ProPublica-Recherche: „Multikulturelles“ Aussortieren bei US-Facebook immer noch möglich

Die Facebook-Logik: Sortieren, kategorisieren, diskriminieren. (Symbolbild) Alle Rechte vorbehalten Sanwal Deen

Die US-Recherchejournalistin Julia Angwin hat in Sachen Werbediskriminierung auf Facebook nachgelegt. Vor einem Jahr hatte sie aufgedeckt, dass man auf der Social-Media-Plattform in den USA sehr leicht Anzeigen schalten kann, die auf verbotene Weise diskriminieren (wir berichteten). Facebooks Baukasten für Targeted Advertising ermöglicht es dem neuen Bericht zufolge weiterhin, auch bei Anzeigen für Wohnungen und Häuser von Facebook definierte Kreise aus der Zielgruppe auszuschließen:


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Wir haben versucht, eine Anzeige mit den exakt gleichen Parametern wie im letzten Jahr zu kaufen. Die Anzeige hat ein fiktionales Apartment zur Miete beworben und wurde an Menschen gerichtet, die in New York leben, zwischen 18 und 65 Jahre alt sind, Wohnungen suchten und umzugsbereit wären. Wir haben Facebook gesagt, dass die Anzeige nicht an Menschen ausgespielt werden soll, die im Bereich „multikulturelle Affinität“ als Hispanic, African American oder Asian American kategorisiert wurden.

[…]

Die einzigen Veränderungen, die wir im Vergleich zum letzten Jahr feststellen konnten, waren die, dass in Facebooks Anzeigenmanager die Kategorie „Ethnische Affinität“ nun in „Multikulturelle Affinität“ umbenannt wurde und nicht länger unter „Demographie“ zu finden war. Stattdessen ist sie jetzt unter „Verhalten“ ausgewiesen.

Unsere Anzeige wurde innerhalb weniger Minuten bestätigt.

Was Facebook „multikulturelles Marketing“ nennt, ist in den USA unter dem Fair Housing Act verboten. Das Gesetz von 1968 verbietet explizit Werbung im Wohnungsbereich, die bestimmte Menschen aufgrund von „Rasse, Hautfarbe, Religion, Geschlecht, Behinderung, Familienstatus oder nationaler Herkunft“ bevorzugt oder diskriminiert. Nach der Kritik im vergangenen Jahr hatte Facebook diverse Besserungsmaßnahmen angekündigt. Laut einer Unternehmenssprecherin sei ein technischer Fehler dafür verantwortlich, dass diese jetzt nicht griffen.

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