Digitalkultur

  • : Tracing the Evolution of Social Software
    Tracing the Evolution of Social Software

    Im Weblog „Life with alacrity“ gibt Christopher Allen im Beitrag „Tracing the Evolution of Social Software“ eine interessante Übersicht über die Geschichte von „Sozialer Software“ von 1940 bis heute.

    16. Oktober 2004
  • : Freie Bilder für Alle
    Freie Bilder für Alle

    stock.xchng – the leading free stock photography site enthält über 113.000 freie Bilder, die von mehr als 7000 Nutzern eingestellt worden und frei genutzt werden können. Es gibt unterschiedlichste Kategorien und die Bidler haben meistens eine sehr hohe Auflösung.

    15. Oktober 2004 1
  • : Auf dem Weg zur „World Intellectual Wealth Organisation“
    Auf dem Weg zur „World Intellectual Wealth Organisation“

    Die Genfer Deklaration ist ein eindrucksvoller Schritt hin zur Bildung einer breit angelegten Koalition von Menschen, Organisationen und Ländern , die ein Überdenken der Ziele und Mechanismen zur Gewährung von monopolisierter Kontrolle über verschiedene Arten von Wissen durch die internationale Gemeinschaft fordert. Sie bietet viele konstruktive und konkrete Vorschläge für Veränderungen in den Zielen, der Politik und den Prioritäten der WIPO. Sie gibt vielfältige und einsichtige Argumente für einen Neuentwurf der Copyright- und Patent-Abwägungen, um dem Gemeinwohl der gesamten Menschheit besser zu dienen.

    Wir sind überzeugt, dass neue Antworten manchmal neue Fragen erfordern und nicht eine sorgfältigere Wiederholung der alten Fragen. Eine Weltorganisation für Geistiges Eigentum wird verständlicherweise immer zu der Anwendung der vorgegebenen Werkzeuge der Monpolisierung neigen, die sie als Geistiges Eigentum bezeichnet; einen Begriff, den wir für ideologisch aufgeladen und gefährlich verschleiernd im Bezug auf die erheblichen Unterschiede der durch ihn vereinnahmten Rechtssysteme halten.

    Während sie über eine bessere und möglicherweise gesellschaftlich nachhaltigere Form der Gewährung von eigentumsähnlichen Monopolen über verschiedene Formen von Wissen betrachten kann, wird es der WIPO nicht leicht fallen, einen Blick auf diese alternativen Lösungen zu werfen. WIPO ist nicht, was wir brauchen.

    Wir brauchen eine Weltorganisation für geistigen Reichtum („World Intellectual Wealth Organisation“), verpflichtet der Forschung und Förderung von neuen und innovativen Wegen der Schaffung und Verbreitung von Wissen. Gewährung eingeschränkter Monopole und beschränkter Kontrolle über bestimmte Arten von Wissen mag Teil der Werkzeuge dieser neuen Organisation sein, jedoch nicht das Einzige, und möglicherweise nicht das Wichtigste.

    Wir begrüßen und unterstützen die Genfer Deklaration und laden ihre Verfasser, Unterzeichner und die Vereinten Nationen dazu ein, nicht nur über die zukünftige Rolle der WIPO nachzudenken, sondern auch, was für eine Organisation wir an ihrer Stelle benötigen.

    Unterzeichner: u.a. Free Software Foundation Europe und Netzwerk Neue Medien

    14. Oktober 2004
  • : Indymedia bekommt Server zurück – Aber alles noch immer unklar
    Indymedia bekommt Server zurück – Aber alles noch immer unklar

    Indymedia hat jetzt wohl die Server zurück bekommen, allerdings ist immer noch unklar, was zu der Beschlagnahmung führte. (Golem, Heise und Wired berichten)

    Es ist schon mal sehr ungewöhnlich und stark kritisierungswürdig, dass das US-amerikanische FBI in England einen Server beschlagnahmt, weil Berlusconi-Italien hinter Indymedia Terroristen vermutet und die Schweiz sich beschwerte, dass zwei Bilder von Zivilpolizisten dort mal veröffentlicht worden seien. Vielleicht sind dies aber auch nur „Nebelbomben“ und es gibt einen ganz anderen Hintergrund?

    Noch sind die Server nicht wieder online, da man diese erstmal sorgfältig untersuchen will, wer weiss, was für Backdoors und sonstiges auf einmal in den Tiefen des Systems verborgen sind. Eine Begründung für die Beschlagnahmung gibt es bisher noch nicht, dafür weltweite Proteste gegen das Vorgehen. In den USA hat sich die Electronic Frontier Foundation eingeschaltet und eine Vielzahl von zivilgesellschaftlichen Gruppen und Organisationen, die für Rede- und Meinungsfreiheit sowie das Recht auf Kommunikation eintreten.

    14. Oktober 2004
  • : Berlinux 2004 nächste Woche in Berlin
    Berlinux 2004 nächste Woche in Berlin

    In neuem Gewand präsentiert sich in diesem Jahr vom 22.–23. 10. die berlinux 2004 – Die Berliner Linuxtage. Die berlinux 2004 ist eine Plattform, die Linux sowie Open-Source-Projekte präsentiert. Die Zielgruppen der Veranstaltung sind die Nutzer, welche Linux im beruflichen Umfeld benötigen, und die privaten Nutzer, welche Linux als das ideale Betriebssystem für ihre Bedürfnisse erkennen. In mehreren Hörsälen der Technischen Universität Berlin (TU) sind an zwei Tagen zahlreiche Vorträge geplant. Zusätzlich werden weitere Workshops angeboten, in denen die Schwerpunktthemen der Vorträge vertieft werden.

    Höhepunkte der Berlinux werden die Keynotes von Georg Greve, Präsident der Free Software Foundation Europe und von John „Maddog“ Hall, Präsident von Linux International sein. Ich selbst werde einen Vortrag zum Thema „Freie Software im Einsatz bei Nichtregierungsorganisationen“ halten.

    Der Eintritt ist selbstverständlich frei.

    14. Oktober 2004
  • : Wikipedia-CD zum downloaden
    Wikipedia-CD zum downloaden

    Die deutsche Wikipedia-Sektion hat endlich ein Image der Enzyklopädie auf CD gebannt und bietet diese seit heute zum Download an. Das ganze enthält ca. 130.000 Artikel und mehr als 5000 Bilder.

    Wikipedia

    Das 699 MB grosse ISO-File gibts zum „normalen“ Download bei Freenet.de, viel besser ist allerdings der Download via Bittorrent, was rasend schnell sein soll.

    Lustigerweise kam die Grüne Jugend im Rahmen der copy4freedom-Kampagne vor einem halben Jahr schon auf diese Idee und sie packten eine komprimierte Version der deutschen Wikipedia-Sektion auf eine herunter skalierte Knoppix-CD mit drauf, die ebenfalls über Bittorrent vertrieben wurde.

    14. Oktober 2004
  • : Rede von Felix Stalder zur Peer2Peer Revolution
    Rede von Felix Stalder zur Peer2Peer Revolution

    Ende des vergangenen Monats fand in Berlin eine spannende Diskussion zum Thema „Kompensation oder Kontrolle? Die Musikindustrie nach der MP3-Revolution“ in der Heinrich Böll Stiftung statt, welche vom Netzwerk Neue Medien organisiert und durchgeführt wurde. Eine der Keynotes wurde dabei von Dr. Felix Stalder aus Wien gehalten und diese sehr interessante Rede ist nun auch im Netz verfügbar.

    Hier nur ein sehr kleiner Ausschnitt:

    Das Problem allerdings ist, dass die peer-to-peer Revolution nicht weit genug gegangen ist. Sie hat nur das Distributionsproblem gelöst. Wie bei allen öffentlichen Gütern besteht die Frage: wie sollen die Produzenten für ihren Aufwand kompensiert werden, wenn die Produkte ihrer Arbeit nachher für alle frei zugänglich sind. Das ist das eine Problem: die peer-to-peer Revolution ist auf halben Wege stehen geblieben.

    14. Oktober 2004
  • : Server zur unabhängigen und anonymen Berichterstattung in Groß-Britannien von FBI beschlagnahmt
    Server zur unabhängigen und anonymen Berichterstattung in Groß-Britannien von FBI beschlagnahmt

    Die britische Niederlassung des amerikanischen Internetprovider Rackspace übergab am Donnerstag Morgen die Server dem FBI. Dabei handelte es sich um Rechner des unabhängigen Nachrichtenzentrums Indymedia, auf denen auch Indymedia-Ableger 20 anderer Nationen betrieben wurden, um die eines Anbieter für Radiostreaming und die der Linuxdistribution BLAG. Der Provider gibt zu Gründen der Maßnahme keine Angaben.

    Nachdem amerikanische Institutionen in den letzten Monaten mehrfach unabhängige Medienzentren angriffen, legt Indymedia den Zusammenhang mit einem Vorfall vor zwei Wochen in Frankreich nahe. Bei dem wurde Indymedia Frankreich, die auch über dem beschlagnahmten Server erreichbar war, vom FBI aufgefordert Fotos von zwei schweizer Zivilpolizisten von ihren Seiten zu nehmen. Der Heise-Verlag greift in seinem Newsticker Spekulationen auf, nach dem die Liste der Deligierten des Parteitages der Republikanischen Partei Amerikas oder „ein privater Rechtsstreit“ Grund für die Übergabe der Server an das FBI sein soll.

    9. Oktober 2004
  • : Rückgang von P2P?
    Rückgang von P2P?

    Mythos P2P geht zurueck

    Soviel zum Thema „Filesharing-Zahlen gehen zurück“. Wie ich hier schonmal geschrieben habe, gehen nur die Zahlen von Kazaa zurück. Nicht weil die Musikindustrie gegen Kazaa klagt, sondern weil es mittlerweile einfach bessere Software gibt. Bittorrent ist dabei der grosse Gewinner. Die ganze Studie kann übrigens hier nachgelesen werden.

    9. Oktober 2004
  • : Buch-Verlage fühlen sich von Filesharing bedroht
    Buch-Verlage fühlen sich von Filesharing bedroht

    Passend zur Buchmesse und nur eine Woche nach der Popkomm fühlen sich jetzt nach der Musikindustrie auch die Buchverlage von der digitalen Revolution bedroht. Der Arbeitskreis „Elektronisches Publizieren im Börsenverein“, dem 550 Verlage angehören sollen, hat eine Branchenumfrage gemacht. Und lässt die Ergebnisse über den AP-Ticker verbreiten. Digitale Medien sind natürlich toll und versprechen grosse Gewinne.

    Aber:

    Doch digitale Medien haben auch ihre Schattenseiten: Nach der Musikindustrie sind nun auch die Verlage vom Boom illegaler Tauschbörsen betroffen. «Die Sache ist schlimmer, als wir uns das noch vor ein paar Monaten vorgestellt haben», sagte AKEP-Sprecher Arnoud de Kemp. Inzwischen gebe es Internet-Foren, die sich auf den illegalen Tausch von E‑Books und Hörbüchern spezialisiert hätten. «Das können wir nicht länger hinnehmen. Wir wollen gegen diese Tauschbörsen kämpfen», sagte de Kemp. Der Arbeitskreis Elektronisches Publizieren im Börsenverein besteht seit 1992. Ihm gehören rund 550 Verlage an.

    Interessant ist die Formulierung, dass die „Sache schlimmer ist“, als sie es sich vor ein „paar Monaten vorgestellt haben“. Nun soll es also innerhalb von wenigen Monaten Internet-Foren für Hörbücher geben. Wobei man die Frage stellen darf, wieso sie das mindestens sechs Jahre verschlafen haben? Nun will der Arbeitskreis auch gegen „diese Tauschbörsen kämpfen“. Und auch gegen diese „Internet-Foren“? Und meldet sich jetzt wieder die Filmwirtschaft zu Wort, weil die natürlich auch gefährdet ist, hier aber nicht aufgezählt wird?

    Dann mal schnell alles mit DRM verschliessen und die Communities kriminalisieren, die Hörbücher und e‑Books zu nicht-kommerziellen und privaten Zwecken tauschen. Das dabei Verbraucherrechte wie das Zitatrecht oder das Recht auf Privatkopie beschnitten werden und das Problem nicht gelöst wird, ist dann wohl nur „Kollateralschaden“ auf dem Weg in die Wissensgesellschaft.

    6. Oktober 2004
  • : Wizo geht neue Wege im Musik-Vertrieb
    Wizo geht neue Wege im Musik-Vertrieb

    Wer hätte das gedacht: Wizo, eine deutsche Punk-Band bringt einen neuen Tonträger unter die Leute, wie Golem und Heise berichten. Und es ist keine CD in einem ungewöhnlichen Format und auch keine DVD, nein es ist ein USB-Stick mit 64 MB in Limitierter Auflage und in einem netten Wizo-Design. Und darauf finden sich fünf Songs im 192 KB/s MP3-Format, ein Live-Video-Clip und viel digitales Zusatzmaterial inkl. Gitarren-Noten. Das ganze gibts zum Preis von 15.99 Euro, was zwar soviel kostet wie eine normale CD, aber durch den wiederbenutzbaren Tonträger eine Alternative zum Internet-Vertrieb schafft. Wenn man bedenkt, dass es eigentlich schon seit Jahren bekannt ist, Zusatzfeatures zum eigentlichen Tonträger mit drauf zu packen, um einen Mehrwert gegenüber einer reinen MP3-Datei zu schaffen, so es ist es doch erstaunlich, dass ausgerechnet eine Punk-Band darauf kommt. Oder auch nicht.

    Wenn ich die passende Pressemitteilung auf der Wiso-Homepage richtig interpretiere, geben sie auch die Erlaubnis zum Filesharing:

    Das Geile:
    Alle WIZO-Songs, Fotos, Video usw. kannst Du Dir auf die Festplatte oder sonst wohin kopieren, dann vom WIZO-STICK löschen und anschließend das Teil beliebig oft mit Deinen eigenen Daten bespielen. Zum rumtragen, austauschen, angeben usw.. Und alles was Du brauchst, ist ein USB-Anschluß an Deinem Rechner!

    Jetzt haben viele Punks mal einen Grund, sich einen USB-Stick zu kaufen und mit dem Wizo-Design macht dieser sich auch besser am Schlüsselbund als ein 08/15 USB-Stick zum selben Preis ohne jeglichen Inhalt. Prima Idee und garantiert ohne DRM.

    6. Oktober 2004
  • : IfrOSS-Kommentar zum 2. Korb
    IfrOSS-Kommentar zum 2. Korb

    Das Institut für Rechtsfragen der Freien und Open Source (IfrOSS) hat den vorgelegten Referntenentwurf als erstes kommentiert. Mit der Überschrift „Open Source hui, Verbraucher pfui: Referententwurf zum „Zweiten Korb“ ist eigentlich schon alles gesagt. Positiv zu vermerken sind neue Formulierungen, die die GPL besser schützen. Aber umso lauter wird die berechtigte Kritik:

    Er (Der Referentenentwurf) steht überwiegend im Zeichen der Verwerterinteressen und liest sich über weite Strecken wie ein Sieg der Musik- und Filmindustrien und des Börsenvereins.

    und weiter:

    Der Entwurf ist in seiner Gesamtheit ein gewaltiger Sieg der Industrielobbies.

    Interessant geht es weiter:

    Die Verwerterverbände hatten eine völlige Abschaffung der digitalen Privatkopie gefordert. Man muss sich allerdings fragen, ob diese je realistisch hätte durchgesetzt werden können. Es scheint eher so, dass die Verwerterverbände mit dieser Forderung Verhandlungsmasse schaffen wollten. Das Ministerium hat diesen Ball aufgenommen und stellt die jetzigre Lösung als Kompromiss dar. Es bleibt hierbei ein schales Gefühl. Es zeigt sich einmal mehr, dass die beiden Seiten auf die öffentliche Meinungsbildung mit unterschiedlichen Ressourcen einwirken können.

    Um dann mit folgendem Resumee abzuschliessen, was sehr gut gelungen ist:

    Es scheint so zu sein, dass man den klassischen Urheberindustrien den dringend notwendigen Strukturwandel ersparen will, in dem man ihre zumeist fantasielose Anspruchshaltung gegenüber der Welt des Internet bestätigt und unterstützt. Dies wird auf mittlere Sicht nicht funktionieren. Die „Informationsgesellschaft“ ist ohne Akzeptanz ihrer Bürger nicht möglich. Die gilt auch für das Urheberrecht, welches die Interesse der Beteiligten ausgleichen muss und nicht als Kampfmittel weniger desavouiert werden darf.

    29. September 2004
  • : Workshop: DRM und Alternative Kompensationssysteme
    Workshop: DRM und Alternative Kompensationssysteme

    Im Rahmen der 20. Jahrestagung des Forum InformatikerInnen für Frieden und Gesellschaftliche Verantwortung (FifF e.V. ) vom 30.9.–3.10. in Berlin finden einige spannende Workshops statt, die wir hier gerne vorstellen.

    Andreas Bogk, Chaos Computer Club, Berlin
    Volker Grassmuck, Helmholtz-Zentrum für Kulturtechnik, HU Berlin

    Zeit: Sa, 14:30–18:00, Raum: RUD 26, 1’306

    Kurzfassung:

    Digitales Restriktions-Management (DRM) ist Technologie zur Durchsetzung der Nutzungslizenzen für Inhalte auf den Geräten der Nutzer. Glaubt man der DRM-Branche, so mangelt es ihr nur noch an zwei Punkten: Standardisierung und Akzeptanz. Hört man dagegen auf die Forschungs- und Entwicklungsabteilungen derselben Unternehmen, so erfährt man, DRM sei dumm, nutzlos und zum Scheitern verurteilt. Doch bevor sich diese Erkenntnis – wie zwanzig Jahre zuvor in der Software-Branche – durchsetzt, wird die DRM-Vision weiter Schaden anrichten für Datenschutz, Zugänglichkeit von Information, Schrankenfreiheiten, Langzeitbewahrung, Wettbewerb und Innovation.

    Die digitale Konterrevolution von DRM, Gesetzesverschärfungen und Massenkriminalisierung hat eine Debatte über Alternativen ausgelöst. Im Kern schlägt sie vor, das bewährte System der pauschalvergüteten Privatkopierfreiheit auf das Internet zu übertragen. Dieser gelungene Ausgleich zwischen Freiheit der Nutzer und Entlohnung der Urheber wurde unter der Devise eingeführt: „Vergüten was man nicht schützen kann.“ Wenn mit DRM Inhalte nicht zu schützen und Filesharing-Netze nicht zu verbieten sind, dann muß es auch im Internet heißen: Vergütung ohne Kontrolle.

    27. September 2004
  • : Free Culture Präsentation
    Free Culture Präsentation

    Hier findet sich eine Flash-Präsentation von Lawrence Lessig´s Vortrag zu „Free Culture“ auf der O.Reilly Open Source Conference im vergangenen Juli. (Die Flash-Datei ist 8,4MB gross).

    Die dazugehörige MP3-Datei ist ca. 30min lang und findet sich hier. Und das Transcript der Rede ist hier.

    Natürlich alles steht alles unter den Creative Commons.

    26. September 2004
  • : Zypries: Bis zu 3 Jahre Haft für Filesharing?
    Zypries: Bis zu 3 Jahre Haft für Filesharing?

    Die Computerbild bringt am kommenden Montag in ihrer neuen Ausgabe ein Interview mit Brigitte Zypries, in der sie Stellung zum Thema Filesharing nimmt. Dies berichtet Computerbild mit Auszügen aus dem Interview über den OTS-Ticker.

    Wer künftig beim illegalen Kopieren von urheberrechtlich geschützten Werken (etwa Musik, Kinofilme) aus Internet-Tauschbörsen erwischt wird, riskiert bis zu drei Jahre Gefängnis oder Geldstrafe.

    Für privates. unkommerzielles Tauschen von Musik oder für kommerzielles Kopieren?

    Mit der Neufassung wolle man nicht „die Schulhöfe kriminalisieren“, betonte Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD). „Wir sehen für Bagatellfälle einen Strafausschließungsgrund vor“, erklärte die Ministerin gegenüber dem Magazin. „Damit bleibt insbesondere das Überspielen einzelner Songs aus illegalen Tauschbörsen straflos, wenn dies in geringem Umfang und ausschließlich zu privaten Zwecken geschieht. Wer also den neuesten Robbie-Williams-Song aus einer illegalen Tauschbörse herunterlädt, wird nicht gleich vom Staatsanwalt verfolgt. Er muss aber mit Schadensersatzansprüchen rechnen.“

    Nun mal langsam. Was ist denn bitte schön eine illegale Tauschbörse? Kazaa, eDonkey & Co. können dmait schlecht gemeint sein, denn selbst in den USA sind diese (noch) legal. Ausserdem geht das einzelne herunterladen vom neuen Robbie Williams-Song komplett an der Realität vorbei. Was ist denn bitte schön mit vielen Downloads aus legalen Tauschbörsen? Und was mache ich, wenn ich als rechtsschaffender Bürger zukünftig von lauter Kriminellen jungen Menschen umgeben bin? Muss ich dann den Kontakt zu diesen Menschen beenden, um nicht Teil einer Kriminellen vereinigung zu sein? Ist Filesharing dann zukünftig Organisierte Kriminalität? Und selbst Einzeldownloader des neuen Robbie Williams-Song dürften damit zukünftig den Repressionen der Musikindustrie ausgesetzt sein, was auch zur Überlastung der Justiz führen wird. Wofür? Für das unkommerzielle Tauschen von Musik zu privaten Zwecken?

    Aber was sagte Brigitte nochmal am Anfang: „Wir wollen keine Kriminalisierung der Schulhöfe“.

    Und die Jugend will anscheinend Musik interkulturell und zu nichtkommerziellen und privaten Zwecken tauschen, erleben, mixen, rippen und teilen. Und wird in die Kriminalität gedrängt.

    18. September 2004 1
  • : Nächste Windows-Version mit eingebautem Kopierschutz für Musik
    Nächste Windows-Version mit eingebautem Kopierschutz für Musik

    Microsoft verhandelt mit der Musikindustrie über die direkte Einbettung von Kopierschutzsystemen in die nächste Windows-Version. Dabei handelt es sich wol um das schon länger vermutete DRM-System, welches mit TCPA geschützt werden soll. de.internet.com berichtet aktuell darüber:

    Die Musikindustrie hatte sich mit der Einführung immer umfassenderer Kopierschutztechnologien bei zahlreichen Nutzern unbeliebt gemacht. So ist bereits ein großer Teil der von Major Labels veröffentlichten Musik durch die Restriktionen nicht auf den immer beliebter werdenden portablen Playern nutzbar. Die Schutzfunktionen sollen daher zukünftig von den DRM-Systemen des Betriebssystems übernommen werden, was eine flexiblere Gestaltung der Nutzungsrechte ermöglichen würde.

    Das gute daran ist:

    In der Linux-Community wird die Musikindustrie hingegen kaum eine Chance haben, ihre Kopierschutztechnologien zu verankern.

    Damit dürfte der Run auf Linux spätestens mit der nächsten Windows-Version einsetzen, wenn die Nutzer kapieren, dass ihre ganze Musik nicht mehr abgespielt wird. Denn es gibt eine Alternative…

    18. September 2004 1
  • : Open Spectrum International vorgestellt
    Open Spectrum International vorgestellt

    Auf der Freifunk Summer Convention in Djursland/Dänemark wurde die neue Initiative „Open Spectrum International“ vorgestellt. OSI wird gefördert vom OSI (in diesem Fall dem Open Society Institute von George Soros), hat seinen Sitz in Prag und die Ziele sind u.a.:

    Open Spectrum has grown into a „free speech“ movement for the era of media convergence. However, outside the United States, it is still not well known. More and more countries accept Wi-Fi without requiring end-user licenses. But a deeper reconsideration of the role of licensing in wireless communications has barely begun.

    OSInt hopes to promote international awareness of Open Spectrum as a practical and desirable option, especially in emerging democracies and less-developed countries. Gathering and translating the best of the OS literature, participating in foreign regulators’ public consultations, organizing workshops and conferences, developing this website as a resource, and working with transnational policymaking institutions – these are our initial plans.

    14. September 2004
  • : Und mehr Gegenthesen, diesmal von Volker Grassmuck…
    Und mehr Gegenthesen, diesmal von Volker Grassmuck…

    Hier jetzt noch die Reaktion von Volker Grassmuck (Privatkopie.net) auf die „7 Thesen“ von Phonoverbands-Chef Gerhard Gebhard:

    G: (Gerhard Gebhard)
    V: (Volker Grassmuck)

    G:1. So wie niemand gegen seinen Willen gezwungen werden kann, sein Fahrrad zu verkaufen, entscheiden auch Musiker und Musikfirmen darüber, ob, von wem und zu welchen Bedingungen ihre Musik genutzt wird. Eine „Kulturflatrate“ wäre eine Enteignung der Rechteinhaber

    V:1. Korrekt. Die Kulturflatrate wäre eine „Enteignung“, so wie die Privatkopierfreiheit, die Bildungsprivilegien, die Zwangslizenz für Tonträger oder das Kabelweitersendungsrecht es heute sind. Das ist also gar kein Skandal, sondern einerseits das, was das Grundgesetz mit der Gemeinwohlbindung des Eigentums vorschreibt und andererseits, was sich als pragmatische Lösung immer wieder bewährt hat. Natürlich können Musiker – oder bislang doch wohl eher Musikfirmen – weiter darüber entscheiden, wie ihre Musik genutzt wird, nur eben nicht schrankenlos. Und wer Fahrräder und Information in einen Topf wirft, will uns zu Verbrauchern machen, von etwas, das sich durch seinen Gebrauch ja gerade nicht verbraucht.

    G:2. Für die Umsetzung einer „Kulturflatrate“ im Internet fehlt die Rechtsgrundlage. Künstler haben heute zum Glück ein Exklusivrecht, dessen Abschaffung langwierige Diskussionsprozesse und schließlich die Änderung aller nationalen Urheberrechtsregelungen voraussetzt – kaum durchsetzbar.

    V:2. Über die Rechte der Künstler zu sprechen, wäre sehr notwendig. Die sollten dann aber selbst sprechen. Dass es keine Interessenidentität von Künstlern und Medienunternehmen gibt, wird klar wenn die rechtliche Sicherung einer angemessenen Vergütung für die Urheber von den Verwertern bis aufs Letzte bekämpft wird, wenn BMG 80 % seiner Künstlerverträge kündigt, wenn die Majors in den verbliebenen Verträgen jetzt auch Einnahmen aus Konzerten und Merchandizing von den Künstlern beanspruchen und wenn sie von den Urhebern das Doppelte aus den Pauschalvergütungen fordern. Ein absolutes Exklusivrecht haben Rechteinhaber, wie gesagt, ohnehin nicht. Und, ja, die digitale Revolution erfordert selbstverständlich lanwierige Diskussionsprozesse. Ein technischer Quick-Fix, unlilateral verhängt und vom Gesetzgeber pauschal mit Sonderschutz versehen, ist auf jeden Fall nicht die Lösung.

    G:3. Mit einer „Kulturflatrate“ hätten legale Onlinedienste keine Chance mehr. Mehr als 20 legale Musikangebote allein in Deutschland müssten schließen. Hier würde einer Branche die Zukunft endgültig beschnitten.

    V:3. Von 20 legalen Musikangeboten in Deutschland sind 19 so schlecht, dass sie auch ohne Kulturflatrate keine Zukunft haben. Der einzige, der als Erfolg gefeiert wird, weil er aus dem Stand zwei Drittel des (Nicht-)Marktes holte, ist Apples iTunes Music Store. Es verwendet ein nominelles DRM, das nicht verhindert, dass Stücke in kürzester Zeit in Filesharing-Netzen auftauchen. Diese sind, wie die jüngsten
    Gerichtsurteile zeigen, nicht zu verbieten. Das Tauschen wird also weitergehen. Ihre Industrie, Herr Gebhardt, kann also weiter auf die untaugliche aber gleichwohl schädliche und kostspielige Strategie von Technologie und Terror setzen oder sie kann beides sein lassen und für legalisiertes Filesharing Vergütung kassieren. Einen effizienteren Onlinedienst als 100 Millionen, die selbstorganisiert und ‑bezahlt Musik
    vertreiben, kann es gar nicht geben. Was fehlt, ist die Zulässigkeit und die Vergütung.

    G:4. Eine „Kulturflatrate“ ist ungerecht. Erna Müller aus Mülheim nutzt ihren Internetzugang nur, um ihrer Enkelin Nadine in Stuttgart regelmäßig Grüße zu senden. Warum soll sie jedes Jahr 60 Euro für etwas zahlen, das sie nie nutzt? Mehr als 30 Millionen Internetnutzer in Deutschland haben nie Musik aus dem Internet gesaugt. Eine pauschale Vergütung nutzt nur den heutigen Musikpiraten und bittet unbeteiligte Bürger zur Kasse.

    V:4. Korrekt. Jede Pauschale bedeutet, dass einige weniger zahlen als sie nutzen, andere mehr. Das ist so bei Rundfunkgebühren, Monatskarte oder all-you-can-eat. Mit geeigneten Staffelungen läßt sich der Effekt abfedern. Ein System, bei dem jeder exakt das bezahlt, was und in welchem Umfang er es nutzt, ist vorstellbar. Doch um welchen Preis? Datensammelei ungekannten Ausmasses, Kontrollverlust über Endgeräte, Beschränkung von technologischer Innovation und Wettbewerb. Warum sollen 30 Millionen Internetnutzer, die nie Musik gesaugt haben, unter technischen
    Einschränkungen leiden? Gerechtigkeit läßt sich nicht allein in Euro aufrechnen. Legt man andere Werte, wie die informationelle Selbstbestimmung und die Potentiale einer offenen Wisseninfrastruktur mit in die Waagschale, sieht die Gerechtigkeitsbalance ganz anders aus.

    G:5. Zur Verteilung der pauschalen Vergütungen schlägt der Harvard-Professor Terry Fisher eine gigantische supranationale Behörde vor, die in jedem Staat über Marktforschung feststellt, was überhaupt herunter geladen wird, damit anschließend auch gerecht verteilt werden kann. Dass die Anarchie des Netzes nun ausgerechnet durch eine Superbehörde heute noch ungekannten Ausmaßes transparent werden soll, sieht eher nach einem Treppenwitz von Bürokraten als nach einer praktikablen Lösung aus.

    V:5. Fishers Modell ist eines von mehreren vorgeschlagenen. Dafür stand ihm mit dem US-Copyright Office eine Behörde Pate. In Kontinentaleuropa wäre eine Verwertungsgesellschaft naheliegend. Die Electronic Frontier Foundation hat den Rechteinhabern vorgeschlagen, sich freiwillig zusammenzuschließen, um ihre Rechte kollektiv wahrzunehmen. Fisher schlägt nicht Marktforschung, sondern Messung von Downloads und Nutzungen vor. Das wäre ein ungleich präziseres Verfahren für eine Verteilung als heute. Die systematische Verzerrung zugunsten der Top-Titel, die im Radio gespielt werden, wäre beseitigt. Überläßt man der Anarchie des Marktes das Feld, kommen andere Werte als der Profit unter die Räder. Selbstverständlich
    wird es ohne eine Sicherung der öffentlichen Interessen, ohne „Bürokraten“ nicht gehen.

    G:6. Welche Höhe die pauschalen Vergütungen haben sollen, ist völlig offen. Im Internet ist Musik nicht das einzige urheberrechtlich geschützte Gut; Filme, Fotos, Texte und weitere Werke kommen hinzu. Sollen die auch alle pauschal vergütet werden? Welche Höhe ist dafür angemessen?

    V:6. Korrekt. Alle Urheberrechtsvergütungen sind derzeit offen. Nicht nur die für den PC und die anderen Tarife, die gerade vor der Schiedsstelle liegen, sondern das ganze System, nach dem Vergütungstarife ausgehandelt werden. Das neu zu regeln, ist eines der Hauptziele des zweiten Korbs. Gleich, welches Verfahren dabei herauskommt, es wird alle betroffenen Parteien und hoffentlich auch die Nutzer einbeziehen, es wird Verhältnismäßigkeit, empirisch erhobene Nutzungsgewohnheiten, Praktikabilität und Gerechtigkeit berücksichtigen müssen und es wird schwierig werden. Nicht anders würde auch die Kulturflatrate ausgehandelt werden.

    G:7. „Tauschbörsen“ im Internet enthalten fast ausschließlich illegale Musikangebote. Anstatt vorzeitig zu kapitulieren, muss der Kampf gegen Musikpiraterie im Internet mit allen rechtlichen und technischen Mitteln geführt werden. Und er ist keineswegs aussichtslos; erste positive Wirkungen sind schon eingetreten.

    V:7. Auf dem sinkenden Schiff, umgeben von lauter „Piraten“ wähnen Sie sich also in einen „Kampf mit allen Mitteln“. Mit den positiven Wirkungen meinen Sie vermutlich den Anstieg der CD-Absätze in UK und USA und den rasanten Zuwachs des Online-Musikmarkts in Deutschland um 25 Prozent pro Woche. Interessanterweise steigen gleichzeitig auch die Zahlen der Filesharer und der CD- und DVD-Brenner. Das wirft in der Tat ein interessantes Licht auf Ihre Behauptung, Brennen und Tauschen seien schuld an den vorangegangenen Einbußen. Wenn Sie die Kriegsfantasien vom „Kampf mit allen Mitteln“ gegen Ihre Kunden, bei dem nur Verlierer geben kann, aufgeben und sich stattdessen in einen sachlichen Dialog mit ihnen begeben, werden Sie feststellen, dass eine Kulturflatrate für alle eine faire Sache ist.

    V:Fazit
    Die Zukunft des Musikgeschäfts liegt darin, dass – wie bisher auch – für Musik gezahlt wird. Wer hört, zahlt – wer nicht hört, zahlt nicht. Digitale Technologien bieten ja gerade die Möglichkeiten individueller Abrechnung, die es zu nutzen gilt. Pauschale Vergütungen sind nur da nötig, wo individuelle Abrechnungen unmöglich sind, wie z.B. bei der analogen Kopie aus dem Radio.

    … oder der digitalen Kopie aus dem Filesharing-Netz.

    Sie sehen, Herr Gebhardt, auf alle Fragen gibt es Antworten. Das Wichtigste ist, dass das Gespräch über Alternativen zu digitalem Stacheldraht und Kriminalisierung begonnen hat.

    10. September 2004
  • : Antwort auf Gerd Gebhardt wegen Musikflatrate
    Antwort auf Gerd Gebhardt wegen Musikflatrate

    Fairsharing hat Gegenthesen zu Gerd Gebhardts „Antithesen“ (Ich berichtete) aufgestellt und Spiegel hat das ganze veröffentlicht: „Antwort auf Phonoverband – Sieben Thesen zerlegt.“.

    Tonspion hat dankenswerterweise die ganzen Thesen übersichtlich gegeneinandergestellt und endet mit dem Fazit:

    Die öffentliche Auseinandersetzung verschafft einen Einblick in die Argumente beider Interessensvertreter. Zur Zeit scheinen alle Beteiligte – vor allen Dingen auch die Konsumenten – mit der Situation unzufrieden, und allein dieser Umstand rechtfertig es mit Sicherheit, über neue Systeme wie beispielsweise eine Musikflatrate nachzudenken.

    10. September 2004
  • : Eckpunkte zum neuen Urheberrecht
    Eckpunkte zum neuen Urheberrecht

    Gestern wurde im Bundesjustizministerium in Berlin ein Eckpunktepapier zum „2. Korb“ der Urheberrechtsnovellierung vorgestellt. Beim Pressehintergrundgespräch mit Justizministerin Brigitte Zypries gabs kleine Croissants und Kaffee, dazu eine gute Stunde Unterhaltung. Die Lobbyisten der Gerätesteller (Bitkom & Co) waren ebenso da, wie die Film- und Musiklobbyisten und auch wir hatten einige Fragen. Meine Frage war ja, was ich denn als Konsument machen könnte, um an die neue Madonna-CD zu kommen. Also schilderte ich meine Erlebnisse mit Kopierschutz und kommerziellen Angeboten. Auf den Hinweis, dass ich die kopiergeschützten CDs nicht in meinem Computer abspielen könnte, ich also keine kopiergeschützten kaufen würde (Was will ich denn sonst damit), aber trotzdem vielleicht Madonna hören wollen würde, erklärte mir Frau Zypris, ich könne mir ja einen CD-Player kaufen. Aber was will ich mit einem CD-Player, wenn ich gute Boxen an meinem PC habe? Als ich dann meinte, dass ich als Linux-Nutzer keine kommerziellen Shops aufsuchen könnte, weil für Linux die DRM-Software jeweils nciht angeboten würde, meinte sie, dass ich mir das doch dnn selber programmieren könnte, worauf ich sie hinweisen musste, dass das wegen der Urheberrechtsgesetzgebung leider unter Strafe stehen würde. Helfen konnte mir da keiner vom BMJ und ich wurde an die Wirtschaft verwiesen.
    (Hallo Wirtschaft, eventuell will ich mir das nächste Madonna-Album anhören, ich mag aber keinen Kopierschutz und ich habe Linux – tut was. Übrigens mag ich auch keine verkrüppelte DRM-Dateien, die keinen offenen Standards entsprechen.)

    Der Ablauf zum „2. Korb“-Verfahren sieht nun so aus, dass nächste Woche der Referentenentwurf erstmal ins Kabinett soll und dann durch die Ministerien zirkuliert. Das Justizministerium will seine Gesprächsreihe „Geistiges Eigentum im Gespräch“ in München im Dezember fortsetzen und dann auch die parlamentarische Debatte eröffnen. Beschlossen werden soll vor „Zweites Halbjahr 2005“ nichts und dann steht auch schon der „3. Korb“ an, vermutlich ist damit die Umsetzung der umstrittenen „IP Enforcement Directive“ gemeint, die das Europäische Parlament im Frühjahr beschlossen hat.

    Das vorgestellte Ecpunktepapier enthielt erwartungsgemäss keine positiven Überraschungen, bis auf die Tatsache, dass auf ein Auskunftsrecht verzichtet wurde, was Rechteinhabern erlauben würde, ohne die Hürde „Staatsanwalt“ direkt an die Daten von Filesharing-Nutzern heran zu kommen. Das wäre unverhältnismässig, man wolle auch keine „Kriminalisierung der Schulhöfe“ – ganz meine Meinung. Wir werden Frau Zypris nochmal bei der Umsetzung der „IP Enorcement-Richtlinie“ daran erinnern. Dieselbe Kritik hatten wir schon bei der Verabschiedung vorgetragen, die genau das enthält.

    Das Recht auf Privatkopie bleibt erhalten, aber nur auf dem Papier. Wenn Kopierschutz dabei ist, gibts keine Privatkopie. Das konnte natürlich nicht ohne Kritik bleiben, denn nur ein durchsetzungsstarkes Recht auf Privatkopie stärkt Verbraucherrechte und muss nicht unbedingt schlecht für die Wirtschaft sein. Zufriedene Kunden gleich zahlende Kunden. Und unzufriedene Kunden weichen gerne in die komfortablen und leicht zu bedienenden Filesharing-Börsen aus. Was zu dem Thema im Eckpunktepapier drinne steht, ist umstritten, Frau Zypries und ihr Ministerialdirigent waren sich darüber bei der Pressekonferenz auch nicht ganz einig. Hier wird man mal schauen müssen, wie der genaue Wortlaut des Referentenentwurfs sein wird.

    Im übrigen fordert die CDU-Fraktion in Person des Abgeordneten Krings genau das Gegenteil von uns. Nämlich ein Auskunftsrecht und gar kein Recht auf Privatkopie. Zum Glück sind die nicht an der Macht, wenngleich durch den Bundesrat leider nicht unbeteiligt.

    10. September 2004