Im Entwurf zur E‑Privacy-Verordnung ist eine Passage enthalten, die den Nutzerinnen und Nutzern erlaubt, selbstbestimmt das allgegenwärtige Tracking auf Webseiten zu unterbinden. Gegen diese tatsächliche Verbesserung des Datenschutzes lobbyieren Verleger aus ganz Europa: Sie wollen, dass Tracking standardmäßig erlaubt bleibt. In einem offenen Brief an das Europaparlament singen sie nicht nur das immergleiche Lied von den großen Internetkonzernen, die von dieser Regelung profitieren würden, sondern wehklagen auch, dass die neue Selbstbestimmung der Leser über ihre Daten den Journalismus an sich gefährde.
Dabei sind es die Verlage, die mit ihren Multi-Tracking-Werbenetzwerken die persönlichen Daten und damit das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung ihrer Leser mehr als gefährden. Welche Wege diese Daten gehen, wird im Projekt trackography.org nachgezeichnet. Als das Projekt beim CCC-Kongress 2014 vorgestellt wurde, kam so beispielsweise heraus, dass ein Besuch auf Spiegel Online dazu führt, dass die erhobenen Tracking-Daten auf 37 Servern und Instanzen aufgezeichnet und gespeichert werden – und das in Deutschland, Niederlande, Großbritannien, Dänemark, Spanien und den USA. Das Lesen eines Artikels führt derzeit also zum Totalverlust der eigenen Daten.
Die Verlagsbranche als Datenschutzhemmnis
Gegen ein solches Tracking will die E‑Privacy-Verordnung nun einführen, dass die Leser direkt im Browser einem Tracking zustimmen müssen. Lehnen sie es ab, darf der Verlag oder die Webseite nur noch klassische anonyme Nutzerzahlen erheben, nicht aber standardmäßig ein Verhaltenstracking von Menschen durchführen, wie das heute der Fall ist. Die Änderung des Datenschutzes in der E‑Privacy-Verordnung ist ein Schritt in die richtige Richtung. Wirklich wegweisend wäre, wenn Browser „ab Werk“ direkt so konfiguriert wären, dass Tracking ausgeschlossen ist.
Die Verlagsbranche hat sich immer wieder gegen den Datenschutz gestellt, beispielsweise bei der Zweckbindung von Daten. Zuletzt war sie auch noch damit aufgefallen, dass sie ihren Lesern den Einsatz von Werbeblockern verbieten will. Auch hier wird mit hanebüchenen Argumenten hantiert: Der Zeitungsverlegerverband NRW machte Werbeblocker gar für Trump und den Brexit verantwortlich. Dabei ist die digitale Auslieferung von Werbung einer der Superspreader für Schadsoftware geworden. Wer Werbeblocker nutzt, macht seinen Computer sicherer.
