Neue Chrome-API: Google lässt Werbetreibende messen, wann ihre Anzeigen gesehen werden

Foto: Veri Ivanova unter CC0-Lizenz.

Google ergänzt seinen Chrome-Browser um eine Programmierschnittstelle, die es Werbetreibenden ermöglichen soll, genau zu messen, wann ihre Anzeigen gesehen wurden. Die „Intersection Observer“ genannte API ist Teil einer Reihe von jüngst angekündigten Maßnahmen, mit denen Googles Werbenetzwerk DoubleClick für seine Kunden das „viewability measurement“ verbessern möchte. Nachdem der Technologie- und Werberiese seine NutzerInnen mit Account seit dem Sommer dazu ermutigt, einer Zusammenführung der über Google-Dienste und über DoubleClick-Cookies gesammelten Informationen zuzustimmen, ist dies ein weiterer Schritt der umfassenden Verzahnung der beiden Werbesysteme.


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Dass Werbeunternehmen daran interessiert sind zu messen, ob ein Werbeelement auf einer Seite nicht nur geladen, sondern (gerade bei größeren Fenstern oder mobil) auch im aktiven Sichtfeld war, ist dabei nicht neu. Wohl aber, dass ein Hersteller für diesen Zweck ein Analyse-Tool direkt in die Architektur des Browsers integriert. Wer immer noch Google Chrome nutzt, sollte sich also bewusst machen: Primärer Zweck dieses Browsers ist es, das Verhalten seiner NutzerInnen möglichst exakt zu erfassen.

Nachtrag: Auch beim Mozilla Firefox und Microsoft Edge wird mit „Intersection Observer“-APIs experimentiert. Danke für den Hinweis, Norbernd!

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33 Kommentare
  1. Die betreffende API heißt „Intersection Observer“ und ist schon lange überfällig. Und zwar nicht weil Werbetreibende das fordern. Im Gegenteil: Ich als Frontend-Entwickler freue mich schon lange auf diese Schnittstelle, weil ich mir viele komplizierte Positionsberechnungen sparen kann. Zum Beispiel kann ich dann sehr einfach animationen nur abspielen, wenn Sie der Nutzer auch sieht. Das spart z.B. Rechenleistung (und somit Akkulaufzeit). Es gibt dafür sehr viele konkrete Anwendungsfälle.

    Diese durchaus nützliche Schnittstelle auf ein maßgeschneidertes Messinstrument für die Werbeindustrie zu reduzieren finde ich sehr überspitzt dargestellt.

    1. Ich bin ebenso Entwickler, und stimme diesen Kommentar absolut zu. Die API hat eine Vielzahl legitimer Anwendungen, und kann wirklich unterstützen, performantere und bessere Anwendungen zu bauen.

      Der Missbrauchsfall bei dieser API zu unterstellen, liegt zwar irgendwie nahe, wo doch so fiese Stichwörter wie „visibility tracking“ (von sichtbaren Seiten-Elementen) in der Feature-Beschreibung vorkommen, aber: Dieses ganze Tracking kann man auch schon mit 10+ Jahre alten JavaScript-APIs machen. Und wird auch gemacht! Und das lässt sich auch nicht technisch verhindern, ohne Anwendungsprogrammierung im Web völlig zu demontieren und große Teile heutiger Web-Apps lahmzulegen.

      APIs um das aktuelle Sichtfenster zu bestimmen existieren seit Ewigkeiten, genauso wie APIs, um zu gucken, an welcher Position welches Seitenelement ist. Die sind nur komplizierter zu nutzen, man macht mehr Fehler dabei (weil die Layout-Berechnungen kompliziert sein können) und verbraucht mehr Rechenzeit und Akku.

      Es gibt schon massiv viele User-Tracking-Services, die genau so etwas machen. Da kann man sich dann schön Heatmaps anzeigen lassen, z.B. wo der Nutzer die Maus wann und wie oft hatte, oder welche Seitenbereiche wie lange im Bildausschnitt waren.

      Entschuldigung, aber bei diesem Artikel wurde meiner Meinung nach vorschnell geschossen – das sieht für mich leider eher nach panischer Angstmache aus, als wirklich auf Fakten zu basieren.

      Es ist ja nicht so, als ob diese API automatisch an Google oder sonstwen diese Visibility reportet – sie steht nur über JavaScript zur Verfügung.

      Die beste Lösung meiner Meinung nach: Blocken bei Missbrauch. Adblocker sind wirklich essenzieller Bestandteil, damit der Rechner sicher bleibt, das Browsing nicht langsam wird, dass man nicht noch gläserner wird gegenüber noch mehr Unternehmen, und einem der Verstand nicht zugemüllt wird mit Sachen, die einen eigentlich nicht wirklich interessieren brauchen.

      1. Ergänzung: Das klang vielleicht etwas drastisch. Ich bin sicher, dass der Artikel gut gemeint war. Offensichtlich gibt es ja hier mindestens Leute in der Leserschaft, die diese technischen Hintergründe auch nachvollzogen haben – vielleicht macht es ja Sinn, sich für zukünftige Artikel in manchen Fällen Unterstützung zu suchen, und vielleicht auch die Leserschaft dazu aufzurufen. Finde netzpolitik.org ist wirklich ein super Blog, den ich sehr gerne lese. Habe deshalb vielleicht hier gerade deshalb etwas schockiert reagiert.

        1. Ich kann da keinerlei Pankimache entdecken. Den ganzen Javaskriptmüll kann ich unterbinden, eine direkt im Browser integrierte API nicht. Diese API macht genau das was man von Google erwartet, sie boykottiert die Bemühungen des Users seine Privatsphäre zu schützen. Es ist ja schön das Du tatsächlich nützliches entdeckst, ich sehe die Gefahr, das einem Seiten wie Bild.de bald nicht nur das blocken von Trackern, und als Nebeneffekt blocken von Werbung verbieten wollen, sondern, wenn sie feststellen das man die Darstellung von Bildern komplett deaktiviert hat, was nebenbei viel mehr Akku spart als wenn Du das nervende blink blink abstellst wenn es nicht zu sehen ist, auch nicht mehr auf ihre Seite lassen.

      2. “ und große Teile heutiger Web-Apps lahmzulegen.“

        Vielleicht wäre das mal ein Ansatz. Immer auch eine einfache Variante bereitstellen, die kein Javascript benötigt.

        1. Kleine Web-Apps vermischen pragmatischerweise Angelegenheiten, da würde es auf doppelten Aufwand inkl. redundanter Logik hinauslaufen. Keine gute Programmierpraxis!

          Organisierte Apps, wo Angelegenheiten getrennt werden, hätten es besser. Viele Teile könnten wiederverwendet werden. Unumgänglich wäre es aber, zwei Frontends zu entwickeln.

    1. „Wer immer noch Google Chrome nutzt, sollte sich also bewusst machen: Primärer Zweck dieses Browsers ist es, das Verhalten seiner NutzerInnen möglichst exakt zu erfassen.“

      Firefox und gut ist.

          1. Der gesunde Menschenverstand sagt, nutze das Internet nicht direkt über deine öffentliche IP. Wenn Du im Wireshark nur deinen Tortraffic sehen kannst, sollte das mit der Privatsphäre halbwegs passen.

  2. „Primärer Zweck dieses Browsers ist es, das Verhalten seiner NutzerInnen möglichst exakt zu erfassen. “
    Primärer ZWeck ist es HTML-Seiten sichtbar zu machen, die mit HTTP heran geholt werden. Die obige Verschwörungstheorie ist unsachlich. Genauso unsachlich wie Open Source sei besonders sicher, weil man ja den Sourcecode selber inspizieren können, die meisten Botnetzangriffe auf IoT-Devices wie Kameras und Kühlschränke oder auch nur auf Router sind auf Linux-System.
    Man kann auch sachlich berichten. Man muss nicht Verschwörungstheorien verbreiten.

    1. Wenn das angesprochene nicht der primäre Zweck wäre, hätte Google kein Interesse daran gehabt und kein Geld darin investiert sowie keine so aufdringlichen Downloadaufforderungen platziert. Wer sich mit Google schon länger auseinander setzt, merkt schnell, dass das Sammeln von Daten oder zumindest Anzeigen von Werbung sich wie ein roter Faden durch alle kostenlosen Google-Produkte zieht.

      Also weg mit Chrome, es gibt genug kostenlose Alternativen, zur Not auch auf derselben Codebasis.

      1. Es ist eine unsinnige Verschwörungstheorie, dass der primäre Zweck eines Browsers „das Verhalten seiner NutzerInnen möglichst exakt zu erfassen“ sei. Der primäre Zweck ist die Verarbeitung von HTML und HTTP. Es mag sekundäre und tertiäre und quartäre Zwecke geben, aber es ist ziemlich dümmlich, zu behaupten, Browser seien dazu da, Nutzer zu beobachten. Das ist kindische Hatespeech und unsachliche Verschwörungstheorie. Unwürdig für seriöse Diskussionen im Bereich Netzpolitik. Das ist genau so dämlich, wie wenn Miriam Meckel von der Wiwo vom Teufel spricht, um die Klickzahlen hochzutreiben, wo selbst der Papst zur Vorsicht gemahnt hat, man möge sich die Hölle nicht als realen Ort vorstellen.
        http://www.spiegel.de/netzwelt/web/miriam-meckel-zur-zeitungsdebatte-die-luecke-des-teufels-a-916134.html
        Für die Jungjournalisten, die aufgrund ihrer Gnade der späten Geburt nicht wissen, was ein Browser ist, sei auch gerne ein Blick auf Wikipedia empfohlen:
        https://de.wikipedia.org/wiki/Webbrowser

        1. „Es ist eine unsinnige Verschwörungstheorie, dass der primäre Zweck eines Browsers „das Verhalten seiner NutzerInnen möglichst exakt zu erfassen“ sei.“

          Kennst Du die Refi Geschäftsmodelle hinter den Browsern so genau, dass Du das beschwören könntest?

          „Ich verschenke einen Browser, um die über diesen gewonnenen Nutzungsdaten verhökern zu können“ wäre ein funktionierendes Geschäftsmodell, oder? ;)

        2. Wer eine Nebennutzung eine Browsers zum Hauptzweck erklärt, ist eher Hassprediger als sachlich. Tim Berners-Lee hatte nie die Beobachtung von Werbeopfern im Sinn, als er Browser entwickelt. Netscape auch nicht. Diese dümmlichen Verschwörungstheorien, um sich interessant zu machen, sind nur dämlich und in hohem Maße unsachlich. Qualitätsjournalismus sozusagen.

          1. „…ist eher Hassprediger als sachlich.“
            „…dümmlichen Verschwörungstheorien…“

            Lesen lernen bildet. Hier geht es um den Chrome Browser. Bei diesem ist das alles andere als eine
            Verschwörungstheorie.

          2. Ja, Lesen bildet. Hättest Du ruhig machen können:
            „Primärer Zweck dieses Browsers ist es, das Verhalten seiner NutzerInnen möglichst exakt zu erfassen. “
            Das ist verwirrte Verschwörungstheorie in kindlichem Populismus. Das ist weder bei Chrom, noch Firefox, noch Internet-Explorer primärer Zweck. Wer so was behauptet, will seine Leser für blöd für seinen Hass verkaufen.

          3. Wolfgang, versuch mal zu begreifen, dass ein Unternehmen wie Google nichts zu verschenken hat und wenn es dir etwas ohne Zahlung überlässt, dann holt es die Kosten anderweitig wieder rein.

            Bei Google zahlst Du immer mit Überlassung Deiner Daten. Das ist deren Geschäftsmodell.

          4. @grauhut
            Deine Verschwörungstheorie mit dem Bezahlen mit Daten ist blanker Unsinn. Google hat ein indirektes Geschäftsmodell: der Nutzer der vielen Dienste wie Suchmaschine, Maps, Earth, Mail, zahlt in den Grundversionen nichts. Freemium bei Maps z.B. (nutzt du wenig, kostet es nichts. Nuzt Du viel, zahlst Du mehr). Erlöse erzählt Google überwiegend von Werbetreibenden, die für ihre Produkte Werbung machen. Das hast Du gezahlt mit Geld (nicht mit dieser blödsinnigen Verschwörungstheorie, dass man mit Daten bezahlen könne in irrationaler Leugnung von Betriebswirtschaft), als Du diese Produkte vorher gekauft hast.
            Google und Facebook nutzten personenbezogene Daten, um Werbung zu allozieren, die die Werbetreibenden glücklich macht, ohne auch nur ein Indiz dafür zu haben, dass die Werbung funktioniert, was sie schon auf Plakaten, im Radio, oder im Fernsehen nicht getan hat: Oder outest Du Dich hier als so blöd, dass man Dir nur Werbung zeigen musst und schon kaufst Du alles blind? Blöd wie die willenlosen Blödköppe, die Cambridge Analytics mit Command and Control über Facebook steuert, wie deren Marketing-Abteilung posaunt? Dämliche Zombies?
            Zu behaupten, man zahle Google mit Daten ist so dämlich und realitätsflüchtend, als wenn man sagen würde, man zahle im Gesundheitswesen mit Gesundheit, weil man das indirekte Geschäftsmodell nicht versteht, dass man mit Geld Beiträge einkommensabhängig zahlt und unabhängig von den Beiträgen Leistungen je nach Krankheit bekommt.
            Ich habe schon bessere Verschwörungstheorien von Dir gelesen, als die dämliche, man können mit Daten bezahlen.
            Bei Google besteht keinZusammenhang zwischen Deiner Nutzung und der Bezahlung durch Dritte. So einfach ist das. Anders als in Deiner Verschwörungstheorie.

    2. Falsch, falsch und falsch.

      1) Das war vielleicht am Anfang mal so. Aber was primär ist und was sekundär, kann sich verschieben – und hat sich verschoben. Ein Handy ist auch nicht mehr primär ein Kommunikationsinstrument – wer das glaubt, ist ein Narr. Es ist heute – primär, Herr Ksoll – ein astreines Kontrollinstrument, mit dem Staat und Privatwirtschaft ihre Schäfchen auf Schritt und Tritt ausspionieren.

      2) Das Argument ist nicht so sehr „Open source ist automatisch bombensicher“ wie „Closed source kann nicht vertrauenswürdig sein“. Wenn der Hersteller etwas vorm Nutzer und der Allgemeinheit zu verbergen hat, dann ist das durchaus ein Sicherheitsmakel.

      3) Ach ja, Verschwörungstheorien. Wer Verschwörungen nicht erkennt, wenn sie ihm auf der Nase herumtanzen (wie Google und die Werbeindustrie), der glaubt wohl auch noch, dass Google eine Suchmaschine ist und an den Weihnachtsmann. Warum nicht der Realität ins Auge sehen und Hypothesen über die Ziele der Verschwörung aufstellen?

      1. Weil er eine Sockenpuppe ist?
        Das ist bei solch, entschuldigung, dümmlichen Posts nicht zu übersehen. Selbst wenn wir die Diskussion OSS vs CSS aussen vor lassen, die er völlig unbegründet bei diesem Thema hier anzetteln möchte. Zu verklären, das das darstellen von Webinhalten bei Chrome nur das Lockmittel ist um die primäre Funktion das ausspionierens irgendwie an das Volk zu bringen, und zu behaupten die ganzen anfallenden Daten seien nur so ein zufälliges Nebenprodukt, das aus lauter Langeweile in gigantischen Rechenzentren genauestens analysiert und aufbereitet wird, ist schon dreist.

    3. Der Zweck stimmt 100%. Google analysiert und misst das Verhalten sehr präzise und sammelt im Hintergund umfangreiche Metadaten. Wenn Sie das technisch nicht nachvollziehen können, so heißt das noch lange nicht das dem nicht so ist. Dafür hat man Forensiktools und dann weiß man auch was Google so alles treibt in Verbindung zum Chromebrowser.

  3. Die IntersectionObserver-API ist lediglich ein vereinfachendes Instrument von etwas, das bisher auch schon möglich war (und bestimmt auch von Werbetreibenden schon genutzt wurde).

    Der Aufwand, das mit bisheriger Technologie zu implementieren ist überschaubar, es kann nur wenn es falsch eingesetzt wird auf unangenehme Weise die Performance einer Seite angreifen, darum ist (aus Entwicklersicht) die IntersectionObserver-API eine sinnvolle Sache, während sie aus User-Sicht im Grunde keinen Unterschied machen sollten, da sie keine neuen Möglichkeiten zur Überwachung bietet.

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