Der geplante Aufbau eines satellitengestützten Kommunikationsnetzes für die Bundeswehr enthält auch eine bewaffnete Dimension: Neben dem bereits bekannten Vorhaben eines militärischen Gegenstücks zu Elon Musks Starlink-System geht es laut einem neuen Bericht der Nachrichtenagentur Reuters auch um offensive und nicht‑kinetische Fähigkeiten im Weltraum – darunter Laser, Störsysteme und sogenannte Inspektionssatelliten.
Vergangene Woche war bekannt geworden, dass der Rüstungskonzern Rheinmetall und der Bremer Satellitenhersteller OHB über eine mögliche Kooperation für das Projekt „SATCOMBw Stufe 4“ verhandeln. Das Netzwerk soll aus 100 bis 200 Satelliten im niedrigen Erdorbit bestehen und der Bundeswehr eine abhörsichere, robuste Kommunikation ermöglichen. Es ist Teil eines insgesamt rund 35 Milliarden Euro schweren Budgets, das die Bundesregierung für militärische Weltraumtechnologie vorgesehen hat. Der Auftragswert allein für „SATCOMBw Stufe 4“ wird auf acht bis zehn Milliarden Euro geschätzt, das System soll bis zum Ende des Jahrzehnts einsatzbereit sein.
Ein deutsches Starlink für die Bundeswehr
Das geplante „SATCOMBw Stufe 4“ gilt als größter Einzel‑Weltraumauftrag in der Bundeswehr-Geschichte. Es soll Panzer, Schiffe, Flugzeuge und Soldat*innen weltweit miteinander vernetzen und insbesondere Einsätze an der Ostflanke der Nato absichern, wo das deutsche Verteidigungsministerium derzeit eine dauerhaft stationierte Brigade mit perspektivisch rund 5.000 Soldat*innen in Litauen aufbaut.
Rheinmetall, bislang vor allem als Hersteller von Panzern, Artillerie und Munition bekannt, treibt seit der Aufstockung des Verteidigungshaushalts gezielt den Einstieg in den Weltraumsektor voran. Ende vergangenen Jahres erhielt der Konzern seinen ersten Auftrag im Wert von 1,7 Milliarden Euro für militärische Aufklärung aus dem All.
Gemeinsam mit dem Satellitenbetreiber Iceye gründete Rheinmetall dafür ein neues Unternehmen. Die dazu unter dem Projektnamen „Spock 1“ geführten Satelliten sollen in einer ehemaligen Autofabrik in Neuss produziert werden. OHB wiederum gehört zu den zentralen deutschen Satellitenbauern und ist bereits an zahlreichen militärischen und zivilen Raumfahrtprojekten beteiligt.
Weltraum als neues Gefechtsfeld
Nach Angaben von Michael Traut, dem Kommandeur des Weltraumkommandos der Bundeswehr, ist der Weltraum für die Truppe längst zu einem operativen Einsatzgebiet geworden. Spätestens seit dem russischen Angriff auf die Ukraine im Jahr 2022 habe sich die Bedrohungslage im All drastisch verschärft, wird Traut von Reuters zitiert.
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Ziel sei es, so der Kommandeur, die eigene Abschreckungsfähigkeit im All zu erhöhen. Deutschland und seine Verbündeten müssten deshalb nicht nur ihre Weltraum-Systeme schützen, sondern auch verteidigen. Etwa indem gegnerische Weltraumsysteme gestört oder außer Gefecht gesetzt werden.
Laut dem Reuters‑Bericht will Deutschland gezielt in sogenannte nicht‑kinetische Mittel investieren, um feindliche Satelliten zu behindern. Dazu zählen elektronische Störmaßnahmen (Jamming), Eingriffe im elektromagnetischen und optischen Spektrum sowie der Einsatz von Lasern. Diese sollen Satelliten nicht physisch zerstören, sondern deren Sensoren oder Kommunikationsverbindungen lahmlegen oder zeitweise blenden.
Weltraumwaffen ohne Trümmer
Traut betont, die Bundeswehr wolle keine destruktiven Waffen im Orbit stationieren. Als Begründung nennt der Kommandeur die Gefahr von Weltraumschrott, der eigene wie fremde Satelliten langfristig gefährden würde.
Das neue Satellitennetz soll sich am Modell der US Space Development Agency orientieren, die ein engmaschiges Netzwerk aus Low‑Earth‑Orbit‑Satelliten für Kommunikation und Raketenfrühwarnung aufbaut. Bei der Umsetzung seines Systems aus in geringer Höhe fliegenden Erdtrabanten will Deutschland nach Angaben des Weltraumkommandos vorrangig auf deutsche und europäische Unternehmen setzen.
Hinzu kommen sogenannte Inspektionssatelliten: kleine, manövrierfähige Raumfahrzeuge, die sich anderen Satelliten annähern können. Russland und China würden solche Systeme nach Angaben des Weltraumkommandeurs bereits einsetzen. Auch Angriffe auf Bodensegmente – etwa Kontrollstationen auf der Erde – gelten als Option, um gegnerische Weltraumsysteme funktionsunfähig zu machen. Für solche Angriffe wären allerdings andere deutsche Truppengattungen zuständig.

Ein von Starlink unabhängiges Satelliten-Kommunikationssystem ist auf jeden Fall notwendig.
Der Artikel wirft allerdings mehrere wichtige Fragen auf:
1. Warum ein deutsches System und kein europäisches?
2. Warum die Bundeswehr? Satelliteninternet taucht inzwischen als feature in ersten Handys und Smartwatches auf, zudem wird die Installation von Glasfaserinternet in abgelegten Regionen sehr teuer. Es gibt also eine Menge ziviler Anwendungen. Beim Investitionsvolumen, das – wenn das System irgendwann fertig ist – wohl deutlich über den genannten 35 Milliarden Euro liegen wird, stellt sich die Frage weshalb wir nicht, wie andere Länder auch, ein hybrides System für Militär- und Zivilnutzung entwickeln.
Zudem ist eine Achillesverse der Bundeswehr die Beschaffung. Konkreter die Spezifierung und Bestellung von Technologie. Es häufen sich Meldungen von Rüstungsprojekten, die alle Ziele verfehlen und nach vielen Jahren und vielen Milliarden ergebnislos eingestellt werden müssen.
3. Weshalb Rheinmetall?
Luft- und Raumfahrt ist für Rheinmetall ein Nischengeschäft. Neuland. Aus dem Drohnenprogramm der Bundeswehr ist der Konzern rausgefolgen, weil man nicht einmal einen Prototypen rechtzeitig liefern konnte. Obwohl Rheinmetall angeblich große Produktionsstätten in der Ukraine aufbaut. In einem Land, wo man mit minimalem Aufwand problemlos Partner für ein eigenes Drohnenprogramm hätte finden können.
Wenn schon Bundeswehr: Warum schafft man dann nicht eine Technologieagentur wie die DARPA, um selber die Kontrolle zu behalten, und Anbieterübergreifende Kompentenzen auf zu bauen?
Ich finde schon, das einiges für einen Ansatz spricht, bei dem Deutschland eine Reihe an Fähigkeiten aufbaut. Prinzipiell sehe ich auch Europa in der Pflicht, hier wird es allerdings schnell kompliziert, da es für jeden Trog mehrere Schweine gibt, und noch viel mehr Nutzerstaaten. Vgl. Historie Gemeinschaftsprojekte.
1. Wo sind die wesentlichen Fähigkeitslücken der Bundeswehr?
2. Weil das komplett militärische Entwicklungen sind, mit minimalem überschnitt. Die Idee, gleich in Zivil mitzudenken, finde ich sehr gut, halte eine Umsetzung derzeit allerdings für unrealistisch, bzw. potentiell hinderlich (Welches zivile Problem wird gelöst?). Synergien mögen folgen. Am pragmatischten wäre wohl, die Kräfte da zu bündeln, wo es wirklich nötig ist. Komplexe Projekte am Rande der Technik, sind nun mal nicht 100% planbar. Dazu kommen die z.T. überbordenden Anforderungen, die vielleicht flexibler und pragmatischer angegangen werden könnten. Auch das passiert z.T. ganz langsam, wenn man wohlwollend drauf schaut.
3. Welches Startup baut denn Starlink? Ein Drohnenprototyp aus irgendeinem Kontext hat auch nicht so viel mit Fabriken in der Ukraine zu tun. Rheinmetall hat schon Fähigkeiten, und kann u.a. durch Kooperation auch weitere aufbauen. Da sehe ich nicht das Problem. Frage wäre eher, wer welchen Teil auch noch kann, und wie man das irgendwie sinnvoll koordiniert, bzw. ob.
Wenn man mit den USA vergleicht, selbst wenn man Flugzeugträger und Atomwaffen weglässt, gibt es so viele Spezialfähigkeiten, die Europa nicht hat, dass es hier auf Jahrzehnte ambitionierte Projekte vor der Nase haben dürfte. Dann sollte man allerdings den Ukrainekrieg auch nicht aus den Augen verlieren.
Darpa/Bundeswehr: Da muss was passieren, ohne Frage. Prozesse sind zu langsam und weisen zu hohen Bürokratieabrieb auf. Dennoch beim Vergleich mit den USA nicht verwechseln, was Effizienz bedeuten soll, oder könnte, wenn es sie dort denn gäbe.
Also die Fragen wirft der Artikel nicht alle selbst auf. Wenn die Story „Irgendwas wie Starlink von Rheinmetall“ ist, dann sind zwei der Punkte schon mal von der Story vorgegeben.
Warum genau überhaupt berichtet wird (Netzpolitik?), und welche Fragen zu stellen wären, kann man natürlich extra diskutieren.
FYI
https://www.scmp.com/news/china/science/article/3342443/chinese-scientists-build-world-first-20gw-microwave-weapon-can-fire-60-second-bursts
Chinese scientists build world-first 20GW microwave weapon that can fire 60-second bursts
Ground-based and compact Chinese technology can disrupt or damage Starlink satellites operating in low Earth orbit
Schön aber auch, nun hat dieses Land auch noch Geld für sein eigenes Star Wars Programm, währenddessen überall im Land Kahlschlag betrieben und alles was diesen Staat auszeichnete, beerdigt wird.
Das sind eigentlich recht bodenständige minimalmaßnahmen. Andere Satelliten zu blenden, ist absoluter Standard. Wer wen von wo aus wie gut, ist noch interessant, aber das kann man dann ja mal mit den eigenen Satelliten testen.
Ansonsten, naja, umarme Kessler, denke ich mal. Da sind wir eh schon fast, und der sicherste Weg, Dominanz im All kurzfristig zu verhindern, ist das Kesslersyndrom auszulösen.
Mit der Sorte Entscheidungsträger, wie sie die Welt so hat, kann durchaus passieren, dass einer eine geheime Produktionsbasis im Asteroidengürtel o.ä. baut, und dann irgendwann Weltherrschaft fordert. Vielleicht wird das wie in Iron Sky, dann kommt einer nach dem anderen mit der verbotenen Geheimbasis und irgendwelchen hinter der Sonne geparkten kinetischen Minidrohnen. Dann will man die besten Erd- und Ozeangestützten Raketen für all die strategischen Atomsprengköpfe haben, die man dann ja offensichtlich braucht. Oder man macht in Luftballons, dann halt mit KI und Biowaffen.