Liebe Leser*innen,

das sagt man auch nicht alle Tage, aber heute hat mir ein Interview über Verwaltungsdigitalisierung gute Laune gemacht.

Im Gespräch mit meinem Kollegen Daniel erklärt Juristin Heidi Scheichenbauer geduldig und optimistisch, wie der Staat unser aller Daten sauber trennen und damit besser schützen kann. Und das ganze ist nicht nur ein Plan von Idealist*innen, sondern Praxis in Österreich. Lesenswert.

Das Gegenteil von sauber getrennten Daten sind Chatverläufe, die in den Händen eines Megakonzerns wie OpenAI zusammenlaufen – siehe Ticker.

Kommt gut ins Wochenende
Sebastian

Wir sind communityfinanziert

Unterstütze auch Du unsere Arbeit mit einer Spende.

Unsere Artikel des Tages

Polizeirechtsnovelle in SachsenMit minimalen Anpassungen in Richtung Überwachungsstaat

Trotz scharfer Kritik hält die sächsische Regierung am ihrem Vorhaben fest, die Polizei mit erheblich erweiterten Überwachungsbefugnissen auszustatten. Den bisherigen Gesetzesentwurf hat sie nach internen Verhandlungen nur kosmetisch angepasst. Kritiker:innen bezweifeln die Vereinbarkeit mit geltendem EU-Recht und warnen vor dystopischen Verhältnissen.

Lesen Sie diesen Artikel: Mit minimalen Anpassungen in Richtung Überwachungsstaat

Interview zu Personenkennzeichen„Den gläsernen Bürger nicht nur rechtlich, sondern auch technisch verhindern“

Während die Bundesregierung behördenübergreifend eine lebenslang gültige Personenkennzahl einführen will, geht das Nachbarland Österreich einen anderen Weg. Warum dieser mehr Datenschutz verspricht, ohne die Verwaltungsdigitalisierung zu behindern, erläutert die österreichische Juristin Heidi Scheichenbauer im Gespräch.

Lesen Sie diesen Artikel: „Den gläsernen Bürger nicht nur rechtlich, sondern auch technisch verhindern“

Niedersächsisches PolizeigesetzDiese KI soll prüfen, ob du artig bist – und dich identifizieren, wenn nicht

Niedersachsen folgt dem bundesweiten Trend in Richtung Sci-Fi-Überwachung. Im neuen Polizeigesetz sind neben der Datenanalyse nach Palantir-Art auch Verhaltensscanner und Live-Gesichtserkennung vorgesehen. Heute findet eine Anhörung im Innenausschuss zu dem massiven Überwachungsausbau statt.

Lesen Sie diesen Artikel: Diese KI soll prüfen, ob du artig bist – und dich identifizieren, wenn nicht

Tickermeldungen

Lesenswert, wichtig und spannend – hier fasst die Redaktion netzpolitische Meldungen von anderswo als Linktipps zusammen.

Interesting Engineering
Ein chinesisches Unternehmen hat ein Lasergerät entwickelt, das angeblich bis zu 30 Moskitos pro Sekunde töten kann. Der Einsatz soll in Innenräumen und im Freien möglich sein. Menschen oder Haustiere gefährde das System nicht.
ZDF
Laut ZDF-Politbarometer sprechen sich 81 Prozent der Deutschen für ein Social-Media-Verbot bis 14 Jahre aus, 17 Prozent sind dagegen. Die Debatte ist weitgehend von Forschung und Rechtslage entkoppelt.
Techxplore
Mit Hilfe der Daten von Reifendrucksensoren lassen sich die Fahrwege von modernen Autos nachverfolgen. Forschende haben Signale von mehr als 20.000 Fahrzeugen ausgewertet, die sich auch noch aus über 50 Metern Entfernung erfassen lassen.
heise online
Netflix steigt aus dem Bieterstreit um Warner Bros. aus. Die Geschäftsführer bestätigten, dass sie kein weiteres Angebot für den Medienkonzern abgeben werden. Damit kommt wohl Paramount zum Zuge.
Politico
Nachdem SpaceX im Februar unregistrierte Starlink-Terminals in besetzten Gebieten der Ukraine deaktivierte, mussten russische Soldaten zu Funkkommunikation zurückkehren. Politico zeigt auf, wie unverzichtbar Satelliten-Internet auf dem Schlachtfeld inzwischen ist.
Handelsblatt
"Das wird krass": Bundesdigitalminister Karsten Wildberger hat für den Sommer eine App angekündigt, in der Bürger:innen künftig bundesweit Anträge stellen oder Termine buchen können.
heise online
Regenschirme mit einem bestimmten Muster können wohl Drohnen anziehen und zum Absturz bringen. Das Muster täusche der KI-Zielerfassung vor, dass sich die Person mit dem Schirm beständig entferne.
BBC
In zunächst 500 US-Filialen führt die Fast-Food-Kette Burger King KI-Headsets für Angestellte ein. Sie sollen deren „Freundlichkeit“ überwachen und Fragen beantworten.
OpenAI
Ein von OpenAI vorgelegter Bericht mit acht Fallstudien zeigt, wie Menschen ChatGPT für schädliche Zwecke einsetzen - und wie genau der Konzern Chats überwacht. Ein Fall handelt von einem chinesischen Beamten, der Dissident*innen im Ausland einschüchtert.
Load e.V.
Der netzpolitische Verein Load hält die Diskussion über ein Social-Media-Verbot für "reine Symbolpolitik". Sie leiste zum Schutz von Kindern "keinen wesentlichen Beitrag".
Berlin.de
Vor zehn Jahren hat WhatsApp Nutzer*innen fragwürdige Nutzungsbedingungen serviert. Nun hat das Landgericht Berlin dem klagenden Verbraucherzentrale Bundesverband Recht gegeben – aber WhatsApp kann noch in Berufung gehen. "Zäh", ordnet heise online ein.
The Guardian
In einem Gerichtsverfahren berichten US-Strafverfolger, dass Meta sie seit einiger Zeit mit fehlerhaften Hinweisen auf Kindesmissbrauchs-Inhalte überschwemmt. Die falschen oder unvollständigen Hinweise seien mutmaßlich KI-generiert und erschwerten ihre Arbeit.
nd
Sicherheit entsteht nicht durch Kameras, sondern durch gute Nachbarschaft. Das betont eine Kölner Initiative.
404 Media
Ein Fall aus den USA zeigt, dass Grok bei Ermittlungen zu bildbasierter Gewalt mit Behörden kooperiert. So soll ein Nutzer mithilfe des Chatbots nicht-einvernehmliche, sexuelle Deepfakes erstellt haben. Das FBI habe dessen Prompts angefragt und erhalten.
New York State Attorney General
Die Generalstaatsanwältin von New York verklagt Valve. Das Unternehmen entwickelt Videospiele wie Counter-Strike. Der Vorwurf: Lootboxen, also kostenpflichtige Überraschungspakete, sind Glücksspiel mit Suchtgefahr.
The Guardian
Erneut hat die britische Polizei einen Unbeteiligten festgenommen, nachdem sie per Gesichtserkennung nach einem Verdächtigen gesuchte hatte. Der Betroffene betont verärgert: Der Verdächtige sehe anders aus, sei deutlich jünger, habe keinen Bart.
heise online
Der Krieg der Zukunft ist automatisiert. Wo das womöglich hinführt, hat eine Studie untersucht: In 95 Prozent der Planspiele entschieden sich die beteiligten Sprachmodelle für einen Atomwaffeneinsatz.
tarnkappe.info
Ein Like auf Facebook führte zu einer Hausdurchsuchung. Tarnkappe hat aufgeschrieben, was das mit dem Betroffenen gemacht hat.
Create Digital Media
Im Alter von 94 Jahren ist die einflussreiche Pionierin elektronischer Musik, Éliane Radigue, verstorben. CDM bietet eine Rückschau ihres Werks, einen ausführlichen Nachruf gibt es bei der New York Times zu lesen.

Deine Spende für digitale Freiheitsrechte

Wir berichten über aktuelle netzpolitische Entwicklungen, decken Skandale auf und stoßen Debatten an. Dabei sind wir vollkommen unabhängig. Denn unser Kampf für digitale Freiheitsrechte finanziert sich zu fast 100 Prozent aus den Spenden unserer Leser:innen.

0 Ergänzungen

Wir freuen uns auf Deine Anmerkungen, Fragen, Korrekturen und inhaltlichen Ergänzungen zum Artikel. Bitte keine reinen Meinungsbeiträge! Unsere Regeln zur Veröffentlichung von Ergänzungen findest Du unter netzpolitik.org/kommentare. Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.