Technologie
Künstliche Intelligenz, Drohnen, selbstfahrende Autos, Cyborgs, Roboter und IT-Sicherheit.
-
: Folgen & Konsequenzen des Diginotar-Hacks
: Folgen & Konsequenzen des Diginotar-Hacks Vor ein paar Tagen wurde bekannt, dass ein gefälschtes SSL-Zertifikat für *.google.com im Iran zum Einsatz kam. Das Zertifikat war der CA Diginotar signiert, die per default in so gut wie jedem Browser als „vertrauenswürdig“ gilt. Mit dem rogue cert konnte also wunderbar Traffic mitgeschnitten oder manipuliert werden, ohne dass einem ’normalen’ Nutzer etwas auffällt.
Dazu gekommen war es anscheinend durch einen Hack des Diginotar-Servers im Jahr 2009. Diginotar ist eine niederländische CA, von der zum Beispiel auch die Web-Angebote der Regierung signiert wurden. Wer also aber schon einmal dabei ist, so eine CA zu hacken, der erstellt sich dann natürlich nicht nur ein Zertifikat, sondern direkt auch noch ein paar andere. Zum Beispiel für
*.windowsupdate.com (womit man wunderbar per Update eine Horde Windows-Rechner mit Trojanern ausstatten könnte)
*.torproject.org (womit man manipulierte Tor-Clients an seine Dissidenten verteilen könnte, um ihre Aktivitäten auszuspähen) oder für
secure.logmein.comIrgendwann wurde es dem Angreifer wohl zu viel Arbeit, und er hat einfach Zertifikate für
*.*.org und
*.*.com
ausgestellt.Im Moment sind 531 falsche Zertifikate identifiziert (zuletzt signiert im Juli 2011), und die Nachforschungen der niederländischen Regierung noch nicht abgeschlossen. Für die Nutzer bedeutet das, dass unter keinen Umständen jemals mehr diesen root-CAs getraut werden sollte:
-
: Wie der Iran mit Hilfe einer niederländischen Firma GMAIL abhörte
: Wie der Iran mit Hilfe einer niederländischen Firma GMAIL abhörte Die in Holland ansässige Firma Diginotar hat der iranischen Regierung offenbar zu einem SSL-Zertifikat verholfen, mit dem verschlüsselte SSL-Verbindungen zu Gmail abgehört werden konnten. (zuletzt in dieser Reihe: Wie Bahrain bei der Überwachung auf deutsche Wertarbeit setzt und Was ist da in Tunesien los?)
Die Herausforderung bei verschlüsselten Verbindungen ist, dass sichergestellt werden muss, dass man nicht nur verschlüsselt, sondern auch so verschlüsselt, dass niemand anderes mithören kann. Mithören könnte ja zum Beispiel ein man-in-the-middle-Angreifer, indem er sich zwischen die beiden kommunizierenden Rechner (Client & Server) klinkt, eine verschlüsselte Verbindung zum Nutzer mit einem eigenen Zertifikat aufbaut, diese abhört, und dann erst mit dem richtigen Zertifikat verschlüsselt an den richtigen Server weiterleitet. Um das zu verhindern, sollen die zur Verschlüsselung genutzten Zertifikate immer von einer vertrauenswürdigen Instanz signiert sein.
-
: Prima Idee: Vodafone will Festnetz-DSL abschaffen
: Prima Idee: Vodafone will Festnetz-DSL abschaffen Im Handelsblatt lässt Vodafone verlautbaren, dass man in Zukunft seine Telefon- und Internetanschlüsse über den neuen Funkstandard LTE laufen lassen, und „möglichst viele“ DSL-Kunden entsprechend umstellen möchte. LTE (Long Term Evolution) ist der Nachfolger von jetzigen Mobilfunkstandard UMTS, setzt auf ein paar andere Frequenzen, und soll höhere Bandbreiten ermöglichen.
Die Nachteile eines Funknetzes werden dabei etwas gemindert, können aber natürlich nicht komplett aufgehoben werden: Die Qualität der Verbindung ist standortabhängig (Funklöcher, Netzausbau), je mehr Nutzer sich in der Zelle befinden, desto geringer wird die mögliche Datenübertragungsrate (bis zum Komplettausfall, siehe Demonstrationen, Volksfeste & Neujahr), Energieverbrauch und Strahlenbelastung steigen (zumal LTE Dauerverbindungen vorsieht). Der wohl offensichtlichste Nachteil aber ist: Es gibt klare Kapazitätsgrenzen.
-
: Richard Stallman: Kämpft gegen die Netz-Moloche!
: Richard Stallman: Kämpft gegen die Netz-Moloche! Richard Stallman hat einen Gastbeitrag auf SpOn unter der CC-BY-ND veröffentlicht: Kämpft gegen die Netz-Moloche!
Web-Konzerne bestimmen, welche Programme Besitzer auf ihre Smartphones laden und welche Bücher sie auf ihren Lesegeräten behalten dürfen. Richard Stallman, Aktivist für freie Software, ruft zum Widerstand auf: Wer Freiheit und Privatsphäre will, muss gegen den Strom schwimmen.
Tim Berners-Lee hat das World Wide Web ab 1990 für den weltweiten Austausch von Informationen entwickelt, am 6. August 1991 gab er es zur allgemeinen Benutzung frei. Langsam verwandelt es sich aber in ein System der ausgelagerten Datenverarbeitung, ein System des „Remote Computing“. Es speichert Daten von Nutzern und Daten über Nutzer, auf die der Nutzer selbst nicht zugreifen kann – die US-Bundespolizei FBI aber jederzeit. Das Netz übernimmt die Datenverarbeitung, der Nutzer gibt die Kontrolle darüber ab. Dieses neue Web ist voller Verlockungen – doch wir müssen ihnen widerstehen.
-
: Was ist der Sputnik-Moment der Informatik?
: Was ist der Sputnik-Moment der Informatik? Die New York Times hat wieder eine interessante Auseinandersetzung in ihrem „Room for Debate“. Thema ist diesmal die Frage, was denn ein Sputnik-Moment für die Informatik sein könnte: Computer Science’s ‚Sputnik Moment’?.
Computer science is a hot major again. It had been in the doldrums after the dot-com bust a decade ago, but with the social media gold rush and the success of „The Social Network,“ computer science departments are transforming themselves to meet the demand. At Harvard, the size of the introductory computer science class has nearly quadrupled in five years. The spike has raised hopes of a ripple effect throughout the American education system – so much so that Mehran Sahami, the associate chairman for computer science at Stanford, can envision „a national call, a Sputnik moment.“ What would a „Sputnik moment“ entail today? Will the surge of students into computer science last, and could it help raise American educational achievement?
Hier sind einige interessante Debatten-Beiträge:
Jonathan Zittrain: Encourage More Hackathons.
Jeannette M. Wing: Software as Self-Expression.
Zeynep Tufekci: Change the Cowboy Culture.
Chris Wiggins: Grass Roots, Not Government. -
: Meine Playstation gehört mir
: Meine Playstation gehört mir Frank Rosengart vom CCC hat im Freitag einen spannenden Gastbeitrag zum Thema Ownership. Hacking und Urheberrecht geschrieben: Meine Playstation gehört mir.
Doch von Anfang an. Wenn ich ein Mobiltelefon oder eine Spielkonsole kaufe, gehört sie mir. Ich besitze sie und bin ihr Eigentümer – könnte man glauben. Was dem Laien klar erscheint, regeln die Gesetze aber alles andere als eindeutig. Und so hat der Sony-Konzern jüngst einen deutschen Elektrobastler verklagt, der seine Playstation aufgeschraubt und umprogrammiert hat. Das könnte weit reichende Folgen haben: Sollten die Richter die Gesetze zu Gunsten von Sony auslegen, müssten auch all jene Strafen fürchten, die Datenskandale wie jüngst bei Apples iPhone, Googles Android-Handys oder Facebook aufdecken.
-
: Stream der Federated Social Web 2011 Europe
: Stream der Federated Social Web 2011 Europe Die FSW2011 des W3C und des EU-Datenschutzprojektes PrimeLife zu dezentralen Social-Networks startet um 16h und wird live gestreamt. Das Programm ist englisch-sprachig und wird bis morgen 16h
13hgestreamt, ehe es in einen OpenSpace übergeht.Heute ist die Veranstaltung sowie das Podium am Abend auch für nicht-registrierte Teilnehmer besuchbar. Auch die eingereichten Papers sind bereits online, von denen eine Auswahl im W3C-Workshop morgen vorgestellt wird.
Friday, 3rd of June 2011
16.00 Welcome and introduction to the conference, Jan Schallaböck – ULD16.10 Video address, Tim Berners-Lee – W3C
16.30 Following Social Advertising in the United States, Aleecia M. McDonald
17.00 Lessons learned from Social Networking in Egypt, Amr Gharbeia – Technologist and
actvist17.30 Coffee break
18.00 Keynote: Who needs Facebook anyway? – privacy & sociality in Social Network Sites, Ronald Leenes – Tilt and PrimeLife Project
18.30 Public Roundtable: From society to technology
Implementing an interoperable, privacy-aware, and decentralized social network:Amelia Andersdotter – Pirate Party Sweden
Francesca Bria – Imperial Business School
Ade Oshineye – Google
Seda Gürses – K.U. Leuven
Ilya Zhitomirskiy – Diaspora
Fabrizio Sestini – European Commission
Moderation: Gerladine de BastionDisclaimer: Der Autor ist organisatorisch in die Veranstaltung involviert.
-
: Vint Cerf über die Zukunft des World Wide Web
: Vint Cerf über die Zukunft des World Wide Web Am vergangenen Freitag gab es in der Konrad-Adenauer-Stiftung eine Veranstaltung mit Vint Cerf über die Zukunft des World Wide Web. Davon gibt es bei der KAS einen Bericht: Glühbirne mit Internet. Und eine MP3 des knapp zweistündigen Vortrages mit anschließender Diskussion.
-
: #servergate: Durchsuchungsbeschluss geleakt
: #servergate: Durchsuchungsbeschluss geleakt Zur Durchsuchung des Rechenzentrums in Offenbach vom Freitag den 20. Mai 2011, bei dem ein Großteil der Server der Piratenpartei beschlagnahmt und teilweise durchsucht worden war, wurde heute morgen offenbar der Durchsuchungsbeschluss des Amtsgerichts Darmstadt vom 19. Mai geleakt. Die betroffene Firma bestätigte auf unsere Anfrage hin die Authentizität des Inhalts.
Der Beschluss bestätigt auch die bisherigen Berichte nach denen die Behörden versuchten, über die Beschlagnahme an Informationen über Verdächtige zu kommen, die möglicherweise an Angriffen auf die Webseite des französischen Energiekonzerns EDF beteiligt waren. Im Beschluss dagegen nicht genannt wird der von der Piratenpartei verkündete Sachverhalt, es sei nach einem SSH-Schlüssel gesucht worden.
Fehlendes Rechtshilfeersuchen, mangelhafte Rechtsgüterabwägung
Die Tatsache, dass es sich beim Betreiber der betroffenen Dienste um eine Partei mit besonderem Schutz nach Art. 21 Grundgesetz handelte, deren gesamte Kommunikationsinfrastruktur durch die Maßnahme für viele Stunden lahmgelegt wurde (und wohl für Wochen durch dauerhafte Server-Beschlagnahme ausgeschaltet worden wäre, wenn sie nicht vor Ort kooperiert hätte), spielte in der Abwägung des Grundrechtseingriffs offenbar keinerlei Rolle. Eigentlich kann dem richterlichen Beschluss attestiert werden, dass überhaupt keine entsprechende Rechtsgüterabwägung stattgefunden hat.
Rechtsanwalt Thomas Stadler weist in seinem Blog Internet-Law.de noch auf eine andere wichtige Tatsache hin, die in der bisherigen Diskussion ziemlich untergegangen ist: Durchsucht wurden ja nicht Räume der Piratenpartei, sondern ein Rechenzentrum in Offenbach, das lediglich IT-Dienstleistungen erbringt. Da dessen Betreiberfirma nicht Beschuldigte im Verfahren ist, wären für die Durchsuchung ihrer Räumlichkeiten eigentlich noch deutlich höhere Anforderungen an die Verhältnismäßigkeitsprüfung zu stellen gewesen. Stadler kommt insgesamt zu dem Schluss, dass der Beschluss des AG Darmstadt bereits „bei rudimentärer Prüfung evident unverhältnismäßig und rechtswidrig“ sei.
Entgegen der Aussage der Staatsanwaltschaft Darmstadt, es habe ein „justizielles Rechtshilfeersuchen“ vorgelegen, bestätigt der veröffentlichte Beschluss auch die Version der Piratenpartei, dass die Übermittlung eines solchen Ersuchens lediglich angekündigt worden sei. Nach Ansicht des Richters war die Beschlagnahme vorab dennoch „aufgrund der Flüchtigkeit von Daten im Internet“ zu rechtfertigen. Straftverteidiger Udo Vetter, schätzte den Vorgang auf Twitter spontan als „vorauseilenden Gehorsam deutscher Gerichte gegenüber der französischen Justiz“ ein.
Piratenpartei: „Beschluss war rechtswidrig“
Die Piratenpartei hat derweil Beschwerde eingelegt (Beschwerdeschrift, PDF) und beantragt, den Beschluss aufzuheben, sichergestellte „Gegenstände“ herauszugeben, gespeicherte Daten zu löschen und festzustellen, dass der Beschluss rechtswidrig war. Der Beschluss verstoße „klar gegen das Übermaßverbot“, da er „im wahrsten Sinne des Wortes „maßlos““ und damit echtswidrig sei. Die Sache wird also noch ein interessantes juristisches Nachspiel haben.
(Der veröffentlichte Text enthält einen Schreibfehler im Wort „Darmstat“ im Seitenkopf und auch die Domain an einer Stelle genannte Domain „piraten-pad.de“ existiert nicht, was einerseits misstrauisch macht, allerdings auch auf OCR-Scan- oder Abtippfehler zurückzuführen sein kann. Das Aktenzeichen stimmt mit dem überein, das gestern bereits auf Twitter die Runde machte. [Update: Die Piratenpartei bestätigt, dass die Schreibfehler so auch im Original zu finden sind.])
Der veröffentlichte Inhalt des DurchsuchungsbeschlussesUpdate: Da es verschiedene Aussagen gibt, ob die Veröffentlichung des Durchsuchungsbeschlusses jetzt legal (im Sinne der Pressefreiheit) oder illegal (eben nicht im Sinne der Pressefreiheit) ist, verlinken wir der Einfachheit halber auf die Quelle bei pastebin.
Aixit GmbH NOC, Aixit GmbH -
: Dradio Wissen: Antifeatures – Funktionen, die wir nicht wollen
: Dradio Wissen: Antifeatures – Funktionen, die wir nicht wollen Wer hat sich noch nicht über die nervigen Kopier-Hinweise beim Starten einer DVD geärgert, die mit vielen DVD-Player nicht übersprungen werden können? Oder darüber, dass in den USA gekaufte DVDs bei Freunden hier manchmal nicht abgespielt werden können? Wer freut sich im Urlaub über das SIM-Lock seines Mobiltelefons? Heute wurde ich von Dradio Wissen zu diesen „Anti-Features“, oder im Deutschen „Anti-Funktionen“, interviewt. Weil es bei dem Interview (Audio) etwas schnell ging, hier eine kurze Zusammenfassung (vermutlich hatte ich noch zu viel Schwarztee im Kreislauf ;) ):
-
: #servergate – Polizei beschlagnahmt Piratenpartei-Server
: #servergate – Polizei beschlagnahmt Piratenpartei-Server
In einem wohl bislang einmaligen Vorgang wurden am Freitagmorgen die Server der Piratenpartei von der Polizei beschlagnahmt. Studenlang waren die Dienste nicht erreichbar.Nach Angaben der Partei hatte die Polizei in Folge eines französischen Ermittlungsersuchens am Freitagmorgen auf Durchsuchungsbefehl der Staatsanwaltschaft Darmstadt das Rechenzentrum der Firma aixit in Offenbach durchsucht und dort einen Großteil der IT-Landschaft der Partei beschlagnahmt. Betroffen waren nicht nur die Webseiten fast aller Parteigliederungen und das Wiki, sondern auch Kommunikationsinfrastrukturen wie Mailinglisten‑, Mail- und Jabber-Server. Inzwischen sind einige Server und zumindest die Webseite wieder online.
Der Bundesvorstand der Piratenpartei kritisierte und verurteilte die Server-Abschaltung als massiven Eingriff in die Kommunikations- und Infrastruktur der Partei. Angesichts der bevorstehenden Bremer Bürgerschaftswahl sei ein massiver politischer Schaden entstanden. 2 Tage vor der Wahl kam gerade die Downtime der Webserver tatsächlich zu einem äußerst ungelegenen Zeitpunkt. Rechtsanwalt Thomas Stadler weist diesbezüglich in seinem Blog auch auf den eigentlich geltenden Schutz der Partei nach Artikel 21 Grundgesetz hin. Parteien seien vor Repression durch die Exekutive nach Möglichkeit zu verschonen, „weil das der Demokratie schadet“ schreibt auch Strafverteidiger Udo Vetter. Darüber hinaus macht Vetter klar, dass das Verlangen ausländischer Behörden nach Durchsuchung und Beschlagnahme keineswegs einen Automatismus bei den deutschen Behörden auslöst:
-
: Vorratsdatenspeicherung: NRW auf der Überholspur (3. Update)
: Vorratsdatenspeicherung: NRW auf der Überholspur (3. Update) Ich glaube, ich habe das schon einmal gefragt, aber: Sagt mal, liebe SPD, was läuft da eigentlich falsch bei Euch?
Erst fordert Sigmar Gabriel „mit Blick“ auf die Tötung des Qaida-Chefs Osama Bin Laden die Wiedereinführung der Vorratsdatenspeicherung, nun legt der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger (SPD) laut einer Vorabmeldung aus dem Spiegel nach.
Bei der nächsten Innenministerkonferenz im Juni werde Nordrhein-Westfalen einen Vorschlag unterbreiten, wie „künftig eine Mindestdatenspeicherung geregelt werden kann, ohne dass die Menschen Sorge haben müssen, ausgespäht zu werden“, so Jäger. Im Düsseldorfer Innenministerium wird unter anderem darüber nachgedacht, die Telekommunikationsfirmen zu verpflichten, ein halbes Jahr lang wichtige Nutzerdaten wie die sogenannte IP-Adresse, die Portnummer und die Zugangszeit aufzubewahren.
Als Begründung wurde der Textbaustein „Schwerstkriminalität und Terrorismus“ verwendet.
-
: Rheinland-Pfalz: Rot-Grüner Koalitionsvertrag veröffentlicht
: Rheinland-Pfalz: Rot-Grüner Koalitionsvertrag veröffentlicht Den rot-grünen Koalitionsvertrag aus Rheinland-Pfalz hatte ich eigentlich erst am Wochenende erwartet. Ganz so, wie von der Tagesschau angekündigt.
Mein Plan: Vorher kurz bei Pia Schellhammer anfragen, ob sie mir einen Ansprechpartner für Netzpolitik in Rheinland-Pfalz nennen könne, dem ich ein paar Fragen stellen kann. Bei der SPD wollte ich in der Zwischenzeit auch noch fragen.
Könne sie, lautete die Antwort. Der Ansprechpartner für Netzpolitik bei den Grünen sei sie nämlich selber. Und den Koalitionsvertrag (PDF) hat sie auch gleich mitgeschickt. Ein Statement zu den netzpolitisch relevanten Punkten findet man in ihrem Blog, meine Anmerkungen unten.
Was steht drin?
-
: Kinderpornographie in Tauschbörsen: Kein Zutritt zur geschlossenen Gesellschaft
: Kinderpornographie in Tauschbörsen: Kein Zutritt zur geschlossenen Gesellschaft Als Bitkom am Montag vorpreschte und im Namen des „White IT“ verkündete, „unentgeltliche Tauschbörsen“ seien der „größte Markt“ für kinderpornographische Bilder, war die Verwunderung nicht nur bei uns groß.
Die Darstellung der Studie des Kriminalwissenschaftlichen Instituts der Uni Hannover in der Bitkom-Pressemeldung warf einfach die ein oder andere Frage auf. Handelt es sich um frei verfügbares Material? Werden die Inhalte verschleiert?
Und welche p2p-Plattformen sind überhaupt betroffen? Oder sind vielleicht doch eher geschlossene Tauschzirkel gemeint? Glaubt man einem Artikel bei Silicon.de, reden wir über geschlossene Tauschzirkel:
-
: Hidden Feature in Android: Peilsender
: Hidden Feature in Android: Peilsender Tja, da baut Apple so ein schönes Feature ein, und was macht man als Besitzer eines Smartphones mit Googles Android-Betriebssystem? Man ärgert sich, dass das eigene Gerät nicht auch gleich ab Werk eine eingebaute Vorratsdatenspeicherung hat und Bewegungsprofile aufzeichnet!
Dabei muss man das gar nicht! Google war nämlich so freundlich, und hat Android mit einer ganz ähnliche Funktion ausgestattet. Nur eine schöne Software zur Visualisierung mit Google Maps oder OpenStreetMap, die gibt
es wohl (noch) nichtinzwischen auch (Siehe Nachtrag). Ein Python-Script zum Auslesen der beiden Dateien mit den gespeicherten Positionsdaten hingegen gibt es, und zwar bei github:Following the latest days internet outrage/overreaction to the revelation that iPhone has a cache for its location service, I decided to have look what my Android devices caches for the same function.
This is a quick dumper I threw together to parse the files from the Android location provider.
The files are named cache.cell & cache.wifi and is located in /data/data/com.google.android.location/files on the Android device.
You will need root access to the device to read this directory. […]
-
: Aus für Internetsperren: Ein Schritt vor, zwei zurück?
: Aus für Internetsperren: Ein Schritt vor, zwei zurück? Ich finde den Nachrichtenwert der Meldung, das Kabinett in Berlin habe das „Aus für Internetsperren“ beschlossen, persönlich ja eher gering, den ein oder anderen Leser wird es aber sicher interessieren, was z.B. Heise Online schreibt:
Die Bundesregierung will die umstrittenen Internet-Sperren gegen Kinderpornos kippen. Das Kabinett brachte am Mittwoch in Berlin laut dpa Eckpunkte für ein Gesetz auf den Weg, mit dem das bisherige Zungangserschwerungsgesetz aufgehoben werden soll. Künftig sollen Kinderpornos gelöscht werden. Zudem beschloss das Kabinett Eckpunkte für eine Visa-Warndatei, mit der künftig Visa-Missbrauch bekämpft werden soll. Auf beides hatten sich die Spitzen von Union und FDP in der vergangenen Woche bei einem Treffen mit Kanzlerin Angela Merkel verständigt. […]
D.h. das „Aus für Internetsperren“ ist zunächst einmal nur ein Regierungsbeschluss, bzw. eine mehr oder weniger formelle Absichtserklärung, ein Gesetz zur Aufhebung des „Zugangserschwerungsgesetzes“ zu formulieren und im Parlament (Bundestag) einzubringen. Erst, wenn dieses (Aufhebungs-)Gesetz das Parlament durchlaufen hat, können wir wirklich von einem „Aus für Internetsperren“ sprechen.
Wobei, nein, können wir leider nicht! Netzsperren drohen derzeit bekanntlich ja noch an anderen Fronten. Während es auf EU-Ebene derzeit gar nicht schlecht aussieht (Der aktuelle Verhandlungstext fordert keine verpflichtenden Netzsperren, auch wenn im Rahmen des CIRCAMP-Projektes parallel und mit deutscher Beteiligung entsprechende Datenbanken aufgebaut werden), zeichnet sich mit dem Glücksspielstaatsvertrag („GlüStV“, bitte merken! ‚) ein neues Problemfeld auf Länderebene ab.
Beim Glücksspielstaatsvertrag ist es im Grunde wie beim JMStV im letzten Jahr. Im Gegensatz zum Zugangserschwerungsgesetz, das eine übergreifende technische Infrastruktur inkl. zentraler Sperrliste (DNS-Sperren, evtl. auch ein Zonenmodell, wie es Paul Vixie vorgeschlagen hat) etabliert hätte, handelt es sich bei Sperren nach dem GlüStV bzw. JMStV um ordnungsrechtliche Einzelfallentscheidungen (bzw. Verwaltungsakte). Oder eben um eine „ultima ratio“, also die letzte aller denkbaren Optionen, falls jemand die Neusprechvariante bevorzugt.
Oder, noch anders gesagt, ich glaube nicht so recht, dass sich über Sperrverfügungen das halbe Internet wegsperren lässt, wie es offenbar selbst Protagonisten des Entwurfs hoffen:
Man werde dafür sorgen, dass die Internetdienste unerlaubte Angebote sperrten, und man werde den elektronischen Zahlungsverkehr zu den betreffenden Firmen unterbrechen. „Das Geschäft der von uns zugelassenen Gesellschaften wird geschützt“, verspricht Robra. Auf diese Weise könne man 90 Prozent des Schwarzmarktes austrocknen, glaubt der Staatskanzleichef. (Quelle: Printausgabe der SZ, 8.4.2011, via „Digitale Linke“)
Sollten die Ordnungsbehörden tatsächlich versuchen, das Angebot großflächig mit Sperrverfügungen zur regulieren, hätten wir eine – wohl auch verfassungsrechtlich – spannende Debatte. Bei der werden sicher auch wieder die Zugangsprovider mitspielen, die beim (bzw. vor dem) Zugangserschwerungsgesetz eingeknickt sind. Es dürfte fraglich sein, ob die Politik diese Debatte – gerade nach den Erfahrungen mit dem JMStV (die Möglichkeit, im Zuge des Medienschutzes Sperrverfügungen auszusprechen, besteht unabhängig von der gescheiterten Novellierung!) – führen möchte.
Bevor Missverständnisse aufkommen: Das macht Netzsperren bzw. eine „Zensur“ im Einzelfall natürlich nicht besser. Sperrverfügungen sind als ordnungsrechtliche Maßnahme aber schlicht eine andere Qualität bzw. ein anderer Level als das Zugangserschwerungsgesetz.
Wie auch immer, es gibt es dieses Jahr noch einiges zu tun.
Update, 13.04.: Siehe auch Torsten Kleinz bei Hyperland:* „Netzsperren noch nicht vom Tisch“
*Disclosure: „Hyperland“ wird von Blinkenlichten für das ZDF produziert. Während ich hier bei Netzpolitik mehr oder weniger als Gast schreiben darf (von mir aus auch als Ehrengast oder der Typ, der nicht nach Hause gehen wollte, als die Party vorbei war), verdiene ich dort einen Teil meiner Miete.
Nur falls sich jemand über das Interview mit Markus zur „Digitalen Gesellschaft“ wundert. Die „Digitale Gesellschaft“ ist – ebenso wie Netzpolitik.org – ein Projekt von
Newthinking Communicationsvon Markus, mit dem ich ansonsten aber nichts zu tun habe. Bis Freitag/zur Anfrage, ob ich für Hyperland etwas schreiben wolle, wusste ich über die „dg“ nicht viel mehr als den Projektnamen.Im Interview selber findet man ein Antworten auf Fragen, die die geschätzten Kollegen bis zu meiner Deadline am Dienstag schlicht nicht gestellt hatten. „PR“ geht anders, das ist auch nicht mein Ding.
-
: Google Street View: Deutschland droht kein Blackout!
: Google Street View: Deutschland droht kein Blackout! Ok, ich mache es kurz: Google hat uns weiterhin lieb. Also, vielleicht nicht gerade uns hier bei Netzpolitik.org (obwohl wir fraglos Deutschlands liebenswertestes Netzpolitik-Blog sind!), sondern mehr so im Allgemeinen. Allerdings gibt es ein paar Missverständnisse aufzuklären.
Worum geht es überhaupt? Gestern machte ein Blogeintrag von „Search Engine Land“ die Runde, dass Google die Aufnahmen für Street View in Deutschland gestoppt habe:
Google Has Stopped Street View Photography In Germany
Apr 10, 2011 at 10:15am ET by Matt McGeeIn most locations, Google sends its Street View cars out on a repeated basis “to make sure the information is accurate and kept up to date,” as the Street View website explains.
But that’s not happening in Germany.
-
: Netzneutralität: Die Laune der Freiheit oder die Neutralität und ihr Preis
: Netzneutralität: Die Laune der Freiheit oder die Neutralität und ihr Preis In der Netzneutralitätsdebatte ist ein beliebtes Argument von Industrie-Lobbyisten , dass um einen großen Ausbau von Netzwerkmanagement und tollen neuen Ideen wie Diensteklassen kein Weg dran vorbei führe, weil sonst die Netze zusammenbrechen würden. Das Argument wird immer mit der Behauptung verknüpft, dass man bereits massiv in den Ausbau investiert habe und es echt nicht anders gehen würde. Diese Linie wird dann von Politikern der Koalition gerne nachgeplappert. Kritisches Nachfragen wird dann mit dem Killerarument abgetan, dass man keine Ahnung vom Geschäft hätte, wenn man das in Frage stellen würde.
Eine andere Meinung dazu vertritt Theo Weirich, Geschäftsführer des City-Carriers wilhelm.tel und Vorstandsmitglied der Stadtwerke Norderstedt und Technik-Vorstand im Bundesverband Glasfaser e.V. (Buglas). Die ct hat jetzt einen Meinungsbeitrag von Weirich veröffentlicht, der die Netzbetreiber mit dem Sozialismus vergleicht: Beide hätten „die vorhandene Infrastruktur herunter gewirtschaftet und vernachlässigt“ und nur deshalb würde jetzt an der Netzneutralität gekratzt, was unserer Freiheit schade..
Denn allein es fehlt die Bandbreite. Diese aufzubauen wurde lange verschlafen. Hätten die Netzbetreiber ihre Netze mit der notwendigen Voraussicht rechtzeitig geplant und aufgebaut, hätten sie also ihre eigentliche Aufgabe wahrgenommen, gäbe es keine nennenswerte Diskussion um Netzneutralität. Stattdessen will man ein Mautsystem für Internetautobahnen einführen. Wer zahlt, bekommt schnellen Zugang, wer nicht, holpert über Schlaglöcher. Das Fatale an dieser Entwicklung ist, dass der Netzaufbau mit schnellen Glasfaseranschlüssen jetzt erst recht auf die lange Bank geschoben wird, weil man die alten Leitungen länger nutzen kann.
Er plädiert für einen Systemwechsel zur Glasfaser:
Das Internet ist eine Laune der Freiheit, es ist die kultivierte Anarchie gegen jede Obrigkeit und Bevormundung, sei es durch Regierungen oder Konzerne. Es beheimatet die Avantgarde der Informationsgesellschaft ebenso wie die widerspenstigen Quertreiber aus Hackerkreisen. Diese Freiheit ist ein Stück Menschenrecht, auf das wir pochen müssen. Es wird Zeit, dass einige Leute das tun, was sie schon immer hätten tun sollen, nämlich sich auf ihren Job konzentrieren und Netze bauen. Die Kupferzeit ist am Ende, doch Mangel und Mangelverwaltung sind kein Naturgesetz. Jetzt muss der Systemwechsel zur Glasfaser vollzogen werden.
-
: Wie Facebook eure Freunde vor euch versteckt – und wie ihr das ändern könnt
: Wie Facebook eure Freunde vor euch versteckt – und wie ihr das ändern könnt Wundert ihr euch auch, wieso ihr auf Facebook immer nur mit den selben Menschen interagiert, wieso immer nur dieselben Personen eure Beiträge kommentieren und nur die selben Menschen immer in eurer Timeline auftauchen? Werdet ihr auch von Freunden angesprochen, ob ihr dies oder jenes Posting oder dies oder jenen Link denn nicht gesehen habt, jenen wichtigen Artikel nicht gelesen habt? Fragt ihr euch auch, wie ich, woran das eigentlich liegt oder fällt euch spätestens jetzt auf, dass ihr die letzte Zeit auf Facebook tatsächlich in einer sozialen Blase verbracht habt?
Keine Sorge, eure Freunde sind euch natürlich immer noch treu, sie blocken euch nicht, aber Facebook versteckt eure Freunde vor euch und euch vor ihnen. Mit einer Standardeinstellung werden euch seit geraumer Zeit in eurem Newsfeed offenbar nicht mehr alle, sondern nur noch Postings von bestimmen, ausgewählten Freunden angezeigt. Dies sind natürlich keineswegs die wichtigsten oder eure Liebsten. Es sind schlicht die, mit denen ihr am häufigsten agiert.
Das lässt sich ändern: Scrollt bis zum Ende eures Newsfeeds/eurer Timeline und klickt auf „Optionen bearbeiten“. Ändert die Einstellung für „Zeige Beiträge von:“ von „Freunde und Seiten, mit denen du am häufigsten interagierst“ zu „Alle deine Freunden und Seiten.“ Diese Einstellung kann man auch ändern, indem man auf der Startseite auf „Neueste Meldungen“ klickt und dann den kleinen Pfeil, der rechts daneben erscheint.
-
: Nur kurz: Das Internet ist böse, Bild.de gesperrt, Perspektive ZugErschwG
: Nur kurz: Das Internet ist böse, Bild.de gesperrt, Perspektive ZugErschwG Ich will gar nicht lange ablenken, schließlich schaue ich auch gespannt, wie sich die Situation in Japan entwickelt. 3 Links fürs Wochenende habe ich aber trotzdem, vielleicht schlicht zur Ablenkung:
# Gestern Abend wurde im Ersten die Doku „Angriff aus dem Internet – Wie Online-Täter uns bedrohen“ wiederholt. 45 Minuten Feinkost nicht nur für Verschwörungstheoretiker.
Die Reportage von ARD-Korrespondent und Grimme-Preisträger Klaus Scherer beginnt recht lebensnah, um ein Licht auf neue, alltägliche Risiken einer vernetzten Welt zu werfen. Er besucht US-Bürger, die von Hackern erst ihrer kompletten Identität und dann ihres Vermögens beraubt wurden. Er trifft FBI-Agenten, die jahrelang verdeckt in Cyber-Gangs ermittelten. Diese verschieben gefälschte Kreditkarten zu Spottpreisen und dabei binnen Stunden Banken um Millionen prellen.
Noch einmal anschauen kann man sich den vielleicht besten Werbefilm, der je für die Vorratsdatenspeicherung gedreht wurde, in der Mediathek des Ersten oder auf Plattformen, vor denen im Film gewarnt wurde.
# Aber gut, das Böse lauert bekanntlich immer und überall.