Liebe Leser*innen,
vor 10 Jahren habe ich eine Reportage über das Kottbusser Tor in Berlin geschrieben. 24 Stunden war ich dafür vor Ort. Vergangene Woche war ich dann wieder beruflich dort, für ein ähnliches Stück, drei Stunden diesmal nur – ein wohl auch altersbedingter Rückschritt.
Dabei waren die Szenen von vergangener Woche denen ganz ähnlich, die ich vor 10 Jahren erlebte. Damals schrieb ich:
„Ein spanisches Pärchen, Biere in den Händen, fragt einen Passanten, ob er ein Foto von ihnen schießen kann. Polizei und Krankenwagen jagen mit Blaulicht und Sirene über den Kreisverkehr, während auf der Mittelinsel ein Obdachloser an eine Wand pinkelt. Der Gemüse-Händler schaut kurz auf, als eine ältere Frau über die Straße schimpft.“
Der Gemüsestand ist noch dort und auch eine schimpfende Frau habe ich wieder gefunden. Auch diesmal traf ich auf viele Tourist*innen und sah viel Polizei. Nur der obdachlose Mensch, der uriniert, während die Polizei vorbeifährt, wurde aktualisiert. Heutzutage pinkelt er in eine Flasche.
Und die KI-gestützte Videoüberwachung, um die es in meiner aktuellen Reportage geht, war vor 10 Jahren weder politisch noch technisch im Rahmen des Möglichen. Das ist dann wohl der deutlichste Unterschied.
Viel Spaß beim Lesen!
Martin

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