Überwachung

Leipziger Polizei beißt sich am Auslesen von 30 Handys die Zähne aus

Gibt's auch beim LKA und der Polizei in Sachsen: Die Software XRY von Micro Systemation.
Gibt's auch beim LKA und der Polizei in Sachsen: Die Software XRY von Micro Systemation.

Nach einer Spontandemonstration in Leipzig hatte die dortige Polizei im Januar mehrere Hundert Personen eingekesselt. Einige der Demonstrierenden hatten sich der Polizei zufolge des Landfriedensbruchs schuldig gemacht. Weil keine einzelnen Beschuldigten ausgemacht werden konnten, leitete die Polizei kurzerhand Ermittlungsverfahren gegen alle 195 festgestellten Personen ein. Dabei wurden sämtliche gefundene elektronische Geräte einkassiert: 150 Mobiltelefone, drei Laptops, sechs SIM-Karten, vier SD- und zwei Mini-SD-Karten (jene in den Telefonen nicht mitgezählt) sowie drei iPods.

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Bei der Aktion handelt es sich wohl um eine der größte Massen-Beschlagnahmungen von Kommunikationsgeräten bei politischen Versammlungen. Für die Ermittlungsbehörden eine prima Möglichkeit, sich an den unterschiedlichen Geräten mit diverser Auswertesoftware zu versuchen.

13 Betroffene gaben Zugangsdaten heraus

Die Telefone wurden nach einer Anordnung der Staatsanwaltschaft Leipzig durch die Polizeidirektion einer forensischen Spurensicherung unterzogen. Von Interesse war laut der Polizei, ob sich darauf Fotos befänden, aufgrund derer mögliche StraftäterInnen ausfindig gemacht werden könnten.

Im März hatten wir berichtet, dass sich die ermittelnde Polizeidirektion an 63 Handys bis dahin erfolglos versuchte. Neue Zahlen hat nun die Landtagsabgeordnete Juliane Nagel erfragt. Laut der Antwort auf eine Kleine Anfrage konnten noch immer keine Daten aus 30 Telefonen ausgelesen werden. Zu den Gründen macht die Landesregierung keine Angaben, unter Umständen waren die Inhalte verschlüsselt.

Laut der Antwort hatte die Polizei im Verlauf des Jahres mit insgesamt 42 Personen „zur Zugangserlangung Rücksprache geführt“. Demnach hätten 13 Betroffene die Zugangsdaten zu den jeweiligen Geräten freiwillig herausgegeben, offenbar wurden diese danach den BesitzerInnen zurückgegeben. Acht Mobiltelefone befinden sich zur Zeit (Stand: 21. August) „noch in Auswertung“. Zu vier Mobiltelefonen, zwei SIM-Karten sowie vier Filmen analoger Kameras werde die Rückgabe derzeit geprüft.

38 Personen verzichteten trotz schriftlicher Benachrichtigung darauf, ihre Mobiltelefone und einen iPod wieder abzuholen. Weitere acht Mobiltelefone liegen bei der Polizei, weil eine Zustellung der Benachrichtigung angeblich „nicht erfolgreich“ gewesen sei.

Penetrationstester erklärt Auswerteverfahren

Juliane Nagel hat sich auch nach der bei sächsischen Behörden genutzten Auswertesoftware erkundigt. Wie viele andere Polizeibehörden kommt beim Landeskriminalamt sowie drei Polizeidienststellen Software der israelischen Firma Cellebrite zum Einsatz. Neben dieser Standardanwendung nutzen die Behörden Anwendungen von fünf weiteren Anbietern.

Über die technischen Möglichkeiten hatten Andre Meister und Detlef Borchers vergangenes Jahr berichtet. Ein paar mehr Informationen hat kürzlich der „Cybercrime Blog“ der Fachhochschule der Polizei des Landes Brandenburg veröffentlicht. Der entsprechende Beitrag des Penetrationstesters Marko Rogge erschien zuvor in der Printausgabe der Zeitschrift „Der Kriminalist“ und wurde zur Erhöhung der Spannungskurve in fünf Teile gegliedert. Lesenswert ist der Artikel allemal, enthält er doch außer Details zu forensischen Ermittlungstechniken auch Hinweise auf mögliche Schwachstellen der Behörden.

So können Daten zwar unter Umständen von ihren BesitzerInnen aus der Ferne gelöscht werden. Die ErmittlerInnen packen die beschlagnahmten Geräte deshalb allerdings in sogenannte Faraday-Bags, mit denen diese abgeschirmt vom mobilen Netzwerk transportiert werden können. Auch im Labor werden entsprechende Bedingungen hergestellt.

Zerstörtes Display erschwert die Ermittlungen

Laut dem Beitrag gibt es vier gängige Methoden, elektronische Geräte auszulesen. Mit der „Physical Extraction“ wird eine eins-zu-eins-Kopie des Speicherinhaltes erstellt, wobei dank Flash-Speichern auch gelöschte Daten wiederhergestellt werden können. Mitunter funktioniert das aber nur, wenn der Entsperrcode bekannt ist. Klappt das nicht, kann eine „Filesystem Extraction“ vorgenommen werden. Nicht alle mobilen Endgeräte lassen sich laut Rogge auf diese Weise vollständig auslesen. Bei einer „Advanced Logical Extraction“ können bei iOS-Geräten sowohl logisch vorhandene Daten als auch Teile des Systems ausgelesen werden.

Eine „Logical Extraction“ kann schließlich lediglich die vom Benutzer erstellten Daten extrahieren. Dies funktioniert wiederum nicht bei jenen Daten, die von den BesitzerInnen zuvor gelöscht wurden. Deutlich mehr Schwierigkeiten machen bisweilen kaputte Displays:

Oftmals sind Beschuldigte von einer Durchsuchungsmaßnahme so überrascht, dass diese „versehentlich“ ein Mobiltelefon fallen lassen, um es zu zerstören. Häufig geht dabei das Display zu Bruch und es wird schwierig, aus dem Gerät brauchbare Resultate zu erzielen.

Rogge zufolge können in diesem Fall bei vielen Mobiltelefonen oder Smartphones die Hauptplatinen mit den aufgelöteten Speicherbausteinen ausgebaut und in ein anderes Gerät montiert werden. Über diese Datenschnittstelle erfolgt dann die Extraktion.

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45 Kommentare
  1. „Nach einer Spontandemonstration in Leipzig“ wann war diese denn?
    hab in der grundschule mal was gelernt, die 5 W-Fragen: wer? was? wo? wann? warum?

    1. Ach, das war wieder so ein Skandalding, das wie immer niemanden interessiert, wenn Bürgerrechte derart verletzt werden:
      https://netzpolitik.org/2015/leipziger-polizei-mauert-nach-spontandemonstration-beschlagnahmte-150-handys-werden-nicht-herausgegeben
      *
      Weil man die Täter nicht fand, gab es eben (Sippen-)haft für alle. Komisch.. etwas, das man bei den Naziaufmärschen vor Asylantenheimen bisher nicht in Erwägung gezogen hat…
      *
      Den Menschen wird also immer noch ihr Eigentum vorenthalten? Nach so vielen Monaten? Klasse… Dass diverse Leute ihr Eigentum nicht mehr abholen, ist wohl auch der Tatsache geschuldet, was da passiert ist. Diese Leute trauen dem Staat vermutlich nicht mehr über den Weg und wollen mit der Polizei nichts mehr zu tun haben, auch nicht, wenn es nur darum geht, ihr Eigentum abzuholen, das sie ohnehin zwangsläufig schon längst ersetzen mussten. Wer weiß schon, was dort passiert und ob nicht weitere Gewaltanwendung zu befürchten ist? Mal abgesehen davon: Wer würde so einer Hardware noch vertrauen im Zeitalter von Bundestrojanern und ständigen Spionageskandalen?
      *
      Halten wir fest:
      Ein großer Teil dieser Bürgerinnen und Bürger hat keine Straftaten begangen, musste aber dennoch massive Nachteile in Kauf nehmen? Enteignung, Verlust privater Daten, Kosten für weiterlaufende Verträge.
      Was kam denn bisher dabei heraus? Wie viele Täter wurden denn so ermittelt? Und wie viele Geschädigte gibt es?
      *
      Halten wir weiterhin fest:
      Die Handies, die nicht „geknackt“ werden konnten (unglaublich, mit welchem Eifer die Polizei bei der Sache zu sein scheint), werden die Besitzer nicht mehr zurückbekommen, weil diese eingezogen werden. Das ist Standardvorgehen.

      1. > Wer würde so einer Hardware noch vertrauen im Zeitalter von Bundestrojanern und ständigen Spionageskandalen?

        Das war auch mein Gedanke, aber dann dachte ich: Verkaufen?

    1. Genau, Zerstörte Displays reparieren geht nicht… Aber Flashchips auslöten und in ein idetentisches Modell wiedereinbauen funktionieren. Das würde ich gerne sehen…

    1. Angeblich gibt es ja schon bei der Hausverschlüsselung von Android und IOS erhebliche Probleme geben, an den Inhalt zu kommen. Der amerikanische Justizminister hat sich da ja mal kritisch zu geäußert. Ob die – und unsere Behörden da mittlerweile ne Backdoor haben, weiß ich nicht, das schien 2014 jedenfalls noch ein erhebliches Problem zu sein.

  2. Habe den Artikel von Herrn Rogge gelesen und bin erfreut, dass er zur Sicherheit der Apple-Geräte auch nicht mehr zusichern kann, als das was schon vor 4 Jahren von den Herstellern der Extraktionssoftware bekannt war.

    Nämlich, dass ohne Zugriff auf den Computer, bei dem das iPhone synchronisiert wurde oder durch einen Jailbreak (der faktisch nicht mehr machbar ist) kein Zugriff mehr auf die Geräte (ab iPhone 4s) möglich ist. Ich lese ja immer noch die Handbücher der Extraktionssoftwareanbieter, wo das gleiche drin steht: „Für ein Auslesen der Daten auf einem iPhone muss ein Jailbreak vorliegen oder der Sperrcode bekannt sein.“

    Offenbar kann man gegenüber Apple sagen was man will, aber es scheinen die sichersten Mobilgeräte auf dem Markt zu sein. Denn so weit ich weiss wird über Windows Phone, BlackBerry und Android nichts dergleichen geschrieben. :-)

    1. Dann probiert man halt (ob automatisiert durch irgendne Vorrichtung oder nicht) alle 9999 Entsperrcodes durch. Oder gibts‘ > 4S inzwischen auch Entsperrgesten?

      1. Ich glaube Smartphone Besitzer die sich Gedanken um die Sicherheit ihrer Daten machen benutzen keinen vierstelligen Code sondern einen deutlich längeren. Zumal sich die Eingabeversuche auf 10 beschränken lassen. Auf keinen Fall sollte man sein Handy per Fingerabdruck oder Entsperrgesten gegen Fremdzugriff sichern, auch wenn das deutlich komfortabler ist. Zumal es mittlerweile empfehlenswert ist kein Smartphone mit auf eine Demo zu nehmen.

    2. „Nämlich, dass ohne … durch einen Jailbreak (der faktisch nicht mehr machbar ist) kein Zugriff … es scheinen die sichersten Mobilgeräte auf dem Markt“

      Das klingt eher nach Marketing BlahBlubbBlah.
      In der Realität wartet der Angreifer etwas, bis ein Jailbreak, teuer, zu kaufen oder kostenlos im Internet erhältlich ist, was selten lange dauert. Sich auf das nicht vorhanden sein eines Jailbreak des IPhones zu verlassen, ist ziemlich naiv oder berechnend. Dasselbe gilt für Android.
      Datensicherheit auf einem Mobilephone, momentan die Mutter aller Sicherheitslücken(-:, erreicht man nur, bestenfalls, mit der der KOMPLETTverschlüsselung -Schwachpunkt:Passwort und eventuell Krypto-Implementation.

      1. Dir ist schon klar, dass man einen Jailbreak nur installieren kann, wenn man Zugriff auf das Telefon hat, ja? Früher, zu 3Gs-Zeiten hatte ja noch quasi einen Jailbreak drauf. Und es gibt immer noch ein paar Leute die meinen einen zu brauchen. Aber wenn keiner installiert ist, wird die Polizei ohne den Sperrcode auch keinen installieren können.

        Und genau das meinte ich:
        Die Penetrationsexperten brauchen entweder den Code oder einen Jailbreak.
        Einen selber installieren können sie nur, wenn sie den Code haben.
        Ergo = Kein Code + Kein Jailbreak = Unknackbar.

    3. Kostenlose Jailbreaks sind leider recht schnell (3-6 Monate) für aktuelle iOS Versionen verfügbar. Wer sicher gehen will sollte immer das aktuellste Update einspielen auch wenn dieses immer wieder Bugs enthält die sehr nervig sein können. Aber trotzdem sehe ich in iOS aktuell noch das sicherste mobile Betriebssystem, welches einen gewissen Schutz gegenüber Fremdzugriff bietet. Gegen professionelle Angreifer (Geheimdienste etc, die Polizei zähle ich nicht dazu) wird wohl kein Betriebssystem sicher sein.

      1. Zum Installieren des Jailbreaks müsste man ebenfalls den Zugriff erlangen, der ohne Jailbreak nicht möglich ist.

        Habe außerdem die Vermutung, dass mit Jailbreak auch die Installation von SSH mit Standardpasswort gemeint ist – keinesfalls (mehr) selbstverständlich.

  3. @Anyone: Ohne Smartphone auf eine Demo? Wer soll dann die ganzen Videos / Fotos aufnehmen?
    Ich weiß nicht was Du so auf einer Demo alles vor hast, aber wenn man nichts zu verbergen hat, bringt das Smartphone mehr als es schadet.

    1. @pierre…cooler Spruch den Du hier zitierst, „wer nichts zu verbergen hat“……Ich hoffe Du weist von wem dieser Spruch stammt, oder? Wir haben alle etwas zu verbergen. Weist Du wer Joseph Goebbels ist?

  4. Handys lasst ihr am besten zu Hause. Wenn ihr meint, es doch auf der Demo dabei haben zu müssen, seid euch der Gefahren bewusst und versucht sie weit möglichst einzuschränken: keine Rufnummern speichern (speichert die Nummern zu Hause, bzw. an einem sicheren Ort und löscht sie aus eurem Handy), SMS und Fotos löschen und das Herausnehmen des Akkus und der Karte, wenn ihr nicht telefoniert (der einzig sichere Schutz vorm Orten und Abhören), sind hierbei bestimmt keine schlechten Grundregeln. Am sichersten ist es, das Handy in den Auslieferungszustand zurückzusetzen.
    Kameras lasst ihr am besten auch zu Hause. Für Erinnerungsfotos sind Demos nicht der richtige Ort, und das Dokumentieren der Demo und des Polizeiverhaltens sollte besser geübten und gekennzeichneten JournalistInnen oder Demo-BeobachterInnen überlassen werden. Im Falle Deiner Festnahme helfen die Fotos sowieso nur der Gegenseite!

  5. THINK! Das gilt auch für’s Smartphone!w
    Egal ob Androiden, EierPhone oder MS Phonedows!
    Strafe berechtigt für Leute welche ohne Hausverstand operieren, dazu zählen:
    -wer sich selbst bei Sachen knipst mit denen man bei keiner Polizeidienststelle prahlen sollte
    -wer Verbotene, obszöne und abstoßende Videos darauf speichert
    -wer offensichtliche Nachrichten schreibt.
    „Hallo Andreas, wieviel brauchst du?“ (vom leckeren Feenzauberstaub oder von dem grünen Tee oder mach doch mal ne Ausnahme und schone dein schwaches Gehirn etwas. Kostet dich nur 100. -was auch immer!)
    Lasst es doch einfach, dann ist das Thema gegessen. Es gibt andere Wege, aber da müsste man selber denken….ich weiß das ist ein Problem bei Euch!

    Smartphone sauberhalten und Alternativen überlegen!

    1. Es geht doch nicht nur um illegale Daten.
      * Möchtest Du, dass irgendwelche wildfremden fremden Menschen zum Beispiel in den erotischen Fotos von Deiner Freundin herumklicken, sich dabei das Maul zerreissen, lächerlich machen (auch wenn Du es nicht mitbekommst, weil Du ja nicht dabei bist) oder ggf. sogar Privatkopien ziehen?
      * Möchtest Du, dass wildfremde Menschen Deinen Freundeskreis ausschnüffeln?
      * Weißt Du, ob Du oder Deine besten Freunde nicht in irgendeine Datenbank aufgenommen werden, die ihnen später, egal ob in ein, fünf, zehn oder zwanzig Jahren, Probleme bereiten kann oder wird?
      * Möchtest Du, dass wildfremde Menschen Deine privaten Nachrichten lesen, analysieren und evtl. sogar ausdrucken und in irgendwelche Aktenschränke legen?
      *
      Und das alles, obwohl Du mit hoher Vermutung überhaupt NICHTS strafrechtlich relevantes gemacht hast? Einfach nur, weil Du Deine Rechte als Bürger wahrgenommen hast, ein paar Chaoten Scheibe spielten und Du plötzlich für Dritte in die Haftung genommen wurdest?
      Ich glaube nicht.
      Denn das, was die Polizei dort abgezogen hat (wie bei vielen anderen Übergriffen übrigens auch), ist mit rechtstaatlichen Mitteln nur dann zu legitimieren, wenn die Gerichte diese Straftaten und polizeilichen Übergriffe decken. Und das ist ein Problem, das sich immer mehr verschärft. Die Polizei testet immer mehr an, was konsequenzenlos geht und merkt:
      „Hey, wir können praktisch alles machen, außer Leute umbringen. Das ist schlecht. Und niemand niemand nimmt uns dafür in die Haftung.“ – und voila, wie überraschend, genau das tun sie dann auch. Denn der Geschädigte ist IMMER der Verdächtigte. Dann ermittelt man halt gegen 150 Personen, obwohl es nur eine handvoll Täter gibt. Was soll es auch? Kann man doch später einstellen… Die direkten Kosten zahlen die Geschädigten selbst und alle weiteren Ermittlungskosten zahlt der Steuerzahler. Und wenns Geld knapp wird, wird im kommenden Jahr das Budget erhöht und fertig.
      *
      Das kann und darf es nicht sein. Ist aber tägliche Realität geworden.
      Was wurde eigentlich aus diesen über 800 Kinderpornohausdurchsuchungen wegen der FKK-Videos. Gibts da verlässliche Statistiken, wie viele der über 800 verurteilt wurden, weil sie illegales besitzen? Oder hat man da auch 95% Justizopfer generiert, weil die sich eh nicht wehren können?
      *
      Und wie sieht es mit den 150 in diesem Fall aus?
      Wie viele Justizopfer stehen da Verurteilungen gegenüber?

  6. Wer nichts zu verbergen hat, muss nichts befürchten. Aber im Ernst. Wieso aber kann man in diesem Land nicht sicher sein, dass ein beschlagnahmtes Handy nicht verwanzt wird? Bzw. wieso kann die Polizei ungestraft Handys auf bloßen Verdacht mit ihnen -könnten- Straftaten von erheblichen Ausmaß fotografiert oder gefilmt worden sein beschlagnahmen? Wo bleibt da die Verhältnismäßigkeit bei der Ausspähung von privatesten Daten?

    1. Beschlagnahmungen als Beweismittel sind bei einem hinreichenden Verdacht und insbesondere bei schweren Straftaten (Landfriedensbruch) möglich, selbst wenn gegen die Personen, von der beschlagnahmt wird, nichts Konkretes vorliegt. Es geht dabei um die Sicherstellung von Beweismitteln.

      Die Durchsuchung muss richterlich (hilfsweise in Ausnahmefällen staatsanwaltschaftlich) angeordnet werden.

      Ich finde es gut und wichtig, seine Rechte zu kennen und sie auch wahrzunehmen (dazu gehört ggf. auch die Verschlüsselung von Handys und Co.). Genauso wichtig finde ich es aber sich von Straftaten zu distanzieren und keine gemeinsame Sache mit Straftätern zu machen.

      1. Problem ist, dass der Staat sich nicht um Deine Rechte schert, weil „er“ weiß, dass Du Dich nicht dagegen wehren kannst, denn der Staat hat Geld, und Dir geht es irgendwann aus… bzw. Dein Berufs- und Sozialleben leidet enorm darunter.
        *
        Fakt ist:
        Es wurden allen Eingekesselten (schon alleine das ist fragwürdig) die Mobiltelefone abgenommen. Ganz egal, ob die es überhaupt benutzt haben. Es ist wohl nicht davon auszugehen, dass alle 150 Verdächtigten Fotos oder Videos gemacht haben! Trotzdem nimmt man ihnen das Eigentum weg.
        *
        Fakt ist ebenso:
        Wenn die Daten auf dem Handy verschlüsselt sind und die Polizei diese nicht auslesen kann, werden die freundlich um Zugang bitten. Den darfst Du natürlich verweigern, das ist Dein gutes Recht. Ganz egal, ob Du Dich selbst belasten würdest oder nicht. Nur: Wenn Du den Zugriff nicht gestattest, wird Dir die Staatsanwaltschaft einfach das Angebot machen: Ermittlungen werden eingestellt, Handy wird eingezogen, oder Ermittlungen werden auf Biegen und Brechen weitergeführt oder es wird gar mit einem Strafbefehl gedroht, wonach Du dann ggf. vorbestraft bist – oder dagegen in Widerspruch gehst und das Hauptverfahren vor Gericht in Kauf nimmst, inkl. aller Konsequenzen, die sich daraus ergeben können. Auch wenn Du Dich nicht strafbar gemacht hast, kann Dich dieses Druckmittel zerbrechen. Und glaube nicht, dass das selten vorkommt, das Vorgehen ist Standard.
        Am Ende folgt die Einstellung, der Gerät wird ohne vorhandene Straftat eingezogen und die Staatsanwaltschaft kann sich ein Häkchen machen, denn das Ermittlungsverfahren war „erfolgreich“ (Einstellung unter Auflagen wegen Geringfähigkeit).
        *
        Von Straftaten distanzieren kann ich mich auch, ohne vom Staat zuvor wie ein Verbrecher behandelt zu werden. Und wenn ich als Bürger meine Rechte wahrnehme und an einer Demonstration teilnehmer, auf dieser Demonstration eine handvoll Leute Scheibe spielen, dann kann ich dafür nicht in die Haftung genommen werden. Das Neue an der Sache ist, dass man eben doch in die Haftung genommen wird. Und exakt das ist der Grund, wieso ich meine Bürgerrechte nicht wahrnehme und jedweder Demonstration fernbleibe.
        *
        Oder eindeutiger formuliert:
        Ich nehme aus Angst vor dem Staatsterrorismus meine Bügerrechte nicht mehr in Anspruch!
        Das ist ein klarer Verfassungsbruch.
        Und der Vorfall in Leipzig zeigte erneut, dass diesem Staat jegliche Bürgerrechte furzegal sind. Aber keine Sorge, wir wählen sie doch alle wieder, die Mutti! Auf dass es so weitergeht und die Polizei weiter tun und lassen kann, was auch immer sie will. Dort haftet doch keiner, egal was sie tun. Ab und an muss mal ein Bauernopfer fallen, dass die Öffentlichkeit beruhigt ist, und dann gehts weiter wie bisher.
        *
        Durchsuchungsbeschlüsse, Richtervorbehalt… der Durchschnittspolizist hat dabei vor Lachen Tränen in den Augen und weiß genau, dass das alles keinen Bestand hat und es quasi einen Freifahrtsschein gibt. Einfach die Schlüsselwörter in das Verdachtsfeld schreiben und schon wird alles durchgewunken.

      2. „Die ErmittlerInnen packen die beschlagnahmten Geräte deshalb allerdings in sogenannte Faraday-Bags…“ typischer Fall von fortgeschrittener Paranoia. Und die Insulinspritze oder SIM-Karte ohne konkreten Verdacht, und selbst dann, zu beschlagnahmen ist und bleibt verfassungswidrig.

    2. Erstens, wir haben keinen Rechtsstaat mehr ! Natürlich kann man sich nicht sicher sein, ob die Polizei die Datenschleuder nicht manipuliert. Die Polizei ist nur so rechtsstaatlich wie die Politik. Wenn man Glück hat, ist man noch durch die Justiz geschützt (also durch einen Richter) aber auch daran habe ich zunehmend meine Zweifel. Die Politik ist so chaotisch, dass die scheinbare Demokratie ihre eigene Gewaltenteilung nicht mehr kennt oder vielmehr kennen will. Was man auch an vielen gesetzesinitiativen sieht, obwohl ca. 50 % der daran Teilhabenden Juristen sind.Aber wenn man während des Studiums bei Vorlesungen über Staats- und Verafssungsrecht am Fenster gesessen hat, geht halt viel verloren. Oder man vergißt es bewußt und läßt es darauf ankommen. Zum Verfassungsgericht geht ja ohnehin kaum einer, so dass es Politik, aber auch der Exekutive sehr leicht gemacht wird, selbst zum Täter zuwerden ohne das man als Opfer den Beweis für eine
      Täterschaft führen kann. Es gehört schon sehr viel Selbstvertrauen und ein hohes Maaß an Kenntnissen sowie viel Hartnäckigkeit dazu um sich gegenüber Rechtswidrigkeiten der Polzei oder des Staates überhaupt wehren zu können.
      Außerdem muß man gegenüber einer rechtwdrig handelnden Staatsperson immer mindestens 10 Zeugen haben.
      Ist leider meine Erfahrung aus meiner Beobachtung und aus juristischer Praxis. Vor 30 Jahren war das alles noch etwas anders. Da gab es noch in der Politik, in der Justiz und auch in der Exekutive viele Leute, die sich für demokratische Verhältnisse einsetzten. Heute kann man sich das geschwafel von Politikern und auch viele Urteile oder das Handeln der Polizei nicht mehr anschauen, ohne dass es einem schlecht dabei wird. Aber schuld ist unsere Gesamtgeselschaft.
      Wir als Gesellschaft pochen egoistisch auf recht wo wir eventuell kein Recht haben. Wir sind oberflächlich geworden und wachen nur dort auf, wo es uns momentan selbst betrifft, nicht dann, wenn viele andere berits betroffen sind. Wir wehren uns auch nur dann, wenn es uns selbst betrifft. Und wenn es darum geht, der anderen Seite unrechtmäßigkeit zu beweisen, sind viele schon deshalb in ihrer Beweisführung geschwächt, weil sie sich zur eigenen Unrechtmäßigkeit
      provozieren ließen, wenn auch unwissend. Auch an diese Diskrepanz läßt sich erkennen, dass wir keine Demokratie
      mehr haben.

      1. > Erstens, wir haben keinen Rechtsstaat mehr !
        So ein Unsinn! Wenn man schon so blöd anfängt, kann man sich den auch Rest gleich sparen.
        TL;DR

  7. China Handys kaufen!
    Nach Auskunft eines Kriminalbeamten bei der SpuSi hat die Polizei vor allem Probleme beim Auslesen von in China hergestellten Smartphones. Es empfiehlt sich also Huawei und ähnliche…

  8. Viel einfacher. Immer hübsch ein Wegwerfhandy mit einer cleanen Karte mitnehmen. Die wichtigsten Nummern in der Birne und schon steht der Schnüffelstaat auf dem Schlauch.

  9. ganz schön viele dateiformat- und protokollparser in dieser cellebrite software :D ganz schön viel komplexität :D und auch diverse exploits, illegalerweise.

  10. Kommt ein Polizist (manche lachen da schon) …
    beim Zahnarzt (ja, auch das kann passieren) …
    zuspät! (muhahaha!)

    Polizist grinst und zeigt Lücke.

    Sagt der Zahnarzt: „Sie haben ja noch welche!“
    Polizist: „Schon, …“
    Zahnarzt: „aber sie müssen noch viele Handys auslesen …“
    Polizist: „Woher wissen Sie das denn?“
    Zahnarzt: „Ich bin Zahnarzt, und was sind Sie?“
    Polizist: „Ich bin Polizist.“
    Zahnarzt: „Schon klar. Aber sie kommen aus Leipzig.“
    Polizist: „Ja, warum? Aber die Fragen stelle ich hier!“
    Zahnarzt: „Also bitte sehr!“
    Polizist: „Wie viele Kollegen waren schon hier?“

  11. Sehr geehrter Herr Monroy, möchten Sie das Ihr Text komplett gelesen wird? Dann sollten sie auf Binnenmajuskel und unnötiges gegendere verzichten.

    Text und Kommentare ab „BesitzerInnen“ nicht mehr weiter gelesen.

  12. UPDATE
    Leipzig: Ermittlungen gegen mutmaßlich linke Randalierer eingestellt
    Nach gewalttätigen Ausschreitungen im Januar 2015 hat die Staatsanwaltschaft Leipzig den größten Teil der eingeleiteten Ermittlungsverfahren eingestellt. Es bestehe zwar der Verdacht auf Teilnahme an schwerem Landfriedensbruch, die Straftaten hätten den Einzelpersonen aber nicht nachgewiesen werden können.
    http://www.dnn.de/Mitteldeutschland/Polizeiticker-Mitteldeutschland/Leipzig-Ermittlungen-gegen-mutmasslich-linke-Randalierer-eingestellt

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