinend alle außer dir), hast du das sicher gewusst.

      1. Die Physik hat keine „Gesetze“. Ein Staat erlässt Gesetze, um zb. die Schwerkraft zu regulieren und die schlimmsten Auswüchse wie zb. Schnaufen nach dem Treppensteigen zu verhindern.

        1. Dass Physik keine Gesetze hat ist korrekt.

          Physik versucht eine Beschreibung der realen Welt durch Modelle, die geeignetste Sprache zur deren Formulierung ist die Mathematik, und deren Gleichungen werden gerne in Verkenntnis der Verhaeltnisse als „Gesetz“ bezeichnet. Das real beobachtbare Verhalten hat immer Recht, denn es ist nunmal die Realitaet.

          Das ist das Gegenteil von juristischen Gesetzen, bei denen moegliche von vielen Verhalten sanktioniert oder vorgegeben werden. Das Gesetz hat Recht und ein abweichendes Verhalten ist falsch, denn das ist nunmal die Festlegung durch die Gesellschaft.

          Das ist auch das Gegenteil von sog. „Gesetzen des Marktes“, die eher Spekulationen ueber moegliches Verhalten denn Modelle des realen Marktes darstellen. Das ist primaer Ideologie, um Entscheidungen zum Eigennutz als alternativlos darzustellen.

          1. Ich wollte mit der Antwort auf Tom nur deutlich machen das Wortglauberei keine valide Argumentation ist.
            Das ist Nonsense.

            Und auch du sagst …
            Physik beschreibt (spekuliert über) die Realität,
            man nennt es nur Gesetz, ist aber valide.
            Juristerei macht tatsächlich Gesetz im Eortsinne.
            (wer will das bestreiten?)
            Marktwirtschaft spekuliert über (beschreibt) Verhalten,
            ist Ideologie und nicht valide.
            Argumente gibt es nicht.

            Nehmen wir an ein Haus steht zur Versteigerung.
            Wer bekommt den Zuschlag?
            Ist das Zufall oder Ideologie oder eine Gesetzmässigkeit? (gesetz“mässig“ um mal von den Juristen wegzukommen. Wortklauben hilft niemanden)
            Ist „Der Höchstbieter bekomnt es“ ein fiktives Ideenkonstrukt?

            Natürlich gibt es, wie in der Physik auch,
            ein nebliges Gebiet der „Pseudo“wissenschaft.
            In der Physik z.b. die Stringtheorie…
            Aber das entwertet nicht die Hebelgesetze. =)

          2. DDR-Staatsbürgerkunde:
            Gesetzmäßigkeit ist, was sich durch Wiederholung als beständig erweist.

            Das fand ich schon damals so seltsam, daß ich das bis heute nicht hab vergessen können. :o

          3. Damit sollte aber „bewiesen“ sein, daß der Sozialismus als historische Gesetzmäßigkeit unbedingt die Welt erobern wird.

          4. Ich verstehe nicht wie du zu dem Schluss kommst Horst Kevin.
            Also von der Überlegung des Gewohnheitsrecht aus.
            Ich habe den Eindruck das du mit dem Sozialismus auf Kriegsfuß stehst, oder?
            Nicht alles was man in der Vergangenheit Sozialismus nannte war auch einer.
            Sozialismus nach Marx und Engels war noch nie existent, afaik.
            Warum? Vielleicht funktioniert er nicht, weil ein Denkfehler darin liegt.
            Ich weiß es nicht.

          5. Zu dem Schluß bin ja nicht ich gekommen, sondern schon viel früher diverse Philosophen (oder wie man die sonst nennen möchte) und das wurde dann im Osten so gelehrt.
            Mit dem Sozialismus als solchen habe ich kein Problem. Das Problem sind, nach meiner Erfahrung als langjähriger Insasse eines Großexperimentes, die Menschen, die durch das Streben nach persönlichen Vorteilen, solche Ideen verunmöglichen. Ideologische Sturheiten und diverses anderes Unvermögen kommen sicher noch dazu. (um das mal sehr verkürzt darzustellen)

      2. Mit solchen Gesetzen haben die Amis ihre Erfahrungen gemacht.
        Etwa damit sich Menschen die sich kein Wohnungseigentum leisten können trotzdem dafür Kredite bekommen. Die staatlichen Banken Freddie Mac und Fanny Mae wurden dazu gezwungen solche Kredite zu refinanzieren. Andere Banken haben diese schlechten Kredite gebündelt und als Finanzprodukt weiterverkauft um diese Risiken los zu werden.
        Beim Platzen der Immobilienblase 2007/2008 hat das zur Krise geführt…
        Gut gemeint ist eben nicht immer gut gemacht…

    2. Und wenn nun „schwarz“ und „arm“ korreliert,
      dann nutze ich das Wissen.
      Sonst wäre mein Verhalten nicht marktwirtschaftlich. O.o

      Ein gutes Beispiel dafür, dass die „unsichtbare Hand des Marktes“ nicht alles richten kann und in diesem Fall dafür sorgen würde (bzw. sorgt), strukturelle Diskrimierung zu vertiefen, anstatt sie aufzulösen. Warum glaubst Du wohl, dass es immer noch eine Korrelation zwischen „schwarz“ und „arm“ gibt? Hast Du schon mal einen Blick in die US-Geschichte geworfen?

      1. Was kann jetzt die USA dafür?
        Schmeckt dir dein Lindt-Schokoweihnachstmann … guess what …
        genau schwarze Sklavenkinder an der Elfenbeinküste.
        Weißt du wo dein Gemüse jetzt im Winter herkommt?
        Googel doch mal … Gurken aus Spanien werden dir nie wieder so gut schmecken wie davor.
        Warum zeigen alle immer auf andere,
        und fangen nicht mal bei sich selbst an?
        Alles was man isst, hat und nutzt was nicht regional erschaffen wurde,
        ist per se auf den Leid und den Leichen anderer Menschen aufgebaut.
        Entweder gewöhnt man sich daran das man dafür verantwortlich ist,
        und gesteht auch anderen zu sich entsprechend zu verhalten.
        Oder man ändert sein Leben.
        Bevor jemand kommt „Die Welt ist voller Grautöne, nicht schwarz und weiß.“
        Stimmt … macht es nicht besser …
        ob dunkelgraue oder hellgraue Ausbeutung, es bleibt Ausbeutung.
        Und das ist eine Dummheit der Menschen …
        sie wollen alles ändern, außer sich selbst.
        Man kann aber nichts ändern, außer sich selbst.

  4. Was bringt das? Dann darf sich der Afroamerikaner halt auf den Job oder die Wohnung bewerben und wird eh abgelehnt. Wer vorhatte, Afroamerikaner auszufiltern bei seiner Anzeige, wird nicht plötzlich den Sinneswandel erleben, wenn dann einer vor ihm steht. Die Diskriminierung bleibt, man verschwendet so nur die Zeit aller Beteiligten. Außerdem kann sich niemand diskriminiert fühlen, wenn er eine Anzeige nicht sehen kann. Er weiß ja gar nicht, dass diese Anzeige existiert.

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