Geldverschwendung: Firefox-Anzeige in der FAZ

Lang war sie angekündigt und Dank mehr als 2400 Spendern kamen auch über 47000 Euro zusammen, um dem Firefox-Browser in der FAZ eine würdige ganz-seitige Anzeige zu schenken. Was hätte man nicht alles mit diesem Geld machen können? Als erstes vielleicht mal eine tolle Anzeige? Dank der Agentur Dorten, die sich sehr viel Mühe machte, gibts nun heute in der FAZ folgendes zu sehen:

Super, nicht? Vor allem die Message sitzt. Richtig zielgruppenkompatible! Aber anscheinend scheint man sich nicht so sicher zu sein (warum auch?) und deshalb wurde jetzt erstmal eine Begründung auf die Firefox-Kampagnenseite gestellt, weshalb das Design so langweilig und schlecht ist. Es ist die Message, die wichtig ist:

Wir (und sicherlich auch ein Großteil der Spender) waren anfangs der Meinung, eine solche Anzeige muss in erster Linie bunt sein und den Firefox und auch ein bisschen die Aktion an sich feiern. Wer dabei verliert, ist: der Leser!

Unser Ziel war es, die FAZ-Leserschaft anzusprechen und sie zu überzeugen, den Firefox auszuprobieren. Wir haben uns bemüht, die „Kernbotschaft“ der Anzeige so mächtig wie möglich darzustellen, nämlich die (Anzahl der) Namen. Alles, was davon ablenkt, würde diese Botschaft schwächen.

Als einzigen farblichen Kontrapunkt zu dem mächtigen Namenblock haben wir, in Augenhöhe mit den Konzernen dieser Welt, welche sonst in der FAZ inserieren, das Logo rechts unten in Farbe gesetzt, und so deutlich, dass eine Wiedererkennung, z.B. im Internet, jederzeit gewährleistet ist.

Super. Echt. Die Message sitzt. Nicht dass es sehr gute Argumente für den Firefox-Browser gibt, wie komfortabel, sicher, zuverlässig… Nein, das sind ja Argumente, die zählen nicht wirklich, wenn man schon 47000 Euro für eine FAZ Anzeige zahlt, um die FAZ-Leserschaft mit Argumenten zu überzeugen. Vor allem, wieviele FAZ-Leser kennen den Begriff Browser?

Alles in Allem sind wir uns sicher, dass dies eine mutige Anzeige ist. Allerdings sind wir uns auch sicher: Eine solche Anzeige macht allen, die versuchen, „Open Source“ als komisches unprofessionelles Communityding abzutun und in die „Frickel-Schublade“ zu stecken, mehr Angst. Weil sie professionell ist, weil sie die Leser erreicht, weil sie zeigt, daß wir konkurrenzfähig sind!

Danke, das hat echt geklappt, vor allem das Argument, dass ganz viele Menschen in ihrer Freizeit sich damit beschäftigen, der Welt eine Software zu schenken, hilft sicherlich sehr, „Open Source als komisches unprofessionelles Communityding abzutun und in die Frickel-Schublade zu stecken“.

Ich hatte grosse Hoffnungen in die Anzeige, aber das Resultat sieht so aus, als ob ich mich eine Stunde lang vor Gimp gesetzt hätte. Und so ist es eigentlich eine riesen Geldverschwendung, die wieder sämtliche Klischees erfüllt.

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