Die Firma Computer Science Corporation (CSC) und ihr deutscher Ableger CSC Deutschland Solutions GmbH sind in alle großen IT-Vorhaben der Bundesregierung eingebunden, darunter auch die Prüfung des Staatstrojaners FinFisher. Das Buch Geheimer Krieg bezeichnet CSC als „Partnerfirma der CIA“ und widmet der Firma das Kapitel „Kidnapping GmbH“:
Allein in den vergangenen vier Jahren der letzten Regierung unter Angela Merkel zwischen 2009 und 2013 bekam die CSC Deutschland genau 100 Aufträge von zehn unterschiedlichen Ministerien und dem Bundeskanzleramt.
Nach diesen Enthüllungen verkündete das Innenministerium im April eine „No-Spy-Klausel“, die Auftragnehmer verpflichtet, keine Daten an Dritte weiterzugeben. Das Ziel war ganz klar: die NSA und Firmen wie CSC. Offenbar hat das jedoch keinerlei Auswirkungen.
Wir haben zwei interne E‑Mails des Konzerns erhalten, in denen sich das Management von CSC Zentral- und Osteuropa sowie CSC Deutschland bei den Mitarbeiter/innen bedankt: „Trotz der großen Herausforderungen aufgrund der medialen Anschuldigungen seit Herbst letzten Jahres“ verkündet die Geschäftsführung „weitere Erfolge im Public Sector“. CSC freut sich, „weitere Rahmenverträge“ mit sechs bundesdeutschen Behörden abgeschlossen zu haben. Dazu zählen:
- Landeskriminalamt Bayern: Rahmenvertrag neues polizeiliches Vorgangsbearbeitungssystem (IGVPFE)
- Bundeskriminalamt: Rahmenvertrag IT-Dienstleistungen
- Bundesverwaltungsamt: Fachverfahren Elektronisches Personal‑, Organisations- und Stellenmanagement der Bundesverwaltung (EPOS)
- Bundesagentur für Arbeit (BA): Rahmenvertrag Systementwicklung (SE)
- Bundesagentur für Arbeit (BA): Partner der MID GmbH im Rahmenvertrag Systementwicklung (SE)
- Bundeswehr und BWI/HERKULES: Zusammenfassung der gewonnen Rahmenverträge
Das Bundesministerium des Innern bestätigte uns den Vertrag mit dem Bundeskriminalamt. Gegenüber netzpolitik.org erklärte eine Sprecherin von Thomas de Maizière, dass der Rahmenvertrag, den das BKA seit 2012 mit CSC hat, jetzt verlängert wurde. Gefragt, ob dabei die No-Spy-Klausel gilt, sagte sie:
Die No-Spy-Klausel ist Bestandteil eines Einzelabrufs aus dem Rahmenvertrag. Bisher wurde ein Einzelabruf aus dem Rahmenvertrag getätigt, im Einklang mit der No-Spy-Klausel.
Übersetzt heißt das: CSC hat unterschrieben, lieb zu sein. Und die Bundesregierung glaubt das. Also kann man auch weiter Geschäfte machen und sensible Bereiche an die „Partnerfirma der CIA“ outsourcen.
Zur Glaubwürdigkeit solcher Aussagen verweisen wir erneut auf Bruce Schneier von Juli 2013:
Sowohl staatliche Institutionen als auch private Unternehmen haben sich in so viel Geheimhaltung gehüllt, das es unmöglich ist, alles zu überprüfen, was sie sagen. Enthüllung nach Enthüllung zeigt, dass sie uns regelmäßig angelogen haben und nur die Wahrheit sagen, wenn es keine Alternative gibt.
Weder das BKA noch CSC haben auf unsere Anfrage von Montag reagiert. (Update: Ich habe eine E‑Mail von übersehen, es war aber noch keine inhaltliche Antwort drin.)
Update: Jetzt hat uns Philipp Müller, Public Affairs Director von CSC, angerufen. Indirekt hat er die Echtheit der E‑Mails bestätigt:
Wir finden, es gehört nicht zum guten Ton, interne E‑Mails zu veröffentlichen.
Auf die Frage, wie sich die „medialen Anschuldigungen“ bzw. die No-Spy-Klausel auf Aufträge ausgewirkt haben, erklärt er:
Die mediale Berichterstattung hat bei Kunden Probleme gebracht. Dort, wo Entscheidungen für Projekte mit CSC sehr politisch getroffen worden, haben wir Auswirkungen gespürt. Da, wo es hingegen um die Sache ging, haben wir keine Auswirkungen festgestellt. Daraus lernen wir: da wo es politisch ist, müssen wir mehr kommunizieren.
Er fügt hinzu:
Im Jahr zwei nach Snowden braucht es einen authentischen, ernsthaften Diskurs um IT-Sicherheit, der nicht zynisch auf eine Seite zeigt, sondern sich mit den Fragen, um die es geht, auseinandersetzt. Sicherheit erfordert eine multidisziplinäre Kompetenz, die technische, organisationelle, kulturelle, juristische und vertragliche Fähigkeiten zusammenbringt – es gibt keine einfache Lösung. Und wir müssen den Diskurs zu dem Thema auf ein höheres Niveau bringen.
Hier die E‑Mails, die uns anonym zugespielt wurden:
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
bereits zum zweiten Mal in diesem Quartal darf ich Ihnen heute von weiteren Erfolgen im Public Sector berichten. Wir haben es geschafft, trotz der medialen Anschuldigungen seit Herbst vergangenen Jahres, weitere Rahmenverträge bei dem Landeskriminalamt Bayern (BLKA), dem Bundeskriminalamt (BKA) und dem Bundesverwaltungsamt (BVA) abzuschließen. Das sind tolle Nachrichten!
Landeskriminalamt Bayern, Rahmenvertrag neues polizeiliches Vorgangsbearbeitungssystem (IGVPFE)
Als Subunternehmer hatte CSC gemeinsam mit SAP am Vergabeverfahren zur Neuentwicklung des Vorgangsbearbeitungssystems Integrationsverfahren Polizei (IGVP) mit der SAP-Lösung „Investigative Case Management for Public Sector (SAP ICM)“ im letzten Jahr teilgenommen. Nach einem langen und intensiven Verhandlungsverfahren mit dem BLKA konnte sich die Bietergemeinschaft SAP/CSC gegen die Mitbewerber erfolgreich durchsetzen.
CSC wird Unterstützungsleistungen in folgenden Bereichen erbringen: Erarbeitung, Umsetzung und Fortschreibung der Systemarchitektur, System- und Schnittstellenentwicklung, Betriebsüberführung und Betriebsunterstützung sowie Projektmanagement.
Der Rahmenvertrag hat eine Laufzeit von sieben Jahren und kann optional durch das BLKA um jeweils 12 Monate verlängert werden. Das gesamte Auftragsvolumen wird voraussichtlich einen größeren zweistelligen Millionenbetrag erreichen. Für den hohen Arbeitseinsatz danke ich [Namen entfernt].
Bundeskriminalamt, Rahmenvertrag IT-Dienstleistungen
Bereits seit 2012 unterstützt CSC in einem der wichtigsten Rahmenverträge der Inneren Sicherheit das Bundeskriminalamt bei der Weiterentwicklung der polizeilichen Zentralverfahren. Mit einem jährlichen Umsatzvolumen in Höhe von ca. drei Millionen Euro und einem Team von über 25 Personen gehört dieser Rahmenvertrag zu den größten Engagements im Bereich Public Sector.
Wir freuen uns, dass das BKA die erfolgreiche Zusammenarbeit mit CSC fortsetzen wird und die vorgesehene Verlängerungsoption für ein weiteres Jahr beauftragt hat. Danach kann der Vertrag noch einmal um ein weiteres Jahr verlängert werden. Für die Verlängerungsoptionen sind Obergrenzen in Höhe von jeweils 4,7 Millionen Euro pro Jahr festgelegt. Mein herzlicher Dank geht an [Namen entfernt], die durch Ihre konstante, engagierte und kompetente Arbeit diesen Erfolg möglich gemacht haben.
Bundesverwaltungsamt, Fachverfahren Elektronisches Personal‑, Organisations- und Stellenmanagement der Bundesverwaltung (EPOS)
Mit dem Gewinn dieser Ausschreibung ist es CSC gelungen, wieder ein großvolumiges, anspruchsvolles und strategisches Software-Entwicklungsprojekt am Standort Köln zu gewinnen. Der Rahmenvertrag ist darauf fokussiert, das Verfahren konzeptionell weiterzuentwickeln und technisch zu modernisieren. Es liegt damit genau im Fokus unseres zentralen Offerings „AppEdge“.
EPOS ist eines der zentralen Fachverfahren für elektronisches Personal‑, Organisations- und Stellenmanagement der Bundesverwaltung. Es wird durch das Bundesverwaltungsamt entwickelt und betrieben. Das System wird in über 100 Behörden (Bundesbehörden, Landes- und Kommunalverwaltungen) eingesetzt. Der Rahmenvertrag hat eine Laufzeit von sechs Jahren bei einem maximalen Auftragsvolumen von neun Millionen Euro. Gratulieren Sie mit mir gemeinsam [Namen entfernt], die während der Angebotsphase großen Einsatz und tolle Arbeit geleistet haben.
Ich wünsche uns allen weiterhin viel Erfolg!
Herzliche Grüße
[Name entfernt]
This mail has been sent bcc to all employees in Central & Eastern Europe.
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
ich freue mich sehr, Sie heute über die positive Entwicklung des Public Sectors in Deutschland informieren zu können. Trotz der großen Herausforderungen aufgrund der medialen Anschuldigungen seit Herbst letzten Jahres ist es uns gelungen, große Rahmenverträge zu gewinnen. Nachfolgend die Erfolge bei den Kunden Bundesagentur für Arbeit (BA) und dem HERKULES Konsortium BWI.
Bundesagentur für Arbeit (BA), Rahmenvertrag Systementwicklung (SE)
Zum ersten Mal überhaupt konnten wir im übergeordneten Rahmenvertrag Systementwicklung (SE) der Bundesagentur für Arbeit (BA) eine Ausschreibung als Generalunternehmer (GU) gewinnen. Dieser Erfolg ist wesentlich, zumal wir es geschafft haben, uns gegen die bisherigen Vertragsinhaber erfolgreich durchzusetzen.
Der Vertrag bietet uns die einmalige Chance, CSC in neuen Projektmanagementthemen- und ‑rollen in insgesamt vier Erfahrungsstufen in der Bundesagentur für Arbeit zu positionieren und zu etablieren sowie dies auch mit einer besseren Wirtschaftlichkeit zu verbinden.
Der Rahmenvertrag hat ein zu erwartendes Umsatzvolumen von rund 3,6 Millionen Euro bei einer Laufzeit von drei Jahren. Mein besonderer Dank gilt dem Bereich Public Sector Business Consulting. Besonders möchte ich hier [Namen entfernt] nennen, die während des Angebotsprozesses großen Einsatz und tolle Arbeit geleistet haben.
Bundesagentur für Arbeit (BA), Partner der MID GmbH im Rahmenvertrag Systementwicklung (SE)
Bereits zum dritten Mal in Folge ist es uns gelungen, als Partner der MID GmbH – ein mittelständisches Unternehmen aus Nürnberg, welches in der Bundesagentur für Arbeit (BA) etabliert ist – ebenfalls innerhalb des Rahmenvertrags Systementwicklung (SE) Fachanalyse erfolgreich zu sein. Dieser Projekterfolg, bei dem CSC Fachberatung, Anforderungsmanagement und Fachanalyse liefert, bietet uns eine hervorragende Basis, unser Engagement in der BA in den Rollen, die wir bereits seit Jahren besetzen, zu vertiefen und auszuweiten. Der Vertrag hat ein Umsatzvolumen von etwa 4,3 Millionen Euro und eine Laufzeit von drei Jahren.
Bundeswehr und BWI/HERKULES, Zusammenfassung der gewonnen Rahmenverträge
Bei unseren Kunden Bundeswehr und BWI/HERKULES konnten wir in diesem Geschäftsjahr drei neue Rahmenverträge gewinnen sowie die Verlängerung zweier bestehender Rahmenverträge zur SAPEinführung und zur Neuausrichtung der Bundeswehr-IT um ein weiteres Jahr erreichen.
Die Rahmenvertragsverlängerungen umfassen:
- Die Unterstützung bei der SAP-Einführung; Laufzeitverlängerung bis August/2015; potenzielles Abrufvolumen: 1 Millionen Euro
- Die Neuausrichtung der Bundeswehr; Laufzeitverlängerung bis August/2015; potenzielles Abrufvolumen: 5 Millionen Euro
Die drei neuen Rahmenvertragsabschlüsse sind:
- Software-Anforderungs- und Testmanagement; potenzielles Abrufvolumen: 8 Millionen Euro
- Software-Realisierung; potenzielles Abrufvolumen: 9 Millionen Euro
- IT-Projektmanagement; potenzielles Abrufvolumen: 7 Millionen Euro
Mit dem Rahmenvertrag Software-Anforderungs- und Testmanagement werden wir unsere Kunden durch IT-Anforderungsanalysen und mit professionellem Testmanagement unterstützen. Im Rahmenvertrag Software-Realisierung liegt der Schwerpunkt unserer Leistungen in der Entwicklung und Verbesserung von Softwarelösungen sowie in der Umsetzung von Migrationsprojekten. Der Rahmenvertrag IT-Projektmanagement wird es uns ermöglichen, die Kompetenzen von CSC bei der Steuerung und Umsetzung großer IT-Projekte zu positionieren. Hier unterstützen wir unseren Kunden durch Projektmanagement, Change-Management und durch die Übernahme von Qualitätsmanagementaufgaben.
Die Laufzeit der neu gewonnenen Rahmenverträge beträgt jeweils vier Jahre. Wir haben somit eine hervorragende Ausgangsposition, der Bundeswehr in den nächsten Jahren bei ihrer Neuausrichtung als erfahrener Partner zur Seite zu stehen.
Mein besonderer Dank gilt allen Kollegen, die unseren [Name entfernt] im Angebotsprozess hervorragend unterstützt haben. Ich möchte hier insbesondere [Namen entfernt] nennen.
Diese Erfolgsmeldungen im Public Sector zeigen mir einmal mehr, dass wir auch unsere langjährigen Kunden mit unserer Neuausrichtung als ONE WINNING Team überzeugen können.
Herzliche Grüße
[Name entfernt]
