Freihandelsabkommen TTIP/TAFTA: Ökonomischer Nutzen zweifelhaft

IMK-logoDem Titel dieses Blogs entsprechend ging es in der bisherigen Berichterstattung über das geplante Freihandelsabkommen  TAFTA/TTIP zwischen den USA und der EU vor allem um netzpolitisch problematische Aspekte wie Datenschutz, Immaterialgüterrecht und allgemein Transparenz im Verhandlungsprozess. Wenig hinterfragt wurden jedoch die behaupteten ökonomischen Vorteile des Freihandelsabkommens. Diese Aufgabe haben jetzt die beiden Wirtschaftswissenschaftler Jan Behringer und Nikolaus Kowall am gewerkschaftsnahen Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) übernommen.

In einem Report über den „Außenhandel der USA“ (PDF) kommen sie zu dem Schluss, dass

von einem Freihandelsabkommen mit der EU keine kurzfristigen konjunkturellen Impulse für die USA zu erwarten [sind].

Zur Veranschaulichung relativieren Behringer und Kowall die versprochenen jeweils 400.000 neuen Arbeitsplätze für die EU und die USA:

Selbst wenn man unterstellt, dass in den USA ebenfalls 400.000 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen würden, entspräche dies bei aktuell 143 Millionen Erwerbstätigen lediglich einem Beschäftigungseffekt von weniger als 0,3 %. Geht man davon aus, dass die Beschäftigungseffekte im Verlauf der nächsten 10 bis 20 Jahren wirksam werden, ist dieser Effekt marginal.

Generell halten sie die Bedeutung von Freihandelsabkommen für überschätzt:

Wie der rasante Handelszuwachs der USA (und der EU) mit China zeigt, wird die Handelsintensivierung von unterschiedlichen Faktoren getrieben, nicht zuletzt von Nachfragedynamiken und technologischen Aufholprozessen. Die Wirkungen eines Freihandelsabkommens sind verglichen mit diesen makroökonomischen Faktoren sicherlich als zweitrangig einzuschätzen.

Die Welt verweist in ihrem Artikel über die Studie von Behringer und Kowall schließlich sogar auf mögliche negative Auswirkungen des Abkommens:

Henning Klodt, Leiter des Zentrums für Wirtschaftspolitik am Kieler Institut für Weltwirtschaft, will auch negative Auswirkungen des TTIP nicht ausschließen: So habe Mexiko aufgrund seiner Nachbarschaft zu den USA bislang profitiert, weil sich viele Zulieferfirmen, etwa für die Automobilindustrie, in der Nähe der US-Grenze angesiedelt hätten. Mit einem Freihandelsabkommen würde diesen Firmen in Süd- und Osteuropa eine neue Konkurrenz von Zulieferern erwachsen, so Klodt.

Ein Vorteil des Abkommens könne jedoch sein, dass dadurch eine Plattform für die Beilegung von Handelsstreitigkeiten geschaffen werde.

Zusammengefasst zeigt sich, dass die ökonomischen Auswirkungen des geplanten Freihandelsabkommens keineswegs eindeutig positiv sind. Im Gegenteil, zu den netzpolitischen Kritikpunkten im Bereich Datenschutz und Urheberrecht kommen auch grundlegende Zweifel an der ökonomischen Sinnhaftigkeit des Abkommens. Von dem intransparenten Verhandlungsprozess ganz zu schweigen.

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